Protokoll der Landratssitzung vom 9. September 2004

Nr. 703

17 2003/253
Motion von Jürg Wiedemann vom 30. Oktober 2003: Reduktion des vorgeschlagenen Stundenabbaus in den Fächern Deutsch, Französisch und Mathematik

Bildungs-, Kultur- und Sportdirektor Urs Wüthrich erklärt, weshalb die Regierung die Motion ablehnt.
Die Stundentafeln sind Grosskampfplätze auf dem Bildungsmarkt, oder weniger martialisch ausgedrückt: Jede Fachschaft hat selbstverständlich gute Argumente für einen Ausbau ihres Angebots bzw. zumindest für eine Sicherung des Ist-Zustands. Die andere Seite sind die Grenzen in Form von Höchststundenzahlen, welche es im Interesse der SchülerInnen zu setzen gilt. Diese Grenzen schaffen Raum für Freizeit, für Wahlfächer, Musik, Sport oder Religion. Jeder Ausbau bedeutet zugleich auch einen Abbau an einem anderen Ort - diese Diskussion wurde sehr heftig geführt. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen wurden die vom Motionär angesprochenen Fächer etwas zurückgefahren.
In den Bereichen Mathematik und Deutsch ist aber inzwischen wieder vorgesehen, keine Reduktionen vorzunehmen. Die Angebotssicherung in Deutsch und Mathematik wurde erkauft mit Kürzungen in den Bereichen Textiles Werken und Gestalten sowie Hauswirtschaft. Dem Anliegen der Motion ist also weitgehend Rechnung getragen worden.
Die Motion ist abzulehnen, weil für den Stufenlehrplan bzw. die Stundentafel ganz klar der Bildungsrat zuständig ist. Der Motionär verlangt also eigentlich von der Regierung, dem Parlament eine Vorlage zu unterbreiten mit einer neuen Kompetenzregelung, d.h. einer Entmachtung des Bildungsrates und einer Gewichtsverschiebung hin zum Landrat. Das ist aber nicht im Interesse der Sache.

Der Motionär Jürg Wiedemann erinnert an die Pisa-Studie, welche zeigt, dass die Schweizer Schulabgänger-Innen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in den kopflastigen Fächern wie Mathematik, Deutsch und in der ersten Fremdsprache deutlich weniger leisten. Die Belastbarkeit der SchülerInnen hat in den letzten zehn bis zwanzig Jahren abgenommen, sehr zum Leidwesen der Lehrmeister und der weiterführenden Schulen.
Es ist zwingend notwendig, dem Abbau von Fertigkeiten und Kompetenzen entgegenzuwirken. Die Wirtschaft und der Kanton sind angewiesen auf gut ausgebildete SchulabgängerInnen und auf belastbare Arbeitskräfte.
Die Stundenreduktion in Deutsch, Mathematik und Französisch, welche nach wie vor in Kraft ist, verschärft die Probleme zusätzlich.
Gerade in den kopflastigen Fächern sollte vermehrt mit spielerischem, entdeckendem Lernen gearbeitet werden, womit auch Kreativität und Teamfähigkeit gefördert werden. Diese Fächer werden dann auch weniger als Stressfächer wahrgenommen, die nur mit Büffeln zu bewältigen und sehr selektionierend sind. Mit kreativen Unterrichtsmethoden zu arbeiten, setzt aber ein grösseres Zeitgefäss voraus, also mehr Stunden statt weniger.
Der Bildungsrat hat erfreulicherweise reagiert und in Deutsch und Mathematik im Pflichtbereich auf diesen Abbau verzichtet; allerdings nicht im Wahlpflichtbereich (Zusatzdeutsch, Zusatzmathematik, geometrisches Zeichnen, technisches Zeichnen), wo der Abbau bestehen bleibt. Dies ist verheerend vor allem für jene SchulabgängerInnen, welche eine technische Lehre anstreben.
Der erste Schritt des Bildungsrats in die richtige Richtung ist wichtig und den Verantwortlichen, namentlich Eva Chappuis und Urs Wüthrich, herzlich zu verdanken. Dieser Schritt ist letztlich ein Kompromissvorschlag.
Um im Landrat keine lange Diskussion über die Stundentafel führen zu müssen, zieht der Motionär seinen Vorstoss zurück, möchte aber noch bemerken, dass die heftigen Auseinandersetzungen in den Schulen um die Stundentafeln wahrscheinlich nicht zuletzt auf die allzu einseitige Zusammensetzung der Lehrplanteams zurückzuführen waren.

://: Durch den Rückzug der Motion ist das Traktandum erledigt.

Für das Protokoll:
Alex Klee-Bölckow, Landeskanzlei



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