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16.09.2009
Bettagsmandat 2009
"Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre."
Lange bevor im Jahr 1639 unserer Zeitrechnung in den protestantischen Kantonen und 1643 in den katholischen Orten ein offizieller Bettag verkündet wurde, lange bevor wir uns 1832 gesamtschweizerisch auf einen gemeinsamen Dank-, Buss- und Bettag verständigt haben, begegnen wir in der Genesis, im 1. Buch Moses, Kapitel 2, Vers 15 zum ersten Mal einem Bettagsaufruf "setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre" . Der Auftrag, die Schöpfung verantwortungsvoll zu nutzen und für die zukünftigen Generationen zu erhalten, ist Verpflichtung zu Dankbarkeit für das grosse Privileg, im Garten Eden zu wohnen, ist Aufforderung zu Busse und Wiedergutmachung, wenn bebauen und bewahren mit rücksichtslos plündern und ungerecht verteilen verwechselt wird und ist Einladung zum Gebet, zum Dialog mit der Macht, die den Menschen in den Garten Eden gesetzt hat.
Der Dank-, Buss- und Bettag ist für den Staat ein ganz besonderer kirchlicher Feiertag. Richtigerweise nehmen die Kirchen zu politischen Fragen Stellung, zum Glück ergreift die Kirche Partei. Umgekehrt ist die Einmischung des Staates in inhaltliche kirchliche Fragen ausdrücklich nicht gefragt und nicht vorgesehen. Das ist richtig so. Die Politik hat den Auftrag, die Religionsfreiheit und die Religionsausübung unter Respektierung unserer gesellschaftlichen Werte zu gewährleisten.
Beim Bettag ist die Situation anders. Die Kantonsregierung ist jedes Jahr aufgefordert, mit dem Bettagsmandat diesen Feiertag immer wieder neu zu begründen und für den Dank-, Buss- und Bettag einen aktuellen Bezug herzustellen. Der Regierungsrat schreibt ein Stück weit die Traktandenliste für die Predigten am Bettagssonntag.
Vor dem Hintergrund der grossen Herausforderungen unserer Zeit - der schwierigen Wirtschaftssituation und den Zukunftsängsten vieler Menschen, den ökologischen Bedrohungen sowie fehlender Toleranz, ungenügender Verteilgerechtigkeit und der Gefährdung des sozialen Friedens - sind wir aufgerufen, uns am Dank-, Buss- und Bettag auf die Grundwerte zu besinnen, die uns einer Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit einen Schritt näher bringen:
Lange bevor im Jahr 1639 unserer Zeitrechnung in den protestantischen Kantonen und 1643 in den katholischen Orten ein offizieller Bettag verkündet wurde, lange bevor wir uns 1832 gesamtschweizerisch auf einen gemeinsamen Dank-, Buss- und Bettag verständigt haben, begegnen wir in der Genesis, im 1. Buch Moses, Kapitel 2, Vers 15 zum ersten Mal einem Bettagsaufruf "setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre" . Der Auftrag, die Schöpfung verantwortungsvoll zu nutzen und für die zukünftigen Generationen zu erhalten, ist Verpflichtung zu Dankbarkeit für das grosse Privileg, im Garten Eden zu wohnen, ist Aufforderung zu Busse und Wiedergutmachung, wenn bebauen und bewahren mit rücksichtslos plündern und ungerecht verteilen verwechselt wird und ist Einladung zum Gebet, zum Dialog mit der Macht, die den Menschen in den Garten Eden gesetzt hat.
Der Dank-, Buss- und Bettag ist für den Staat ein ganz besonderer kirchlicher Feiertag. Richtigerweise nehmen die Kirchen zu politischen Fragen Stellung, zum Glück ergreift die Kirche Partei. Umgekehrt ist die Einmischung des Staates in inhaltliche kirchliche Fragen ausdrücklich nicht gefragt und nicht vorgesehen. Das ist richtig so. Die Politik hat den Auftrag, die Religionsfreiheit und die Religionsausübung unter Respektierung unserer gesellschaftlichen Werte zu gewährleisten.
Beim Bettag ist die Situation anders. Die Kantonsregierung ist jedes Jahr aufgefordert, mit dem Bettagsmandat diesen Feiertag immer wieder neu zu begründen und für den Dank-, Buss- und Bettag einen aktuellen Bezug herzustellen. Der Regierungsrat schreibt ein Stück weit die Traktandenliste für die Predigten am Bettagssonntag.
