Protokoll der Landratssitzung vom 16. April 2015

Nr. 2828

Landratspräsidentin Myrta Stohler (SVP) informiert, dass der Regierungsrat das Postulat entgegen nehme.


Stefan Zemp (SP) sagt, der Reb- und Weinbau im Kanton Basel-Landschaft hätten Tradition. Neue Sorten und das Qualitätsbewusstsein von innovativen Winzerinnen und Winzern sorgen dafür, dass der Baselbieter Wein weit über die Kantonsgrenzen hinaus beliebt ist und ein grosses Ansehen geniesst. Im Oberen Baselbiet haben sich einige Produzenten zu einer Genossenschaft, dem Sydebändel, zusammengeschlossen. Die Genossenschaft hat es geschafft, innerhalb weniger Jahre ein grosses Renommee aufzubauen für den Sydebändel-Wein. Dies ist ein Blauburgunder, welcher durch ganz strenges Qualitätsmanagement Medaillen gewonnen hat, und der es sogar unter die fünf besten Pinot Noir der ganzen Schweiz geschafft hat.


Als Vertreter des Kachelofenbaus, eines uralten Gewerbes, welches regional völlig unterschiedlich ausgeübt worden ist, fordert der Votant auch eine Auszeichnung für den besten Kachelofen des Kantons Basel-Landschaft. Ausserdem existieren im Kanton Basel-Landschaft sehr viele Kleinbrauereien, welche mit viel Liebe, Herz und Hopfen eigenes Bier brauen. Wo ist hier die Auszeichnung?


Der Votant denkt in diesem Bereich liberal: Es herrscht freie Marktwirtschaft. Protektionismus bzw. die Inanspruchnahme des Verwaltungsapparats für die Auszeichnung von Wein als Kulturgut gehört nicht zur Kernaufgabe des Kantons. Er ist daher dezidiert der Ansicht - und ein Teil der SP-Fraktion teilt diese Meinung -, dass es sich vorliegend um eine Schnapsidee handelt. Der andere Teil der SP-Fraktion unterstützt das Postulat.


Hanni Huggel (SP) möchte einen weiteren Aspekt einbringen: Sie persönlich ist im Blaukreuz aufgewachsen und lebt nach wie vor alkoholabstinent. Daher ist die vorliegende Vorlage für sie etwas speziell, kennt sie die ganze Weinseligkeit und -bewunderung doch nicht so richtig.


Da bekanntlicherweise viele Leute mit Wein und zu viel Alkohol nicht so gut umgehen können, wurde in Münchenstein vor 50 Jahren eine Traubensaftaktion gestartet. Diese bezweckte, Familien die Möglichkeit zu bieten, den Kindern an Weihnachten ein alkoholfreies, aber gleichwertiges Getränk auftischen zu können. Mittlerweile ist der damals billig offerierte Traubensaft nicht mehr aktuell. Gewünscht wird sortenreiner Traubensaft in edler Flasche. Es gibt solchen Traubensaft im Tessin, am Bieler See, in Zürich. Leider gibt es ihn nicht im Baselbiet. Eine Ausnahme bildete während einiger Jahre Arlesheim, wo Riesling-Silvaner-Traubensaft produziert wurde. Zwischenzeitlich musste das Projekt wegen schlechter Ernten und mangelnder Rentabilität leider eingestellt werden .


Wenn es nun einen Baselbieter Staatswein geben soll, so sollte es auch einen Baselbieter Staatstraubensaft geben. Die Weinbauern sollten dahingehend unterstützt werden, einen sortenreinen Traubensaft zu produzieren. Zugleich sollte aber auch der Ausschank des Traubensafts in den Restaurants gefördert werden. Heute führen die Restaurants nämlich gar keinen Traubensaft oder nur Grapillon. Dieser Saft ist jedoch eine Mischung verschiedener Traubensäfte und entspricht daher nicht der Qualität, welche die Votantin von einem Traubensaft erwartet; so wie andere dies von einem guten Wein erwarten.


