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Protokoll der Landratssitzung vom 10. April 2014

Nr. 1896

Paul Wenger (SVP) verweist auf den Kommissionsbericht und hofft, dass er von allen gelesen wurde. Das Thema ICT an Primarschulen hat die Kommission an drei Sitzungen beschäftigt. In der Vorlage wird ein Verpflichtungskredit von 1.4 Mio. Fr. für die Jahre 2014 bis 2020 beantragt. In der Kommissionsberatung war vor allem der Zeitpunkt der Einführung von ICT heftig umstritten. Eine Einführung im Kindergarten und in der ersten und zweiten Primarklasse wurde von einer Mehrheit als zu früh erachtet. Eine Minderheit, man könnte auch sagen eine kleine Minderheit, möchte grundsätzlich auf eine obligatorische Einführung auf Primarschulstufe verzichten. Es gab auch die Ansicht, dass ICT als arbeitsunterstützendes Instrument erst auf der Sekundarstufe I sinnvoll eingesetzt werden könne. Es wurde auch festgehalten, dass die Gemeinden sehr unbefriedigend in das ganze Projekt eingebunden worden sind. Die Kommission hat nach den drei Sitzungen entschieden, dem Landrat die Einführung von ICT nach dem zweiten Zyklus der Primarschulstufe zu beantragen, also ab der dritten Klasse. Die Einführung wäre dann zeitgleich mit dem Start des Französischunterrichts. Es wurde kontrovers diskutiert, ob die Schule eine Mitverantwortung bei der Mediensozialisierung der Kinder hat, oder ob dies eine private Aufgabe ist und es bleiben soll. Auf einen Verweis auf den Lehrplan 21 wurde verzichtet. Die Kommission war der Meinung, dass der beantragte Kredit von 1.4 Millionen auf 1.1 Millionen Franken reduziert werden soll. Dies weil der Einsatz von ICT erst später starten soll. Die BKSD hat dem entgegengehalten, dass die 1.4 Millionen Franken ein absoluter Minimalbetrag darstelle, um den Support im Kanton sicherstellen zu können.


Das Eintreten auf die Vorlage war unbestritten. Die Zustimmung in der Kommission war es eindeutig nicht. Die BKSK empfiehlt dem Landrat mit 7:4 Stimmen, für die Einführung von ICT als Unterrichtsmittel in den Primarschulen nur einen Verpflichtungskredit von 1.1 Mio. Franken für die Jahre 2014 bis 2020 zu bewilligen und dem von der Kommission veränderten Landratsbeschluss zuzustimmen.


Aus Sicht von Caroline Mall (SVP) ist die Vorlage ein weiterer Ableger von Harmos, respektive vom Lehrplan 21. Wer im 2008 schon im Landrat sass, mag sich vielleicht erinnern, dass damals über eine fast identische Vorlage abgestimmt wurde. Auf diese wurde damals mit 45:38 Stimmen nicht eingetreten. Mit der heutigen Vorlage sollen die Gemeinden verpflichtet werden, ab der dritten Primarklasse ICT-Medien einzurichten. Der Präsident hat die Kosten für den Kanton genannt. Dies ist aber nur der eine Betrag. Es ist ihr wichtig auf die Kosten hinzuweisen, die auf die Gemeinden zukommen. Die Rede ist von Anschaffungskosten von 2.6 Millionen Franken und von jährlich wiederkehrenden Kosten von rund 0.8 Mio. Franken.


Ein weiterer Punkt, der vorher nicht erwähnt wurde, der aber in der Kommission auch umstritten war, ist die Weiterbildung der Lehrkräfte. Auf Seite 12 der Vorlage heisst es «Es besteht keine zeitliche Fortbildungsverpflichtung oder die Verpflichtung zum Besuch bestimmter Kurse. Hingegen besteht eine funktionale Fortbildungsverpflichtung für alle Lehrerinnen und Lehrer». Und für diese Weiterbildung wird auch der Einkauf von externen Leistungen anvisiert und geprüft. Die Rede ist von der Pädagogischen Fachhochschule Nordwestschweiz.


