Protokoll der Landratssitzung vom 3. Mai 2007

20
2006-315 vom 13. Dezember 2006
Postulat von Hannes Schweizer, SP: Holzasche zurück in den natürlichen Kreislauf
- Beschluss des Landrats am 3. Mai 2007 < überwiesen >



Nr. 2437

Die Regierung ist nicht bereit, das Postulat entgegenzunehmen, gibt Elsbeth Schneider bekannt.


Regierungsrätin Elsbeth Schneider (CVP) stellt voran, dass sie nach ihrer anfänglich positiven Aufnahme des Postulats nach Rücksprache mit den Fachleuten ihre Meinung ändern musste und der Regierung die Ablehnung des Postulats beantragte. Der Postulant bittet zu prüfen, welche gesetzlichen Grundlagen geändert werden müssten, welche technischen Massnahmen notwendig wären, damit in Zukunft Holzasche in Feld und Wald als natürliches Düngemittel ausgebracht werden kann - an und für sich eine gute Idee, meint sie.


Massgebend für die Möglichkeit, mit Asche den Wald düngen zu können, ist das generelle Düngverbot für Waldareal gemäss Artikel 18 des Bundesgesetzes über den Wald vom 4. Oktober 1991 in Verbindung mit der Chemikalienrisikoreduktionsverordnung, Anhang 2, 6 etc. Die vom Kanton zu bewilligenden Ausnahmen von diesem Düngverbot sind in Ziffer 3.3.2. Absatz 2 der regierungsrätlichen Verordnung abschliessend aufgeführt: forstliche Pflanzgärten, Neuanpflanzungen, Begrünungen von Waldstrassenböschungen im Rahmen wissenschaftlicher Versuche. Somit besteht für Aschenausbringung im Wald auf kantonaler Ebene weder ein Spielraum für rechtliche Regelungen noch eine Vollzugspraxis. Aus fachlicher Sicht ist die Zusammensetzung von Holzasche - vorwiegend Calcium, geringe Anteile an Phosphor, Kalium und Magnesium - nicht geeignet, um das bestehende Nährstoffungleichgewicht auf den Waldböden unserer Region zu beheben.


Der Wald leidet heute vor allem an einer Stickstoff-Überversorgung, verbunden mit einem Mangel an Phosphor und Magnesium. Dagegen ist in unserer Region das in der Holzasche dominierende Calcium aufgrund des kalkhaltigen Untergrunds häufig in genügender Menge verfügbar - dies im Gegensatz zu den Waldflächen in anderen Kantonen, welche eine andere Zusammensetzung aufweisen. Ohne Vorbehandlung der Asche würde sich diese zudem aufgrund ihrer stark basischen Wirkung negativ auf die Krautschicht und die Lebewesen in der obersten Bodenschicht auswirken. Daher besteht aus fachlicher Sicht kein Grund, das generelle Verbot einer Aschenausbringung im Wald aufzuweichen.


Asche als Düngung auf dem Feld: Bei korrekter Berücksichtigung der Nährstoffe in der Düngerbilanz ist die Verwendung von Asche aus der Verbrennung von Waldholz in der Landwirtschaft zwar grundsätzlich möglich. Der bescheidene Düngwert in Verbindung mit relativ hohen Schadstofffrachten macht Holzasche aber auch für die Landwirtschaft unattraktiv. Zudem laufen auf eidgenössischer Ebene Bestrebungen, den Einsatz von Holzasche in der Landwirtschaft künftig einer Bewilligungspflicht zu unterstellen.


Zur Entsorgung der Holzasche: Soweit nicht eine korrekte Verwertung in der Landwirtschaft sicher gestellt ist, muss Asche aus der Verbrennung von Waldholz heute als Abfall entsorgt werden, wobei hierbei die Bestimmungen der technischen Verordnung über die Abfälle gelten. Verglichen mit anderen Abfallstoffen geht es hier um relativ geringe Mengen. Man spricht von 200 bis 300 Tonnen pro Jahr im Kanton Basel-Landschaft, die aufgrund ihrer Eigenschaften auf einer Reaktordeponie (Schlackenkompartiment) abgelagert werden müssen. Für grössere Feuerungen, in denen neben sauberem Waldholz auch andere Holzabfälle - Rest- und zum Teil auch Altholz - als Brennstoff zugelassen sind, steht die Aschenverwertung grundsätzlich nicht zur Diskussion, da Holzabfälle zu einer stark erhöhten Schadstoffbelastung in der Asche führen. Aus rechtlicher aber auch fachlicher Sicht besteht somit bei der Holzaschenentsorgung grundsätzlich kein Bedarf für eine Neuausrichtung. Der Regierungsrat lehnt daher das Postulat ab.


