Protokoll der Landratssitzung vom 23. Oktober 2014

Nr. 2236

Kommissionspräsident Paul Wenger (SVP) führt in das Thema ein. Das Geschäft befasse sich mit der weltbekannten Sammlung des Textilunternehmens HANRO aus Liestal, eine Sammlung, die für die Industriegeschichte der Region von zentraler Bedeutung ist und rund 100 Jahre Textilindustriegeschichte im Kanton Basel-Landschaft dokumentiert. In gewissem Sinne handelt es sich um eine Bauvorlage. Es geht darum, einmalig 250'000 Franken für eine Spezialanlage zu bewilligen sowie eine jährliche Miete von 61'000 Franken. Die Kommission hat die Vorlage an zwei Sitzungen im Mai und im Juni beraten. Sie hat sich die Zeit genommen, um die Objekte vor Ort anzuschauen und sich von den beteiligten Fachpersonen detailliert informieren zu lassen. Die Kommission hat sich für die Vorlage ausgesprochen, nachdem sie auch einige Punkte kritisch hinterfragt hatte. Eine Frage war, ob mit der Zustimmung zur Vorlage zusätzliche Personalressourcen notwendig werden. Diesbezüglich wurde man beruhigt; die künftige Pflege der Sammlung gehöre zum permanenten Leistungsauftrag der Hauptabteilung Archäologie und Museum BL. Der Kanton erhält die Sammlung unentgeltlich von der Huber-Gruppe. Das HANRO-Areal ist im Besitz der Edith Maryon-Stiftung, die nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Somit kommt der Kanton sehr «kostengünstig» zu dieser Sammlung. Im Weiteren ist ein National-fonds-Forschungsprojekt der Uni Basel mit einem Betrag von 400'000 Franken aufgegleist. Die Ausstellung hat weltweite Bedeutung und hat internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es wurden auch Möglichkeiten aufgezeigt, Gelder vom schweizerischen Textilverband zu akquirieren.


Die BKSD war einstimmig, mit 12:0 Stimmen, dafür, allen 5 Ziffern der Vorlage zuzustimmen. Der Kommissionspräsident bittet den Landrat, diesem Votum zu folgen.


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- Eintretensdebatte


Georges Thüring (SVP) kündigt für die SVP-Fraktion Zustimmung an. Die Sammlung HANRO sei ein einzigartiges Kulturgut, das im Kanton erhalten bleiben müsse. Es geht um ein wichtiges Stück Industrie- und Wirtschaftsgeschichte des Kantons. Der Name HANRO steht für Baselbieter Qualität, nicht nur früher, sondern auch heute. Die Betreuung der Sammlung gehört zum normalen bestehenden Leistungsauftrag der Hauptabteilung Archäologie und Museum BL. Somit werden mit dem Übergang der Sammlung auf den Kanton keine personellen Folgekosten entstehen. Der einmalige Mitteleinsatz und die folgenden jährlichen Mietkosten sind vernünftig und tragbar.


Die SVP-Fraktion bittet den Rat, dem einstimmigen Kommissionsentscheid zu folgen und ja zu einer guten Sache zu sagen.


Christoph Hänggi (SP) führt aus, auch von der SP komme selbstverständlich Zustimmung. Die Sammlung HANRO umfasst nicht nur Textilien, sondern auch Verkaufsmaterialien, Muster, Entwürfe, Werbemittel und Firmenakten. Es handelt sich um ein Konglomerat, das beieinander geblieben ist, was ein Glücksfall für den Kanton ist: Es gibt nicht nur die Objekte, die man dann wird besichtigen können, sondern auch die Geschichte darum herum. Es handelt sich um eine Win-win-Situation nach allen Seiten, wie es schon beschrieben worden ist: Das Areal ist im Besitz der Edith Maryon-Stiftung, was ein längerfristiges Engagement gewährleistet, der Kanton bekommt die Sammlung geschenkt, und es wird drittens von der Uni Basel ein Nationalfonds-Projekt organisiert. Das Geld für die kulturhistorische Erschliessung der Sammlung muss also auch nicht vom Kanton aufgebracht werden. In einem mehrjährigen Programm wird an diesen Textilien geforscht werden.


Die SP bittet um Zustimmung.


