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Röm.-kath. Kirche St. Martin, Kirchgasse 11
Die Kirche St. Martin in Roggenburg zählt zu den ältesten Sakralbauten des Bezirks Laufen. Eine klösterliche Nutzung war im Hochmittelalter möglich, kam jedoch nie zustande, spätestens ab dem Spätmittelalter ist sie eindeutig als Pfarrkirche belegt.
Baugeschichte
Nach einem Brand im Spätmittelalter wurde das romanische Kircheninnere erneuert, die Giebelwände erhöht und ein erster Westturm errichtet, vermutlich mit hölzerner Glockenstube. Romanische Fenster wurden vermauert und durch gotische Masswerkfenster ersetzt. Während der folgenden Erneuerung entstanden bedeutende Fresken (Mitte 14. Jh.), darunter die Schutzmantelmadonna und die «Begegnung der drei Lebenden und drei Toten». Diese stehen entweder im Zusammenhang mit der Pest 1349 oder mit der Familie Münch von Löwenberg.
1460 wurde das Dach neu gedeckt. 1670 entstand ein zusätzlicher Seiteneingang. Eine Kapelle in der Vorhalle ist denkbar, jedoch nicht nachweisbar. Vom spätmittelalterlichen Altar hat sich nur der Blockaltar unter dem späteren Barockaltar erhalten.
Der heutige barocke Hochaltar wird auf 1713 datiert, möglicherweise stammt er von den Brüdern Breton aus Boncourt, seine Ikonografie ist jedoch ungewöhnlich und teils schwer deutbar. Die Seitenaltäre wurden 1722-1733 errichtet, einer von Urs Füeg und Jean-François Tavanne. 1729 wurde eine neue Sakristei angebaut, 1736 die Kanzel fertiggestellt. Im späteren 18. Jahrhundert folgten Ausstuckierungen und die Empore.
1931 erfolgte eine umfassende Restaurierung durch Reiss & Haaga mit neuer Farbfassung, Beichtstühlen und dekorativer Ausmalung. 1953 erhielt die Kirche eine neue Orgel der Gebrüder Späth unter Einbezug älterer Teile. 1988 und 1995 wurden Fassadensanierungen nötig, 2011 die Eingangstür ersetzt. 1993 legte eine Gesamtrestaurierung die gotischen Fresken frei, die barocken Altäre wurden wieder aufgestellt.
2012 erhielt die Kirche eine neue Aussentreppe sowie Eingangstür aus massiver Eiche. 2017-18 wurde das Vordach über dem Haupteingang saniert sowie der Vorplatz erneuert und ein Teil des Gehweges ersetzt. 2021 wurde der Friedhof mit einem Rondell neugestaltet.
Beschreibung
Der Bau besteht aus Westturm, Schiff, eingezogenem Chor sowie Sakristei. Der Turm besitzt Strebepfeiler und ein Klebdach über dem Rundbogenportal. Das Schiff hat ein Satteldach und je drei Rundbogenfenster pro Seite. Der Innenraum zeigt eine niedrige Empore, Bänke und zwei Beichtstühle (1931), eine Kanzel (1736) und Glasfenster (um 1900). Zwei Seitenaltäre flankieren den Triumphbogen, dahinter der barocke Hochaltar mit tordierten Säulen, reich verziertem Tabernakel und ungewöhnlichen Figurenprogrammen.
Erhalten ist eine besonders seltene Glocke von 1750 (Jean-François Coinsement). Weitere Glocken stammen von 1802 und 1896. Die heutige Orgel (1953) ist zweimanualig mit mechanischer Schleiflade.
Würdigung
Die Kirche St. Martin gilt als einer der ältesten Kirchenbauten der Region und bewahrt die einzigen mittelalterlichen Wandmalereien im Bezirk Laufen, was ihr einen besonderen Rang innerhalb der regionalen Kunstgeschichte verleiht. Ihre Bau- und Ausstattungsgeschichte spiegelt zudem die komplexen politischen und kirchlichen Verhältnisse zwischen Kloster, Herrschaft und Dorf wider und macht sie zu einem wichtigen Zeugnis der lokalen Entwicklung. Darüber hinaus prägt sie durch ihre mittelalterliche Struktur und ihren barocken Ausbau die Typologie späterer Kirchenbauten des 19. Jahrhunderts und bildet damit einen zentralen Referenzpunkt für die Sakralarchitektur der Umgebung.
Kantonal geschützt seit 1982. Zudem unter Bundesschutz.