Protokoll der Landratssitzung vom 5., 12. und 19. November 2015

Nr. 197

Kommissionspräsident Christoph Hänggi (SP) erläutert, dass mit dem vorliegenden Postulat der Regierungsrat aufgefordert werde, die Qualität an den Schulden und in der Ausbildung der Sek-I Lehrkräfte in Rahmen der Einführung des Lehrplans 21 zu prüfen und darüber zu berichten. Das Postulat, welches aus der Petition «Qualität an den Schulen und in der Ausbildung der Sek-I Lehrkräfte» hervorging, wurde vom Landrat am 2. Oktober 2014 mit einer Behandlungsfrist von sechs Monaten an den Regierungsrat überwiesen.


Die Forderungen aus dieser Petition lauteten wie folgt: Die Teilfächer der neuen Fächerverbünde sollen ausschliesslich von Lehrpersonen unterrichtet werden, die dafür fachwissenschaftlich adäquat ausgebildet sind. Der fachwissenschaftliche Anteil der Ausbildung angehender Sek-I Lehrpersonen an den Pädagogischen Hochschulen muss massiv erhöht werden. In der Ausbildung angehender Sek-I Lehrpersonen muss jedes Teilfach als eigenständiges Fach zählen.


Sorgen machen die Fächerverbünde Natur und Technik mit Physik, Chemie und Biologie, sowie Räume, Zeiten, Gesellschaften mit Geografie und Geschichte, wie auch Wirtschaft, Arbeit, Haushalt mit Hauswirtschaft und Wirtschaft. Sorgen bereiten aber auch die Gefahr der Verwässerung der fachlichen Ausbildung der Sekundarlehrerinnen und -lehrer, dass die Anforderungen an die Qualifikation der Sekundarlehrerinnen und -leher herabgesetzt wird und es zu sogenannten «Schnellbleichen» bei der Weiterbildung kommen wird. Bereits die Petitionskommission hat die vertiefte Abklärung der vorgebrachten Aspekte unterstützt. Die Bildungs-, Kultur- und Sportkommission beriet die Vorlage in ihrer Sitzung vom 17. September 2015. Eintreten war unbestritten. Die Kommissionsmitglieder waren sich aber einig, das Postulat noch nicht abzuschreiben und der Landratsbeschluss wurde verändert. In der Diskussion stellte sich eine Unzufriedenheit mit der Lehrerausbildung auf der Sek I Stufe heraus. In Bezug auf die Vorlage ist den Mitgliedern zu wenig klar formuliert, wie die Ausbildung für die Fächerverbünde gestaltet wird. Die Frage nach der Gewichtung der Fachausbildung im Verhältnis zum erziehungswissenschaftlichen Teil wurde nach Ansicht der Kommission ebenfalls nicht ausreichend beantwortet. Die Kommission hat deshalb den Landratsbeschluss um einen dritten Punkt ergänzt, welcher lautet:


«Der Landrat beauftragt den Regierungsrat, eine aktualisierte Analyse der Ausbildungssituation und Ausbildungsqualität zu erarbeiten und dem Landrat vorzulegen.»


Diesen veränderten Beschluss hat die Kommission mit 12:0 Stimmen bestätigt.


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- Eintretensdebatte


Paul Wenger (SVP) votiert, der Kommissionspräsident habe die wesentlichen Punkte erwähnt. In der Kommission wurden jedoch unter anderem zwei Punkte diskutiert, welche für die SVP-Fraktion zentral sind. Es geht einerseits um den fachwissenschaftlichen Anteil, Christoph Hänggi hat ihn ebenfalls erwähnt. Für die SVP-Fraktion ist nach wie vor nicht verständlich, weshalb eine fachwissenschaftliche Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule mehr Punkte einbringt als eine an einer Universität erworbene . Dasselbe gilt für den Umstand, dass jemand mit einem Weg über die Universität, wenn er danach auf derselben Schulstufe unterrichtet, allenfalls eine Lohnklasse tiefer eingestuft ist, als derjenige, der von der Pädagogischen Hochschule kommend dort unterrichtet. Das sind Punkte, die richtigerweise weiter abgeklärt werden müssen.


Die SVP-Fraktion wird dem Antrag der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission einstimmig folgen und das Postulat nicht abschreiben.