Hannes Schweizer (SP) bedankt sich bei der Regierungsrätin für die ausführlichen Erläuterungen. Für die Ablehnung hat er aus der soeben dargelegten regierungsrätlichen Sicht durchaus Verständnis. Wird nun aber von «fachlicher Sicht» gesprochen, so stellt sich für ihn die Grundsatzfrage, von welcher fachlichen Sicht hier die Rede ist. Ist es die fachliche Sicht der Bodenschutzfachstelle des Kantons? Diese hat sich vor vierzehn Tagen in der Volksstimme mit einem ausführlichen Bericht geäussert. Dann gibt es aber noch die Aussage derjenigen Fachleute, welche sich mit der Problematik der Übersäuerung des Waldbodens befassen. Deren Äusserungen waren für ihn und die parlamentarische Gruppe Wald mit ein Grund, das Thema aufzunehmen, nämlich den Sinn respektive Unsinn, wertvolle Nährstoffe - und dazu zählen Calcium, Kalium und Phosphor - in Reaktordeponien zu entsorgen anstatt sie dem natürlichen Kreislauf zurückzugeben, was der natürlichsten Produktion entspräche. Gerade er als Bio-Landwirt ist darauf angewiesen, alles wieder in den natürlichen Kreislauf zurückzugeben. Anlass gab auch vor allem die Weiterführung der im Plenum - und speziell in der Kommission heiss - geführten Diskussion um die Waldschadenuntersuchungen. So habe sein Landratskollege Thomas Schulte fest gestellt, die Fakten seien bekannt: der Waldboden in der Nordwestschweiz ist zu 50 % übersäuert, und nun stelle sich Frage nach der Lösung des Problems.


Wie bereits erwähnt, ist mehr als die Hälfte des nordwestschweizerischen Waldbodens stark übersäuert, d.h. er ist in einem ph-Bereich unter 3 %. Ein derart übersäuerter Boden hat zur Folge, dass im Gestein Zink und Aluminium freigesetzt wird. Die diesbezüglich in der Nordwestschweiz gemessenen Werte übersteigen den Richtwert bis zum Fünffachen. Bei Einhaltung der Richtwert-ebene ist die Bodenqualität nicht eingeschränkt, d.h. es sind keine negativen Auswirkungen auf Lebewesen und Bodenqualität festzustellen. Der fünffache Wert aber hat drastische Auswirkungen, vor allem diejenige, dass in den Bäumen die Saugwurzeln kleiner werden, das Wasser nicht mehr aufnehmen können und schliesslich absterben. In geringen Mengen sind Zink- und Aluminiumwerte nicht gefährlich, in dieser Grössenordnung aber alarmierend. In Schweden und Norwegen gibt es Waldböden mit einem ph-Wert von 1,5. Dort musste schon vor Jahren die flächendeckende Düngung eingeführt werden, weil in den Gewässern ein Fischsterben begann. Soweit will man aber gar nicht gehen. Man fordert lediglich zu überprüfen.


Wird nun auf das eidgenössische Waldgesetz verwiesen, so ist dies seiner Ansicht nach die beste Gelegenheit, um Einfluss zu nehmen, da sich dieses in Revision befindet. Um den Waldboden wieder in den alkalischen Bereich zu bringen, ist seiner Meinung nach die Asche genau das richtige. Nun werde nicht verlangt, dass jeder seine Cheminée-Asche im Wald verstreuen soll. Die Forderung ist klar die Ausbringung von Asche aus naturbelassenem Holz aus Grossanlagen; dabei ist klar, dass ein minimaler Anteil von Schwermetallen enthalten ist, was aber bei jedem Dünger und jedem Stoff der Fall ist.


Ein weiteres Argument ist der rapide Anstieg des Phosphormangels innert relativ kurzer Zeit: Die Waldschadenuntersuchungen zeigten auf, dass 1984 noch 9 % der Waldflächen in der Nordwestschweiz einen Phosphormangel hatten. 2003 waren bereits 80 % der Waldflächen davon betroffen. Eine derartige Unterversorgung wirkt sich auf den nachhaltigen Wachstumsbestand des Waldes aus. Hannes Schweizer bittet das Ratskollegium um Unterstützung für das Postulat, und zwar in dem Sinne, dass die Regierung abklären soll, welche Gesetzesänderungen notwendig sind, oder - in leichter Abänderung des Postulats - dass sich die Regierung beim Bafu dafür einsetzen soll, bei der Revision des Waldgesetzes die Möglichkeit zu schaffen, dort wo notwendig, gezielt die Asche in den natürlichen Kreislauf zurückzuführen.


Daniel Wenk (FDP) glaubt, die nun entstandene Diskussion zeige, dass eine Prüfung und ein Bericht in schriftlicher Form absolut richtig sind. Anschliessend kann darüber befunden werden. Drücken alle Unterzeichneten die Ja-Taste, so ist das Postulat so oder so überwiesen [Heiterkeit].


Auch die SVP-Fraktion ist - nicht geschlossen, aber mehrheitlich - für Überweisung des Postulats, vermeldet Hansruedi Wirz .


Ebenso die CVP-/EVP-Fraktion, erklärt Elisabeth Augstburger (EVP), denn es mache schlicht Sinn, Holzasche in den natürlichen Kreislauf zurückzubringen .


Sarah Martin (Grüne) kam beim ersten Durchlesen des Postulats ihre Grossmutter in den Sinn, welche jeweils während des Essens vor dem Tiba-Herd sass und diesem alles nur irgendwie Brennbare verfütterte. Im ersten Moment befand sie, derartige Asche dürfe überhaupt nirgends ausgebracht werden. Nach kurzer Rücksprache mit dem Postulanten wurde ihr aber klar, dass nur die Asche aus den Grossanlagen, wie sie nun vermehrt gebaut werden, in Frage kommt. Deren Rückbringung in den natürlichen Kreislauf können auch die Grünen unterstützen.


Keine weiteren Wortbegehren.


://: Der Landrat überweist das Postulat 2006/316 mit 65 Ja-Stimmen zu 4 Nein-Stimmen ohne Enthaltung.


Für das Protokoll:
Brigitta Laube, Landeskanzlei



Fortsetzung

Back to Top