Protokoll der Landratssitzung vom 24. April 2008

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2007-233 vom 20. September 2007
Postulat von Siro Imber, FDP: Bessere Umsteigeverbindung an der Tramhaltestelle Brausebad für Allschwll und Schönenbuch
- Beschluss des Landrats am 24. April 2008: < überwiesen >

Nr. 458

Der Regierungsrat ist gemäss der Landratspräsidentin nicht bereit, das Postulat entgegenzunehmen.


Regierungsrat Jörg Krähenbühl (SVP) begründet die ablehnende Haltung der Regierung:


Gute Verbindungen mit dem Öffentlichen Verkehr zum Bahnhof Basel SBB sind ein bekanntes und berechtigtes Anliegen der Gemeinden Allschwil und Schönenbuch.


In der Vergangenheit sind verschiedene Massnahmen geprüft und teilweise auch umgesetzt worden. Gegenwärtig stellt sich die Umsteigesituation an der Haltestelle "Brausebad" von der Tramlinie 6 aus Allschwil auf die Tramlinie 1 zum Bahnhof SBB und in umgekehrter Richtung wie folgt dar: Von Montag bis Freitag beträgt die Umsteigezeit von Betriebsbeginn bis ca. um 20.30 Uhr in beiden Richtungen 3 bis 5 Minuten - dies unter Berück-sichtigung des Umsteigeweges und einer optimalen Reserve. Für die Zeit nach 20.30 Uhr ist der Fahrplan auf beiden Tramlinien auf einen Viertelstunden-Takt ausgedünnt worden. Die Wartezeit nach Allschwil beträgt 3 Minuten und zum Bahnhof SBB 8 Minuten. Samstags von 8.00 bis 20.30 Uhr sowie sonntags vor 11.00 Uhr und nach 19.30 Uhr, da auch im Viertelstunden-Takt gefahren wird, besteht die gleiche Situation.


Der Wunsch des Postulates, dass am Morgen von Allschwil in Richtung Bahnhof SBB die Wartezeit von 8 Minuten reduziert werden soll, ist verständlich. Die Veränderung der Anschlusszeiten Richtung Bahnhof hätte jedoch gravierende Auswirkungen für das gesamte ÖV-Netz. Hauptsächlich betroffen wären neben den Linien 1 und 6 die Linien 2, 8, 14, 32 und 34. Die Umsteigezeiten auf diesen anderen Linien würden länger. Damit würden die Anschlüsse schlechter bzw. die Basler Innenstadt würde weniger regelmässig bedient werden.


Für Frühaufsteher gibt es vor 06.00 Uhr drei umsteigefreie Verbindungen von Allschwil zum Bahnhof SBB. Samstags und sonntags bietet sich als Alternative die Buslinie 33 an. An der Haltestelle "Schützenhaus" folgt bereits 2 Minuten nach Ankunft des Busses Nr. 33 ein Tram der Linie 8 zum Bahnhof Basel SBB.


Derzeit findet unter der Leitung des Wirtschafts- und Sozialdepartementes eine umfassende Überprüfung des gesamten Tram- und Busnetzes auf städtischem Gebiet statt. In der Begleitarbeitsgruppe sind auch Transportunternehmungen sowie die Abteilung Öffentlicher Verkehr des Kantons Basel-Landschaft vertreten. Die vielen an-stehenden Wünsche werden geprüft und sollen soweit als möglich in das ÖV-Angebot aufgenommen werden. Der Wunsch der Gemeinde Allschwil nach einer direkten Anbindung an den Bahnhof SBB soll wenn möglich Berück-sichtigung finden (Tram oder Bus).


Regierungsrat Krähenbühl bittet den Landrat, das Postulat abzulehnen.


Siro Imber (FDP) dankt Regierungsrat Krähenbühl für dessen Ausführungen. Er weist darauf hin, dass es nicht nur die Tramverbindungen in Richtung Bahnhof Basel SBB gibt, sondern auch in umgekehrter Richtung. Gerade am Abend ist die Situation problematisch. Es kann durchaus vorkommen, dass die Fahrt vom Bahnhof SBB nach Allschwil 40 Minuten dauert, auch wenn alles optimal und fahrplanmässig läuft. Das sind Zustände, die wünschenswerterweise verbessert werden sollten.