Eines der zentralsten Merkmale der Vorlage darf nicht vergessen werden: Der Kanton versucht einmal mehr, die Gemeinden zu massiven Mehrkosten zu verpflichten. In diesem Zusammenhang möchte sie wieder einmal auf die Charta von Muttenz hinweisen, die explizit mehr Gemeindeautonomie fordert. Mit dieser Vorlage wird die Charta untergraben.


ICT ist ein Mosaikstein zum Lehrplan 21. Sie fragt sich, was den Kindern mit den Geräten beigebracht werden soll. Die Kompetenzen im Lehrplan 21 sind wie folgt definiert: «Kennen und Einordnen von Medien», «Auswählen und Handhaben von Medien» und «Sich-Einbringen mittels Medien». Für diese drei Kompetenzen braucht es in ihren Augen kein flächendeckendes Mammutprojekt, das wahnsinnig viel Geld kostet. Der Finanzausgleich lässt grüssen. Ausserdem darf nicht vergessen werden, dass die Gemeinden sich nach dem Negativentscheid im Jahr 2008 sehr gut selber organisiert haben. Sie haben sich installiert, und zwar gut bis sehr gut. Sie glaubt nicht, dass die Chancengleichheit untergraben wird. Sie traut den Gemeinden zu, dass sie auf Grund ihrer finanziellen Möglichkeiten das Bestmögliche herausholen.


Es gibt eine Arbeitsgruppe zum Lehrplan 21, die sich mit ICT befasst. Auf der Website www.lehrplan.ch/arbeitsgruppen wird die Arbeitsgruppe wie folgt beschrieben:


«Die Steuergruppe des Projekts Lehrplan 21 hat zur Klärung der konzeptionellen Fragen, die über die Lehrplan-Perspektive hinausgehen, eine neue Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie hat den Auftrag bis Sommer 2014, den vorliegenden Entwurfs des Lehrplans ICT und Medien auf fehlende Inhalte sowie in Bezug auf die Gewichtung und auf die Strukturierung der Inhalte zu überprüfen. Dabei berücksichtigt sie die Ergebnisse der Konsultation. Sie soll klären, welche Kompetenzen sinnvollerweise integriert in andere Fachbereiche erworben werden und für welche Kompetenzen und auf welchen Schulstufen allenfalls eigene Zeitgefässe nötig sind. Ausserdem sollen die für die Umsetzung nötigen Rahmenbedingungen in Bezug auf die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen, die Anpassungen an den Lehrmitteln sowie die technische Infrastruktur bearbeitet werden. Das Konzept muss sich für eine flächendeckende Umsetzung im Schulsystem eignen. Es muss daher auch mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen umsetzbar sein.»


Wer den Text gewissenhaft liest, muss zum Schluss kommen, dass im Moment mit der Vorlage zugewartet werden kann. Das ICT-Medienkonzept ist noch nicht geboren. Es ist gut möglich, dass die Arbeitsgruppe im Sommer einen Bericht veröffentlichen wird, der allenfalls nochmals die Möglichkeit gibt, zu prüfen, ob ICT wirklich ab dem zweiten Zyklus nötig ist, oder ob ein späterer Einsatz ab Sekundarstufe auch reichen würde.


Es tut ihr leid, dass die SVP wieder einmal nein sagen wird, das ist ja nicht immer der Fall. Aber sie kann die Verantwortung für die Gemeinden nicht übernehmen. Die SVP-Fraktion wird die Vorlage ablehnen.


