Protokoll der Landratssitzung vom 25. Juni 2015

Nr. 2995

Kommissionssprecher Paul Wenger (SVP) stellt den Bericht der BKSK vor. Mit dem Postulat 2012/362 wird der Regierungsrat eingeladen, zu prüfen und zu berichten, wie Doppelspurigkeiten zwischen der FHNW und der Universität Basel vermieden werden sollen, nachdem diese Anfang 2012 eine Vereinbarung zur Kooperation in Promotionsverfahren verabschiedet hatten. Die Ausgangslage ist klar: Aufgrund der Gesetze ist eine Promotion an der FH bislang nicht möglich. Nur Universitäten und universitäre Hochschulen wie die ETH können Doktortitel verleihen. Es gibt also keine Doppelspurigkeiten.


Die BKSK hat das Geschäft am 7. Mai 2015 beraten. Einige Kommissionsmitglieder haben sich grundsätzlich kritisch gegenüber dem Trend zur Akademisierung geäussert. Es sei keine gute Entwicklung, wenn die Berufslehre zunehmend als Weg zur Hochschule betrachtet werde. Könnten Fachhochschulen Doktortitel vergeben, bestünde die Gefahr, dass die Qualität der Doktortitel verwässert würde. Gleichzeitig könnte die Praxisorientierung der FH verloren gehen, stünden nur noch Dozierende im Einsatz, welche den universitären Weg beschritten haben.


Bedenken aus der Kommission, was die Kostenfolgen eines vermehrten Zugangs zur Promotion betrifft, konnten zerstreut werden: Nur eine sehr geringe Zahl von FHNW-Absolvierenden erfülle die Voraussetzungen für eine Promotion. Die Durchlässigkeit gelte nur für begabte und hochmotivierte Studierende - das ist auch bisher der Fall.


Die Regierung hat erschöpfend und umfassend informiert. Die Kommission empfiehlt daher mit 11:0 Stimmen bei 1 Erhaltung das Postulat als erfüllt abzuschreiben.


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- Eintretensdebatte


Georges Thüring (SVP) hält ergänzend zu den Ausführungen seines Vorredners fest, dass Kooperationen zwischen FH und Uni schon heute möglich sind und erfolgreich umgesetzt werden. Zum Beispiel hat das neu gebildete Institut für Bildungswissenschaften zum Ziel, besonderes qualifizierten PH-AbsolventInnen ein Doktorstudium zu ermöglichen. Man darf gespannt sein, ob dieses Angebot Anklang findet. Die Universitäten stehen der Verleihung von Doktortiteln an der FH übrigens ablehnend gegenüber. Auch der Bundesrat hält fest, dass nach heutigem Gesetz, ein Doktorstudium den Universitäten vorenthalten sein soll. Die SVP-Fraktion teilt die Meinung des Regierungsrates, dass im Einzelfall die Kooperation zwischen Uni und FH gefördert werden kann, dazu braucht es aber zunächst gesetzliche Grundlagen auf Bundesebene. Aber auch dann bleibt die SVP-Fraktion skeptisch, ob dieser Weg der richtige ist.


Die SVP-Fraktion wird dem Antrag auf Abschreibung zustimmen.


Auch die SP-Fraktion ist für ein Abschreiben des Postulats, so Christoph Hänggi (SP). Allerdings ist die Fraktion weniger skeptisch als die SVP-Fraktion. Es gibt keine Doppelspurigkeiten und nur wenige Spitzenkräfte der FH wechseln an die Uni, um dort einen Doktortitel zu machen. Das ist gut. Es besteht in der Schweiz keine Einigkeit darüber, dass auch an den FH Doktortitel vergeben werden sollen. Eine Entwicklung in diese Richtung ist im Moment nicht absehbar.


Christoph Buser (FDP) ist mit seinen Vorrednern einverstanden. Es gibt offenbar zwei Wege, das Thema zu betrachten. Es braucht unterschiedliche Profile für die Uni und die FH. Die FH orientiert sich mehr an der Praxis, die Uni mehr an der Grundlagenforschung. Viele FH haben aber den Drang, mehr Doktortitel oder sogar Professuren anbieten zu können. Früher kamen viele Dozenten an den FH aus der Praxis. Heute nehmen die Leute aus der Praxis in der Tendenz ab. Aus dieser Verschiebung heraus erwuchs die Forderung nach mehr Nachwuchs, welche mit den Passarellen-Angeboten sichergestellt werden soll. In des Votanten Augen sind die Passarellen der «erste Schnitt am Salami». Es gilt aufzupassen, dass die FH als praxisnahe Alternative zur Universität nicht durch eine Angleichung an die Uni gefährdet wird. Es gibt in der Wirtschaft bereits viele kritische Stimmen betreffend MBA.


Das Anliegen wurde geprüft und es wurde berichtet. Der Votant ist einverstanden mit der Abschreibung.


Für Sabrina Corvini-Mohn (CVP) befindet man sich in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite steht das duale Bildungssystem, das sich bewährt hat und auf der anderen Seite steht die globale Entwicklung. In der Schweiz orientiert man sich immer mehr an den Abschlüssen des Auslands. Das ist nicht grundsätzlich falsch, es stellt sich aber immer mehr die Frage, was man wirklich möchte. Der Trend zur Akademisierung wird eine Herausforderung sein.


