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Röm.-kath. Kirche St. Martin, Emmengasse 6
Die Lage
Die röm.-kath. Kirche St. Martin wurde 1726 neu errichtet. Vermutlich befand sich ein Vorgängerbau an gleicher Stelle. Der erste Quellennachweis der Kirche findet sich im Registratum Kathedralium im Jahr 1441. Die Kirche liegt auf einer Terrasse in leicht erhöhter Lage nordwestlich des Dorfes Blauen. Heutzutage befindet sich der Zugang auf der westlichen Seite, früher lag er im Süden. Seit dem Spätmittelalter umgibt die Kirche ein Friedhof, der Kirchenbezirk ist ringsum umfriedet.
Geschichte
Im 19. Jh. erfuhr der Bau zwei Eingriffe in die ältere Bausubstanz und erhielt eine weitgehend neue Innenausstattung, die inzwischen allerdings kaum mehr vorhanden ist. Der heutige Hochaltar stammt noch aus dem Jahr 1745. 1845 wurde das Schiff um 3 m gegen Westen verlängert und der damals auf drei Seiten freistehende Glockenturm in den Bau integriert. Seine Westwand sowie die heutige, versetzte Eingangsseite verlaufen nun bündig. Der ursprünglich südseitige Haupteingang wurde hierher versetzt. Grosse Teile der spätklassizistischen Stuckierung im Inneren stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Beim zweiten Eingriff 1883 wurden die barocken Altäre entfernt und durch neogotische ersetzt sowie eine neogotische Kanzel eingebaut. 1895 wurde die Südsakristei symmetrisch zur Nordsakristei (aus der Bauzeit 1726) angefügt. Im gleichen Jahr wurde eine neue Orgel eingebaut, die 1949 auf neunzehn Register erweitert wurde. 2002 wich das Instrument einem neuen vom Orgelbauer Roman Steiner in Fehren. 1949 fand die bislang letzte Umgestaltung des Innern statt. Die neogotische Ausstattung wurde beseitigt und die Kirche in ihren Ausstattungsteilen in den Zustand des Barocks zurückversetzt. Mit der Innenrenovation von 2001, bei der Spuren von frühneuzeitlichen Bemalungen zutage gebracht wurden, wurde die Kirche in ihren heutigen Zustand überführt. 2015 wurde das Dachkreuz als Kopie des Originals ersetzt, gefertigt aus Zinkblech. 2018 wurde der Kirchhof neugestaltet.
Das Äussere
Die spätmittelalterliche Tradition setzt sich im rechteckigen Schiff mit polygonalem Chorabschluss fort. Seit der Verlängerung 1845 ist der Kirchturm an der Nordwestecke in den Bau integriert, die Südseite wurde um ein weiteres Fenster geöffnet. Der vermutlich aus dem 15. Jh. stammende Glockenturm wurde wohl von einem Vorgängerbau übernommen. Umlaufende Gesimse deuten drei Geschosse an, das oberste öffnet sich allseitig in gekuppelten Rundbogenfenstern. Ein Satteldach mit leichter Würge bildet zwei Giebelfelder an der West- und Ostseite aus, im Osten mit einem Zifferblatt besetzt. Der erst 1845 an der Westwand geschaffene Haupteingang besitzt eine spätklassizistische Eingangstür und liegt unter einem reich profilierten Vordach über zwei hölzernen Stützen. Das Vordach umringen drei kleine Rundbogenfenster, ein viertes im Giebel. Hier sowie im Innern der Kirche wurden die Grabplatten früherer Pfarrherren eingelassen.
Das Innere
Die über den Glockenturm betretbare Empore ruht auf zwei achteckigen Pfeilern. Zwei Seitenaltäre schmücken das Schiff mit ihren tordierten, weinrankenbesetzten kompositen Säulen über Voluten und den gesprengten und durchbrochenen Rundbogengiebeln mit je einem zentralen Okulus. Sie werden auf 1660 datiert.
Der Hochaltar von 1745 soll aus der Werkstatt des Urs Josef Füeg in Pruntrut stammen. Über dem Kastenaltar mit vergoldeter Ornamentik geht ein freistehendes komposites Säulenpaar auf, je seitlich hinterfangen durch Pilaster der gleichen Ordnung. Der weitere Aufbau ist als Stuckmarmor gefasst. Auf den Verkröpfungen sitzen evangelienseitig Ignatius, der Namenspatron des Stifters, und epistelseitig Franz Xaver. Im Auszug befindet sich der Titelheilige Martin. Das Altarblatt ist eine Kopie des Ursprünglichen, das zusammen mit dem Altar in die Huggerwaldkapelle nach Kleinlützel verkauft wurde und (anders als der Altar) auch dort verblieben ist. Maria wird als Apokalyptische Frau abgebildet, flankiert von Engeln.
Das Tabernakel trägt eine Statuette des Auferstandenen. Auf den Türen ist ein Noli me tangere abgebildet. Der Volksaltar im Chor wurde aus barocken Altargesprengen gebildet und farblich dem Hauptaltar angepasst. Die Seitenwände des Chores besetzen zwei je dreiplätzige Chorgestühle. Im Schiff hängt auf der Epistelseite eine Darstellung des mantelteilenden Martin. Ausserdem wurde an den Wänden ein vierzehnteiliger Kreuzweg, vermutl. aus dem 18. Jh., durch Rahmung in zweimal sieben Stationen zusammengefasst und verteilt. Ein Taufstein aus rotem Sandstein erhebt sich unmittelbar neben dem auf der Evangelienseite vor dem Seitenaltar in die Wand eingelassenen Sakramentshäuschen. An der Decke wacht das Auge Gottes im Strahlenkranz, eingelassen in eine ovale, spätklassizistische, von Girlanden umgebene Rahmung mit Lorbeermotiv. Vom Rest apart sind die beiden Konsoltische mit Hermenpilastern neben dem Eingang.
Würdigung
St. Martin bildet ein aussagekräftiges Beispiel einer Dorfkirche der frühen Neuzeit im Bezirk Laufen. Auch wenn die heutige Ausstattung teilweise zusammengewürfelt erscheint, ergibt sich dennoch ein stimmiges Gesamtbild. Für nachfolgende Bauten, wie St. Oswald in Nenzlingen oder St. Katharina in Laufen, hat diese Kirche sicherlich eine Vorbildfunktion innegehabt.
Kantonal geschützt seit 2000.