Navigieren auf baselland.ch

Benutzerspezifische Werkzeuge

Inhalts Navigation

Protokoll der Landratssitzungen vom 16./23. März 2017

Landratspräsident Philipp Schoch (Grüne) erklärt, dass der Regierungsrat bereit sei, den Vorstoss als Postulat entgegenzunehmen.

> Begründung des Regierungsrats 

Balz Stückelberger (FDP) erklärt, die FDP-Fraktion werde den Vorstoss auch als Postulat ablehnen.

Der Kanton Basel-Landschaft hat initial CHF 3,5 Mio. investiert, um diese Checks zu ermöglichen. Nun haben sie letzten Sommer zum ersten Mal stattgefunden, und jetzt soll schon der Stecker gezogen werden. Das ist viel zu früh! Es gibt keine Erkenntnisse, die es erlauben würden, darauf zu verzichten.

Zudem ist eine Leistungsmessung durchaus gut, wenn sie denn richtig gemacht wird. Die FDP-Fraktion teilt die Einschätzung Jürg Wiedemanns nicht, wonach die Leistungschecks zu einem «Teaching to the test» verleiten. Verschiedene Fraktionsmitglieder haben die P3- und die P6-Teste bei ihren Kindern erlebt; darauf kann man nicht hinlernen. Der Bericht der Uni Zürich belegt, dass Kompetenzen abgefragt werden und dass es nicht mehr möglich ist, sich darauf vorzubereiten.

Es ist bekannt, dass auch in Lehrerkreisen grosse Vorbehalte gegen diese Tests bestehen, eben auch weil man sich etwas vor der Beurteilung mittels eines wirklich neutralen Tests fürchtet, mit dem wirklich Kompetenzen erhoben werden. Das ist aber für die Schulentwicklung sinnvoll, um zu wissen, wo die Schulen, die Kinder, die Lehrer stehen. Deshalb muss man die Checks zulassen – und eben: für eine Änderung wäre es viel zu früh.

 Caroline Mall (SVP) ist auf der gleichen Linie wie Jürg Wiedemann: Die SVP-Fraktion unterstützt die Motion.

Die Kinder erhalten in der Schule ein Zeugnis, das als Standortbestimmung dient. Der Lehrplan 21 dreht sich vornehmlich um Kompetenzen. Jürg Wiedemann möchte den Regierungsrat nicht zwingen, einen sofortigen Ausstieg aus den Leistungschecks anzupeilen, sondern er versucht auf eine pragmatische Art, sich auf einen Check zu konzentrieren – das ist ein guter Kompromiss.

Tatsächlich sind die Checks eine Momentaufnahme. Das war schon bei den Orientierungsarbeiten so. Eigentlich sollten weder die Lehrer noch die Kinder – und die Erziehungsberechtigten, die gerne etwas viel Öl ins Feuer giessen, schon gar nicht – Angst haben vor diesen Checks. Aber vielen erscheinen sie als das «Amen in der Kirche», das einem Kind aufzeigt, ob es tatsächlich für seinen Wunschberuf Gärtner geeignet ist. Wie soll man damit umgehen, wenn man im Check dafür 4 Punkte zu wenig hat? Bedeutet das dann: Für Gärtner reicht es halt nicht, aber diese oder jene Berufskategorie wären noch denkbar?

Und wenn es um den Übertritt geht von der Primar- in die Sekundarstufe I, ist die Handhabung durch die Lehrer individuell unterschiedlich: Die einen stützen sich klar auf das Zeugnis, das die Entwicklung des Schülers wiedergibt, die anderen auch auf den Check, der nur eine Momentaufnahme darstellt.

Es ist kein Fall bekannt, dass ein/e Schüler/in in einem Orientierungstest einen 6er hatte, im Zeugnis über die letzten Jahre aber nur einen knappen 4er. Insofern ist die Idee von Jürg Wiedemann nicht schlecht – aber weil tatsächlich viel Geld in diese vierkantonalen Checks, die einen Kantonsvergleich ermöglichen sollen, investiert wurde, müsste man sich halt für die Zukunft das Ziel setzen, künftig nur noch einen Check durchzuführen.

