Polizei BL: Kriminalstatistik 2011 / Verkehrsunfallstatistik 2011

11.04.2012
  • Anzahl Verkehrsunfälle so tief wie seit 36 Jahren nicht mehr, aber mehr Tote und Schwerverletzte
  • Drei Prozent weniger Straftaten / Erneut leichter Rückgang der Einbrüche

  • Die Polizei Basel-Landschaft hat am Mittwoch, 11. April 2012, im Rahmen einer Medienkonferenz ihre Kriminal- und Verkehrsunfall-Statistiken für das Jahr 2011 präsentiert. Die Bilanzen fallen überwiegend positiv aus.

    Auf den Strassen des Kantons Basel-Landschaft ereigneten sich im Jahr 2011 neun Prozent weniger Verkehrsunfälle als im Jahre 2010. Die Anzahl der Verkehrsunfälle (1180) entspricht dem tiefsten Wert seit 1975, also seit 36 Jahren. In der gleichen Zeitspanne hat sich die Menge der immatrikulierten Motorfahrzeuge verdoppelt. Rückläufig war auch die Anzahl Verkehrsunfälle auf Fussgängerstreifen. Trotz den rückläufigen Unfallzahlen forderten die Verkehrsunfälle mehr Tote und Schwerverletzte.

    Aus der Kriminalstatistik 2011 für den Kanton Basel-Landschaft geht hervor, dass der Kanton BL nach wie vor ein sicheres Pflaster ist. 2011 ging die Anzahl Straftaten insgesamt um drei Prozent zurück. Die Wahrscheinlichkeit, im Kanton BL Geschädigte/r eines Deliktes zu werden, liegt unter dem nationalen Durchschnitt; auch in allen umliegenden Kantonen liegt dieser Wert höher.

    Wie schon 2010 ging die Anzahl der Einbrüche auch im Jahr 2011 wieder leicht zurück, Gewaltdelikte gab es sogar elf Prozent weniger. Zugenommen haben – nach einem überdurchschnittlichen Rückgang im Vorjahr - durch Jugendliche begangene Delikte; in diesem Bereich besteht weiterhin Präventionsbedarf. Dauerbrenner sind Taschen- und Trickdiebstähle sowie Fälle Häuslicher Gewalt.

    Der Baselbieter Polizeikommandant Daniel Blumer wies an der Medienkonferenz am Mittwoch, 11. April 2012, in Liestal darauf hin, dass der Kanton Basel-Landschaft gemessen an der Kriminalitätshäufigkeit (Straftaten pro 1000 Einwohner) weiterhin der am wenigsten mit Delikten belastete Kanton der Nordwestschweiz ist (46,9 Delikte pro 1000 Einwohner). Gleichzeitig ist aber Basel-Landschaft gesamtschweizerisch der Kanton mit dem proportional höchsten Anteil von Einbrüchen an der Gesamtkriminalität. In diesem Kontext will die Polizei Basel-Landschaft ihren Fokus inskünftig noch vermehrt auf die taktische Einbruchsprävention richten, und zwar mit der Einführung der Uniformpolizei 2012.

    Daniel Blumer präsentierte vor den Medien diverse, zum Teil bereits umgesetzte Massnahmen, welche in den kommenden Monaten zu einer Verbesserung der Aufklärungsrate führen sollen. Damit die Aufklärungsraten deliktsbezogen besser werden, wurde bereits per 1. Januar 2012 eine korpsweite Qualitätssicherung eingeführt und im ersten Quartal eine gerichtspolizei-taktische Ausbildung lanciert. Weitere Massnahmen folgen in den kommenden Monaten.

    Kriminalstatistik 2011
    Die Anzahl erfasster Straftaten hat im Kanton Basel-Landschaft 2011 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 3 Prozent (gut 400 Fälle) abgenommen, während gesamtschweizerisch eine Zunahme von 5.5 Prozent verzeichnet wurde. Für diesen Rückgang sind vorwiegend die deutlich niedrigeren Zahlen bei Sachbeschädigungen und Tätlichkeiten – beides häufige Straftaten und Antragsdelikte – verantwortlich, wie Martin Grob, Leiter der Hauptabteilung Kriminalitätsbekämpfung, anlässlich der Medienkonferenz ausführte und die Kriminalitätslage als insgesamt „gehalten“ bezeichnete.

    Insgesamt wurden 2011 13’961 (im Vorjahr 14’372) Straftaten erfasst. Wie in den Vorjahren richteten sich über 90 Prozent aller Delikte gegen Bestimmungen des Strafgesetzbuches, wobei knapp drei Viertel dieser Delikte gegen das Vermögen erfolgten. Diebstähle und Sachbeschädigungen machten dabei den überwiegenden Teil aus. Knapp 6 Prozent aller erfassten Straftaten erfolgten gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die polizeiliche Aufklärungsrate liegt insgesamt bei 26 (i.V. 28) Prozent.

