Protokoll der Landratssitzung vom 9. September 2004

Nr. 695

11 2004/029
Interpellation der CVP/EVP-Fraktion vom 5. Februar 2004: Methadon- und kontrollierte Heroinabgabe. Schriftliche Antwort vom 1. Juni 2004

://: Der beantragten Diskussion wird stattgegeben.

Rita Bachmann bedankt sich beim Regierungsrat für dessen Antwort. Auslöser für ihre Interpellation war ein Artikel in der Basler Zeitung mit dem Titel: "Methadonabgabe - teuer und unnütz". Sie selbst war der Ansicht, man könne diese Aussage so nicht hinnehmen, da sie wisse, wie viel gerade auch im Kanton Basel-Landschaft in diesem Bereich für die Betroffenen getan werde. Sie fragt Erich Straumann nach den Erfahrungen im Kanton Basel-Landschaft betreffend der Methadonabgabe und ob er die Meinung teile, Methadon mache körperlich süchtiger und psychisch abhängiger als Heroin.

Erich Straumann zitiert die Meinung von Fachpersonen, welche der Ansicht sind, Methadon führe nicht zu einer stärkeren Abhängigkeit als andere Substanzen. Wichtig sei die Frage des Masses und zudem würden diejenigen Personen, welche an einem Methadonprogramm teilnehmen, begleitet. Problematisch könne es sich eher auswirken, wenn eine Person auch ausserhalb des Methadonprogramms gewisse Drogen konsumiere. Es sei unbestritten, dass den Betroffenen mit einem fachgerecht durchgeführten Methadon- oder Heroinprogramm geholfen werde, sich aus ihrer Abhängigkeit zu befreien.

Bruno Steiger bezeichnet es als unlogisch, einer heroinsüchtigen Person weiterhin Heroin zu verabreichen. Dies komme einem Erhalt der Sucht gleich, während die Verabreichung von Methadon lediglich eine Verlagerung der Sucht bewirke. Als schlimm empfindet er auch, dass derartige Programme von den Krankenkassen und damit von uns allen bezahlt werden.
Im Zusammenhang mit den Heroinprogrammen werde von Fachleuten oftmals von Erfolgen gesprochen. Kann darunter verstanden werden, dass die Teilnehmenden trotz Heroinkonsum einer existenzsichernden Beschäftigung nachgehen? Bruno Steiger ist eher der Ansicht, dass sich gewisse Fachpersonen mit derartigen Programmen vor allem ihre lukrativen Stellen beim Staat erhalten wollen.

Simone Abt-Gassmann verweist auf Ziffer 6 der Beantwortung der Interpellation, welche sich auf die Begleitung der Heroin- oder Methadonprogramme bezieht. Laut Artikel in der Basler Zeitung liege es vor allem mit dieser Begleitung im Argen. Wie sieht diesbezüglich die Situation in unserem Kanton aus? Offenbar präsentieren sich im Kanton Basel-Landschaft nicht die gleichen Probleme wie in Basel-Stadt.

Erich Straumann erinnert daran, dass die Schwelle, um an einem Methadon- oder Heroinprogramm teilnehmen zu können, sehr hoch sei. Bei den Teilnehmenden handle es sich um kranke Menschen, welche ein Anrecht auf Hilfe haben. Bisher sei es dank den erwähnten Programmen rund neun Personen gelungen, von ihrer Sucht wegzukommen. Zielpublikum der Programme seien zudem nicht Jugendliche, sondern Personen, welche teilweise bereits 40 Jahre alt seien.
Selbstverständlich gelinge es trotz Programmen nicht immer, dass die Teilnehmenden von ihrer Sucht wegkommen. Mit der Begleitung der Programme wird versucht, gewisse Tagesstrukturen oder die Mitarbeit in Betrieben zu vermitteln. Für eine optimale Begleitung jedoch wäre zusätzliches Personal nötig.
Die Regierung möchte mit dem Projekt wie bisher weiterfahren. So können Plätze für ungefähr 15 bis 20 Menschen angeboten werden, denn es sei wichtig, keine Überkapazitäten zu schaffen. Im Rahmen der Folgeplanung II zum Psychiatriekonzept Basel-Landschaft sollen die Suchtberatungen für alle Bereiche (auch beispielsweise Alkohol) organisatorisch zu einem Dienst zusammengefasst werden.
Es wäre nicht zu verantworten, suchtkranken Menschen keine Hilfe anzubieten. Das Vier-Säulen-Programm des Bundes werde grundsätzlich umgesetzt.

Bruno Steiger hinterfragt nach wie vor die Idee, Menschen mit Suchtmitteln von ihrer Sucht zu heilen. Es wäre beispielsweise nicht logisch, Alkohol an alkoholkranke Menschen abzugeben.

://: Die Interpellation ist damit erledigt.

Für das Protokoll:
Andrea Maurer-Rickenbach, Landeskanzlei



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