Roman Brunner (SP) meint, die Checks seien noch nicht einmal ein erstes Mal richtig durchgeführt worden, und schon sollen sie wieder abgeschafft werden. Es wäre aber fahrlässig, die getätigten Investitionen einfach abzuschreiben, bevor der noch ausstehende Check S3 im nächsten Schuljahr zum ersten Mal durchgeführt und bevor er sorgfältig ausgewertet wird.

Die Checks sind teuer, und sie sind personalintensiv. Sie sind aus pädagogischer Sicht sicher diskutabel: Die Fokussierung auf die Leistung und auf die Test-Inhalte, das gezielte «Teaching to the test» sind sicher nicht wünschenswert. Und das gemäss dem Regierungsrat gewünschte Steuerungswissen, das mit den Checks erlangt werden soll, gehört in den Giftschrank, denn es ist gefährlich. Nur Personen, die im Umgang mit diesem Gift geschult sind, sollten Zugang dazu erhalten. Auch über die Ausgestaltung der Tests kann man sicher diskutieren, wenn man den Aufwand für die Korrektur eines Deutschtests auf der Primarstufe betrachtet. Und die Checks bieten immer nur eine Momentaufnahme, die als Ergänzung zum viel aussagekräftigeren, eine längere Leistungsperiode beurteilenden Zeugnis anzusehen ist.

Aber auch wenn man mit der Stossrichtung der Checks grundsätzlich nicht einverstanden ist, so sollte dennoch ein erster Durchgang der Checks durchgeführt und sorgfältig ausgewertet werden, bevor man sie in einem Schnellschuss bereits wieder beerdigt.

Die Wirtschaft verlangt die Checks, und sie wird auch zukünftig eigene Werkzeuge – Stichwort «Multicheck» – entwickeln und anwenden, wenn die Kantone diese Informationen nicht anbieten können. Einen Wildwuchs an Checks gilt es aber unbedingt zu vermeiden. Genau dieser Idee liegt die Einführung der Checks im Bildungsraum Nordwestschweiz zugrunde, und der Regierungsrat schreibt in seiner Stellungnahme, dass die Absprache unter den beteiligten Kantone fehle.

Die SP-Fraktion ist bereit, den Vorstoss als Postulat zu überweisen, damit die Absprache mit den Partnerkantonen erfolgen kann und damit eine sorgfältige Evaluation möglich wird.

Florence Brenzikofer (Grüne) teilt mit, dass die Fraktion Grüne/EVP den Vorstoss überweise – teils als Motion, teils als Postulat. Auch sie hat sich mit ihren bereits eingereichten Vorstössen zu diesem Thema als Check-Kritikerin geoutet und muss deshalb nicht mehr gross aufs Inhaltliche eingehen.

Aber eine Aussage von Balz Stückelberger darf nicht unwidersprochen bleiben: Es ist so, dass im Kanton wirklich Beispiele von «Teach to the test» belegt sind, und wenn das sogar die Schüler mitbekommen und zuhause erzählen, dann ist etwas schiefgelaufen. So etwas gilt es zu verhindern.

Die Stellungnahme des Regierungsrates ist überzeugend, und Roman Brunner ist insofern beizupflichten, als es wichtig ist, sich mit den anderen Kantonen zu koordinieren. Die Übung darf nicht von heute auf morgen abgebrochen werden – das spricht für die Überweisung eines Postulats. Nächste Woche ist das Thema auch Traktandiert an der Jahresversammlung der Kantonalen Schulkonferenz Basel-Stadt; dort wird eine Resolution für die Abschaffung der Checks diskutiert. Es ist abzuwarten, was dort entschieden wird.

Paul R. Hofer (FDP) bildet die Minderheit innerhalb der FDP-Fraktion und wird der Überweisung des Vorstosses als Postulat zustimmen. Er hat sich schon in der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission sehr kritisch zu diesen Checks geäussert. Jeder, der eine Banklehre absolviert, lernt schon sehr bald, dass man gutes Geld nicht schlechtem nachwerfen soll. Die Argumentation, dass man schon Geld ausgegeben habe und deshalb weitermachen müsse, fällt durch. Und der Zeitaufwand, den die Checks auch im laufenden Jahr noch verursachen werden, ist auch beträchtlich.

