Protokoll der Landratssitzung vom 28. September 2017

Landratspräsidentin Elisabeth Augstburger (EVP) informiert, dass der Regierungsrat das Postulat ablehne.

> Begründung des Regierungsrats

Florence Brenzikofer (Grüne) erklärt, dass der Lehrplan 21 den Punkt BNE enthalte – Bildung für nachhaltige Entwicklung. Es handelt sich um einen interdisziplinären Bereich, der alle Fächer durchdringt, vergleichbar mit dem ICT, das ähnlich funktioniert. Im Umweltschutzgesetz steht, dass der Kanton zuständig ist für die Ausbildung der kantonalen und kommunalen Angestellten in diesem Bereich. Nun, mit der Einführung des Lehrplans 21 auf Primarstufe, und ab nächstem Jahr auch auf Sekundarstufe, muss der Kanton dies als Aufgabe wahrnehmen.

Die Ablehnung der Regierung wird vor allem mit den Finanzen begründet. Die Postulantin schreibt in ihrem Vorstoss aber nicht, wo die Fachstelle angesiedelt und wie hoch sie dotiert sein soll. Unter Prüfung versteht sie, dass es darum geht, herauszufinden, welche direktionsübergreifenden Stellen davon betroffen sind. Direktionsübergreifend deshalb, weil der Bereich BNE drei Direktionen umfasst: Amt für Umweltschutz und Energie (mit Abfall, Boden, Wasser), die Landwirtschaft in der VGD (mit Projekten wie «beim Bauern in die Schule» und als dritte Direktion die BKSD mit dem Schwerpunkt Bildung. Es geht aber um einen Zusammenzug, um eine Anlaufstelle, welche diese drei Direktionen umfasst und wo die verschiedenen Projekte zusammenlaufen können. Die Nachbarkantone zeigen auf, wie das funktionieren kann.

In der Region gibt es Landwirtschaftsbetriebe und Forstämter mit Interessen an solchen schulischen Projekten. Das Bedürfnis ist also einerseits von Seiten Schule gegeben, andererseits auch von Seiten der Betriebe, die gerne mit den Schulen zusammenarbeiten würden. Es besteht somit ein Gewinn auf beiden Seiten. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung ist es wichtig, dass Themen wie Wald, Holz etc. nicht nur auf dem Tablet serviert werden. Es gibt zwar spannende elektronische Spiele, um den Wald zu erforschen. Das Wichtigste ist aber die originale Begegnung, die nicht verloren gehen darf – auch weil sie Emotionen weckt. Deshalb ist sie von der Notwendigkeit einer Überprüfung überzeugt.

Das Postulat fordert eine Fachstelle für sach- und naturbezogene Umweltbildung, damit das, was im Lehrplan festgehalten ist, auch umgesetzt werden kann und lokale Anbieter berücksichtigt werden können. Die Postulantin bittet um Zustimmung, damit solch niederschwellige Projekte in Zukunft stattfinden können.

Hansruedi Wirz (SVP) sagt, dass seine Fraktion der Postulantin nicht ganz folgen könne. Sie hat das Gefühl, dass die Begründung der Regierung ausreichend aufgezeigt habe, dass das Aus- und Weiterbildungsangebot ausreichend sei. Die Mehrheit der SVP-Fraktion findet, dass es deshalb keine neue Fachstelle braucht. Sie lehnt den Vorstoss ab.

Zudem: Damit das, was Florence Brenzikofer am Ende ihres Plädoyers gefordert hatte, umgesetzt werden kann, braucht es keine Fachstelle. Das gibt es heute schon und braucht keine zusätzliche Organisation.

Christine Frey (FDP) sagt, dass die FDP-Fraktion verstanden hat und nachvollziehen kann, was das Anliegen von Florence Brenzikofer ist. Ein Ausbau des Staats liegt aber in der DNA der FDP. Sie meint, dass mit den bestehenden Angeboten als auch der Koordination des AVS Genüge getan wird. Deshalb ist die FDP dezidiert gegen eine Überweisung.

