KoBa: Koordination Verkehrsanbindung Bachgaben

Das Bachgrabengebiet in Allschwil ist ein wichtiges Entwicklungs- und Wirtschaftsgebiet des Kantons Basel-Landschaft und weist eine hohe Dynamik auf. Eingeschränkt wird diese Dynamik durch die verkehrliche Erreichbarkeit. Für die Gesamterschliessung des Bachgrabengebiets braucht es ein Bündel an Verkehrsmassnahmen: einen direkten Autobahnanschluss, eine neue Tramachse und eine attraktive Veloverbindung. Für die Koordination und Abstimmung der drei Schlüsselprojekte des Gebietes Bachgraben in Allschwil wurde die Organisation Koordination Verkehrsanbindung Bachgraben KoBa eingesetzt. Die Koordination erfolgt auf einer politischen, wie auch auf einer fachlichen Ebene. Vertreten sind die beiden Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt sowie die Gemeinde Allschwil. KoBa gewährleistet, dass die Erschliessung des Bachgrabengebietes in einer gesamtverkehrlichen Sicht erfolgt und alle Verkehrsteilnehmenden gleichermassen berücksichtigt werden.

Ausgangslage und Ziel
Das Gewerbegebiet Bachgraben in Allschwil ist ein bedeutsamer Wirtschaftsstandort und ein wichtiges Arbeitsgebiet für die Agglomeration Basel. Es ist eingebettet in eine aufstrebende Entwicklungsachse, die von Allschwil Dorf bis St. Johann und Basel Nord reicht. International tätige Firmen vor allem aus der Life Science-Branche lassen sich hier nieder und expandieren. In der „Region Leimental plus“ hat das Gebiet die grössten Reserven an Gewerbeflächen und entwickelt sich am stärksten: Zu den aktuell etwa 4'300 Arbeitsplätzen werden allein bis Ende 2023 weitere 4'000 erwartet. Damit werden rund zwei Drittel des Nutzungspotenzials im Bachgraben erreicht sein.

Das bestehende Strassennetz stösst bereits heute an seine Grenzen und der motorisierte Individualverkehr belastet die angrenzenden Wohnquartiere stark. Für den Fuss- und Veloverkehr fehlen teilweise sichere und direkte Verbindungen. Die ÖV-Anbindung bietet für die mittelfristig erwartete Nachfrage nicht ausreichend Kapazität. Deshalb soll die Erreichbarkeit des Bachgrabengebietes mit dem Auto, mit dem Velo und mit dem öffentlichen Verkehr gleichermassen verbessert werden, um mit der räumlich-wirtschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten. Ziel eines aufeinander abzustimmenden Massnahmenpakets ist, die Strassen im und rund um das Gebiet nicht stärker zu belasten, den notwendigen Verkehr für die angrenzenden Quartiere in Allschwil und Basel verträglich abzuwickeln und den öffentlichen Verkehr nicht zu behindern. 

Massnahmen / Projekte

Zur künftigen Verkehrsanbindung des Bachgrabengebiets an die übergeordneten Verkehrsnetze der Agglomeration dienen in erster Linie die folgenden drei Schlüsselprojekte:
  • Der Zubringer Bachgraben-Allschwil (ZUBA) verbindet das Gewerbegebiet über eine zweispurige Hauptverkehrsstrasse direkt mit der Nordtangente Basel (Autobahnnetz A35/A3). So werden das bestehende Strassennetz wie auch die Wohnquartiere in Allschwil und Basel West entlastet. Die Federführung liegt beim Kanton Basel-Landschaft. Die Inbetriebnahme ist auf 2030 geplant. (Link)
  • Die ÖV-Anbindung des Bachgrabens an den Bahnhof Basel St. Johann soll schrittweise ausgebaut werden. Der Bahnhof St. Johann wird mit dem Ausbau des S-Bahn-Angebots – insbesondere mit der Bahnanbindung des EuroAirports – sowie der Entwicklung der Nutzungen im Bahnhofsumfeld weiter an Bedeutung gewinnen. Geplant ist eine Tramverbindung. Voraussetzung für das Tram Bachgraben ist die Entlastung des Strassennetzes vom Autoverkehr durch den Zubringer Bachgraben-Allschwil. Der Baustart erfolgt in Koordination mit der Inbetriebnahme des ZUBA ca. 2030. (Link)
  • Attraktive und sichere Velorouten binden das Bachgrabengebiet direkt an wichtige Zielorte in Basel und an die umliegenden Agglomerationsgemeinden an. Kernstück ist eine Velovorzugsroute zwischen dem Bachgraben und dem Bahnhof Basel SBB. Davon profitieren auch die angrenzenden Wohnquartiere. Die Route wird in Etappen realisiert.