Balz Stückelberger (FDP), der alle drei Checks schon gesehen hat, wendet sich an Caroline Mall: Es geht dabei nicht um «Gärtner oder nicht Gärtner», sondern um Kompetenzen, die abgefragt werden. Am Schluss steht ein Resultat, das zeigt, in welchem Prozentbereich man ungefähr liegt. Das ist das Gute an den Checks. Auf die einzelnen Tests hinzulernen ist gar nicht möglich, weil sie sehr abstrakt sind. Sie lassen, was wirklich gut ist, eine echte Leistungsbeurteilung zu – ganz im Gegensatz zu den früheren Orientierungsarbeiten.

Landratspräsident Philipp Schoch (Grüne) ist etwas unglücklich, dass sich immer bei bildungspolitischen Fragen sehr lange Rednerlisten bilden. [Heiterkeit]

Es sind noch 8 Redner/innen gemeldet. Sie sind gebeten, sich kurz zu fassen.

Christine Gorrengourt (CVP) schliesst sich der regierungsrätlichen Argumentation an; die CVP/BDP-Fraktion sieht es genauso, und dazu ist ihr die Vergleichbarkeit ein wichtiges Anliegen. Auch dass die Schüler/innen beim Übertritt von einer zur nächsten Schulstufe etwa auf dem gleichen Level sind, ist wichtig, und die Checks tragen dazu bei. Um dies wirklich auswerten zu können, soll der Vorstoss als Postulat überwiesen werden. Eine Motion ist hingegen abzulehnen.

Paul Wenger (SVP) bemerkt, ein Schüler müsse im Verlauf seiner Schulzeit vier solche Checks absolvieren: zwei auf der Primar- und zwei auf der Sekundarstufe; der entscheidende ist vermutlich meist der P6-Check. Es ist bekannt, dass Sekundarschüler in jedem Fach so ungefähr alle zwei bis drei Wochen eine Prüfung ablegen müssen. Sie sind also sowieso ziemlich unter Druck und müssen sich dauernd auf Prüfungen vorbereiten. Das Ziel, die Zahl der Leistungschecks zumindest zu reduzieren, ist absolut vertretbar – und je nach Ergebnis der Auswertung können sie sogar abgeschafft werden.

Matchentscheidend für jeden Schüler ist letztlich das Zeugnis am Ende des Semesters. Dass der Check allenfalls ergänzend hinzugezogen werden kann, ist möglich. Frage an die Bildungsdirektorin: Wenn in einem Zeugnis der erforderliche Schnitt knapp erreicht oder knapp nicht erreicht wird, ist dann der Check ein ergänzendes Instrument, um dem Schüler den Einstieg in die eine oder andere Bildungslaufbahn zu ermöglichen, d.h. kann ein Lehrer von sich aus entscheiden, den Check beizuziehen, oder wäre das anfechtbar, weil letztlich nur Zeugnisnoten ausschlaggebend sind?

Marc Schinzel (FDP) meint, Checks und Zeugnisse bildeten zusammen eine Gesamtbeurteilung. Man kann doch nicht einfach sagen, dass nur das eine oder das andere zählen solle. Die Gesamtwürdigung muss ausgeglichen sein, und alle Elemente – darunter ist der Check ein zusätzliches – sollen einbezogen werden. Es wird immer eine gerechte Entscheidung verlangt. Aber Gerechtigkeit ist, wie Juristen wissen, in Gottes Namen immer subjektiv – da schaffen keine Checks und keine Zeugnisse Abhilfe.

Marc Schinzel hat in einem Praktikum beim Rechtsdienst der Erziehungsdirektion – das ist allerdings schon länger her –, eine Beschwerde gegen einen Beförderungsentscheid gutheissen können; das kommt selten vor. Damals hatte jemand die Idee, es sei gerecht, in einem Semester von 4,76 auf 5 aufzurunden, im nächsten Semester jedoch die Aufrundung von 0,24 schon als Hypothek zu setzen. So geht es aber nicht, denn jeder hat in jeder Beurteilungsperiode eine neue Chance verdient.

Die Gesamtbewertung, die jede Lehrperson immer wieder vornimmt, geschieht heute auch unter Einbezug der Checks. Sie sollten vorläufig weitergeführt und ihre Anwendung sollte sorgfältig beurteilt werden.

