Protokoll der Landratssitzung vom 21. März 2013

Nr. 1134

Landratspräsident Jürg Degen (SP) teilt mit, dass der Regierungsrat bereit ist, das Postulat entgegen zu nehmen.


Ayse Dedeoglu (SP) informiert, dass die SP-Fraktion mehrheitlich gegen die Überweisung des Postulats ist. Die Jugendlichen befinden sich während der Sekundarstufe in einem nicht immer ganz einfachen Entwicklungsprozess. Dies wirkt sich entsprechend auf die schulischen Leistungen aus. Schüler mit dem notwendigen Potenzial sollten weiterhin die Möglichkeit zur Repetition haben gemäss der heutigen Verordnung über Beurteilung, Beförderung, Zeugnis und Übertritt (VO BBZ). Die Empfehlungen der Lehrer bezüglich Repetitionen beziehungsweise Wechsel in ein anderes Niveau werden in den meisten Fällen befolgt. Es ist sehr wichtig, dass die Situation individuell gemeinsam von den Schülern, Eltern und den Lehrern analysiert wird. Den Eltern ist diesbezüglich dasselbe Recht wie den Lehrern einzuräumen.


Jürg Wiedemann (Grüne) stellt klar, dass das Postulat nicht darauf zielt, dass es keine Repetitionen mehr geben wird. Es ist sogar ein Ausbau vorgesehen, indem man bereits in der ersten Klasse repetieren darf. Dies ist heute nicht möglich. Es gibt jedoch Repetitionen, die sinnvoll sind und solche, die nicht sinnvoll sind. Zudem gibt es Eltern, die sich an die Empfehlungen der Schulen halten und solche, die dies nicht tun, auch wenn eindeutig ist, dass ihr Kind keine Chance hat, das Sekundarschulniveau zu erreichen. Dies führt zu einer ganz schwierigen Situation für das Kind. Man tut ihm keinen Gefallen, wenn man es zwingt zu repetieren, obwohl es offensichtlich ist, dass es das Schuljahr wieder nicht bestehen wird. Häufig haben die Eltern einen falschen Ehrgeiz. In solchen Fällen wäre es wichtig, dass man einen Riegel schieben kann. Die diesbezüglichen Kriterien lässt das Postulat offen, die Bildungsdirektion soll diese zusammen mit dem Amt für Volksschulen festlegen. Wenn auch nur annähernd eine Chance besteht, dass eine Repetition sinnvoll ist, soll man diese gewähren. Es sollen aber keine unsinnigen Repetitionen stattfinden.


Christoph Hänggi (SP) kennt Fälle, in denen Eltern empfohlen worden ist, ihr Kind ein Niveau tiefer einzuschulen. Die Lehrerinnen und Lehrer waren zum Schluss gekommen, dass es dem Kind nichts nützt, auf demselben Niveau zu repetieren. Das Gegenteil ist dann eingetroffen und das Kind hat sich entwickeln können. Es gibt Schülerinnen und Schüler, denen eine Repetition sehr viel bringt, weil sie ein Jahr mehr Zeit haben.


Caroline Mall (SVP) empfindet es als wichtig, dass keine Überregulierungen geschaffen werden. Man kann nicht alles mit Gesetzen lösen. Die Eigenkompetenz und der gesunde Menschenverstand eines potenziellen Repetenten müssen bei einem Entscheid eine tragende Rolle spielen. An die Lehrpersonen geht der Appell, in denjenigen Fällen, bei denen die Eltern starrsinnig oder verblendet sind, diesem Punkt Sorge zu tragen und entsprechend einzubringen.


Christian Steiner (CVP) erklärt, dass die CVP/EVP-Fraktion für die Überweisung des Postulats ist. Wenn man den Bemerkungen von Christoph Hänggi (SP) folgen würde, müsste man jedem Kind aus der Primarschule die Chance geben, auf dem Niveau P einzusteigen. Vielleicht ist ja eines dabei, dem man ansonsten Unrecht tut. Es wird immer Dinge geben, die nicht ganz aufgehen, weil sich Kinder während der Schulzeit unterschiedlich entwickeln. Vordergründig will das Postulat den Willen der Eltern einschränken, im Grunde genommen bedeutet es aber einen Schutz von gewissen Kindern.


Bea Fünfschilling (FDP) ist im Namen der FDP-Fraktion ebenfalls für die Überweisung des Postulats. Die Fälle nehmen zu, in denen Eltern falsch handeln, aus Angst, dass ihr Kind keine gute Ausbildung bekommt. Diese Entwicklung sollte überprüft werden.


Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) ist froh, dass das Thema angesprochen wird, weil Repetitionen eine sehr teure Variante von spezieller Förderung sind. Heute hat man bereits einen Vorgeschmack auf die Landratsdebatte erhalten, welche in absehbarer Zeit zu diesem Gegenstand geführt werden wird. Die Intensität und die Ausführlichkeit der Diskussionen werden mit der Tatsache kontrastieren, dass der Landrat bei diesem Thema gar keine Kompetenzen hat, weil die entsprechenden Bestimmungen durch den Regierungsrat auf Verordnungsstufe geregelt werden. Die Bildungsdirektion ist bei der Revision der Verordnung über Beurteilung, Beförderung, Zeugnis und Übertritt auf der Zielgeraden. Auf dieser Zielgeraden gibt es sehr viel Publikum, das unterschiedliche Zwischenrufe mit einer breiten Palette von sich widersprechenden Vorschlägen macht. Der Regierungsrat wird diese thematisieren, kommentieren und aufzeigen, welche Überlegungen bei der Revision der Verordnung eine Rolle gespielt haben.


://: Der Landrat stimmt der Überweisung des Postulats 2012/258 mit 47:24 Stimmen bei zwei Enthaltungen zu. [ Namenliste ]


Für das Protokoll:
Patrick Moser, Landeskanzlei



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