Miriam Locher (SP) dankt im Namen der SP-Fraktion der Regierung für diese Vorlage zu ICT. Nachdem eine ähnliche Vorlage im Januar 2008 im Landrat knapp abgelehnt wurde, ist es richtig und erfreulich, dass heute erneut über die Einführung von Computern als Hilfsmittel für den Primarschulunterricht befunden werden kann. An vielen Schulen wurden in den letzten 6 Jahren Computer für die Nutzung im Unterricht angeschafft. Dies nicht zuletzt darum, weil fast alle neuen Lehrmittel ergänzende Übungsmöglichkeiten am Computer anbieten und nur so wirklich sinnvoll eingesetzt werden können. Kinder, welche heute den Kindergarten oder die Primarschule besuchen, sind grossmehrheitlich bereits von zu Hause aus an den Umgang mit Computern oder Tablets gewöhnt und profitieren von den Möglichkeiten im Unterricht. Eine flächendeckende Einführung an allen Primarschulen sichert die Chancengleichheit aller Baselbieter PrimarschülerInnen. Die SP-Fraktion macht daher beliebt, für die Regierungsvorlage zu stimmen und den Änderungsantrag der BKSK abzulehnen. Dies aus den folgenden Gründen: Computer als Hilfsmittel im Unterricht und altersgerechte Medienerziehung fängt nicht erst in der dritten Primarschulklasse an, sondern bereits im ersten Zyklus, also im Kindergarten. Ebenso wie Gesundheitserziehung im Kindergarten praktiziert wird, muss auch der richtige und sinnvolle Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien gelernt werden. Wir müssen den Kindern zeigen, wie sie das Medium Computer sinnvoll einsetzen können, um eventuellen späteren Missbräuchen etwas entgegensetzen zu können. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass bereits die Kleinen lernen, wie man die Technologie sinnvoll einsetzt und vor allem wie sie im Alltag zu gewichten sind. Es ist nicht nachvollziehbar, die Einführung von ICT mit dem Beginn des Französischunterrichts zu begründen, beziehungsweise an das dort verwendete Lehrmittel Mille feuilles. Eine funktionierende Computertechnologie ist ebenso unabdingbar für obligatorische und fakultative Lehrmittel im Kindergarten und auf der Unterstufe, völlig unabhängig von Harmos. Es kann nicht sein, dass Kindergärtner und Primarschullehrerinnen ihre privaten Geräte ins Schulzimmer mitnehmen müssen, um den Kindern die Arbeit mit diesen Lehrmittel ermöglichen zu können. Es geht hier um einen Arbeitsplatz pro Kindergarten respektive um 2-3 pro Primarschulklasse. Die Computerarbeitsplätze stehen nicht im Zentrum des Unterrichts. Die Kinder sollen den Computer als einen von vielen Spiel- und Arbeitsplätzen kennen und nutzen lernen. Es ist auch nicht zu viel gefordert, dass die Lehrpersonen von Kindergarten und Unterstufe an ihrem Arbeitsplatz einen Computer mit Internetzugang zur Verfügung haben um ihren Unterricht vorzubereiten und administrative Aufgaben zu erledigen. Ein sinnvoller Einsatz im Kindergarten ermöglicht einen spielerischen und lustvollen Umgang mit dem Computer, ohne einem Leistungsdruck ausgesetzt zu sein. Diverse Studien zeigen, dass der Computereinsatz im Kindergarten keine Nachteile für die Kinder mit sich bringt. Mit dem Plan, ICT erst ab der dritten Primarklasse einzusetzen, sieht die SP-Fraktion die Chancengleichheit in Gefahr. Alle Kinder sollen schon vor Beginn des Französischunterrichts die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen mit dem Computer zu machen. Der Kindergarten ist die erste Schulstufe. Die vollständige Nutzung der Lehrmittel in diesem Zyklus muss möglich sein. Die Kinder sollen von klein auf den richtigen Umgang mit ICT erlernen. Ermöglichen wir also allen Kindern den richtigen Umgang mit diesen Medien und unterlasen wir die Abwertung des ersten Zyklus der Primarschulstufe. Daher bittet sie, der Regierungsvorlage in unveränderter Form zuzustimmen.


Marco Born (FDP) sagt, dass die FDP-Fraktion die Stossrichtung begrüsse, ICT erst ab dem dritten Primarschuljahr einzuführen. Die Fraktion appelliert an die Eigenverantwortung der Eltern. Diese sollten ihre Kinder früh sensibilisieren. Es muss nicht immer alles vom Staat vorgeschrieben werden. Ab dem dritten Primarschuljahr findet die FDP-Fraktion den Einsatz sinnvoll. Darum begrüsst sie die vorgeschlagene Reduktion der Kosten und unterstützt den Kommissionsvorschlag.