Thomas Bühler (SP) berichtet aus der Praxis; er hat die Checks P3 und P6 durchgeführt. Sehr viele Primarlehrer/innen sind froh um diese Tests, denn sie sind nützlich – nicht etwa zur Notensetzung im Zeugnis. Die Zeugnisnote ist entscheidend für den Übertritt in die nächste Schulklasse und für die Niveauzuteilung in der Sekundarschule. Aber einer Klassenlehrperson hilft der Check beim Einschätzen, ob ihre eigene Leistungsbeurteilung einigermassen richtig und objektivierbar ist. Der Check ermöglicht einen Vergleich der eigenen Schüler/innen mit mehreren tausend anderen. Das ist sehr hilfreich dabei, eine gute Erdung zu finden. Würden die Checks abgeschafft, würde etwas fehlen. 

Rolf Richterich (FDP) dankt seinem Vorredner dafür, dass er auch einmal eine positive Sicht aus Lehrerperspektive einbringt. Denn sehr viele Lehrpersonen lehnen diese Vergleichbarkeit ab.  In diesem Saal sitzt ein politisches Gremium, und doch wird das Ganze nur aus der Optik der Schülerinnen und Schüler betrachtet. Aber, wie die Stellungnahme des Regierungsrates zeigt, die Checks sind insbesondere auch ein Steuerungsinstrument für das Bildungswesen und sollten auch als solches betrachtet werden. Dank der normalen, regelmässigen Prüfungen wissen die Schülerinnen und Schüler, wo sie stehen. Aber wie eine Fachschaft im Vergleich mit anderen Fachschaften oder eine Schule im Vergleich mit anderen Schulen abschliesst, ob eine Schulleitung oder der Schulrat oder gar die Bildungsdirektion die Lage richtig einschätzt – dafür braucht es die Querschnitt-Checks. Würden sie abgeschafft, wäre man im Blindflug. Das darf aber nicht sein: Wer immer überall Aufgabenüberprüfungen verlangt, darf nicht genau hier dafür sorgen, dass das Bildungssystem – der teuerste Apparat im Staatswesen – ungehindert wirken kann ohne jegliche Überprüfung. Das wäre wahrlich schizophren.

 

Für das Protokoll:
Alex Klee-Bölckow, Landeskanzlei

Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) findet Balz Stückelberger zwar okay, sein Statement aber ist Humbug. In der Sekundarschule ist der Motionär selber mit Mathematik involviert. Auf der Homepage seiner Schule gibt es einen Probetest. Die Schüler derjenigen Lehrpersonen, die diesen Probetest absolviert hatten, hatten jeweils einen enormen Vorteil, weil die Prüfungsaufgaben praktisch identisch waren. Zum Zweiten: Diese Prüfungen finden nicht am gleichen Tag statt; sie können es nicht, weil die Schule nur einen oder zwei Computerzimmer hat. Die Klassen, die den Test später durchführen, haben schnell alle Aufgaben erfahren – von Schülern, die diese weitererzählen. Diese Prüfungen sind bekannt, wie dies auch bei der OA-Prüfung der Fall war. Die Frage ist, wie man die Schüler darauf vorbereitet. Vergleicht man die Aufgaben in der Mathematik mit den OA-Prüfungen, so sind diese praktisch identisch, nur halt elektronisch. Es geht darum, dass die Schüler noch ein Textchen dazu lesen müssen, und nicht nur die Rechnung zur Kenntnis nehmen. Vorbereiten darauf lässt sich eins zu eins. Bei ausreichender Vorbereitung wird die Differenz zwischen zwei guten Klassen minimiert, auch wenn nur die eine den Check S3 absolviert hat. Weiter wurden die Kosten angesprochen. Die Grundkosten betragen CHF 2.7 Mio. Die vier Test kosten den Kanton über CHF 550'000 jährlich. Dieses Geld fehlt in der Bildung. Die Auswertung kostet CHF 58 Franken pro Schüler pro Jahr. Es sind dies gigantische Beträge. Hier liesse sich massiv Geld sparen und anderswo im Bildungsbereich investieren. Es wäre viel besser angelegt.  Es lässt sich fragen, was die Tests bringen. Die Wirtschaft hat einen einzigen Grund, weshalb sie diese möchte – und deshalb kann der Votant auch nachvollziehen, wenn die Wirtschaftspartei die Tests unterstützt: Die Wirtschaft sagt, dass sie auf die Zeugnisnoten nicht zählen könne. Dies hat der Votant im Gespräch mit Leuten aus der Wirtschaft immer wieder vernommen. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass die Noten im Zeugnis zu wenig aussagekräftig seien, weil eine Note je nach Lehrer anders ausfalle. Warum aber interessiert die Wirtschaft die Tests P3 und P6 der Primarschule denn überhaupt nicht? Mit den Tests in der Sekundarschule (wobei der S3 für die meisten ohnehin zu spät kommt) möchte man der Wirtschaft entgegen kommen. Mit viel Goodwill kann der Sprecher dies noch akzeptieren. Florence Brenzikofer hat vorhin geraten, zu schauen, was die Nachbarkantone tun. In einem Mail hat Katja Christ (GLP BS) den Votanten darauf hingewiesen, dass heute Morgen ein Anzug (Postulat) stillschweigend an die Regierung überwiesen wurde. Damit wird geprüft und berichtet, wie damit umzugehen sei. Der Votant ist deshalb bereit, seinen Vorstoss ebenfalls in ein Postulat umzuwandeln. Somit hat die Regierung die Möglichkeit, zusammen mit Basel-Stadt, Aargau und Solothurn eine gemeinsame Strategie zu finden.  Es tut dem Votanten leid, dass CHF 2.7 Mio. ausgegeben wurden. Es täte ihm aber noch mehr weh, deshalb nochmals jährlich 500'000 Franken auszugeben.  Thomas Bühler ist zu sagen, dass der Votant selber viele Rückmeldungen von Primarlehrern erhalten hat, die dies ganz anders sehen. Für sie ist ein Maximum an Freiheiten noch viel wichtiger. Sie möchten auch Themen behandeln, die auf ihre Schülerinnen und Schüler ausgerichtet sind. Tests stehen dabei für viele quer in der Landschaft, auch weil sie damit instrumentalisiert werden. Es ist sinnvoll, wenn dies ganz deutlich hinterfragt wird. Der Votant wandelt seinen Vorstoss in ein Postulat um.

