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Familienbericht BL 2020: Immer noch viel zu tun

22.10.2020

Der Familienbericht 2020 zeigt, wo und wie die Familien im Kanton-Basel-Landschaft stehen, was gut läuft und wo der Schuh drückt. Konkret: Seit dem letzten Familienbericht (2010) gibt es deutlich mehr Plätze für familienergänzende Betreuung. Aber viele Alleinerziehende oder Familien mit Migrationshintergrund sind im Baselbiet nicht auf Rosen gebettet, der Sozialhilfe vorgelagerte Leistungen haben stagniert oder wurden reduziert. Und ein neuer Begriff macht die Runde: Sandwich-Familien. Denn neben den Kindern kümmern sich Baselbieterinnen und Baselbieter auch um die Pflege ihrer betagten Angehörigen – und kommen dabei schnell an ihre Grenzen, denn Beruf – Familie – Betagtenbetreuung passen selten unter einen Hut.

Angehörige und Freunde spielen eine wichtige Rolle in der Betreuung von älteren Menschen. 2016 haben im Kanton Basel-Landschaft Privatpersonen 2.75 Mio. Betreuungsstunden für Erwachsene gleistet. Trotz Unterstützung durch Pflegedienste haben Betreuende unter anderem Probleme, die Betreuungsarbeit mit ihrem Beruf zu vereinbaren und leiden mehrheitlich unter der psychischen Belastung.

Mehr Kita-Plätze – hohe Beteiligung der Erziehungsberechtigten an den Kosten

Das Angebot an Plätzen der familienergänzenden Kinderbetreuung ist stark gewachsen. Während 2005 noch für 3.1% der Kinder bis 4 Jahre Betreuungsplätze zur Verfügung standen, waren es 2017 bereits 18%. Auch die Zahl der Kindertagesstätten (Kita) hat sich verdreifacht. Jedoch ist die Anzahl der Betreuungspersonen nicht im selben Mass mitgewachsen. Die Gemeinden finanzieren 22 Prozent der familien- und schulergänzenden Kinderbetreuung, der Rest geht zulasten der Erziehungsberechtigten.

Wirtschaftliche Situation der Familien

Bei verheirateten Elternpaaren erwirtschaftet der Vater rund 75 Prozent des Familieneinkommens, die Mutter 25 Prozent. Die Erwerbsarbeit der Mütter hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Schweizweit hingegen ist die Höhe des frei verfügbaren Einkommens im Baselbiet am viert tiefsten, denn die Kinderbetreuungskosten sind hoch, und die stadtnahen Wohnungen teuer. Wer alleinerziehend oder kinderreich ist und einen Migrationshintergrund aufweist, hat systembedingt die grössten Schwierigkeiten Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung zeitlich und finanziell so zu gestalten, dass keine Sozialhilfe nötig ist. So ist die Anzahl der Familien und der Alleinerziehenden in der Sozialhilfe gestiegen. Zudem werden über ein Viertel der Kinderalimente nicht ordnungsgemäss bezahlt, die Berechtigten sind auf Inkassounterstützung oder Vorschüsse angewiesen. «Die Zahlungsmoral beim Unterhalt für Kinder nach Trennung und Scheidung finde ich beschämend», hält denn auch Regierungsrätin Kathrin Schweizer fest.

Engeres Familienmonitoring im Baselbiet

Die Gesamtsituation der Familien im Kanton Basel-Landschaft erfordert ein regelmässiges Monitoring, damit alle zehn Jahre die Situation erhoben und der Handlungsbedarf definiert werden kann. Aktuell zeigt sich, dass vor allem die öffentliche Hand mehr an die familienergänzende Betreuung zahlen sollte und deren Qualität sichergestellt sein muss. Und dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Baselbiet verbessert werden sollte, auch für die so genannten «Sandwich-Familien». Zudem sollen die Rahmenbedingungen für Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund verbessert werden, um die Sozialhilfe zu entlasten und dem Armutsrisiko vorzubeugen. Regierungsrätin Schweizer: «Ich hoffe, dass wir mit diesem Bericht eine weitere vereinheitlichte Datenbasis zum Thema Familie haben schaffen können». Weiter wünscht sich die Sicherheitsdirektorin, dass im Lichte von Corona das gesellschaftspolitische Bewusstsein geschärft ist, auch in den sozialen Belangen lindernd und verbessernd einzugreifen, nicht nur bei der ebenso wichtigen Wirtschaft.

Datenbasis für den Familienbericht 2020

Der vorliegende Familienbericht 2020 stützt sich auf kantonale Daten des Statistischen Amtes und der Steuerverwaltung sowie auf Daten des Bundes (Bundesamt für Statistik etc.) und entsprechende Erhebungen von Drittanbietern, alle mehrheitlich mit Bezug auf die Jahre 2016 bis 2018.

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