Zusätzlich zu diesen Schlüsselprojekten sind bei allen Verkehrsmitteln ergänzende und flankierende Massnahmen vorgesehen, welche die Wirksamkeit der verbesserten Verkehrsanbindung als Ganzes erhöhen.

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Koordination

Die Schlüsselprojekte sowie weitere flankierende Massnahmen müssen für eine grösstmögliche Wirkung und abgestimmte Umsetzung in eine Gesamtverkehrsschau eingebunden werden. Sie führen zudem über unterschiedliche Hoheitsgebiete. Deshalb haben die Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt und die Gemeinde Allschwil eine Koordinationsplattform eingesetzt, die Koordination Verkehrsanbindung Bachgraben KoBa. 

Wer ist die KoBa?

Die Koordination Verkehrsanbindung Bachgraben besteht aus Vertretenden aller Hoheitsgebiete. Sie steht unter der Federführung der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft. Der Kanton Basel-Stadt und die Gemeinde Allschwil sind dabei gleichberechtigte Partner. Die Koordination erfolgt sowohl auf politischer Ebene wie auch auf Projektstufe. Delegationen der Projektorganisationen aller drei Schlüsselprojekte sind in den Koordinationsgremien vertreten; in ihrer eigenen Projektorganisation bleiben sie jedoch autonom. 

Die Ziele der KoBa

Die Koordination Verkehrsanbindung Bachgraben gewährleistet, dass die Schlüsselprojekte in eine Gesamtverkehrssicht eingebunden werden. Das heisst, dass öffentlicher Verkehr, motorisierter Individualverkehr sowie Fuss- und Veloverkehr gleichermassen berücksichtigt werden. Die richtige und ausgewogene Mischung von Massnahmen für eine grösstmögliche Wirkung soll durch Abstimmung aller Verkehrsmittel untereinander erreicht werden. 

Mit KoBa werden zwei Hauptziele verfolgt:
  • Sachlich wird sichergestellt, dass das Gewerbegebiet Bachgraben gesamtverkehrlich optimal erschlossen wird. Die zu treffenden Massnahmen sollen wirksam, kosteneffizient sowie sinnvoll etappiert sein und der Verkehr soll siedlungs- und umweltverträglich abgewickelt werden.
  • Organisatorisch stimmt KoBa, soweit erforderlich, die anstehenden Handlungen und Entscheide der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt sowie der Gemeinde Allschwil aufeinander ab. 

Stand und aktuelle Arbeiten der KoBa

Die Koordination Verkehrsanbindung Bachgraben wurde Anfang Juli 2020 von den zuständigen Regierungsräten Basel-Landschaft und Basel-Stadt sowie dem Gemeinderat Allschwil eingesetzt. KoBa hat u.a. in einer Planungsstudie untersuchen lassen, welchen Beitrag auch andere Lösungsansätze - neben den drei Schlüsselprojekten - zur Verkehrsanbindung Bachgraben leisten könnten. Im Rahmen dieser Studie erfolgte auch eine Analyse der Verkehrsprognosen und Ausrichtung der Verkehrsnachfrage. Es zeigte sich, dass viele Verkehrsströme vom Bachgraben in Richtung Nordosten (St. Johann/Nordtangente) verlaufen und dass ein hoher Anteil an Kurzfahrten (wenige Kilometer) besteht. Letzterer weisst auf das hohe Potenzial für den Velo- und Fussverkehr hin. 

Neben den drei Schlüsselprojekten wurden in der Studie elf weitere denkbare Massnahmen untersucht: So beispielsweise die Verlängerung der Tramlinie 8 ins Bachgrabengebiet oder die Einrichtung einer Seilbahn. 