Sabrina Corvini-Mohn (CVP) präsentiert einige Zahlen: 96 % der 12 bis 13-jährigen benutzen den Computer regelmässig. Bei den 6 bis 7-jährigen sind es 51%. 90 % der 12 bis 13-jährigen haben ein eigenes Handy und 89% nutzen das Internet täglich oder mehrmals pro Woche. Dazu ein Beispiel aus dem Schulalltag: Sie hatte auf der Tafel einen Hefteintrag vorbereitet und hat die SchülerInnen aufgefordert, diesen ins Grammatikheft zu übertragen. Ein 11-jähriger fragte, ob er diesen Eintrag nicht mit dem Iphone abphotographieren könne. Dieses Beispiel und die Zahlen zeigen, dass in unserer Wissensgesellschaft der souveräne Umgang mit digitalen Medien eine Schlüsselkompetenz ist. Sie ist selber kein Fan vom Lehrplan 21. Die Vorlage kann aber entkoppelt vom Lehrplan 21 betrachtet werden. Der Kanton muss vorwärts machen im Bereich ICT. Die CVP/EVP-Fraktion unterstützt daher die Vorlage, allerdings nicht blind. Sie unterstützt die Anpassung der Kommission bezüglich des Zeitpunkts der Einführung. Dies einerseits wegen dem Französischlehrmittel ab der dritten Klasse, für welches ein Computer nötig ist. Zum anderen auch, weil es vom Bund eine Faustregel gibt. Diese besagt: kein Bildschirm unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole unter 6 Jahren, kein Internet unter 9 Jahren und kein unbeaufsichtigter Internetzugang vor 12 Jahren. Daher sollen unsere Kinder im Kindergarten und den ersten beiden Primarschuljahren zunächst andere Kompetenzen und Fertigkeiten lernen dürfen und erst ab der dritten Klasse lernen, mit dem Computer zu arbeiten. In dieser Vorlage wurde eine gute Mischung gefunden zwischen der Gemeindeautonomie und der Chancengleichheit aller SchülerInnen im Kanton BL. Viele Gemeinden warten auf diese Vorlage, weil sie bis jetzt auf eigenes Gutdünken hin im Bereich ICT aktiv waren oder eben nicht. Daher ist es wichtig, dass die Vorlage heute angenommen wird.


Es bleibt ein Kritikpunkt an der Verordnung. Es geht darum, dass wenn Medienkonzepte in den Gemeinden bewilligt werden, auch die Finanzierung dafür sichergestellt ist. In dieser Sache ist ein Vorstoss geplant.


Die CVP/EVP-Fraktion unterstützt die Vorlage in der von der Kommission verabschiedeten Version.


Florence Brenzikofer (Grüne) schliesst sich ihren beiden VorrednerInnen an und vertritt damit die Mehrheitsmeinung der Grünen Fraktion. Die Vorlage in der von der Kommission verabschiedeten Version wird unterstützt, also die Einführung von ICT im zweiten Zyklus. Die Lehrmittel sind so konzipiert, dass der Einsatz von ICT im Unterricht nötig ist. Das zeigt das seit zwei Jahren im Einsatz stehende Französischlehrmittel Mille feuilles. Hier ist der Einsatz von ICT sehr sinnvoll.


Hans Furer (glp) sagt, dass die glp/BDP-Fraktion den Antrag der Kommission ebenfalls grossmehrheitlich unterstütze. Moderne Medien sind ein Teil der gesellschaftlichen Entwicklung, die es zu akzeptieren gilt. Andere Kantone sind schon weiter. Der Kanton BL muss sich hier auch engagieren.


Mit den 1.1 Mio. Franken soll auch ein Support geleistet werden. Wenn alle Gemeinden eine eigene Lösung suchen, wird es in Zukunft Probleme geben, die wiederum mit Geld koordiniert werden müssen. Der Bericht zählt auf, welche Kosten zu Lasten der Gemeinden gehen und welche mit den heute zu sprechenden Mitteln finanziert werden. Das ist gut.