Andrea Heger (EVP) kann das Votum von Thomas Bühler nur unterstützen: Es geht darum, dass sie als Primarlehrerin mit den Tests eine Aussensicht gewinnt und dadurch sehen kann, wo die eigenen Schüler stehen und ob dies übereinstimmt mit dem Bild, das man von ihnen hat. Rolf Richterich hat von einem Steuerungsinstrument gesprochen. Dabei muss man aufpassen, wie man zu steuern gedenkt. Es soll kein Steuern im Sinne eines Wettbewerbs sein, welche Schule die bessere sei. Das würde auf ein «Teaching to the test» hinauslaufen.  Als Postulat kann sie den Vorstoss unterstützen. Die Reduktion auf einen Test fände sie nicht in Ordnung. Warum gibt es mehrere Tests? Sie zeigen nicht nur, wo das Kind an einem bestimmten Tag steht. Die Tests sind so aufgebaut, dass sie die Entwicklung eines Kinds nachvollziehbar machen. Mit «Check dein Wissen» gibt es einen Code, der es den Kindern ermöglicht, auf ihrem jeweiligen Level weiter zu üben. Dies sollte schliesslich dazu führen, dass sie in der sechsten Klasse die Freude haben zu sehen, dass sie sich weiterentwickelt haben.  Es gibt aber auch das Problem, dass die Tests zu viel Zeit in Anspruch nehmen mit der Folge, dass Lektionen wegfallen. In der sechsten Klasse gibt es einen anderen Test, der Steuerungswissen verlangt. Diese Lektionen fehlen dann für das Vermitteln von Stoff. Deshalb wäre sie sehr erfreut, wenn geschaut würde, wie viele Tests es wirklich braucht. Eine Reduktion auf einen Test fände sie jedoch nicht gut. Es geht darum, das Wissen zu erhalten, das es braucht.