Die Studie zieht folgendes Fazit:
  • Die Notwendigkeit der drei Schlüsselprojekte wird bestätigt.
  • MIV und ÖV müssen Verkehrsströme vom Bachgraben in Richtung St. Johann /Nordtangente ansprechen.
  • Eine einzelne Lösung reicht für die Abwicklung der gesamten Verkehrsnachfrage nicht aus.
  • Alternative Lösungen können teilweise Ergänzungen zu den Schlüsselprojekten bzw. temporäre Lösungen sein. 
Organigramm der Koordination Verkehrsanbindung Bachgraben
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Weiterführende Informationen (Dokumentation):
  • Zubringer Bachgraben Allschwil (ZUBA): (Link)
  • Tram Bachgraben: (Link)
 

Häufige Fragen

Die Verkehrsbelastung im und in der Zufahrt zum Bachgrabengebiet ist schon heute hoch. Mit den zusätzlichen Arbeitsplätzen wird der Verkehr deutlich zunehmen. Zu den aktuell etwa 4'300 Arbeitsplätzen werden allein bis Ende 2023 weitere 4'000 erwartet. Damit werden rund zwei Drittel des Nutzungspotenzials im Bachgraben erreicht sein. Damit alle Arbeitnehmenden auch künftig sicher und flüssig zu ihren Arbeitsplätzen gelangen, muss das Gebiet optimal an die übergeordneten Verkehrsnetze angebunden werden. Die neue Anschlussstrasse an die Nordtangente (ZUBA) ist dringend erforderlich, damit der Zusatzverkehr die lokalen Strassen und Quartiere nicht noch mehr belastet. Das neue Tram Bachgraben wird dank seiner hohen Transportkapazität wesentlich dazu beitragen.

Der Autobahnzubringer nimmt die Arbeitnehmenden auf, die zwingend auf ihr eigenes Auto angewiesen sind. Er reicht aber nicht aus, um die gesamte Verkehrsnachfrage im Korridor Bachgraben – St. Johann - gerade mit der zukünftigen Entwicklung des Bachgrabens – aufzunehmen. Deshalb sollen möglichst viele Arbeitnehmende mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an ihren Arbeitsplatz gelangen können, und zwar insbesondere auch zu den Verkehrs-Spitzenzeiten. Eine Tramverbindung kann sehr viele Personen sicher befördern. Das Tram Bachgraben verbindet das Gewerbegebiet auf möglichst direktem Weg mit dem Bahnhof (der Verkehrsdrehscheibe) St. Johann und dem regionalen S-Bahn-Netz. Das Tram Bachgraben ist deshalb für die Verkehrsanbindung des Gewerbegebietes ebenso wichtig wie der Autobahnzubringer.

Rund 25 % des gesamten werktäglichen Verkehrsaufkommens ist Kurzstreckenverkehr mit der unmittelbaren Nachbarschaft. Verbindungen aus Richtung Allschwil, Basel-West, Vorderes Leimental oder nördliches Birseck ins Bachgrabengebiet liegen in Velodistanz. Diese Verbindungen werden mit der Velovorzugsroute Bachgraben – Basel SBB abgedeckt. Im Raum Basel SBB / Basel Süd erfolgt die Anknüpfung an die geplanten Velovorzugsrouten in Richtung Leimental, Birstal und Rheintal. Eine attraktive, schnelle Veloverbindung ins Bachgrabengebiet entlastet Strasse, Tram und Bus, und sie dient auch der verbesserten Erschliessung der baselstädtischen Quartiere.

Die Velovorzugsroute kann früher als die anderen beiden Schlüsselmassnahmen und schrittweise umgesetzt werden. Damit stellt sie eine wichtige kurz- bzw. mittelfristige Verbesserungsmassnahme für die Erreichbarkeit des Arbeitsgebiets Bachgraben dar.

 

Der ZUBA erschliesst das Arbeitsgebiet strassenseitig und entlastet die Quartiere in Allschwil und Basel-West. Allein kann der ZUBA den Quell-Ziel-Verkehr des Arbeitsgebietes nicht aufnehmen. Deshalb braucht es parallel dazu leistungsstarke und attraktive Angebote des öffentlichen Verkehrs und des Fuss-/Veloverkehrs.

Das heutige Strassennetz und die Quartiere in Allschwil und Basel-West sind heute hoch ausgelastet. Eine zusätzliche Tramlinie würde auf diesen Achsen verlaufen. Ohne ZUBA ist die Strassenkapazität nicht ausreichend, um ein Tram einzuführen. Der ZUBA entlastet das bestehende Strassennetz, sodass u.a. Kapazitäten für das Tram frei werden.

Ja. Nur alle drei Schlüsselprojekte vermögen im Zusammenspiel das zu erwartende Fahrtenaufkommen vom Gebiet Bachgraben aufnehmen. Es braucht alle Verkehrsmittel zusammen, um die verkehrliche Anbindung zu leisten:
  • Mit dem MIV an das übergeordnete Strassennetz;
  • mit dem ÖV an die S-Bahn-Stationen und den Bahnhof Basel SBB;
  • mit dem Velo und zu Fuss an die regionalen und lokalen Netze und das S-Bahn-Netz. 

