Protokoll der Landratssitzung vom 16. April 2015

Nr. 2834

Landratspräsidentin Myrta Stohler (SVP) teilt mit, dass der Regierungsrat das Postulat entgegen nehme und die Abschreibung beantrage.


> Begründung des Regierungsrats


Brigitte Bos (CVP) führt aus, kleine Geschenke erhielten die Freundschaft und kleine freundschaftliche Gesten förderten das Vertrauen. Es geht beim vorliegenden Postulat weder um ein Geschenk noch um eine kleine Geste. Es geht um eine freundliche, identitätsstiftende, grosse Geste. Das Baselbieterlied in seiner heutigen Form mit den Strophen 1 - 4 ist für auch für die Bevölkerung nicht bloss ein «Kaffeekränzchen-Lied», obschon das Lied nicht gesetzlich verankert ist. Für viele Menschen ist es logisch, das Lied bei einem feierlichen Anlass anzustimmen.


Dass es bei identitätsstiftenden Texten von solchen kantonalen Volksliedern oder auch der Schweizerhymne immer wieder Anpassungen braucht, zeigen die aktuellen Bestrebungen zur Modernisierung des Textes der Schweizerhymne. Für den Bund ist das ein riesiges Geschäft, bei welchem auch die Bevölkerung aufgerufen ist, ihre Meinungen kundzutun. Die Bemühungen rund um die Landeshymne verdeutlichen, welche Wichtigkeit ein Lied für ein Land oder einen Kanton haben kann.


Im Baselbieterlied heisst es seit jeher, vom Westen bis in den Osten, vom Rhein im Norden bis zum Belchen im Süden. Geographisch ist dieser Text falsch, zumindest seit dem 1. Januar 1994. Darum geistert die Idee einer textlichen Anpassung bzw. einer fünften Strophe schon lange durch die Baselbieter Köpfe. Der westlichste Punkt des Kantons Basel-Landschaft ist seit über 20 Jahren nicht mehr die Gemeinde Schönenbuch, es ist die Gemeinde Roggenburg. Dies sollte im Lied entsprechend zum Ausdruck kommen.


Die Postulantin bezweckt mit ihrem Vorstoss zwei Ziele: Alle Bewohner des Kantons Basel-Landschaft sollen sich irgendwie im Lied finden und alle Schüler des Kantons sollen das Lied lernen. Dabei kostet die Sache eigentlich fast nichts. Keine andere Vorlage der letzten Sitzungen weist eine bessere Kosten-Nutzen-Ratio auf.


Der Regierungsrat schreibt, aus kultur- und ordnungspolitischen Gründen verfüge er nicht über die Kompetenz über eine textliche Anpassung zu beschliessen. Das ist richtig. Darum geht es auch gar nicht, der Regierungsrat soll gar nichts beschliessen. Es bedarf keiner Veränderung der Kompetenzordnung, keiner neuen gesetzlichen Grundlage, nicht einmal eines formalen Beschlusses. Es soll vielmehr geprüft werden, wie das Ziel erreicht werden kann, dass das Baselbieterlied über einen Text verfügt, der für alle Bewohner des Kantons stimmt und mit welchem sie sich identifizieren können. Der Regierungsrat ist zuständig für die bestmögliche Identifikation aller Baselbieter auch der Laufentaler.


Den Laufentalern wird häufig gesagt, sie sollten sich anpassen. Es ist insofern richtig, als alle Baselbieter - ob vom neuen oder vom alten Teil - gleichberechtigt sind. Folgerichtig müssten sich die Laufentaler aber auch irgendwie im Baselbieterlied finden und sich damit identifizieren können.


Die Postulantin ist gerne bereit mitzuhelfen, eine Lösung zu finden, damit bei der 25-Jahre-Feier die fünfte Strophe aufgelegt werden kann.


Georges Thüring (SVP) kann - selbst Laufentaler - der vorliegenden Forderung nur zustimmen. Mit einer passenden Ergänzung des Baselbieterliedes könnte etwas sehr Wichtiges und Positives für das Zusammengehörigkeitsgefühl im Kanton Basel-Landschaft und für beidseitige Identifikation von «Alt-» und «Neu-Baselbiet» getan werden. Ein solches Zeichen würde sehr gut tun. Es wäre vor allem ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Laufentalern und ein Signal, dass die Laufentaler im Baselbiet nicht nur willkommen, sondern nach 20 Jahren auch herzlich aufgenommen sind. Zuvor war die Rede von einem Staatswein. Mit einem auf fünf Strophen ergänzten Baselbieterlied könnte dieser Wein gebührend eingeweiht werden.


Peter Schafroth (FDP) schätzt es ausserordentlich, dass die Laufentaler Freundinnen und Freunde sich für das Baselbieterlied engagierten. Er freut sich, wenn sie es singen, genauso wie es ihn freut, wenn die «Altbaselbieter» es singen. Etwas Mühe bereitet ihm das Vorgehen. Das Baselbieterlied ist keine behördlich verpflichtende Kantonshymne.


Das Lied ist aus dem Volk heraus entstanden. Als das Thema «Gender» aktuell war, gab es eine fünfte Strophe speziell für die Frauen, im Zuge der Fusionsdebatte gab es eine «partnerschaftliche» fünfte Strophe usw. Keine dieser Anpassungen hat sich durchgesetzt. Es bleibt bei den bekannten vier Versen.


Der Votant stört sich daran, dass nun verlangt wird, dass die Verwaltung sich um das Thema kümmern müsse. Er empfiehlt daher die Ablehnung des Postulats.


Christine Koch (SP) sagt, die SP-Fraktion habe durchaus Sympathien für eine fünfte Strophe. Selbstverständlich soll das Laufental Platz haben im Baselbieterlied. Nun ist es aber so, dass das Baselbieterlied traditionell gewachsen ist, und dass es traditionell vier Verse hat. Auch wenn ein fünfter Vers zweifelsohne Platz hätte, sieht die SP-Fraktion nicht ein, weshalb die Regierung dafür zuständig sein sollte, einen fünften Vers auszusuchen und zu pushen.


Die Votantin ist Primarlehrerin. Selbstverständlich würde sie in der fünften Klasse bei der Behandlung des Themas «Unser Kanton» den Kindern nicht nur vier Verse, sondern die angepassten fünf Verse lehren. Ähnlich dürften es viele Primarlehrpersonen halten, wenn sich das Laufental auf einen Vers einigen könnte. Aber die Lösung muss von dort kommen. Darum ist die SP-Fraktion gegen die Überweisung des Postulats.


Franz Hartmann (SVP) singt «vo Roggenburg bis Ammel, vom Bölche bis zum Rhy». Ein Wort reiche, dann habe man die fünfte Strophe.


Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) möchte einen Aspekt unterstreichen, der von einigen Votantinnen und Votanten schon angesprochen worden sei: Es ist eine klare Aufgabe der Zivilgesellschaft, Empfehlungen für eine Anpassung des Baselbieterliedes abzugeben. Der Kanton könnte einen Beitrag leisten, indem er z.B. einer Redaktionskommission den Landratssaal unentgeltlich zur Verfügung stelle. In einer Pattsituation müsste aber vielleicht auf Franz Hartmann zurückgegriffen werden!


://: Das Postulat 2014/355 wird mit 41:24 Stimmen bei 4 Enthaltungen abgelehnt. [ Namenliste ]


Für das Protokoll:
Ursula Fehr, Landeskanzlei


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