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Schloss Zwingen, Schlossgasse 2
Schloss Zwingen ist ein hochmittelalterliches Wasserschloss mit weitgehend erhaltenem Kernbau. Über Jahrhunderte diente es als Sitz des fürstbischöflichen Vogts und damit als Verwaltungszentrum des Bezirks. Spätere Besitzerwechsel beeinträchtigten vor allem die Umgebung und reduzierten den originalen Baubestand.
Lage
Die Anlage erstreckt sich über drei Felsbänke. Ob die südliche Geländestufe künstlich durch einen Graben geschaffen wurde, ist unklar. Heute bestehen nur noch zwei Inselreste, während Wehre früher den nötigen Wasserstand garantierten. Östlich schliesst das Dorf Zwingen, westlich das Areal der ehemaligen Papierfabrik an.
Baugeschichte
Erstmals erwähnt wird die Burg 1312 im Zusammenhang mit Thüring IV. von Ramstein. Hintergrund ist eine komplexe Lehensgeschichte, die bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. 1400 wurde Thüring VIII. vom Basler Bischof mit «burg und vorburge» belehnt – die beiden Hauptbestandteile der Anlage. Dendrochronologisch ist der Baubeginn um 1240 belegt. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Innenhof stark verdichtet; genaue Bauabfolgen bleiben hypothetisch.
Im 16. Jahrhundert gewann Zwingen als Vogteisitz im Zuge der Gegenreformation an Bedeutung. 1577–1591 wurde das Schloss auf drei Geschosse aufgestockt, die Sonnenuhr stammt aus dem Jahr 1591. 1611-1617 wurde das Schloss einer Barockisierung unterzogen und erhielt neue Fenster, Täfer und Öfen. Besonders das Erdgeschoss wurde starken Veränderungen unterzogen und erhielt neue Gewölbe. Repräsentative Räume einschliesslich steinerner Kaminfassungen wurden eingebaut. Ab 1620 zeigen Darstellungen das Schloss mit einem markanten, gezinntem Turm. Der Dreissigjährige Krieg brachte schwere Schäden, die ab 1640 behoben wurden. Unter Fürstbischof Roggenbach (ab 1658) entstanden weitere Eingriffe und 1715 eine erneuerte Ostfassade. Ein neues Treppenhaus ersetzte die frühere Wendeltreppe. Die letzten bedeutenden Umbauten erfolgten im späten 18. Jahrhundert durch die Vogteifamilien Reichenstein und Blarer von Wartensee. Paris’ Plan von 1766 dokumentiert diesen Bestand.
1793 wurde das Schloss als Nationalgut versteigert und gelangte in private Hände, später in den Besitz der Papierfabrik. Abrisse im 19. und frühen 20. Jahrhundert zerstörten zahlreiche Hofbauten. 1993 übernahm die Gemeinde das Anwesen und renovierte es, die historische Raumstruktur blieb weitgehend erhalten.
Beschreibung
Die Schlossanlage wird von einem mächtigen, hoch aufragenden Wehrturm dominiert, der aus Buckelquadern gemauert ist. Um den Turm gruppieren sich unter einem durchlaufenden Pultdach mehrere Wohn- und Verwaltungsbauten. Die Sockelzone ist massiv, mit gelegentlichen Bogenscharten gegen Norden, Westen und Osten; die südliche Landseite zeigt wenige, tief in der Mauer liegende Fenster.
Der Zugang erfolgt heute über eine Treppe auf der Südseite, wobei das Portal eine eingelassene Ofenplatte trägt. Innen verläuft ein Korridor in allen Geschossen annähernd von Westen nach Osten, von dem die einzelnen Räume abgehen. Ein zweiläufiges Treppenhaus mit Balusterbrüstung verbindet das 1. und 2. Obergeschoss. Die Räume sind unterschiedlich geschnitten und unregelmässig angeordnet, die Deckenbalken variieren in Höhe und Mauerstärke nimmt nach oben ab. Bemerkenswert sind die Sonnenuhr an der Südseite, die tiefen Fenstergewände, vorkragende Konsolsteine an der Nordseite, sowie das sichtbare Turmrund im Dachgeschoss. Der Dachstuhl wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erneuert, während die Aussenmauern und der Turm weitgehend original erhalten sind.
Kantonal geschützt seit 1993, zudem unter Bundesschutz.