Die Votantin kann das Postulat in der vorgelegten Form nicht unterstützen: Es müsste neben dem unterstützten Baselbieter Wein auch ein sortenreiner Baselbieter Traubensaft gefördert werden. Ein Kulturgut ist der Wein für sie zudem nicht.


Sabrina Corvini-Mohn (CVP) ist die Idee - und es ist keine Schnapsidee - des Postulats gekommen, als sie im Kanton Aargau den dortigen Staatswein kennenlernen durfte. Und dies direkt an dem Ort, wo der Wein produziert wird. Die Produzenten haben ihr den Wein mit Begeisterung und Stolz vorgestellt und erzählt, dass der Wein vor allem an offiziellen Anlässen ausgeschenkt wird. Mit dem Postulat geht es ihr nicht darum, den Alkoholkonsum zu fördern. Der Staatswein soll an Anlässen, an welchen bereits heute Wein ausgeschenkt wird, dargereicht werden.


Die Region kämpft gegen den Einkaufstourismus, beim Submissionsverfahren ist die Rede von der Stützung des heimischen Gewerbes. Das vorliegende Postulat ist eine Art der direkten Wirtschaftsförderung, welche nicht viel kostet, aber doch etwas bringt.


Tatsache ist, dass an offiziellen Anlässen keine Kachelöfen stehen, aber Weinflaschen. Gerne nimmt die Postulantin den Input von Hanni Huggel auf. Es wäre durchaus wünschenswert, wenn eine gleichwertige Alternative zum Wein gereicht werden könnte. Wenn diese Alternative noch aus dem Baselbiet käme, so wäre dies umso besser. Diese Idee wird durch das Postulat nicht ausgeschlossen und soll es auch nicht werden.


Hans-Jürgen Ringgenberg (SVP) stellt einmal mehr fest, dass aus allem ein Problem gemacht werden könne. Es geht hier um einen simplen Vorstoss. Simpel im positiven Sinn. Mit dem Vorstoss wird etwas bezweckt, das die umliegenden Kantone alle schon kennen: Erst kürzlich hat er im Kanton Solothurn den Solothurner Staatswein getrunken.


Dem Votanten ist es unverständlich, wie man gegen die Idee sein kann. Es wird schliesslich die eigene Rebkultur damit gefördert. Ausserdem geht es jetzt nicht um einen Staatstraubensaft oder um Staatskachelöfen. Stefan Zemp würde eine solche Auszeichnung wohl jedes Jahr erhalten, ist er doch vermutlich der einzige Kachelofenbauer im Kanton.


Dominik Straumann (SVP) teilt mit, dass die SVP-Fraktion insgesamt für den Vorstoss sei.


Der Vorstoss steht den anderen Forderungen im Übrigen nicht im Weg. Es wird viel ausgezeichnet: Freiwilligenarbeit, Kultur, usw. Aber an Anlässen, zu welchen der Kanton einlädt oder an welchen Basel-Landschaft vertreten ist, wird italienischer, französischer oder sonstiger Wein serviert. Dann wird stets gefragt, ob es denn keinen Baselbieter Wein gäbe.


Anlässlich eines Besuchs im Schweizerischen Verkehrshaus fiel dem Votanten auf, dass der Monatswein entweder aus Italien oder Frankreich kam. Dabei gibt es so viele gute Weine aus der Schweiz und auch aus dem Baselbiet. Deshalb soll einmal mehr ein starkes Zeichen für die Landwirtschaft gesetzt werden - es geht hier schliesslich auch um Landwirte, nur dass sie Rebberge pflegen anstatt Milch zu produzieren.


Hannes Schweizer (SP) erinnert daran, dass der Landrat am 19. März das Postulat 2014/227 überwiesen hat. Dieser Vorstoss passt dazu. Er persönlich würde das Postulat unterstützen. Er wird bei der Abstimmung allerdings in den Ausstand treten, da er- seit einem Jahr selbst Winzer - Ambitionen hegt, künftig den Staatswein zu liefern!