    Der Anteil an ausländischen Tatverdächtigen an Verstössen gegen das Strafgesetzbuch lag bei 45 (i.V. 43) Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich bei 12 (i.V. 11) Prozent um nicht in der Schweiz wohnhafte Tatverdächtige („Kriminaltouristen“) handelt.

    Im Vergleich zum Vorjahr sind Gewaltdelikte gesamthaft um 11 Prozent zurückgegangen . Wie im Vorjahr wurde bei rund 7 Prozent aller Straftaten Gewalt angewendet oder zumindest angedroht. Schwere Gewalt wurde in 29 (i.V. 27) Fällen angewandt. Raubdelikte blieben auf hohem Niveau. 84 (i.V. 85) Prozent aller einer Gewaltstraftat beschuldigter Personen waren männlich, während 43 (i.V. 45) Prozent der Gewaltopfer weiblich waren. 54 (i.V. 50) Prozent der Gewaltstraftäter waren Ausländer.

    Die von jugendlichen Tatverdächtigen begangenen Delikte haben gesamthaft um 7 Prozent zugenommen. Eine Tendenz hin zu schwereren Gewaltstraftaten konnte nicht festgestellt werden. Allerdings hat sich die Zahl der begangenen Raubdelikte von 3 auf 8 mehr als verdoppelt. Es bleibt festzuhalten, dass der Anteil jugendlicher Tatverdächtiger bei Gewaltstraftaten (19, i.V. 18 Prozent) und jugendlicher Opfer (19, i.V. 20 Prozent) deutlich über deren Anteil an der Kantonsbevölkerung liegt. Den entsprechenden Präventionsbemühungen muss deshalb unverändert Beachtung geschenkt werden.

    Dem gesamtschweizerischen Trend entsprechend haben Diebstähle deutlich (+ 11 %) zugenommen. Einbruchdiebstähle dagegen sind 2011 um 48 auf 1’537 Fälle zurückgegangen (- 3 Prozent). Diese Zahl  liegt weiterhin unterhalb des Mittelwertes der vergangenen 10 Jahre. Die Mehrheit der Einbrüche von 61 (i.V. 57) Prozent erfolgte im Wohnbereich.

    In der Kriminalstatistik ist die Bedeutung der Einbruchdiebstähle hoch, ist doch Basel-Landschaft der Kanton mit dem höchsten Anteil von Einbrüchen an den Gesamtdelikten. Ausserdem zählt statistisch jeder Einbruchdiebstahl dreifach (Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch).

    In den Bereichen Taschen-, Trick- und Einschleichdiebstahl musste ein deutlicher Anstieg  festgestellt werden.

    Polizeiliche Interventionen wegen Häuslicher Gewalt beschäftigten die Polizei Basel-Landschaft nach wie vor stark (unverändert durchschnittlich rund 2.5 Einsätze pro Tag).
    Die Anzahl erfasster Straftaten nahm um 14 Prozent ab. Im Gegensatz zum Vorjahr und zum Gesamttrend haben schwere Gewaltstraftaten (versuchte Tötung, Körperverletzung) im Zusammenhang mit Häuslicher Gewalt zugenommen.

    Durch die Polizei ausgesprochene Wegweisungen gewaltausübender Personen reduzierten sich von 109 auf 81 Fälle (- 26 Prozent), wobei es sich bei 51 Personen um ausländische Männer handelte.

    Verkehrsunfallstatistik 2011

    Im Jahre 2011 wurden im Kanton Basel-Landschaft 1180 polizeilich registrierte Verkehrsunfälle verzeichnet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Abnahme von 114 Fällen (- 9 Prozent). Damit wurde der tiefste Wert seit 1975 erreicht. Die Zahl der Verkehrsunfälle ging vor allem im Innerortsbereich (-8 Prozent) und auf den Autobahnen (- 16 Prozent) zurück. Auf Ausserortsstrecken ereigneten sich praktisch gleich viele Verkehrsunfälle (- 1).

    Auch die Gesamtzahl der Verunfallten war im Berichtsjahr geringer als im Vorjahr: es verunfallten 700 Personen, d. h. 62 weniger (- 8 Prozent). Die Zahl der Verunfallten ist die tiefste seit 18 Jahren. Weniger erfreulich ist die Zunahme der schweren Unfallfolgen für die beteiligten Personen: es starben 13 Personen (+ 4) und 130 wurden schwer verletzt (+ 24 Prozent).
    Diese Zunahme ist hauptsächlich ausserorts ausserhalb der Autobahnen (von 24 auf 47) und innerorts (von 82 auf 91) zu verzeichnen; auf Autobahnen hingegen ging die Zahl der Schwerverletzten und Getöteten von acht auf fünf zurück.