Oskar Kämpfer (SVP) sagt, dass es letztendlich um eine langfristige Sicherstellung der Finanzierung des Einsatzes von ICT gehe. Es stellt sich die Frage, ob dies eine Kantonsaufgabe ist. Wie lange wird es gehen, bis der Kanton auch die Primarschulen übernehmen wird? Viele wünschen sich dies wahrscheinlich. Es ist aber sicher nicht der Wille von allen.


Die Primarschule ist Aufgabe der Gemeinden. Wenn der Kanton die Rahmenbedingungen zum Unterricht festlegt, dann ist es nicht mehr als konsequent. Auch der Bund setzt gewisse Rahmenbedingungen fest. Dass der Kanton auch die Finanzierung an die Hand nimmt, ist weder konsequent noch richtig. Daher wird die SVP die Vorlage grossmehrheitlich ablehnen.


Marc Bürgi (BDP) hat bei dieser Vorlage leichte Bauchschmerzen. Es stehen zwei Begründungen im Raum. Einerseits wird gesagt, dass ein Computerarbeitsplatz im Kindergarten die Lehrkräfte unterstützt. Dies ist wohl unbestritten. Aber wenn die Einführung des Arbeitsplatzes nötig ist, um Kinder an ICT zu gewöhnen, dann ist er der Meinung, dass sich die Schulen Aufgaben aufbürden, die eigentlich den Eltern zufallen. Es geht um Eigenverantwortung und Erziehung.


Den Gemeinden werden durch die Vorlage Kosten zugeschoben, welche im Moment nicht allzu hoch sind. Er befürchtet aber ein Fass ohne Boden. Gerade heute hat die Regierung bekannt gegeben, dass es einen Nachtragskredit von 4.9 Mio. Franken geben wird, um ein IT-Projekt in der Verwaltung zu finanzieren.


Solange der Nutzen von ICT an der Primarschule im Rahmen des Lehrplans 21 nicht vollständig ersichtlich ist, findet er die Vorlage heikel. Die Lehrkräfte sollen einen PC-Arbeitsplatz zur Verfügung haben, um administrative Aufgaben zu erledigen. Kinder im Kindergarten und in den ersten beiden Schuljahren sollen das Leben aber draussen erfahren, im Wald und der Natur, und sich nötiges Wissen so erarbeiten. Das funktioniert ganz sicher nicht am PC oder am Tablet und schon gar nicht mit PowerPoint-Präsentationen. Er befürwortet eine Einführung von ICT ab dem dritten Primarschuljahr.


Christoph Hänggi (SP) nimmt Bezug auf den von Caroline Mall angesprochenen Text. Ihm ist darin aufgefallen, dass von einer «flächendeckenden Umsetzung» die Rede ist. Als Kantonsvertreter gilt es, sich für Chancengleichheit einzusetzen. Es ist ihm klar, dass in Reinach die Mittel für einen Einsatz auf Kindergarten- und Primarschulstufe vorhanden sind. Dies ist aber nicht überall der Fall.


Es geht jetzt darum, die Rahmenbedingungen zu definieren, damit an allen Orten die gleichen Voraussetzungen herrschen.


Er stellt den Antrag, der Regierungsvorlage den Vorrang zu geben gegenüber dem Vorschlag der Kommission.


Michael Vollgraff (Grüne) spricht als Vertreter einer imaginären Schiefertafelfraktion. Er weist auf einen gesundheitlichen Aspekt hin, der nicht direkt Teil der Vorlage ist, ihm aber immer im Hinterkopf herumschwirrt, genau so wie all die Handy- und WLAN-Strahlen ständig in der Welt herumschwirren. Diese wurden von der Weltgesundheitsorganisation als möglicherweise krebserregend taxiert. Sabrina Corvini-Mohn hat vorhin Zahlen zitiert. Die allermeisten Kinder haben heute ein eigenes Handy und sind daher andauernd elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt. Die Primarschulen und die Kindergärten zählen zu den wenigen Orte, wo die Kinder strahlungsfrei sein können. Er fordert das Recht auf täglich 8 Stunden strahlungsfreien Aufenthalt, dies ist in der Primarschule möglich, wenn möglichst wenig ICT vorhanden ist.