Marc Bürgi (BDP) erklärt, die BDP/glp-Fraktion unterstütze das Postulat. Die Fraktion steht hinter dem Gedanken, dass ein Staatswein gekürt werden soll. Der Kanton Bern prämiert jedes Jahr vier Staatsweine. An offiziellen Anlässen können dort verschiedene Alternativen offeriert werden.


Der Kanton hat gute Rebberge und Weine. Auf diese darf er stolz sein. Dieser Wein soll an offiziellen Anlässen den Gästen aufgetischt werden können.


Wichtig ist, wie bereits gesagt wurde, für Leute, die keinen Alkohol trinken möchten, eine Alternative bereitzuhalten. Es gibt hervorragenden Baselbieter Apfelmost, welcher genauso gut wie Traubensaft ist. Heute geht es tatsächlich um den Staatswein. Wenn gewünscht wird, zugleich auch einen Staatsmost zu küren, so müsste dafür ein entsprechender Vorstoss eingereicht werden.


Rolf Richterich (FDP) gibt bekannt, dass auch die FDP-Fraktion das Anliegen unterstützt. Dies nicht zuletzt auch aus Gründen der Wirtschaftsförderung. Basel-Landschaft ist nämlich ein Weinbaukanton. Als solcher soll er sich in der Schweiz auch präsentieren.


Die Fraktion ist der Ansicht, dass der Vorstoss ausgabenneutral umgesetzt werden kann und muss. Die Staatskasse soll dadurch nicht belastet werden. Falls für die Umsetzung Hilfe benötigt wird, z.B. im Rahmen einer Experten- oder Findungskommission, so stellen sich die FDP-Abgeordneten gerne ehrenamtlich und ohne Entgelt dafür zur Verfügung!


Hanni Huggel (SP) möchte Sabrina Corvini-Mohn dafür danken, sollte es ihr wirklich ein ernsthaftes Anliegen sein, die Idee mit dem Traubensaft zu übernehmen.


Apfelmost ist im Übrigen nicht adäquat zu Traubensaft. Traubensaft wird in schönen Flaschen gereicht. Eine schöne Flasche Traubensaft kann - wie Wein - an Empfängen gereicht werden. Dies geht mit Most aus dem Karton nicht.


Rahel Bänziger (Grüne) erklärt, die grüne Fraktion sei dafür, dass lokal produziert, lokal verarbeitet und lokal getrunken werde. Die Fraktion ist daher mehrheitlich für die Überweisung des Postulats.


Als sie das erste Mal vom Baselbieter Wein hörte, hatte sie Bedenken. Nachdem sie jedoch Baselbieter Wein kosten durfte, kann sie nur sagen, diese Weine haben es in sich. Diese Weine dürfen stolz aufgetischt werden.


Der Landrat hat erst kürzlich das Postulat 2014/224 «Spezialkulturen» äusserst knapp mit 35:34 Stimmen überwiesen. Weinbau ist auch eine Spezialkultur. Sie hofft, dass die Abstimmung heute nicht ebenso knapp ausfällt.


Paul Wenger (SVP) führt aus, wenn der Kanton Basel-Landschaft einen Staatswein hätte, würde es dieser vielleicht einmal in den Weinkeller des Bundeshauses schaffen und von dort auf den Tisch bei einem Staatsempfang. Bei Staatsempfängen werden ausschliesslich Schweizer Weine aus den verschiedenen Weinbaugebieten der Schweiz ausgeschenkt. Auf der Homepage des Bundes findet sich ein Link, mit welchem alle Menus und Weine, die bei Staatsempfängen aufgetischt wurden, aufgerufen werden können.


://: Das Postulat 2014/016 wird mit 59:12 Stimmen bei 5 Enthaltungen überwiesen. [ Namenliste ]


Für das Protokoll:
Ursula Fehr, Landeskanzlei


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