    Die Zahlen der schwerverletzten und getöteten Personen zeigen von Jahr zu Jahr immer wieder erhebliche Schwankungen. Für die Zunahmen im vergangenen Jahr gibt es keine erkennbaren Ursachen. Sie beruhen auf Zufälligkeiten und gezielte Massnahmen sind deshalb nicht möglich, erklärte Christoph Naef, Leiter der Hauptabteilung Verkehrssicherheit, am Mittwoch vor den Medien.

    Hauptunfalltyp ist mit 363 Fällen (- 46 bzw. - 11 Prozent) der Schleuder- bzw. Selbstunfall, gefolgt von den Auffahrunfällen mit 297 (- 13 bzw. - 4 Prozent) sowie den Ein- und Abbiege-Unfällen mit 229 Fällen (- 44 bzw. - 16 Prozent). Da bei allen drei Unfalltypen ein Rückgang zu verzeichnen ist, bleibt die Reihenfolge unverändert gegenüber dem Vorjahr.

    Bei den Verkehrsunfällen mit Fussgängern setzte sich die seit 2008 rückläufige Tendenz fort mit einer Abnahme um 20 Prozent auf 65 Unfälle, einem langjährigen Tiefststand. Dabei verunfallten 68 Fussgänger (- 11). Bei der Unfallschwere zeigt sich eine Zunahme bei den Schwerverletzten (um 4 auf 26) bei gleichzeitiger Abnahme der Leichtverletzten (um 14 auf 40) und der Getöteten (um 1 auf 2).

    Auf Fussgängerstreifen ereigneten sich ebenfalls weniger Unfälle mit Fussgängern: Bei 27 Unfällen (- 23 Prozent) verunfallten insgesamt 31 Fussgänger, davon wurden 20 (-6) leicht und 11 (unverändert) schwer verletzt. Tote waren auf Fussgängerstreifen keine zu beklagen.

    Die Verkehrsunfälle mit Zweirädern haben um 6 Prozent auf 220 Unfälle abgenommen; damit wurde nach dem vergangenen Jahr erneut ein Tiefststand erreicht. Es verunfallten 208 Zweirad-Lenker und -Mitfahrer, zwei mehr als im Vorjahr. Bei allen Zweiradkategorien nahm die Zahl der Verunfallten ab oder blieb unverändert, ausser bei den Motorrädern > 125 cm3. Bei dieser Kategorie wurde eine Zunahme um 14 Verunfallte auf 63 verzeichnet.

    Es ereigneten sich 41 Verkehrsunfälle mit Kindern als Lenker bzw. Fussgänger. Dies waren fünf weniger als im Vorjahr. Insgesamt verunfallten 48 Kinder (+ 2), eines davon wurde als Fussgänger getötet. Die geringfügige Zunahme der Verunfalltenzahl ist hauptsächlich auf mehr leicht verletzte Fahrradlenker (+ 5) zurückzuführen.

    Hauptverursacher bei Unfällen mit Personenschaden waren Fahrzeuglenker der Alterskategorien 15-19, 20-24 und 45-49 Jahre. Gegenüber dem Vorjahr wurden hauptsächlich bei den Lenkern im Alter von 18 bis 34 Jahren deutlich weniger Hauptverursacher verzeichnet. Der Rückgang betrug je nach Alterskategorie zwischen 10 und 33 Prozent. 12 Prozent der Hauptverursacher bei Unfällen mit Personenschaden haben den Führerausweis weniger als ein Jahr. Bei den Motorradfahrern beträgt dieser Anteil 31 Prozent.

    Bei 152 Unfällen (- 5 Prozent) stand ein Unfallbeteiligter unter Alkoholeinfluss . Dabei verunfallten 77 Personen, vier mehr als im Vorjahr. Bei 40 Unfällen mit Personenschaden (+ 2) stand der Hauptverursacher unter Alkoholeinfluss. In 60 Prozent dieser Fälle war der Hauptverursacher Lenker eines Personenwagens, in 23 Prozent der Fälle ein Motorradfahrer.

    Die vier wichtigsten Unfallursachen waren Unaufmerksamkeit/Ablenkung (18.8 Prozent), Missachten des Vortrittsrechts (15.1 Prozent), der Zustand des Lenkers (15.0 Prozent) sowie  Geschwindigkeit (12.0 Prozent). Diese Reihenfolge ist unverändert gegenüber dem Vorjahr und macht insgesamt 61 Prozent aller Unfallursachen aus.


    Die ausführlichen, detaillierten Statistiken sind ab sofort auf der Homepage www.polizei.bl.ch im Bereich Statistiken einsehbar.