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Protokoll der Landratssitzung vom 12. Januar 2017

Landratspräsident Philipp Schoch (Grüne) informiert, dass der Regierungsrat die Motion als Postulat entgegen nimmt.

> Begründung des Regierungsrats

Rolf Blatter (FDP) führt aus, dass er vor gut einem Jahr verantwortlich war für das Programm in seinem Rotary-Club. Über private Beziehungen kam er zum Vortrag der Organisation namens «Life Support». Diese hat den einzigen Zweck, Leben zu retten durch die Anwendung von Sofortmassnahmen, die dann fällig werden, wenn jemand ungeplant mit einem Herzinfarkt vom Stuhl fällt. Die Erfahrung zeigt, dass der grösste medizinische Schaden  in den ersten Minuten entsteht und die allermeisten Leute aber nicht wissen, wie man in einem solchen Notfall reagieren muss. Primär geht es darum, beim betreffenden Infarktpatienten mit einer Druckmassage dafür zu sorgen, dass Sauerstoff weiterhin und solange ins Hirn transportiert wird, bis die Ambulanz vor Ort ist.

Dies schien dem Votanten sehr einleuchtend, was übrigens von einer Erfahrung aus dem Kanton Tessin bestätigt wird. Dort wurde dank einer flächendeckenden Schulung aller Schulabgänger die Überlebensrate (gegenüber dem Schweizer Wert) signifikant erhöht. Dies lässt sich auch, anders als es in der Regierungsantwort heisst, mit deutlich weniger Aufwand erreichen. Es war nämlich nicht die Idee, dass der Kanton sämtlichen Schülerinnen und Schülern im letzten Schuljahr den Notfhelferausweis zu bezahlen hat, sondern dass man nach dem Konzept «Train the Trainer» Lehrer motiviert, in ein oder zwei Stunden im letzten Schuljahr den Schülerinnen und Schülern diesen Reflex beizubringen.

Der Votant würde Hand bieten und den Vorstoss in ein Postulat umwandeln. Ein kleiner Lapsus ist noch zu berichtigen: Im Motionstext steht, dass man das kantonale Bildungsgesetz entsprechend anpassen lassen sollte. Offenbar ist dies der falsche Ort. Deshalb möchte er beliebt machen, es so zu formulieren, dass die Regierung die Gesetzgebung anpassen würde. 

Rahel Bänziger (Grüne) sagt, dass die Fraktion Grüne/EVP sogar eine Motion unterstützen würde dahingehend, dass die gesetzlichen Grundlagen dazu geschaffen werden sollen. Das Anliegen ist ganz wichtig. Es muss kein Rolls Royce sein, indem allen Schülern der Nothelferkurs bezahlt wird. Damit würde wohl etwas über das Ziel hinausgeschossen. Die Motion ist aber auf jeden Fall unterstützenswert. Die Votantin regt an, einen solchen Kurs vielleicht auch mal den Landrätinnen und Landräten angedeihen zu lassen. Im Vorzimmer hängt nämlich ein Defibrillator, wobei zu vermuten ist, dass damit nicht alle umgehen können. 

Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) macht Rolf Blatter darauf aufmerksam, dass in seiner Schule ein solches Projekt in den Projekttagen vom Samariterverein angeboten wird. Der Punkt ist, dass die Schüler diesen Kurs besuchen, damit sie zwei Jahre später mit dem erworbenen Nothelferausweis die Autofahrprüfung machen können. Deshalb ist es nicht möglich, dass die Lehrpersonen diesen Kurs geben – weil die Jugendlichen dann den Ausweis nicht erhalten würden. Es muss geschultes Personal sein. 

Miriam Locher (SP) sagt, dass die SP-Fraktion der Argumentation der Regierung folgt und das Postulat nach der Überweisung abschreiben möchte. Das Anliegen der Motion ist sehr löblich. Eine breite Grundausbildung in lebensrettenden Sofortmassnahmen und Erster Hilfe ist sicher wünschenswert. Eine verpflichtende Ausbildung im 8. und 9. Schuljahr ist ohne die entsprechenden Ressourcen aber kaum möglich. Die Umsetzung der Motion wäre somit in der jetzigen Finanzsituation des Kantons alles andere als realistisch. Für die Lehrpersonen ist die Umsetzung bereits heute oft integrierter Bestandteil der Ausbildung an der pädagogischen Hochschule, so insbesondere für die Sportlehrpersonen, die in der Motion explizit erwähnt sind. Dies schreibt auch die Regierung in ihrer nachvollziehbaren Begründung, weshalb die SP das Postulat nach der Überweisung abschreiben wird. Eine Überweisung als Motion lehnt sie ab. 

Rosmarie Brunner (SVP) spricht sich namens ihrer Fraktion für die Überweisung des Postulats aus. In diesem Zusammenhang sei auf den Defibrillator im Regierungsgebäude hingewiesen. Vor etwa acht Jahren gab es im Landratssaal einen Kurs, wobei die Landräte nach der Sitzung die Möglichkeit erhielten, an der Puppe zu üben. Das Gerät wurde damals angeschafft, nachdem Landrätin Elisabeth Schneider-Schneiter im Saal kollabiert war. Es wäre vielleicht ganz gut, wenn einige der Landräte diesen Kurs absolvieren oder wiederholen würden. 

Rolf Blatter (FDP) ergänzt zum Votum von Jürg Wiedemann, dass explizit nicht die Idee ist, dass die Instruktion einen Nothelferkurs ersetzt. Es geht ausschliesslich um lebensrettende Sofortmassnahmen. Deshalb ist dieses Argument wenig stichhaltig. Zweitens ist es natürlich im Ermessen jeder Schule, einen Nothelferkurs anzubieten. Er bleibt aber auf der Basis der Freiwilligkeit. Die Idee hinter dem Vorstoss ist, dass flächendeckend alle daran teilnehmen.

Regierungspräsident Thomas Weber (SVP) fühlt sich in als Gesundheitsdirektor verpflichtet, erneut darauf hinzuweisen, dass der Defibrillator sich im Vorzimmer West befindet, rechts vom Eingang in den Landratssaal etwa auf Kopfhöhe.

Landratspräsident Philipp Schoch (Grüne) ergänzt, dass der von Rosmarie Brunner und Rahel Bänziger geäusserte Wunsch aufgenommen und versucht wird, einen entsprechenden Kurs für Landräte zu organisieren.

://: Der Landrat überweist den zum Postulat umgewandelten Vorstoss 2016/327 mit 76:0 Stimmen.

[Namenliste]

://: Der Landrat schreibt das Postulat 2016/327 mit 43:33 Stimmen ab.

[Namenliste]

 

Für das Protokoll:
Markus Kocher, Landeskanzlei

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