Protokoll der Landratssitzung vom 27. Mai 2004

Nr. 611

27 2004/073
Interpellation von Christoph Rudin vom 18. März 2004: Erwerb der gymnasialen Matur für BerufsmaturandInnen (Passerelle). Antwort des Regierungsrates

RR Urs Wüthrich schickt der Fragenbeantwortung ein paar Bemerkungen voraus: Grundsätzlich geht es um den Übergang von der Berufsmatur zur gymnasialen Matur. Ab 2005 sind InhaberInnen einer Berufsmatur nach Bestehen einer Ergänzungsprüfung zu allen universitären Hochschulen zugelassen. Die Ergänzungsprüfung wird im Namen der schweizerischen Maturitätskommission organisiert, zweimal jährlich können standardisierte Prüfungen abgelegt werden, wobei die Vorbereitung auf das Examen innerhalb eines Jahresprogramms möglich sein soll.

Die Fragen von Interpellant Christoph Rudin:

Zu Frage 1: Ja!

Zu Frage 2: Der Regierungsrat möchte den BerufsmaturandInnen den Zugang zu den Universitäten ermöglichen und plant die Realisierung als bikantonales Angebot gemeinsam mit dem Kanton Basel-Stadt. Schon aufgrund der TeilnehmerInnenzahl wird ein Zusammengehen mit dem Kanton Basel-Stadt nötig und zweckmässig sein. Auch der Einbezug der Kantone Solothurn und Aargau ist im Gespräch. Es besteht die Absicht, das Projekt auszuschreiben, so dass öffentliche wie auch private Anbieter die Möglichkeit erhalten, ein entsprechendes Programm anzubieten.

Zu Frage 3: Selbstverständlich bilden solche Kurse einen Beitrag zur Verbesserung der Durchlässigkeit innerhalb des Bildungssystems. Der Regierungsrat ist bereit, seinen Beitrag für BerufsmaturandInnen zu leisten, die nicht an einer Fachhochschule, sondern an einer Universität studieren wollen.

Christoph Rudin dankt für die Beantwortung der Fragen und bittet Regierungsrat Urs Wüthrich zu klären, für wann die Realisierung des Angebotes geplant ist.
Sollte sich zur eben bewilligten Diskussion niemand melden, so ginge Christoph Rudin davon aus, dass er seine eigene Meinung nicht mit einem weiteren Vorstoss unterstützen müsste.

Eva Chappuis - von Fraktionskollege Rudin provoziert - merkt an, die "Passarellenangebote" könnten problemlos von Privaten organisiert und in der Regel auch privat finanziert werden. Wichtig ist die Anerkennung des Kantons, damit sie auch stipendienrechtlich anerkannt sind und so allen Studierenden offen stehen.
Allerdings erachtet es Eva Chappuis nicht als kantonale Aufgabe, BerufsmaturandInnen zu einer gymnasialen Maturität zu führen. Dadurch würde die Berufsmatur und indirekt auch die Fachhochschule abgewertet.

Karl Willimann kann sich - ausnahmsweise - mit Eva Chappuis absolut einverstanden erklären. Der Interpellant beschreitet mit seinem Vorstoss den falschen Weg. Üblichwerweise führt nämlich die Berufsmatur an die Fachhochschule. Danach steht einem FH-Absolventen, falls er einen sehr guten Abschluss vorweisen kann, der Weg an die ETH oder an eine Universität offen. An der ETH kann er in das fünfte Semester einsteigen.

Jacqueline Simonet teilt die Meinung von Eva Chappuis, dass eine Abwertung der Berufsmatur zu befürchten ist. Wenn gratis und franko immer weitere Ausbildungsmöglichkeiten angeboten werden, führt dies zu einer Entmutigung der Firmen, überhaupt noch Lehrlinge auszubilden. Es soll ein Angebot geschaffen werden, doch muss es nicht zwingend vom Staat finanziert sein.

RR Urs Wüthrich kann Christoph Rudin keinen konkret ausgearbeiteten Zeitplan anbieten.
An die Adresse der VorrednerInnen fügt der Bildungsdirektor an, es bestehe ausdrücklich die Absicht, das Angebot auszuschreiben, um es einem Anbieter zu übertragen, der die Aufgabe zu einem vernünftigen Preis erbringen kann.

://: Damit ist die Interpellation 2004/073 von Christoph Rudin beantwortet.

Für das Protokoll:
Urs Troxler, Landeskanzlei



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