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Protokoll der Landratssitzung vom 24. Mai 2012

Nr. 590

Regina Werthmüller (Grüne) dankt in der von ihr gewünschten und vom Landrat stillschweigend genehmigten Diskussion zunächst dem Regierungsrat herzlich für die Beantwortung ihrer Fragen. Sie ist aber nicht ganz zufrieden mit den Ausführungen, weil in ihren Augen diese ernstzunehmende, neuzeitliche Krankheit heruntergespielt wird, welche sich aus gesellschaftsbedingten Fehlentwicklungen ergibt - bereits 34% der erwerbstätigen Schweizer/innen fühlen sich gestresst, 25% fühlen sich verbraucht.


Unbestritten ist, dass sich bei Lehrer/innen eine ähnlich hohe Burnout-Rate findet und bei diesen die gleichen Belastungssymptome auftauchen wie bei Fluglotsen. Weiter werden allein im Kanton Bern pro Jahr zwischen 70 und 100 Personen für längere Zeit krankgeschrieben. Aber diese Ausfälle dauern nicht nur 2 oder 3 Wochen, sondern zwischen 4 und 6 Monaten. Gründe dafür sind einerseits eine Zunahme des Stresses und andererseits die Ökonomisierung am Arbeitsplatz: Immer mehr muss in weniger Zeit erreicht werden. Diese Ausfälle belasten nicht nur das persönliche Umfeld der Betroffenen, sondern erzeugen auch hohe, volkswirtschaftliche Kosten.


Im Schulbereich stehen zeitintensive Bildungsprojekte an (u.a. HarmoS, Integration von Sonderschulen, Lehrplan 21), wodurch sich der Kanton hohe Ziele steckt. Dazu braucht es motivierte Fachkräfte, die sich in ihrem Beruf bestätigt und geschätzt fühlen. Aufgrund des EP 12/15 muss jetzt aber neu ein Fachlehrer eine Stunde mehr arbeiten - für den gleichen Lohn -, und eine Stellvertretung erhält noch 85% des ihr eigentlich zustehenden Lohnes, so dass man sich fragen muss, wo die Attraktivität des Lehrberufs und die entsprechende Zufriedenheit bleiben. Anscheinend nimmt der Kanton eine gewisse Ausfallquote bei den Lehrpersonen in Kauf.


Den Grünen ist es ein grosses Anliegen, dass die Informationspolitik des Regierungsrats transparenter wird. Es ist notwendig, Unsicherheitsfaktoren rechtzeitig aufzudecken und zu thematisieren. Darum sind die Grünen froh, dass ab 2013 die entsprechende Beratungsstelle zur Verfügung steht, um sich diesem Problem anzunehmen. Hoffentlich wird aber das Thema nicht an diese Beratungsstelle «ausgelagert», sondern weiterhin auch im entsprechenden Umfeld behandelt.


Abschliessend möchte die Votantin noch von Regierungsrat Urs Wüthrich wissen, wer bzw. welche Berufsrichtungen in der Beratungsstelle tätig sein werden.


Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) will sich gerne bei nächster Gelegenheit zur personellen Zusammensetzung und zur beruflichen Qualifikation für die Beratungsstelle äussern.


Wichtig zu erwähnen ist, dass der Regierungsrat Fragen beantwortet, die gestellt worden sind. Er hat zu den allfälligen Auswirkungen des EP 12/15 nicht Stellung genommen, weil sich die Interpellation um HarmoS drehte. HarmoS kann aber nach dem Verständnis des Regierungsrats und einer Bevölkerungsmehrheit nicht als gesellschaftliche Fehlentwicklung bezeichnet werden. Vielmehr schafft dieses Projekt zusammen mit dem Lehrplan 21 mehr Klarheit für die Zukunftsperspektiven von Lehrer/innen. Diese Massnahme sollte deshalb eigentlich Burnout-Risiken entgegenwirken.


In der Medienberichterstattung wird Landrätin Sabrina Mohn zitiert, gemäss welcher der Regierungsrat die Information verbessern müsse. Jetzt wurde gesagt, dass die Transparenz verbessert werden müsse. Im Zusammenhang mit den Projekten zur Bildungsharmonisierung erbringt aber die BKSD eine überdurchschnittliche Informations- und Kommunikationsleistung. Wenn also jemand nicht informiert ist, hat diese Person ihre eigene Pflicht, sich zu informieren, nicht wahrgenommen, denn es gibt aktuelle Internetseiten der BKSD und regelmässige Instruktionen und Informationen an die Schulleitungskonferenzen. Die Kritik an der Information im Zusammenhang mit der Umsetzung von HarmoS muss also in aller Deutlichkeit zurückgewiesen werden.


://: Damit ist die Interpellation 2012/026 erledigt.


Für das Protokoll:
Michael Engesser, Landeskanzlei



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