Christine Gorrengourt (CVP) stellt fest, dass die einen mehr und die anderen weniger wollen. Es stellt sich die Frage, ob man am Schluss überhaupt etwas hat. Die geplante Unterstützung für die Schulen besteht in einem Handbuch, einem Musterkonzept. Die Schulleitungen sind heute schon überlastet und brauchen solche Unterstützung. Es geht auch um pädagogische Unterstützung. Es wird ein Minimumstandard definiert, damit mit den vorhandenen Lehrmitteln ein sinnvoller Unterricht möglich ist. Es geht nicht darum, dass jedes Kind ab Kindergarten ein eigenes Tablet hat und sich nur noch damit befasst und zum Beispiel nicht mehr basteln würde. Darum geht es nicht. Es geht um einen sinnvollen Unterricht.


WLAN ist übrigens heute schon eine Tatsache in vielen Schulen.


Im Vergleich zu anderen Kantonen ist der Kanton BL abgeschlagen. Dies tut unserer Bildung nicht gut.


Caroline Mall (SVP) vermisst, dass niemand bei der heutigen Debatte über die Kosten für die Gemeinden gesprochen hat. Was der Kanton den Gemeinden antut, kann nicht einfach ignoriert werden. Immer mehr wird in den letzten Jahren von oben nach unten delegiert und die Gemeinden haben sich zu arrangieren, siehe KESB. Sie vermisst diesbezüglich die nötige Sorgfalt.


Sie ist keine «Hinterwäldlerin», hat selber ein Tablet und ein Handy und ihre älteste Tochter muss in der Sek II auch am Computer arbeiten. Sie glaubt aber nicht, dass mit dem Geld mehr Chancengleichheit erreicht wird, und dass die Baselbieter Kinder deswegen bessere Ergebnisse bei der nächsten PISA-Studie erreichen. Es kommt auf die Lehrperson an und wie diese den Unterricht gestaltet. Wenn eine Lehrperson ein Tablet braucht, um Stundenpläne nachzuschlagen, oder um sich mit ihrer Jobsharing-Kameradin auszutauschen, geht das für sie in Ordnung. Aber lassen wir unseren Kindern - und vor allem den Gemeinden - ein Stück weit die Freiheit. Es ist despektierlich, nur über den Kantonsbeitrag zu diskutieren. Das ist nicht in Ordnung, nicht föderalistisch und verantwortungslos.


Thomas Bühler (SP) fühlt sich als Praktiker von den diversen Voten herausgefordert und möchte einige Punkte aus seiner Optik als Primarlehrer darlegen. Der Gemeinderat von Lausen hat seiner Schule vor acht Jahren genau das bewilligt, was heute diskutiert wird. Er selber hat also acht Jahre Erfahrung im Umgang mit ICT auf der Primarschulstufe (ohne Kindergarten). Die KindergärtnerInnen in seiner Gemeinde haben heute keine Computer und müssen ihre privaten Geräte mitbringen, um administrative Dinge zu erledigen.


Er möchte aber auf den Grundsatz fokussieren, der hoffentlich mehrheitlich unbestritten ist: Die Technologie muss in der Primarschule Eingang finden. Denn wir bilden heute im Kindergarten und in der Primarschule Kinder aus, die in 50 Jahren immer noch im Berufsleben stehen werden. Die Computer in der Primarschule und im Kindergarten werden alters- und stufengerecht als Hilfsmittel eingesetzt, so wie ein Lehrbuch, ein Schulwandbild, wie weiteres Anschauungsmaterial oder Exkursionen. Dies wird alles nicht verschwinden. Die Bandbreite der Kinder in der gleichen Klasse ist heute sehr breit, von Kleinklässlern (wie es früher hiess) bis zu Hochbegabten. Es braucht eine - wie es heute heisst - Binnendifferenzierung. Es geht also darum, allen ein schlaues Angebot machen zu können, zum Üben, Erfahrungen sammeln und Lernen. Der Computer ist dabei ein kleines Mosaiksteinchen, aber eines, das an Bedeutung und Wichtigkeit gewinnt. «Mille feuilles» ist nur ein Lehrmittel, im Sommer kommt ein weiteres für den Englischunterricht. Zum Mathematik-Buch gibt es schon seit Jahren wunderschöne Programme, um Mathematik zu üben. Erst- und Zweitklässler üben Mathematik zum Teil mit Karteikärtchen, zum Teil mündlich, zum Teil an der Schiefertafel und zum Teil am Computer. Es ist eine Hilfe. Und diese Hilfe ist heute nötig.