Die drei Schlüsselprojekte sind mit einer Reihe an flankierenden Massnahmen zu begleiten, um die gewünschte Wirkung besser zu erreichen und auch langfristig zu sichern.

In einer Planungsstudie wurde untersucht, welchen Beitrag zur Verkehrsanbindung Bachgraben auch andere Lösungsansätze leisten könnten. Neben den drei Schlüsselprojekten wurden in der Studie weitere elf denkbare Massnahmen untersucht: So beispielsweise die Verlängerung der Tramlinie 8 ins Bachgrabengebiet oder die Einrichtung einer Seilbahn. 

Im Rahmen dieser Studie erfolgte auch eine Analyse der Verkehrsprognosen und Ausrichtung der Verkehrsnachfrage. Es zeigte sich, dass viele Verkehrsströme vom Bachgraben in Richtung Nordosten (St. Johann/Nordtangente) verlaufen und dass ein hoher Anteil an Kurzfahrten (wenige Kilometer) besteht. Letztere weisst auf das hohe Potenzial für den Velo- und Fussverkehr hin. Als Fazit der Studie stellt sich heraus:
  • Die Notwendigkeit der drei Schlüsselprojekte wird bestätigt. Alle drei Projekte sind gleichermassen wichtig und erforderlich. Es gibt zwar zeitliche Abhängigkeiten (Inbetriebnahme ZUBA als Voraussetzung für Tram Bachgraben), aber keine inhaltlichen Priorisierungen
  • Eine einzelne Lösung reicht für die Abwicklung der gesamten Verkehrsnachfrage nicht aus
  • Alternative Lösungen können teilweise Ergänzungen bzw. temporäre Lösungen sein

Der Zubringer Bachgraben-Allschwil ist die Voraussetzung, dass die heutigen Zufahrtsstrassen und die Wohnquartiere vom Verkehr entlastet werden und der Raum und die Kapazitäten für das Tram Bachgraben geschaffen werden können. Wird der ZUBA nicht realisiert, werden die heutigen Zufahrtsstrassen und die Wohnquartiere noch mehr belastet, und die Verkehrssituation verschlechtert sich weiter. Dies würde jedoch nicht nur die Verkehrsteilnehmenden betreffen: Die wirtschaftliche Attraktivität des Arbeitsgebietes Bachgraben würde mangels zuverlässiger Erreichbarkeit markant sinken.

Das Arbeitsgebiet Bachgraben Allschwil entwickelt sich sehr dynamisch. Die Zahl der Arbeitsplätze ist in den letzten Jahren stark gestiegen und wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Davon profitieren auch andere Gemeinden im Kanton Basel-Landschaft, z.B. als Wohnstandort für zuziehende Arbeitnehmende. Zudem werden durch die dynamische Entwicklung des Gebiets mehr Unternehmenssteuern generiert und weitere Firmen in den Kanton BL ziehen. Dies kommt über den interkommunalen Finanzausgleich allen Baselbieter Gemeinden bzw. dem Kanton als Ganzes zugute. Die Life Sciences Branche, welche im Bachgraben stark vertreten ist und mit der Entwicklung des BaseLink Areals weiter wächst und sich diversifiziert, generiert rund 14% der Gesamtwertschöpfung des Kantons Basel-Landschaft. Die Branche beschäftigt rund 4'500 Personen im Kanton. Damit ist sie ein essentieller Bestandteil der Wirtschaftsleistung des Kantons Basel-Landschaft. Die Branche entwickelt sich sehr dynamisch, unter anderem auch dank Entwicklungsprojekten wie im Bachgraben. Die optimale verkehrliche Erschliessung des Arbeitsgebiets Bachgraben ist somit ein Vorhaben von gesamtkantonaler Bedeutung. 

Die Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt haben am 26. Januar 2021 zwei Absichtserklärungen unterzeichnet, welche das gemeinsame Voranschreiten und Entwickeln der Schlüsselprojekte bekräftigen. Die drei Schlüsselprojekte werden zügig vorangetrieben und aktiv durch KoBa aufeinander abgestimmt. So soll sichergestellt werden, dass die Vorgehensentscheide zu den Projekten koordiniert erfolgen.

Letztendlich ist aber zu beachten, dass Entscheide immer auch durch die zuständigen Gremien (u.a. die Parlamente) zu fällen sind oder als Referendum der Bevölkerung unterbreitet werden können.