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Röm.-kath. Kirche St. Nikolaus Dorfstrasse 58
St. Nikolaus erhebt sich auf einer Terrasse etwas nordwestlich des Dorfkerns. Von drei Seiten ist sie vom Friedhof umgeben. Eine hohe Kirchhofmauer sondert das Terrain vom Dorf ab.
Baugeschichte
Die Kirche St. Nikolaus in Dittingen weist Ähnlichkeiten zur Nachbarkirche St. Martin in Blauen auf, was auf einen älteren Vorgängerbau schliessen lässt – archäologische Belege fehlen jedoch. Architekt Alban Gerster zeichnete die Baugeschichte, eine wissenschaftliche Überprüfung steht aus. Belegt ist ein Bau vor 1418. Laut Gerster existierte im 12. Jh. ein romanischer Bau, dessen Chor im 14. Jh. verändert wurde. 1506 erhielt die Kirche ein neues Turmportal. Zeitgleich wurde der Chor vergrössert und ein Turm errichtet, was auf ein schmaleres Schiff schliessen lässt. Der Grund für den Ausbau liegt wohl in der damaligen Grenzlage im Bistum Basel.
Dittingen wurde 1804 eigenständige Pfarrei, zuvor war es nach Laufen eingepfarrt. Im 16./17. Jh. litt die Kirche durch Kriegsereignisse; 1660 folgte eine Neueinweihung. Renovierungen und Umbauten prägten das 17. und 18. Jh., darunter Arbeiten von Jean-François Tavanne und Hans Beat Füeg. Der Neubau des Schiffs erfolgte 1804 als Fronarbeit. Der Typus glich Nachbarkirchen: drei Fenster je Seite, Eingang ostseitig. Vor dem Umbau 1964 waren ein Haupt- und zwei Seitenaltäre vorhanden, letztere wohl klassizistisch, der Hauptaltar barock. Dieser wurde später entfernt, der Verbleib ist unklar.
1865 wurde das Schiff verlängert, 1936–38 der Chor umgestaltet, 1954 die alte Sakristei entfernt und originale Masswerke rekonstruiert. Der neue Altar entstand nach Plänen von Gerster, ergänzt durch Werke von Jost Zeier und Leo Steck. Das Ziel war eine Regotisierung.
Der tiefgreifende Umbau 1963–65 unter Alban Gerster modernisierte den Innenraum vollständig: neue Vorhalle, Empore, Orgel, Boden, Bestuhlung sowie Holzdecke. Der Turm wurde leicht verändert, neue Glasfenster nach Entwürfen von Hans Stocker eingesetzt. 1979 folgte ein Kreuzweg von Remo Rossi, der Altar wurde gemäss den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils versetzt.
Beschreibung
Der heutige Kirchenraum misst 9,2 × 21,7 m. Drei flachbogige Fenster durchbrechen beidseitig das Schiff, nur der südliche der ursprünglich zwei geplanten Seiteneingänge wurde realisiert. Die vierte Fensterachse ist durch die Empore zweigeteilt. Der Turm greift auf der Nordseite leicht ins Schiff ein und verkürzt es dort um etwa einen Meter. Er ruht auf quadratischem Grundriss (4,6 m) und ist aussen dreizonig gegliedert. Die oberen Schallöffnungen sind gekuppelt, die Westseite trägt ein Zifferblatt.
Der eingezogene Chor ist halb so breit wie das Schiff, mit 3/8-Schluss und drei Spitzbogenfenstern mit Masswerk. Ein ehemaliges Sakramentstabernakel ist in der Südwand eingelassen. Das mittlere Spitzbogenfenster enthält eine Glasmalerei von Leo Steck (1955) mit Szenen aus dem Leben Christi. Die flankierenden Fenster zeigen abstrakte Farbkompositionen von Hans Stocker (ca. 1965). Dieser Glasfensterzyklus zeigt auf der Nordseite Wendelin, Franziskus, Christophorus; auf der Südseite Antonius von Padua, Caecilia und Nikolaus von Myra. Um die Empore herum zeigen vier Fenster Evangelistensymbole, darüber Maria mit dem Jesuskind. Die Westwand zeigt die Taufe Christi. Alle Fenster sind signiert und datiert.
Ein Vorjoch mit Kreuzgratgewölbe verbindet Schiff und Chor, mit Zugang zum Turm (1506 datiert) und zur Sakristei. Diese liegt südlich, ist eingeschossig, rechteckig und durch ein Schleppdach kaum als Gegenstück zum Turm erkennbar.
Würdigung
Die baugeschichtliche Entwicklung von St. Nikolaus in Dittingen lässt sich aufgrund unzureichender Quellenlage nur eingeschränkt nachvollziehen. Es ist anzunehmen, dass der spätgotische Kirchenraum jene Dimensionen vorgab, die im 18. Jahrhundert auch für die Kirchenbauten in Blauen und Nenzlingen als massgeblich galten. Beim Neubau des Schiffes im Jahr 1804 könnten diese wiederum als Vorbilder herangezogen worden sein. Umgekehrt ist nicht auszuschliessen, dass das damals modernste Kirchenschiff der Region seinerseits Einfluss auf die späteren Neubauten in Duggingen, Grellingen und Wahlen hatte. Eine detailliertere Beurteilung wird durch den Verlust zentraler Akten beim Brand des Pfarrhauses im Jahr 1923 erschwert.
Kantonal geschützt seit 1965.