Thomas Eugster (FDP) findet, dass Jürg Wiedemann eine etwas begrenzte Ansicht von Mathematiklehrern der Oberstufe hat. Ein Primarlehrer kann nicht einfach das tun, was ihm gerade passt. Er hat ein Ziel zu erreichen: Die Weitergabe der Schüler an die Sekundarstufe. Natürlich ist Mathematik in dieser Hinsicht etwas einfacher, weil eins und eins immer noch zwei gibt. Bei den Sprachlehrmitteln sieht es aber anders aus: Dort gibt es – zumindest im Moment – komplett neue Lehrmittel. Hier ist für die Lehrer extrem wichtig zu sehen, wo sie (in diesem neuen Umfeld) eigentlich stehen. Die Checks geben hierfür wichtige Anhaltspunkte. Es wäre fahrlässig, diese abzuklemmen. Wie Andrea Heger vorhin richtig gesagt hat, braucht es dazu mehr als einen, da ein Test alleine als Momentaufnahme nicht aussagekräftig ist.  Für die FDP-Fraktion ist klar, dass diese Checks durchgeführt werden müssen. Und dann muss man den Benefit anschauen. Ein Übungsabbruch zu diesem Zeitpunkt wäre jedoch völlig desaströs.

Oskar Kämpfer (SVP) schickt voraus, dass er kein Lehrer ist. Dennoch findet er es falsch, wenn Jürg Wiedemann behauptet, die CHF 550'000 würden in der Bildung, anders eingesetzt, Wesentliches bewegen. Dieser Betrag könnte im Vergleich mit den Gesamtkosten oder der Lohnsumme des Bildungssystems auch eine Weiterbildung sein, so wie auch heute Morgen ein paar Millionen zugunsten der Ärzte gesprochen wurden. Thomas Bühler sagt richtigerweise, dass er selber aus diesen Tests lerne, weil er dann sieht, wo er selber steht. Es handelt sich nämlich auch um eine Positionsbestimmung für die Lehrer, um festzustellen, ob ihre Einschätzung richtig ist. Dies ist ein wesentlicher Unterschied, warum der Votant persönlich kein Problem mit einem Vergleich von Checks and Balances hat.  Noch ein Wort zum Vergleich mit der Schizophrenie: Wenn dieser Vorwurf im Landrat gebraucht wird, sollte man sich bewusst sein, dass der Vorwurf auch auf einem zurückfallen könnte, wie zum Beispiel beim Geschäft zur Überprüfung der Staatsverträge, wo das Verhalten (eines speziellen Landrates, auf den sich der Votant bezieht) zu einem ähnlichen Urteil führen könnte.

Regierungsrätin Monica Gschwind (FDP) sagt, dass diese Diskussion erst vor Kurzem geführt wurde, als es um die Interpellation von Florence Brenzikofer ging. Es wurde eigentlich bereits alles gesagt. Paul Wengers Frage wurde von Marc Schinzel und Thomas Bühler beantwortet; es gehört nämlich zur Kernaufgabe eines Lehrers, einen Schüler gesamtheitlich aufgrund der Noten und seines Verhaltens zu beurteilen, wobei auch der Check einbezogen wird.  Andrea Heger hat betont, dass es bei diesen Checks darum geht, der Schülerin und dem Schüler aufzuzeigen, wo sie stehen – in der dritten und sechsten Klasse, der zweiten und dritten Sek. Und zwar nicht im Klassenverband, sondern im Vergleich mit Schülern aus vier Kantonen auf derselben Altersstufe.  Dies gibt ein ganz anderes Bild, als wenn Vergleiche nur im Klassenverband gezogen werden.  Ganz allgemein bereitet die zunehmende Tendenz Sorgen, dass man Dinge, die erst eingeführt worden sind und wozu noch gar keine Ergebnisse vorliegen – die S2 fand erst letzte Woche zum ersten Mal statt – schon wieder abschaffen und alles hinterfragen möchte. Die Votantin ist die letzte, die solche Projekte nicht weiterverfolgen und prüfen möchte. Deshalb wäre sie auch gerne bereit, den Vorstoss von Jürg Wiedemann als Postulat entgegen zu nehmen. Man muss aber bedenken, dass Schulen Ruhe brauchen. Werden die Dinge dauernd hinterfragt, führt das zu einem Zickzack – und das ist für die Lehrerinnen und Lehrer mühsam.  Allgemein bittet die Votantin um etwas mehr Geduld. Die Wirksamkeit wird genau verfolgt, überprüft und darüber berichtet.

://: Der Landrat überweist das Postulat 2016/406 mit 40:35 Stimmen bei drei Enthaltungen.

 [Namenliste]

 

Für das Protokoll:
Markus Kocher, Landeskanzlei

Weitere Informationen.

Fusszeile