Protokoll der Landratssitzung vom 3. November 2016

Wie Landratspräsident Philipp Schoch (Grüne) mitteilt, ist der Regierungsrat zur Entgegennahme des Vorstosses als Postulat bereit.

> Begründung des Regierungsrats

Rolf Blatter (FDP) wurde zur Motion motiviert, nachdem das Bundesamt für Statistik festgestellt hatte, dass hinter der deutschen Sprache die zweitwichtigste Sprache in der Schweiz nicht Englisch, sondern Französisch ist. Als kleinen, einigermassen kostenneutralen Beitrag schlägt er vor, mindestens einmal während der obligatorischen Schulzeit ein Lager in der Romandie statt in der Deutschschweiz durchzuführen.

Auch die Überweisung als Postulat wäre in Ordnung. Aber die Stellungnahme ist ein wenig besorgniserregend, denn es soll gegenüber den Schulleitungen höchstens eine unverbindliche Empfehlung abgegeben werden. Eigentlich könnte man heute schon Lager in der Romandie machen, wenn man denn nur wollte; aber die Erfahrung zeigt, dass der Lehrkörper den Weg des geringeren Widerstandes geht, und weil auch er sich mit der französischen Sprache mehr oder weniger schwer tut, wird es bei einer wirkungslosen Empfehlung bleiben. Eine etwas schärfere Formulierung wäre wünschenswert.

Roman Brunner (SP) dankt dem Vorredner für seine Bereitschaft, die Motion in ein Postulat umzuwandeln. Ein Teil der SP-Fraktion würde einen Einbezug der italienischsprachigen Schweiz begrüssen; ein anderer Teil hat auch Sympathien für das Postulat in der vorliegenden Form.

Erstaunlich – aber nicht unsympathisch – ist, dass aus der FDP-Fraktion ein Vorstoss kommt, der mehr Regulierung, mehr Gesetz verlangt. Es gilt aber zu bedenken, dass mit der Kürzung der Lageraufstockung sowieso weniger Schullager stattfinden werden, und deshalb ist wohl nicht mehr als eine Empfehlung an die Schulleitungen möglich. Denn letztlich liegt dies in der Verantwortung der teilautonomen Schulen.

Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) erklärt, die glp/GU-Fraktion lehne den Vorstoss dezidiert ab, auch als Postulat. Rolf Blatter macht einen Denkfehler: Grundsätzlich ist ein Lager in der Romandie oder auch im Tessin etwas Sinnvolles und Wichtiges. Aber das Lagerbudget für die nur noch drei Jahre dauernde Sekundarstufe I ist so stark zusammengestrichen worden, dass es nicht mehr für mehr als ein Lager pro Klasse und Schuljahr reicht. Das bedeutet, dass auf der Sekundarstufe I max. 3 Lager möglich sind. Es gibt sehr viele verschiedene Typen von Lagern, von denen jeder einzelne pädagogisch sehr sinnvoll ist. Es wird niemand bestreiten, dass z.B. ein Sportlager etwas extrem Wichtiges ist. Musiklehrer gehen gerne in ein Musiklager, weiter gibt es Theaterlager – auch das ist sehr wichtig. Andere führen Alpenlager durch, die unbestritten pädagogisch wichtig sind, oder Abschlusslager, die ebenfalls wertvoll sind. Diese Palette nun einzuschränken, indem verpflichtend ein Typ von Lager vorgeschrieben wird, wäre einschneidend und würde wohl dazu führen, dass Sportlager gestrichen werden müssten. Das sollte den Klassenlehrern nicht zugemutet werden; sie sollten weiterhin die Lagertypen bestimmen und weiterhin mit jeder Klasse dreimal in ein Lager fahren können.

Paul Wenger (SVP) sagt namens der SVP-Fraktion, eine Motion hätte sie abgelehnt, aber ein Postulat werde sie überweisen.