Miriam Locher (SP) sagt, sie fände es erfreulich, dass mit dieser Vorlage ein Weg aufgezeigt werde, dass gerade mit einer kritischen Haltung gegenüber einer Änderung in Bezug auf den neuen Lehrplan konstruktiv gearbeitet und politisiert werden könne. Auch die SP-Fraktion ist der Meinung, dass bei der Ausbildung der Sek-I Lehrkräfte noch Verbesserungspotential vorhanden ist. Es scheint sinnvoll und unterstützenswert, dahingehend eine Analyse zu erstellen und diese dann dem Landrat erneut vorzulegen. Die Tatsache, dass die Petitionsgruppe aus einer Fachgruppe aus dem Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland hervorgegangen ist und es sich bei einer Petition um ein sehr konstruktives Mittel handelt, ist besonders erfreulich. Mit diesem Mittel wird der Regierung eine Idee weitergegeben, ohne sich bereits alles zu verbauen. Die SP-Fraktion erachtet diesen Weg als viel konstruktiver, als ständig neue Initiativen zu starten, welche den Kanton blockieren und insofern nichts bringen, weil alle Bildungsprobleme vierkantonal angegangen werden müssen. Keine Petition von «Starke Schule Baselland», sondern von mitdenkenden Fachpersonen. Die SP-Fraktion stimmt daher, entsprechend der Fachkommission, gegen die Abschreibung des Postulats.


Paul R. Hofer (FDP) ergänzt, dass er das Gante etwas bildlich ausführen möchte. Wenn beispielsweise an der Fachhochschule Segelflugpiloten ausgebildet werden und die Universität Airbus 320 Piloten ausbildet, es aber eigentlich auch Airbus 320 Piloten braucht, so müssen die Anpassungen entweder auf der Seite der Fachhochschule geschehen oder aber die Ausbildungen ausschliesslich an der Universität geschehen. Deshalb ist die FDP-Fraktion der Meinung, dass der dritte Punkt, so wie er nun als Ergänzung hier steht und beinhaltet, dass eine weitere Analyse notwendig ist und keine Abschreibung erfolgen sollte, ernsthaft angeschaut werden sollte.


Florence Brenzikofer (Grüne) votiert, dass der Umstand, dass die Kommission das Postulat nicht abschreibe, sondern dieses mit einem zusätzlichen Punkt noch ergänze, von der Grüne/EVP-Fraktion sehr begrüsst werde. Die Schwierigkeit, sie wurde bereits genannt, ist die heterogene mit der integrierten Ausbildung und dem konsekutiven Ausbildungsweg. In diesem Bereich gäbe es ein grosses Sparpotential ohne große Einbusse als Folge und deshalb muss dieser Weg unbedingt weiterverfolgt werden.


Sabrina Corvini-Mohn (CVP) erklärt, dass auch die CVP/BDP-Fraktion diese Petition als sehr richtig und wichtig erachte. Deshalb ist es auch nötig, das Postulat nicht abzuschreiben, zumal es auch der falsche Zeitpunkt wäre, da noch eine Volksabstimmung ausstehend ist und somit nicht gar nicht klar ist, wie die Sek-I Lehrpersonen ausgebildet werden müssen. Ein Punkt, an dem sich die Fraktion an dieser Ausbildung generell stört, ist der, dass schweizweit überhaupt keine Harmonisierung stattfindet. Es wird zwar von HARMOS gesprochen und in der Volksschule möchte man die Lehrmittel vereinheitlichen, sowie dieselben Stundenpläne generieren, die Person jedoch, die das Wissen vermittelt, hat je nach Kanton einen ganz unterschiedlichen Rucksack. Das ist sehr unbefriedigend, weil die Fraktion der Meinung ist, dass die Qualität der Schulen sehr stark mit der Qualität der Ausbildung der Lehrpersonen zusammenhängt. Deshalb ist es wichtig, dieses Postulat heute nicht abzuschreiben.


Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) sagt, er sei froh, dass die SP-Fraktion mittlerweile auch erkenne, dass diese «Gleichschlaterei» der Kinder in den Schulen sehr wenig bringe. Hätte es aber verschiedene Initiativen nicht gegeben, gäbe es heute keine KVS mehr und auch eine BVS II wäre nicht mehr vorhanden. Dies wäre dann der SP-Bildungspolitik der letzten Jahre zu verdanken gewesen. Dass der Widerstand gegen die mangelnde Fachausbildung nun eine Breite angenommen hat, welche weit über das hinausgeht, was die «Starke Schule Baselland» gemacht hat, sondern nun von der gesamten Lehrerschaft getragen wird, und dies auch von der SP-Fraktion anerkannt wird, ist ein gutes Zeichen. Da hat sich die Partei sicher einen Schritt in die richtige Richtung bewegt.