Sven Inäbnit (FDP) stellt fest, wenn der Staat oder eine Körperschaft ein Geschenk erhalte, dann erhebe sich immer die Frage, ob es sich nicht um ein Danaergeschenk handle. Das hat die Kommission überprüft, und sie kam zum Ergebnis, dass es sich aus industriegeschichtlicher Sicht um eine einmalige Gelegenheit handelt. Es handelt sich nicht, wie schon zu hören war, um «ein paar Stofffetzen», sondern um eine kultur- und industriegeschichtlich wirklich wertvolle Sammlung. Deren Verwaltung ist mit angemessenen Kosten verbunden und die Ausstrahlung in die Fachwelt hinein ist unbestritten. Es werden bereits Projekte durchgeführt mit der Uni Basel und es sind Forschungsgelder des Nationalfonds gesprochen. Die FDP ist der Meinung, dass es sich um eine einmalige Gelegenheit für den Kanton handelt. Sie unterstützt die Eingliederung der Sammlung in das HANRO-Areal mit den entsprechenden jährlichen Kosten.


Christine Gorrengourt (CVP) stellt heraus, für ihre Fraktion sei es wichtig, dass eine sichere, aber nicht überteuerte Unterbringung dieser Schenkung gewährleistet wird. Davon konnte sich die Kommission überzeugen. Besonders wichtig ist, dass die Sammlung eine Dokumentation in dem vollständigen Firmenarchiv umfasst. Die sehr eigenständige Sammlung widerspiegelt die Geschichte einer Firma des Kantons, die über Jahrzehnte weltweit bekannt war. Die CVP/EVP-Fraktion ist dafür, die Sammlung zu übernehmen und zu betreuen.


Hans Furer (glp) teilt mit, auch die BDP/glp-Fraktion werde der Vorlage zustimmen. Das Spezielle an dieser Sammlung ist, dass alles vom Anfang bis zum Schluss vorhanden und dokumentiert ist. Normalerweise wird in Firmen permanent etwas weggeworfen, um Lagerraum zurückzugewinnen. Der Firma HANRO ist es gelungen, alles beieinander zu behalten bis hin zu den Fakturierungen. Die Kommission konnte sich davon überzeugen, dass es zum Beispiel Unterwäsche-Muster in Kleinformat gibt, die in die ganze Welt transportiert wurden. Solche Dinge verkörpern auch einen kulturellen Wert. Kulturelle Werte dieser Art gibt es im Baselbiet nicht sehr viele, und auch schweizweit dürfte es wenige Firmen geben, die ihre Aktivitäten so gut dokumentiert haben.


Gut ist im Weiteren, dass für diese sehr umfangreiche Sammlung relativ wenig Fläche benötigt wird, nämlich 340 Quadratmeter, weil die Lagerung mit einem speziellen Aufhängesystem erfolgt. Ein weiterer positiver Gesichtspunkt ist, dass das Areal der Edith Maryon-Stiftung gehört. Dies ist eine gemeinnützige Stiftung, die unter anderem das Hotel Krafft oder das Unternehmen Mitte in Basel besitzt, also Gebäude, die langfristig gehalten werden und nicht als Spekulationsobjekte dienen sollen. Man kann diesem Projekt nach all dem mit sehr gutem Gewissen zustimmen.


://: Das Eintreten ist nicht bestritten.


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- Detailberatung Landratsbeschluss


Titel und Ingress keine Wortbegehren


Ziff. 1 bis 5 keine Wortbegehren


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- Rückkommen


Es wird kein Rückkommen verlangt.


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- Beschlussfassung


://: Der Landrat stimmt dem Landratsbeschluss in der von der BKSK beantragten Fassung mit 61:0 Stimmen zu. [ Namenliste ]


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Landratsbeschluss


Räumliche Unterbringung der HANRO-Sammlung ab 2015


vom 23. Oktober 2014


Der Landrat des Kantons Basel-Landschaft beschliesst:


1. Der neuen Einmietung für die HANRO-Sammlung im Benzburweg zu Lasten des Kantons Basel-Landschaft ab 2015 wird zugestimmt.


2. Die ab 1. Januar 2015 anfallenden Vollkosten für die Gewerberäumlichkeiten HANRO zur Einmietung von CHF 61'000.- p.a. werden bewilligt und durch das Hochbauamt budgetiert.


3. Die einmalig anfallenden Kosten für den Mieterausbau und Mobiliar (Compactusanlage) in der Höhe von CHF 200'000.- werden genehmigt. Die erforderlichen Finanzmittel werden im Budget Hochbauamt 2015 eingestellt.


4. Die einmalig anfallenden Kosten für die Umlagerung und fachgerechte Verpackung der Sammlungsobjekte in der Höhe von CHF 50'000.- werden genehmigt. Die erforderlichen Finanzmittel werden im Budget Amt für Kultur, Hauptabteilung Archäologie und Museum, 2015 eingestellt.


5. Die Ziffern 1 und 2 dieses Beschlusses unterstehen gemäss § 31 Absatz 1 Buchstabe b der Kantonsverfassung dem fakultativen Referendum.


Für das Protokoll:
Jörg Bertsch, Landeskanzlei



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