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Röm.-kath. Kirche St. Anna, Dorfplatz 3
Lage
Die Kirche St. Anna steht am Rand des Dorfplatzes von Röschenz auf leicht ansteigendem Gelände. Anders als üblich ist sie nicht nach Osten, sondern nach Südsüdwesten orientiert. Zusammen mit dem ehemaligen Schulhaus bildet sie ein harmonisches Ensemble. Am Chorende wurde zwischen 1964 und 1967 die Sakristei als eigenständiger Bau hinzugefügt.
Baugeschichte
Röschenz gehörte ursprünglich zur Pfarrei St. Martin in Laufen. Dank eines Legats von Anna-Maria Vuillaume konnte 1723 eine Kapelle errichtet werden, die mit etwa 15,5 m Länge und 6,3 m Breite beachtlich gross war. Ab 1787 war die Abhaltung von Gottesdiensten durch einen Vikar möglich.
1823 begann die Planung für einen Neubau. Die neue Kirche wurde hinter der alten Kapelle errichtet, um diese als Schulhaus nutzen zu können. 1826 wurde der Liestaler Baumeister Johann Jakob Begle beauftragt. Der Bau wurde 1833 geweiht. Die Innenausstattung stammte von Urs Josef Sässeli (Altäre) und Franz Joseph Menteler (Altarbilder).
Zwischen 1964 und 1967 führte Alban Gerster einen radikalen Umbau durch: Der alte Chor wurde abgebrochen und durch ein Querhaus mit flacher Chornische ersetzt, fast die gesamte Innenausstattung wurde entfernt, nur die Orgelempore und die Orgel von 1920 blieben erhalten. 1989 wurden Turmhelm, Fassade und Dach saniert, das Kreuz erneuert und die Kirche ins Inventar der geschützten Kunstaltertümer des Kantons Bern aufgenommen.
Beschreibung
Die Turmfassade zeigt mittig einen leicht eingezogenen Glockenturm mit drei horizontalen Gesimsen und Schallöffnungen in Rundbogenform. Den Turm krönt ein geschweifter Helm mit Kreuz und vergoldetem Hahn. Das Schiff ist mit Walmdach gedeckt und wird von vier hohen Rundbogenfenstern pro Seite belichtet. Chor und Sakristei sind rechteckig, die Sakristei trägt ein Kupferdach mit Aufschiebling.
Der Eingang führt in einen Vorraum im Turm, anschliessend in das 33 m lange, 11 m breite Schiff. Die erhaltene Orgelempore ist über toskanischen Säulen konvex zum Schiff ausgeformt. Schiff und Chor werden von einer Kassettendecke überspannt. Eingelassene Beichtstühle, Seiteneingänge und eine hexagonale Treppenanlage führen in Querhaus und Chorzone.
Das liturgische Mobiliar (Kastenaltar, Ambo und Seitenaltar) wurde von Alban Gerster aus poliertem Kalkstein gestaltet. Holzreliefs des Kreuzwegs stammen von Hubert Mussner (2018), die Glasfenster von Marino Forgiarini. Das Geläut umfasst fünf Glocken, vier davon von 1883 aus Nancy und eine fünfte von 1948, die dem Heiligen Bruder Klaus gewidmet ist. Die zweimanualige Orgel stammt von von Cäcilia & Lifart AG (1920). Bedeutende liturgische Geräte sind erhalten, darunter eine reich verzierte Monstranz und zwei Kelche mit Emailmedaillons, die Heilige zeigen, sowie ein Allianzwappen mit den Buchstaben I.P.N.
Würdigung
St. Anna ist der erste Fassadenturm-Kirchenbau im Laufental und setzte einen regional prägenden Typus. Der Umbau der 1960er Jahre spiegelt die Ästhetik einer Umbruchzeit wider, in der die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils noch nicht voll umgesetzt waren. Die historische Innenausstattung des 19. Jahrhunderts ist heute nur noch teilweise sichtbar.
Kantonal geschützt seit 1991. Zudem unter Bundesschutz.