Umgestaltung Hauptstrasse und Ortszentrum Reinach: Zeitinsel mit Lichtsignalanlage an der Tramhaltestelle Reinach Dorf

06.02.2009
An der  Tramhaltestelle Reinach Dorf sollen der motorisierte Verkehr und der Fahrradverkehr bei wartendem Tram wie bisher mit einer Lichtsignalanlage aufgehalten werden (sogenannte Zeitinsel mit Lichtsignalanlage. Der Regierungsrat hat sich heute für diese Lösung entschieden und sechs zusätzlich untersuchte Varianten verworfen. Für den Regierungsrat war entscheidend, wie den Sicherheitsbedürfnissen der Fussgängerinnen und Fussgänger (Trampassagiere), der Motorfahrzeuglenkenden und der Velofahrenden insgesamt am besten Rechnung getragen werden kann. Beim Entscheid wurden auch die Anliegen der Behinderten mit einbezogen. Regierungsrat Jörg Krähenbühl, Vorsteher der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), ist für dieses Geschäft in den Ausstand getreten.  
 
Der Kanton Basel-Landschaft und die Gemeinde Reinach beabsichtigen, die Hauptstrasse im Ortszentrum von Reinach zu sanieren und umzugestalten. Ein Bestandteil dieses Projekts ist die Tramhaltestelle Reinach-Dorf. Für deren Umgestaltung sind verschiedene Varianten erarbeitet worden.
 
Aufgrund einer möglichen Befangenheit von, Regierungsrat Jörg Krähenbühl hat der Regierungsrat am 5. März 2008 beschlossen, die Federführung für das Geschäft "Umgestaltung Tramhaltestelle Reinach -Dorf" von der BUD an die Justiz-, Polizei- und Militärdirektion (heute: Sicherheitsdirektion/SID)  zu übertragen.
 
Die SID entschied Ende März 2008, die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) mit der Ausarbeitung eines Gutachtens zu den vorliegenden Varianten für die Tramhaltestelle Reinach-Dorf zu beauftragen. Das Gutachten sollte die Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten untersuchen und gestützt darauf Empfehlungen für das weitere Vorgehen abgeben.
 
Die bfu kommt in ihrem Gutachten zum Ergebnis, dass vier der sieben Varianten nicht geeignet sind und nicht empfohlen werden können. Hingegen empfiehlt die bfu, drei Varianten - Haltestelle am Fahrbahnrand, Kaphaltestelle und Zeitinsel mit Lichtsignalanlage (siehe Kasten unten) - weiter zu verfolgen und wenn möglich zu optimieren.
 
Aus der Beurteilung der bfu schliesst der Regierungsrat, dass die drei empfohlenen Varianten grundsätzlich als gleichwertig zu beurteilen sind. Insgesamt kommt er zum Ergebnis, dass die Variante Zeitinsel mit Lichtsignalanlage zu bevorzugen ist. Die Varianten Haltestelle am Fahrbahnrand und Kaphaltestelle schneiden zwar in nahezu allen Belangen ebenfalls gut ab, sie haben aber für den Zweiradverkehr, der gerade in einem Ortszentrum aufgrund seines beträchtlichen Anteils am Verkehrsvolumen bedeutsam ist, ein gewichtiges Risikopotential mit relativ hoher Eintretenswahrscheinlichkeit. Wenn sich das Risiko realisiert (Sturz eines Velofahrers im schmalen Bereich von 70 cm zwischen Schiene und Perronkante, Kante 20 cm hoch), können die gesundheitlichen Folgen gravierend sein. Der Regierungsrat ist nicht bereit, die Zweiradfahrer diesem erheblichen Risiko auszusetzen.
 
Der Regierungsrat hat darum beschlossen, die Variante Zeitinsel mit Lichtsignal weiterzuverfolgen. Dabei sollen Optimierungsvorschläge näher geprüft und gegebenenfalls in das Bauprojekt integriert werden. Die bfu regt bei dieser Variante an, den Fahrstreifen zu verbreitern. Weiter sollte als Optimierung auf die Parkplätze bei der Hauptstrasse Nr. 33-39 verzichtet oder eine andere Anordnung geprüft werden, so dass keine Rückwärtsmanöver mehr möglich sind. Dadurch würde ein möglicher Konflikt zwischen wartenden Trampassagieren und parkierenden Personenwagen entfallen.
 
Mit dem Entscheid des Regierungsrats über den Haltestellentyp bei der Tramhaltestelle "Reinach-Dorf" ist ein wesentliches Zwischenziel in der Weiterentwicklung des Projekts erreicht. Die Sicherheitsdirektion behält die Federführung, zieht aber für die Ausarbeitung des konkreten Bauprojekts die Fachleute der Bau- und Umweltschutzdirektion bei. Die Sicherheitsdirektion wird über das Bauprojekt beschliessen, danach aber das Geschäft für das weitere Verfahren, welches mit der Planauflage fortgesetzt werden soll, an die Bau- und Umweltschutzdirektion zurückgeben. 
 
Die drei im Gutachten empfohlenen Varianten im Überblick
 
Bei Haltestellen am Fahrbahnrand werden die Gleise an die Perronkante herangeführt.
 
Bei Kaphaltestellen wird die Perronkante an die Gleise herangeführt, das Perron bildet so ein hervorstehendes Kap. Dadurch muss der übrige Verkehr halten, wenn das Tram an der Haltestelle steht.
 
Bei Zeitinseln wird der Verkehr hinter dem an der Haltestelle wartenden Tram mit einer Lichtsignalanlage aufgehalten. Im Gegensatz zu den Kaphaltestellen und zu den Haltestellen am Fahrbahnrand ist dieser Haltestellentyp keine Fahrbahnhaltestelle. Der Verkehr fährt auf einem separaten Fahrstreifen an der Haltestelle vorbei und nicht über die Gleise durch die Haltestelle. Zeitinseln mit Lichtsignalanlagen haben vor allem für den Fahrradverkehr vorwiegend Vorteile, da kein Konflikt mit den Gleisen entsteht.
 
Auskunft:
Stephan Mathis, Generalsekretär der Sicherheitsdirektion, Tel. 061 552 57 02
[email protected]
 
Bericht:
Technisches Gutachten der bfu