Zum Thema Medienkompetenz: Er fände es auch gut, wenn die Kinder schon zu Hause lernen würden, was anständiges Verhalten und Höflichkeit bedeutet. Leider ist dies nicht der Fall. Darum muss die Schule hier etwas machen, ob man dies möchte oder nicht. Er sähe es auch gerne, wenn zu Hause gelernt würde, wie man Zähne putzt. Auch dies ist leider nicht der Fall und es braucht die Dentalhygienikerin, die das Zähneputzen lernt, dies schon seit Jahren mit guten Erfolgen. Es gibt noch viele weitere Erziehungsaufgaben, welche die Schule übernimmt. Dasselbe gilt in Sachen Medienkompetenz. Er wurde vor kurzem mit einem Fall von Cybermobbing konfrontiert. Die Eltern kamen dabei auf die Schule zu. Auch hier kann die Schule nicht einfach die Verantwortung an die Eltern abschieben. Die Schule muss darum stufen- und altersgerecht den Kindern den richtigen Umgang mit Medien beibringen. Dazu ist es sehr hilfreich, wenn im Klassenzimmer ein Computer mit Internetzugang vorhanden ist.


Zu den Kosten: In Lausen stehen seit acht Jahren dieselben Computer und sie funktionieren immer noch. Diesen Frühling werden sie ersetzt. Eine Mittelstufenklasse mit drei Maschinen, inklusive Peripheriegeräte und Support auszurüsten, kostet ca. 7000 Franken - für die ganze Lebenszeit. In der Vorlage steht, dass ein Computer eine Lebenszeit von 4 bis 5 Jahre hat. Das stimmt nicht. Wenn man aufpasst, hält er länger. Es ist also nicht so wahnsinnig teuer. Eine Lehrerstunde kostet pro Jahr 5000 bis 6000 Franken. Die Personalkosten sind also wesentlich höher.


Er bittet darum, im Grundsatz der Vorlage zuzustimmen. Der Einsatz von ICT ab Kindergarten ist sinnvoll und nötig.


Regierungspräsident Urs Wüthrich (SP) sagt, dass die Schweiz sich eine Spitzenposition als innovationsstärkstes Land der Welt erobert hat. Schweizweit gibt es gleichzeitig einen Fachkräftemangel, vor allem im technischen Bereich. Es herrschte bislang die Übereinstimmung in diesem Rat, dass die so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gestärkt werden müssen. Das «I» steht dabei ja für Informatik. Zumindest in den 1. August-Reden wird dies jeweils so gesagt. In der Realität muss man zu Kenntnis nehmen, dass der Kanton BL in Sachen Informations- und Kommunikationstechnologien schlecht aufgestellt ist, und zwar selbstverschuldet. Gleichzeitig haben wir eine Entwicklung, die rasch voranschreitet, nicht nur im Bereich der Technik sondern auch im Bereich der Nutzungsmöglichkeiten. Im Pädagogischen Bereich leistet ICT einen wichtigen Beitrag, um das Bildungspotenzial von unseren SchülerInnen besser auszuschöpfen. Wie dies geht, haben wir vorher von Praktikern gehört.


Er findet es keinen Mehrwert, wenn in Skigebieten flächendeckend WLAN eingerichtet wird. Er kann sehr gut ohne auskommen. Dies ist aber heute nicht die Fragestellung. Es geht nicht darum, ein Handyverbot für Jugendliche in diesem Kanton aufzuheben. Handy und andere Devices sind aber eine Realität.