Jürg Wiedemann macht möglicherweise selber einen Denkfehler, denn es leuchtet nicht ein, wieso beispielsweise nicht auch ein Sportlager in der Romandie durchgeführt werden könnte. Auch ein Wanderlager in den Waatländer Alpen wäre möglich. Es ist hingegen richtig, dass die Schulleitung das zuständige Organ ist. Sie darf sich ruhig einmal etwas unbeliebt machen beim einen oder anderen Lehrer – vielleicht auch in Allschwil – und ihm vorgeben, dass er statt auf die Blüemlisalp nach Charmey fahren soll.

Andrea Heger (EVP) gibt bekannt, dass die Grünen/EVP-Fraktion das Anliegen grundsätzlich unterstütze. Aber ein Schullager in der Romandie bringt je nachdem den gewünschten Erfolg nicht, nämlich wenn man dort einfach ein Sportlager durchführt ohne Austausch mit der Gegend. Wichtig und vielversprechend sind Austauschprojekte; das kann in der Romandie sein, es könnte aber auch im grenznahen Elsass sein.

Dem Postulat stimmt die Fraktion Grüne/EVP zu.

Sabrina Corvini-Mohn (CVP) erklärt, die CVP/BDP-Fraktion unterstütze den Vorstoss ebenfalls in der Form eines Postulats. Die Vielsprachigkeit der Schweiz ist sicherlich ein Vorteil, den es zu nutzen gilt. Aber die Voraussetzungen für Lager sind zur Zeit nicht allzu ideal, und deshalb sollte man es bei Empfehlungen an die Schulleitungen belassen.

Marc Schinzel (FDP) findet es schön, dass er einmal den Mathematiker Jürg Wiedemann bei der Logik packen kann. Für Sportlager bietet die Romandie viele Möglichkeiten: Veysonnaz, Nendaz, Leysin, Vallée de Joux (z.B. für Langlauflager); ebenso für Musiklager: die schönste Orgel der Schweiz befindet sich z.B. in der Valéria-Kathedrale in Sitten. Es gibt also viele Möglichkeiten, Sport oder Musik mit der Sprache zu verbinden – und dabei erst noch zu sparen.

Paul Wenger hat Rolf Blatter (FDP) aus dem Herzen gesprochen. Er hat einige Jahre in Lausanne gelebt und gearbeitet und kann deshalb Jürg Wiedemann versichern, dass auch in der Westschweiz die Leute nicht auf den Bäumen leben. [Heiterkeit] Das ist auch eine zivilisierte Gesellschaft, und dort gibt es ebenfalls Schuler, die auch Lager mit themenspezifischen Schwerpunkten durchführen. Insofern liegt das Problem eher bei der Denkhaltung gewisser Deutschschweizer Lehrkräfte, die mit dem «blöden Sch...-Französisch» hadern und sich schwertun, mit gutem Beispiel voranzugehen. Dort hapert es, und dem soll mit dem Postulat entgegengewirkt werden.

Regierungsrätin Monica Gschwind (FDP) betont, auch dem Bund sei es ein Anliegen, dass der sprachregionenüberschreitende Austausch intensiviert werde. Das Bundesamt für Kultur möchte im Rahmen eines Projekts dafür eine nationale Agentur schaffen. Auf einer Website soll niederschwellig der Kontakt zwischen austauschwilligen Klassen vermittelt werden.

Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) hat die Botschaft verstanden. [Heiterkeit] Alle Klassen gehen einmal ins Welsche, und dafür wird das Lagerbudget um ein Drittel erhöht, damit ein zusätzliches, viertes Lager möglich wird. – Das wäre ein sinnvoller Kompromiss. Wenn das Postulat überwiesen wird, sollte die Regierung überlegen, ob der entsprechende Budgetposten nicht erhöht werden könnte.

«Alors, voil », spricht Landratspräsident Philipp Schoch (Grüne) [Heiterkeit], um fortzufahren, dass jetzt leider nicht mehr viel mehr komme... [Gelächter]. Er meint, vielleicht müsse man einmal eine Landratssitzung im Welschland durchführen, und schreitet zur Abstimmung.

://: Der Vorstoss 2016/297 wird mit 58:12 Stimmen bei 1 Enthaltung als Postulat überwiesen.

[Namenliste]

 

Für das Protokoll:
Alex Klee-Bölckow, Landeskanzlei