1989 hat Landrat Max Ribi einen der ältesten, noch pendenten Vorstösse eingereicht, mit welchem er eine direkte Anbindung Allschwils an den Bahnhof SBB forderte. Das nun zur Diskussion stehende Postulat geht nicht so weit: Es möchte lediglich eine Verbesserung der heutigen Infrastruktur erreichen. In den vergangenen Jahren hat es kleinste Verbesserungen gegeben, was die Buslinie 33 angeht, aber auch diese sind nicht optimal, weil die Verbindungen nicht aufeinander abgestimmt sind. Einem grossen Teil der Bevölkerung bringt dies zudem nichts, weil die Siedlungsentwicklung entlang der Tramlinie 6 und nicht entlang der Buslinie erfolgt. Andere Kantonsteile wie das Leimen- oder das Birstal haben durch die Tramlinien 10 und 11 enorme Verbesserungen erfahren. Was dies für den öffentlichen Verkehr bedeutet, ist wohl allen bewusst.


Mit dem Postulat soll der Regierung der politische Auftrag erteilt werden, sich für das Anliegen einzusetzen - dafür bietet sich die erwähnte Arbeitsgruppe an. Wenn die Regierung vom Landrat mandatiert ist, so hat das Anliegen Allschwils wahrscheinlich höheres Gewicht. Alle anderen Varianten würden einen weit drastischeren Einschnitt bedeuten und viel teurer zu stehen kommen.


Es geht nicht um eine Lösung auf Biegen und Brechen. Der politische Auftrag, sich für das Anliegen einzusetzen und Lösungen zu finden, soll aber bestehen.


Aus genannten Gründen empfiehlt Siro Imber gemeinsam mit der FDP-Fraktion, das Postulat zu überweisen.


Für das Protokoll:
Barbara Imwinkelried, Landeskanzlei


Gemäss Urs Hess (SVP) wird in diesem Postulat auf einem sehr hohen Niveau gejammert. Über eine Umsteigezeit von 3 bis 5 Minuten würde man sich in so manch anderem Dorf sehr freuen. Eine weitergehende Verbesserung hätte wohl denn zur Folge, dass man mit dem Trottinett vom einen Tram in das andere wechseln muss, um es überhaupt noch erreichen zu können. Das geht zu weit!


Die Idee, gewisse Umsteigezeiten besser in den Griff zu bekommen, müsste grossräumiger im Leistungsauftrag betrachtet werden, allenfalls auch mit einer geänderten Linienführung. Weil eine solche Frage aber eben im Leistungsauftrag geregelt werden müsste, macht das Postulat aus Sicht der SVP-Fraktion keinen Sinn. Sie lehnt dieses ab.


Für Ivo Corvini (CVP) und seine Fraktion ist das Anliegen Siro Imbers absolut begründet und zudem leicht umsetzbar. Die CVP/EVP-Fraktion wird daher zustimmen.


Simon Trinkler (Grüne) zufolge ist Allschwil die bevölkerungsstärkste Gemeinde im Kanton Baselland und dafür vergleichsweise schlecht mit dem ÖV erschlossen. Es wäre das Mindeste, was man für die Gemeinde Allschwil machen könnte, wenn die ÖV-Anbindung an den Bahnhof verbessert würde. Aus diesem Grund unterstützt die Grüne Fraktion das Postulat.


Folgend Daniel Münger (SP) ist entscheidend für den ÖV, dass er konkurrenzfähig zum privaten Verkehr ist. Daher unterstützt auch die SP-Fraktion das Postulat.


Landratspräsidentin Esther Maag (Grüne) lässt abstimmen:


://: Der Landrat überweist das Postulat 2007/233 mit 53:10 Stimmen bei 2 Enthaltungen. [ Namenliste ]


Für das Protokoll:
Pascal Andres, Landeskanzlei



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