Stefan Zemp (SP) kann die Argumentation der Regierung, es brauche keine Fachstelle, nachvollziehen. Das ist aber in der heutigen Zeit der digitalen Vernetzung zu kurz gegriffen. Es gibt eine sehr grosse Vielfalt von privaten Anbietern. Z.B. waren erst letzthin er und andere Landräte im Wald, wo sie in das Ökosystem der Ameisen eingeführt wurden. Genau in dieser Vielfalt liegt das Problem. Es braucht eine Vernetzung. Das ist die Aufgabe der Bildungsdirektion, oder zumindest einer Stelle dort. Es braucht keine neue Fachstelle, aber Ressourcen, welche die Vernetzung ermöglichen und diese den Schulen kommunizieren – auf dass niemals die Aussage gehört werden muss, dass Milch nicht von der Kuh, sondern aus dem Tetrapack komme.

Pascal Ryf (CVP) kann, auch im Namen der CVP/BDP, die Begründung der Regierung nicht nachvollziehen. Die Fraktion ist natürlich auch gegen einen Ausbau des Staats. In der Begründung zeigt sich aber, dass die vielen bestehenden Ämter eigentlich eine ineffiziente Organisation bezüglich Umweltbildung aufzeigen. Die Fraktion ist aber für einen effizienteren Betrieb, weshalb die Gründung eines Kompetenzzentrums sinnvoll ist. Das muss keine neue Stelle sein. Aber es kann nicht sein, dass alle ein bisschen verantwortlich sind, aber niemand wirklich. Es soll im Sinne einer Effizienz (und nicht Ausbau) des Staats ein Kompetenzzentrum eingerichtet werden, an das man sich wenden kann. Deshalb wird die CVP/BDP-Fraktion das Postulat unterstützen.

Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) sagt, dass die Fraktion glp/GU das Postulat ablehne. Einerseits gibt es in den Schulen bereits relativ viele Angebote, die bereits in diese Richtung gehen. Was ist letztlich der Nutzen und der Gewinn? Diese Massnahme wird am Ende sicher auch Geld kosten, das Bildungskonto wird aber nicht aufgestockt, weshalb man das Geld irgendwo anders einsparen muss.

Auf der anderen Seite gibt es im Lehrplan 21 tatsächlich Elemente, die in diese Richtung gehen. Nur ist für den Votanten dieser Lehrplan natürlich kein Argument. Es ist bekannt, dass die Regierungsrätin Monica Gschwind im Moment an den Stoffverteilungsplänen ist. Das sieht dort sehr gut aus. Davon wird mit dem Lehrplan 21 auch ein Stück weit abgewichen. Er wird zwar weiter existieren, aber verstauben in den Schubladen. Deshalb macht es keinen Sinn, auf Basis des Lehrplans 21 Entscheidungen zu fällen, die letztlich Kosten verursachen werden.

Florence Brenzikofer (Grüne) möchte betonen, dass sich heute drei Direktionen mit dem Thema befassen. AUE, VGD und BKSD. Das Ziele wäre eine Zusammenfassung, was viel effizienter wäre. Es würde alles vereinfachen. Es ist nicht so, wie Jürg Wiedemann und die Regierung sagen, dass es bereits genügend Angebote gäbe. Der Bedarf ist vorhanden. Es gibt genug Anfragen von den Schulen, und auch für die Anbieter wäre eine einzelne Anlaufstelle sinnvoll.

Regierungsrätin Monica Gschwind (FDP) sagt, dass es der Regierung nicht nur um finanzielle Überlegungen geht. Sie hat bereits dargelegt, weshalb es dafür keine separate Fachstelle braucht. Es ist kaum anzunehmen, dass es damit effizienter würde. Stefan Zemp hat darauf hingewiesen, dass man heute digital vernetzt sei. Daraus zieht sie aber den umgekehrten Schluss: Gerade wegen der digitalen Vernetzung ist dieses Angebot nicht nötig. Jede Lehrpersonen hat die Möglichkeit, auf die für sie nötigen Informationen zuzugreifen. Hansruedi Wirz ist voll zuzustimmen, dass heute bereits vieles stattfindet. Es braucht nicht noch etwas Zusätzliches angeschoben zu werden. Der Rat sei gebeten, das Postulat abzulehnen.

://: Der Landrat lehnt das Postulat 2017/185 mit 47:32 Stimmen bei einer Enthaltung ab.

[Namenliste]

Landratspräsidentin Elisabeth Augstburger (EVP) wünscht allen einen schönen Abend und erholsame Herbstferien. Sie schliesst die Sitzung um 16.30 Uhr.

 

Für das Protokoll:
Markus Kocher, Landeskanzlei