Heute wird an den Informationsabenden in der neunten Klasse eine sehr komplizierte Folie mit den weiterführenden Schulen gezeigt. Es gibt unzählige Möglichkeiten, weil das System sehr durchlässig ist. Am Schluss haben alle das Gefühl, dass sie irgendwann einen Doktortitel bekommen. Das kann nicht das Ziel sein. Das Ziel einer Ausbildung muss sein, einen Beruf zu lernen, mit dem man seine Familie ernähren kann.


Die CVP/EVP-Fraktion wird auch zukünftig keine Hand dazu bieten, die Verleihung von Doktortiteln an den FH einzuführen. Die Herkunft der FH darf nicht vergessen gehen.


Das Postulat ist gut beantwortet und kann daher abgeschrieben werden.


Marie-Theres Beeler (Grüne) sagt, dass auch die Fraktion der Grünen für eine Abschreibung des Postulats sei.


Es geht nicht darum, das Promotionsrecht an den FH zum Thema zu machen. Es ist aber positiv, dass die FH versucht, Wege zu finden, um eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, zum Beispiel mit dem neuen Institut für Bildungswissenschaften. Im Bereich Pädagogik und Fachdidaktik brauch es qualifizierte Dozierende an den FH, welche den schweizerischen Bildungshintergrund kennen. Der gewählte Weg stellt sicher, dass das Promotionsrecht bei den Unis bleibt, die FH wird aber fachlich einbezogen. Bislang bestand das Problem, dass die FH viele Dozierende aus Deutschland anstellen musste, weil sie zuwenig ausgebildete SchweizerInnen gefunden hat. Gerade in jenen Bereichen, die sehr eng an der Mentalität und am Bildungssystem der Schweiz sind, ist es wichtig, dass auch innerhalb der Schweiz Promotionsmöglichkeiten bestehen. Eine ähnliche Situation gibt es im Bereich der sozialen Arbeit. Auch hier braucht es praxis- und basisnahe Promotionsmöglichkeiten.


Für das Protokoll:
Thomas Löliger, Landeskanzlei


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Marc Bürgi (BDP) stellt fest, dass der Postulant eine sehr gute Frage betreffend Promotionsrecht an den Fachhochschulen gestellt habe. Die BDP/glp-Fraktion kann die gestellt Frage klar mit nein beantworten. Die BDP/glp-Fraktion vertritt die Meinung, dass die Fachhochschulen keine Doktortitel verleihen sollen.


Die Diskussion im Landrat hat gezeigt, dass zwischen zwei Ansätzen unterschieden werden muss. Es muss geschaut werden, was die Studierenden wollen. Zudem muss betont werden, welchen Auftrag die Fachhochschulen haben. Die Fachhochschulen erbringen im dualen System einen wertvollen Beitrag in der Vermittlung zwischen den Praktikern und den Akademikern. So vermittelt im Wirtschaftswesen der Wirtschaftsjurist zwischen der Finanzabteilung und der Produktion oder der Chemieingenieur zwischen Chemielaborant und Hochschulchemiker, damit die Grundlagenforschung gewinnbringend in einem Unternehmen umgesetzt werden kann. In dieser Diskussion darf nicht darüber gesprochen werden, was die Studierenden wollen, sonder darüber, was der Auftrag der Fachhochschulen ist. Der Auftrag der Fachhochschulen ist es, die erwähnte Lücke zu schliessen.


Der Votant bedauert, dass es den Berufsstand des Ingenieurs nicht mehr gibt. Dank dem Stichwort Ingenieur bestand eine klare Bezeichnung für eine Berufsgattung, welche aus den Fachhochschulen kommt.


Der Votant hat den klassischen Werdegang über das Labor an die Fachhochschule und danach in die Wirtschaft gemacht. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen konnten ihren Master an der Universität absolvieren und danach eine Doktorarbeit verfassen. Der Votant selbst hat stärkeres Interesse am Aufbau von unternehmerischen Strukturen und wollte nie in die Grundlagenforschung.


Heute ist es möglich, die Fachhochschule zu absolivieren und danach an die Uni zu wechseln, um dort den Master zu machen und danach den Doktortitel anzustreben. Die BDP/glp-Fraktion ist der Meinung, dass dies der richtige Weg ist.


BDP/glp-Fraktion ist für die Abschreibung des Postulats.


Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) ist sehr froh um die differnezierte Diskussion. Es wird nicht die letzte sein. Die Kernfrage ist die Frage der Profile der einzelnen Ausbildungen. Zudem geht es um die Annäherung der universitären Hochschulen bzw. der eng gefassten Grundlagenforschung hin zur Anwendung. Gewisse anwendungsorientierte Forschung ist nicht möglich, wenn nicht auch Grundlagenforschung betrieben wird.


Das Timing für die heutige Beratung ist bestens gewählt: Gestern hat der Universitätsrat die Berufung für den Lehrstuhl des Instituts für Bildungswissenschaften beschlossen. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Person nicht aus Deutschland, sondern aus dem Fürstentum Liechtenstein kommt.


://: Eintreten ist unbestritten.


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- Beschlussfassung


://: Das Postulat 2012/362 wird einstimmig abgeschrieben. [ Namenliste ]


Für das Protokoll:
Peter Zingg, Landeskanzlei


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