Vor dem Hintergrund der grossen Herausforderungen unserer Zeit - der schwierigen Wirtschaftssituation und den Zukunftsängsten vieler Menschen, den ökologischen Bedrohungen sowie fehlender Toleranz, ungenügender Verteilgerechtigkeit und der Gefährdung des sozialen Friedens - sind wir aufgerufen, uns am Dank-, Buss- und Bettag auf die Grundwerte zu besinnen, die uns einer Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit einen Schritt näher bringen:
- Danken bedeutet, dass wir uns wieder bewusst werden, was wir haben, dass wir uns vor Augen führen, dass unsere gesellschaftlichen und politischen Errungenschaften und unser Wohlstand mit Sorgfalt gepflegt werden müssen. Dankbar zu sein ist erfüllend, erleichternd, motivierend, auf Dank aufbauen setzt positive Energien frei.
- Busse tun heisst bereit sein, das eigene Verhalten kritisch zu überdenken, bei Bedarf die nötigen Schritte zur Umkehr einzuleiten und sich für Fehler zu entschuldigen. Wer Busse tut, entwickelt sich persönlich weiter und trägt zur Entwicklung unseres Gemeinwesens bei.
- Beten ist für viele Kindheitserinnerung und letzter Zufluchtsort in Notsituationen. Beten im Alltag und nicht nur am Bettag führt zur Einsicht, dass wir uns als Teil einer Schicksalsgemeinschaft einfügen und auf etwas uns Übergeordnetes vertrauen.
In seinem Buch "die Zeit drängt" hat Carl Friedrich von Weizsäcker 1986 seinen Appell für einen weltweiten Dank-, Buss- und Bettag gestartet. Im Zentrum dieses Aufrufs stehen vier Forderungen:
- Eine Weltversammlung der Christen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung soll einberufen werden.
- Die Menschheit befindet sich heute in einer Krise, deren katastrophaler Höhepunkt wahrscheinlich noch vor uns liegt. Deshalb ist entschlossenes Handeln nötig.
- Die Krise ist sichtbar in den drei Themenbereichen Gerechtigkeit, Friede, Natur. Es gibt ethisch konsensfähige, politisch realisierbare Forderungen zum Verhalten in diesen Bereichen.
- In Bezug auf die drei Bereiche ist eine Einigung der Christen und eine Übereinstimmung der Weltreligionen möglich und geboten. Eine weltweit politisch wirksame Rechtsordnung ist zu fordern.
Diese vier Forderungen haben nichts an Aktualität eingebüsst.
Warum Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Sicherung unserer Zukunft sind, ist in erster Linie mit der engen Verflechtung, den Wechselwirkungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Werte "Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung" begründet. Das heisst: Kein Friede ohne Gerechtigkeit, keine Gerechtigkeit ohne Frieden. Keine Gerechtigkeit ohne Freiheit und keine Freiheit ohne Gerechtigkeit. Und schliesslich: Kein Friede unter den Menschen ohne Frieden mit der Natur. Kein Friede mit der Natur ohne Frieden unter den Menschen.
Diese Ziele tönen vielleicht utopisch - aber wir haben keine Alternativen zu diesen Utopien und damit keine Wahl.
Liestal, 1. September 2009
Im Namen des Regierungsrates
Der Präsident: Wüthrich
Der Landschreiber: Mundschin
Warum Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Sicherung unserer Zukunft sind, ist in erster Linie mit der engen Verflechtung, den Wechselwirkungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Werte "Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung" begründet. Das heisst: Kein Friede ohne Gerechtigkeit, keine Gerechtigkeit ohne Frieden. Keine Gerechtigkeit ohne Freiheit und keine Freiheit ohne Gerechtigkeit. Und schliesslich: Kein Friede unter den Menschen ohne Frieden mit der Natur. Kein Friede mit der Natur ohne Frieden unter den Menschen.
Diese Ziele tönen vielleicht utopisch - aber wir haben keine Alternativen zu diesen Utopien und damit keine Wahl.
Liestal, 1. September 2009
Im Namen des Regierungsrates
Der Präsident: Wüthrich
Der Landschreiber: Mundschin