Bei der alten Ausbildung war die Fachausbildung im Rahmen von etwa 60 Creditpoints, während sie in der ersten Version, welche auch die SP-Fraktion noch unterstützte, einen Wert von 23 Creditpoints hatte. Jetzt gibt es Massnahmen, welche darauf abzielen, die Fachausbildung auf 40 Creditpoints zu erhöhen, was lediglich etwa zwei Dritteln der Punkte entspricht, die man früher erhielt. Das reicht natürlich bei weitem nicht, die glp/GU-Fraktion möchte eine fundierte Fachausbildung, welche in etwa der entspricht, die sie früher war. Die Pädagogische Hochschule kann dies aber nicht leisten und deshalb muss die Ausbildung der Lehrpersonen der Sekundarstufe I analog derer der Sekundarstufe II an der Universität erfolgen. Selbstverständlich muss dies vierkantonal geregelt werden und sicherlich sind diese Verhandlungen nicht ganz einfach. Aber mit der neuen Bildungsdirektorin ist die Fraktion überzeugt, dass diese das mit neuem Wind angehen und auch dafür sorgen kann, dass die hängigen Initiativen möglichst schnell zur Abstimmung gelangen. Es gibt zu diesem Thema eine Initiative, vielleicht sogar gleichzeitig mit der Erstellung dieses Berichts, welche auch in die richtige Richtung geht. Die glp/GU-Fraktion hat grosses Vertrauen in die neue Bildungsdirektion und glaubt, dass diese eine gute Arbeit leistet.


Pascal Ryf (CVP) sagt, dass er als einer der Petenten des Anliegens natürlich froh sei, dass die Bildungskommission einerseits die Rückweisung an den Regierungsrat beantrage , andererseits zeige auch die «Rose an die konstruktive Politik» , wie Miriam Locher vorhin gesagt habe , dass dies nicht ein parteipolitisches Thema sei sondern ein sachpolitisches Anliegen, nämlich die Qualität an den Schulen hoch zu halten. Falls es aber, gemäss der ersten Forderung, zu Sammelfächern kommen sollte, wäre es besser, wenn Lehrpersonen nur Teilfächer unterrichten würden, in denen sie fachwissenschaftlich adäquat ausgebildet sind. Dieser Punkt kommt der CVP/BDP-Fraktion im Bildungsbericht etwas zu kurz und soll an dieser Stelle an Regierungsrätin Monica Gschwind mitgegeben werden, diese erste Forderung in der Antwort des Regierungsrates auch zu berücksichtigen.


Regierungsrätin Monica Gschwind (FDP) sagt, es sei ihr bewusst, dass eine große Unzufriedenheit in Sachen Lehrerausbildung im Kanton Baselland bestehe. Auch für sie stellen sich noch viele Fragen und wie Jürg Wiedemann gesagt hat, gibt es noch eine hängige Initiative, sowie ein Postulat von Marc Joset, welches in dieselbe Richtung zielt. Die Sache wird nicht einfacher, dass bezüglich Fachhochschule alles vierkantonal entscheiden werden muss, dennoch konnte in den letzten drei Monaten im Regierungsausschuss der Fachhochschule sehr intensiv über dieses Thema diskutiert werden und der Fachhochschulrat informierte den Ausschuss auch gut darüber, wie der Stand der Dinge ist. Es werden nach wie vor vertiefte Abklärungen vorgenommen und es ist gut, wenn diese dann gelegentlich alle in einen Bericht einfliessen können, um Fragen zu beantworten, wie der Stand ist und was möglich erscheint und was nicht. Deshalb soll das Postulat nicht angeschrieben werden, damit noch einmal darüber berichtet werden kann.


://: Eintreten ist unbestritten.


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- Detailberatung Landratsbeschluss


Keine Wortmeldung.


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- Rückkommen


Es wird kein Rückkommen verlangt.


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- Schlussabstimmung


://: Dem Landratsbeschluss zum Bericht über das Postulat 2014/297 betreffend Petition «Qualität an den Schulen und in der Ausbildung der Sek-I-Lehrkräfte» wird stillschweigend zugestimmt.


Landratsbeschluss


betreffend Bericht zum Postulat 2014/297 betreffend Petition «Qualität an den Schulen und in der Ausbildung der Sek-I-Lehrkräfte»


vom 5. November 2015


Der Landrat des Kantons Basel-Landschaft beschliesst:


1. Vom Bericht zum Postulat 2014/297 betreffend Qualität an den Schulen und in der Ausbildung der Sek-I-Lehrkräfte wird Kenntnis genommen.


2. Das Postulat 2014/297 wird nicht abgeschrieben.


3. Der Regierungsrat wird beauftragt, eine aktualisierte Analyse der Ausbildungssituation und Ausbildungsqualität zu erarbeiten und dem Landrat vorzulegen.


Für das Protokoll:
Miriam Bubendorf, Landeskanzlei


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