Protokoll der Landratssitzung vom 3. November 2016

Landratspräsident Philipp Schoch (Grüne) bemerkt einleitend, dass die Regierung das Postulat entgegennehmen wolle.

Roman Brunner (SP) ergreift Opposition gegen die Überweisung. Es gibt eine zunehmende Zahl von Ausfällen bei Lehrpersonen, wie im Postulat steht wegen Burn-Out, Erschöpfung und aufgrund struktureller Mängel bei der Ausbildung. Dass dieses Problem mit Eignungstests bei Studienbeginn behoben werden kann, ist falsch. Es braucht eine ganzheitliche Betrachtung der Situation; neben der Berufseignungsabklärung sind auch Inhalte der Ausbildung und die veränderte Arbeitsbelastung der Lehrpersonen für die Situation verantwortlich.

Derzeit findet an der PH eine Eignungsabklärung statt, das Ergebnis ist aber nicht rechtlich bindend. Nicht geeignete Studierende werden erst beim wiederholten nicht-bestehen des ersten Praktikums ausgeschlossen. Aufgrund des modulartigen Aufbaus des Studiums kann die zu einem späten Zeitpunkt erfolgen. Die Verantwortung über den Ausschlussentscheid liegt nicht bei der Pädagogischen Hochschule, sondern bei der Praxislehrperson, welche die Studierenden nur kurz sieht und betreut und dann entscheiden muss; da besteht für die PH Handlungsbedarf.

Die Lösung kann aber nicht sein, dass angehende Lehrpersonen bereits vor Studienbeginn von der Ausbildung ausgeschlossen werden. Falls es sich durch eine sorgfältige Berufseignungsabklärung zeigen sollte, dass eine Person für den Lehrerberuf ungeeignet ist, muss die PH Mechanismen entwickeln, um sie von der Ausbildung auszuschliessen. Eine sorgfältige Eignungsabklärung ist vonnöten und nicht kostenlos zu haben. Der im Postulat geforderte Eignungstest ist aber das falsche Mittel, um die Berufseignung vor Studienbeginn abzuklären. Die SP-Fraktion lehnt daher das Postulat ab.

Caroline Mall (SVP) dankt der Regierung für die Entgegennahme des Postulats, ist aber enttäuscht, dass die Linken bei jedem Postulat dem Kern zustimmen, aber das Instrument nicht richtig finden. Die Praxis ist viel zu wenig eingebunden. Es gibt bestimmt viele tolle, junge Lehrpersonen wenn eine Klasse heterogen gefüllt ist. Am Vormittag wurde im Bildungsbericht darauf hingewiesen, dass sämtliche Gefässe abgeschafft werden, da der Grundsatz Integration vor Separation gilt. Das Bildungsgesetz ist im Umbruch, die Fördermassnahmen nehmen zu usw. Es wird nicht bedacht, wie sich die jungen Lehrpersonen fühlen, die sich dessen vorgängig nicht bewusst sind. Die kurzen Praktika reichen nicht aus um abzuschätzen, ob man dafür geeignet und den Anforderungen gewachsen ist, d.h. ob man raffiniert, sensibel genug ist, um mit heiklen Situationen mit 24 integrierten Schülerinnen und Schülern umgehen zu können, mit dem Heilpädagogen, dem Sonderpädagogen, der DaZ-Lehrperson. Es gibt zwingend Handlungsbedarf, der schon angegangen wird. Der Antrag ist offen formuliert, vielleicht wird eine pragmatische Lösung gefunden, so dass abgelehnte Personen trotzdem berücksichtigt werden können. Den Studierenden muss klar sein, was von ihnen verlangt wird – Kompetenzen, nicht nur Noten.

Sabrina Corvini-Mohn (CVP) sagt, dass die CVP/BDP-Fraktion Sympathien für den Vorstoss habe und ihn unterstütze. Der Antrag ist offen formuliert, die Form der Prüfung ist nicht vorgegeben. Eine sorgfältige Prüfung ist der Fraktion wichtig, nicht dass jemand einfach für untauglich erklärt wird und damit die Berufskarriere unmöglich ist. Auch an anderen Hochschulen gibt es Eignungstests, es ist also nicht systemfremd. Da das Bildungssystem mit den Lehrpersonen steht und fällt ist es richtig, dort anzusetzen.

Heinz Lerf (FDP) sagt, in der FDP finde Caroline Mall Verbündete. Die Ausarbeitung eines aussagekräftigen und vertieften Eignungstests ist nicht einfach, die FDP ist gespannt auf die Antwort.

Marie-Theres Beeler (Grüne) informiert, dass der Vorstoss auch in der Grüne/EVP-Fraktion auf Sympathie stosse. Die Kompetenz der Lehrperson ist nicht nur eine Frage der Ausbildung. Gewisse Kompetenzen, insbesondere soziale Kompetenzen, müssen mitgebracht werden. Sie sind nicht nur Teil eines Psychogramms, sondern die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen, Interesse an Kindern und Jugendlichen zu haben, Geduld, Beziehungsfähigkeit, etc., die auch im Praktikum bewiesen werden müssen. Es ist schwierig, jemanden zu der PH zuzulassen, der die Entwicklung dieser Kompetenzen nur in geringem Mass in Aussicht stellt. Die Fraktion unterstützt den Vorstoss im Sinn von Sabrina Corvini, dass angeschaut werden muss, wie so ein Test sinnvoll aussehen könnte.

Paul Wenger (SVP) fordert zur Zustimmung und Überweisung auf. Der ehemalige Rektor der PH, Hermann Forneck, sagte, dass 1/3 der Studierenden gute Lehrpersonen werden, 1/3 wissen nicht, was sie studieren sollen und die letzten 1/3 werden nie gute Lehrpersonen. Es ist dringend nötig, dies abzuklären, dass das Drittel mindestens auf die Hälfte wächst.

Martin Rüegg (SP) findet die Diskussion seltsam. Gerade kürzlich hat ein Studienanfänger ein Eignungspraktikum bei ihm absolviert. Nach diesem Praktikum wurde die Eignung abgeschätzt. Diese Phase soll auf einen Eignungstest verkürzt werden, ohne die Klassen einzubeziehen. Wie soll die Eignung besser beurteilt werden als direkt vor der Klasse? Das erste Studienjahr mag als zu spät bezeichnet werden, aber der Eignungstest findet vermutlich auch erst kurz vor Studienbeginn statt, es geht also um ein Jahr. Wenn die Aussagekraft abgewogen werden muss, ist es klar das Praktikum, in dem gesehen wird, wie die Studierenden situativ im Alltag auf Probleme reagieren. Dem Vorstoss kann nichts abgewonnen werden, es braucht das Praktikum und Leute mehrere Wochen an der Front, dann kann dies fundiert entschieden werden.

://: Das Postulat 2016/147 wird mit 52:16 Stimmen bei zwei Enthaltungen überwiesen.

[Namenliste]

 

Für das Protokoll:
Léonie Schwizer, Landeskanzlei