Es geht auch nicht um eine Diskussion über den Lehrplan 21 und was dieser vorgibt oder verhindert. Die Diskussion hier dreht sich um die Schule des 21. Jahrhunderts.


Die Aussage, dass die Schulen im Kanton schlecht aufgestellt sind, ist nur teilweise richtig. Eine ganze Anzahl von Gemeinden haben auf der Basis von ausgezeichneten Konzepten und mit viel Aufwand grosszügig Ausrüstungen angeschafft. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Gemeinden, welche ab und zu nachfragen, ob nicht noch irgendwo ein ausrangierter Computer herumsteht, weil sie gerne einen solchen im Unterricht einsetzen würden. Problematisch sind also die grossen Unterschiede zwischen den Gemeinden.


Es sei auch die Frage erlaubt, wer einen achtjährigen Computer an seinem eigenen Arbeitsplatz hat.


Im Spannungsfeld zwischen dem Gestaltungsspielraum der Gemeinden als Schulträger und dem Anspruch nach Bildungsgerechtigkeit ist die BKSD mit sehr pragmatischen Vorgaben angetreten. Wer diese genau liest, stellt fest, dass nur ein Orientierungsrahmen vorgegeben wird. Innerhalb von diesem können sich die Schulen sehr frei bewegen. Es ist auch wichtig festzuhalten, dass der Kanton nicht einfach eine Aufgabe abgeschoben hat, sondern dass der Kanton seine Verantwortung wahrnimmt. Der Kanton ist für die Weiterbildung zuständig und für die Unterstützung und Beratung im pädagogischen Bereich. Für dies braucht es das beantragte Geld. Insgesamt kommt es volkswirtschaftlich günstiger, wenn die Ausgaben des Kantons und der Gemeinden zusammen gedacht werden und wenn der Kanton den Gemeinden eine Handreichung bietet, und nicht jede Gemeinde das Rad neu erfinden muss. Die Gemeinden werden nicht im Stich gelassen.


Es ist eine Realität, dass es für die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, für die Lebensqualität und für die Attraktivität des Lebensraums wichtig ist, dass wir nicht ausschliesslich alles überbauen. Gleichzeitig ist es auch eine Tatsache, dass wir mit Hochstammobstbäumen und Ammenkuhhaltung nicht die nötige Wertschöpfung generieren, um unseren Wohlstand zu sichern.


Die Kürzung der Ressourcen bestimmt den Leistungsumfang. Das Parlament muss entscheiden, ob das Unterstützungsangebot für die Gemeinden früher möglich gemacht werden soll oder erst später. Er möchte möglichst früh einsetzen.


Für das Protokoll:
Thomas Löliger, Landeskanzlei


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- Detailberatung Landratsbeschluss


Titel und Ingress


Ziffern 1 bis 3


keine Wortbegehren


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- Rückkommen


Christoph Hänggi (SP) erinnert daran, dass seine Fraktion den Antrag gestellt habe, die regierungsrätliche Fassung zu beschliessen.


Landratspräsidentin Marianne Hollinger (FDP) stellt den Regierungsantrag dem Kommissionsantrag gegenüber und lässt darüber abstimmen.


://: Der Landrat spricht sich mit 59:22 Stimmen bei 2 Enthaltungen für den Kommissionsantrag aus. [ Namenliste ]


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- Beschlussfassung


://: Der Landrat genehmigt für die Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) und Medien als Unterrichtsmittel und Lerninhalt an der Primarschule mit 55:25 Stimmen bei 3 Enthaltungen einen Verpflichtungskredit von 1,1 Mio. Franken und stimmt dem Landratsbeschluss in der von der BKSK beantragten Fassung zu. [ Namenliste ]


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Landratsbeschluss
betreffend Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) und Medien als Unterrichtsmittel und Lerninhalt an der Primarschule als Teil der Umsetzung des Deutschweizer Lehrplans 21 verpflichtend ab Schuljahr 2015/16


vom 10. April 2014


Der Landrat des Kantons Basel-Landschaft beschliesst:




Für das Protokoll:
Barbara Imwinkelried, Landeskanzlei



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