Protokoll der Landratssitzung vom 5. März 2015

Nr. 2667

In der Tat wissen heute die wenigsten, so Kommissionspräsident Paul Wenger (SVP), dass der Kanton Basel-Landschaft einen Schriftsteller hervorgebracht hat, der vor bald 100 Jahren den Literaturnobelpreis erhielt. Der Regierungsrat umschreibt in seiner Antwort Carl Spitteler als eine «Persönlichkeit von nationaler Bedeutung und internationalem Interesse». Der Regierungsrat hält das Jubiläum im Jahr 1919 als Zeitpunkt geeignet, um an das Werk Spittelers zu erinnern und in der Öffentlichkeit wieder wachzurufen. Dies wurde auch in der Kommission so gesehen, in der das Eintreten unbestritten war. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Werk Carl Spittelers findet an verschiedenen Orten statt, zum Beispiel an den Universitäten von Basel und Zürich.


An der Rheinstrasse in Liestal steht ein Spitteler-Denkmal, das allerdings ziemlich in die Jahre gekommen ist und vielen Leuten überhaupt nicht bekannt sein dürfte. Anlässlich des Jubiläums ist vorgesehen, das seinerzeit von Privaten gestiftete Denkmal zu restaurieren und neu zu beschriften. Weiter wurde zugesichert, dass im Jubiläumsjahr in Feuilletonbeiträgen (u.a. in der NZZ) vertieft auf das Werk des Preisträgers eingegangen werden soll.


Die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion beantragt dem Landrat mit 13:0 Stimmen, das Postulat von Hans Furer als erfüllt abzuschreiben.


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- Eintretensdebatte


Georges Thüring (SVP) schliesst sich den Worten von Kommissionspräsident Wenger an und gibt bekannt, dass die SVP-Fraktion ebenfalls für ein Abschreiben des Postulats ist.


Christoph Hänggi (SP) dankt Hans Furer in absentia für die Anregung, das Jubiläum zu begehen. Es ist erfreulich, dass die Regierung einmal mehr einen Runden Tisch organisiert und Geld zu sprechen beabsichtigt für Veranstaltungen und die Renovation des Denkmals.


Peter Schafroth (FDP) verdeutlicht, dass (zumindest) die Menschen in Liestal noch einen gewissen Zugang zu Carl Spitteler haben, obschon er allgemein ziemlich in Vergessenheit geraten ist. Es wurden Strassen nach ihm benannt, es gibt ein Museum, und das unzeitgemässe und gerade deshalb auffällige Monument ist den Hiesigen bekannt. Die FDP-Fraktion ist dankbar für Hans Furers Vorstoss. Denn es muss nicht immer nur um Finanzielles gehen, sondern man darf ruhig auch mal die kulturelle Vergangenheit beleuchten.


Dank gilt dem Regierungsrat vor allem für die Absicht, das Denkmal zu restaurieren, anstatt ein neues in Auftrag zu geben. Eine weitere wissenschaftliche Arbeit steht nicht im Vordergrund, sondern die Antwort lässt darauf schliessen, dass vorab Spittelers Werke, insbesondere seine Novellen, einer breiten Bevölkerung in Erinnerung gerufen werden sollen - nicht unbedingt der «Olympische Frühling», den heute niemand zu lesen vermag. Sinnvollerweise kann das Postulat abgeschrieben werden.


Sabrina Corvini-Mohn (CVP): «Sämtliche gepriesene Namen verbrauchen sich mit einer Schnelligkeit, als wäre die Unsterblichkeit ein Konsumartikel. Ja, es lässt sich geradezu logisch ausrechnen: Weil heute einer als Genie verkündet wird, wird er in zehn Jahren abgetan sein mit verächtlichem Achselzucken.» Dieser Auszug entstammt dem sehr lesenswerten Essay «Vom Ruhm» von Carl Spitteler. Bald steht das hundertjährige Jubiläum seines Literaturnobelpreises an, und die CVP/EVP-Fraktion ist froh, dass man im Baselbiet nicht nur ein Achselzucken dafür übrig hat. In diesem Sinne ist die Fraktion für ein Abschreiben, weil auch etwas passiert.


Daniel Altermatt (glp) informiert, dass Hans Furer vor einer Stunde mit Schüttelfrost nach Hause gehen musste. Der Sprecher unternimmt es, die Freude des Postulanten zu übermitteln darüber, dass sein Vorstoss so viel Bewegung ausgelöst hat. (Er ist sich nicht so sicher, ob dies auch ohne die Anregung geschehen wäre.) Hans Furer lässt auch seinen Dank über die Absicht, das Denkmal zu renovieren, ausrichten, wobei der Postulant darauf hinweist, dass Liestal dank Carl Spitteler mit der Nobelpreismedaille, die hinter einem Schaufenster geborgen liegt, sogar eine kleine Geldanlage zur Verfügung stände. Vor kurzem wurde nämlich eine Medaille für 2,23 Millionen Dollar verkauft (jene von Francis Crick). Das Postulat kann damit als erfüllt abgeschrieben werden.


://: Eintreten ist unbestritten.


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- Beschlussfassung


://: Der Landrat spricht sich stillschweigend für die Abschreibung des Postulats 2013/106 aus.


Für das Protokoll:
Markus Kocher, Landeskanzlei



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