Protokoll der Landratssitzung vom 10. April 2003

Nr. 2079

8 2003/068
Interpellation von Agathe Schuler vom 20. Februar 2003: Entwicklung des Lehrstellenangebots im Kanton Baselland und der Region. Antwort des Regierungsrates

Regierungsrat Peter Schmid beantwortet die Interpellation und bemerkt einleitend, diese gebe ihm die Gelegenheit, die aktuelle Situation auf dem Lehrstellenmarkt zu schildern.
Die schlechten Botschaften, welche in den letzten Monaten aus Teilen unserer Wirtschaft entgegengenommen werden mussten, bleiben nicht ohne Folgen auf den Lehrstellenmarkt, wobei die Lehrstellenpolitik im Kanton Basel-Landschaft sehr stark von den KMUs abhängig sei, so dass nicht jede Situation auf dem Weltmarkt sich gleich dramatisch auf die Lehrstellensituation auswirke. Dafür gehöre den KMUs auch der entsprechende Dank.

Zu Frage 1: Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, welche das 9. oder allenfalls 10. Schuljahr verlassen, nimmt seit einigen Jahren leicht ab. So waren im Jahre 2001 2'254 SchulabgängerInnen zu verzeichnen, 2002 waren es 2'194. Dieser Rückgang könne seit 1998 beobachtet werden. Beim Amt für Berufsbildung werden jeweils rund 2/3 aller offenen Lehrstellen statistisch erfasst. Auf Lehrbeginn 2002 waren im Februar 2002 noch 997 offene Lehrstellen zu verzeichnen. Im Februar 2003 waren es 709 offene Lehrstellen. Gegenüber den Vorjahren ist ein leichter Rückgang der jeweils im Februar noch offenen Lehrstellen zu verzeichnen, dieser kann jedoch nicht als dramatisch bezeichnet werden.

Die noch offenen Lehrstellen müssen nach Branchen unterschieden werden. Zugenommen hat die Zahl der Lehrstellen in den Jahren 2002 bis 2003 in folgenden Bereichen: Sanitär- und Heizungsbrache (54/63), Verkauf und Detailhandel (139/172), Anlage- und Apparatebau (17/19). In anderen Feldern jedoch nahmen die Lehrstellen ab: Autoberufe (61/53), Elektromonteure (55/52), Köche (55/52). Die deutlichste Abnahme ist in den kaufmännischen Berufen zu verzeichnen (139/115). Sämtliche Zahlen seien als Trendzahlen zu betrachten. Einer leicht abnehmenden Zahl Jugendlicher steht eine gesamthaft ebenfalls leicht abnehmende Zahl von Lehrstellen gegenüber.

Eine weitere Vergleichsgrösse stellt das Total der abgeschlossenen neuen Lehrverträge dar. Diese Zahlen präsentieren sich wie folgt:
*Die Zahl für das Jahr 2000 lag rund 200 über denjenigen der Vorjahre, da einige Massnahmen im Zusammenhang mit Lehrstellenbeschlüssen in Kraft traten und sich positiv auswirkten.

Vergleicht man den Februar des laufenden Jahres mit demjenigen des Vorjahres, so zeigt sich, dass praktisch gleich viele Lehrverträge abgeschlossen wurden. Damit bleiben pro Jahr rund 150 Lehrstellen offen. Von diesen können wiederum rund 50 abgezogen werden, da es sich dabei um hoch spezialisierte Berufe wie beispielsweise Geigenbauer, etc. handelt. Rund 100 Stellen könnten aber jeweils noch besetzt werden. Aus diesem Grund wurde nun kurzfristig in einer Temporäranstellung ein Lehrstellenvermittler eingestellt. Wenn von den noch offenen Lehrstellen jeweils noch rund 60 besetzt werden könnten, so liege dies sowohl im individuellen als auch im volkswirtschaftlichen Interesse und rechtfertige die Lohnkosten für den Lehrstellenvermittler. Bereits auf diese Sommer soll also die Anzahl der noch offenen Lehrstellen durch individuelle Massnahmen reduziert werden.

Zur Beurteilung der Lehrstellensituation müssen Nachfrage, Angebot und Anzahl Verträge verglichen werden. Grundsätzlich stelle man fest, dass sich die Lehrstellensituation in städtischen Agglomerationen schwieriger als auf dem Land präsentiere.

In Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt sind zur Zeit folgende Massnahmen im Gange:

Zu Frage 2: Auftragsgemäss haben die Berufsschulen ein neues Konzept erarbeitet, welches gezielte und individuellere Massnahmen für schwächere Schülerinnen und Schüler vorsieht. Das neue Konzept werde zur Zeit in den Berufsschulen erprobt.

Zu Frage 3: Ein Lehrstellenvermittler wurde bereits temporär eingesetzt. Es sei ohne Weiteres vorstellbar, eine solche Stelle in den nächsten Jahren beizubehalten.

://: Die von Agathe Schuler beantragte Diskussion wird bewilligt.

Agathe Schuler bedankt sich bei Peter Schmid für die ausführliche Beantwortung ihrer Fragen und zeigt sich darob zuversichtlich. Es sei wichtig, dass sich PolitikerInnen, ArbeitgeberInnen, Lehrpersonen und Eltern für alle jungen Menschen einsetzen, damit diese einen Beruf erlernen können. Sie hoffe, dass sich die mancherorts geäusserte Meinung nicht durchsetzen werden, dass die Jugendlichen selbst am Lehrstellenrückgang schuld seien, da sie sich in ihrer Ausbildung zu wenig einsetzen.

Urs Wüthrich kommt noch einmal auf die Tatsache zu sprechen, dass die Situation in Basel-Stadt gravierender sei als in Basel-Landschaft. Diese Entwicklung sei auch für Basel-Landschaft sehr ernst, da sich rund ein Drittel der Jugendlichen aus unserem Kanton in der Stadt ausbilden lassen. Massnahmen zum Erhalt und zur Förderung von Lehrstellen müssen daher unbedingt partnerschaftlich angegangen werden.

Peter Schmid betont, seine Darstellung der ländlichen und der städtischen Situation müsse als neutrale Beschreibung eines Zustands verstanden werden und keineswegs als anti-partnerschaftlicher Exkurs. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Basel im Berufsbildungsbereich und generell im Bildungsbereich sei sehr gut und auch im Berufsbildungsbereich seien beide aufeinander angewiesen.

://: Damit ist die Interpellation beantwortet.

Für das Protokoll:
Andrea Maurer-Rickenbach, Landeskanzlei



Nr. 2080

9 2003/065
Motion von Urs Wüthrich vom 20. Februar 2003: "wie weiter 2" - subito!

Peter Schmid erklärt, weshalb der Regierungsrat die Motion als Postulat entgegennehmen wolle. Für den Regierungsrat sei es keine Frage, dass die Beratungsstelle "wie weiter" gute Arbeit leiste und auch weiterhin gebraucht werde. Unter anderem versuche er immer wieder, dem Leiter der Beratungsstelle klar zu machen, dass die im Leistungsauftrag vorgesehenen 60 Beratungsprogramme pro Jahr für das erste Betriebsjahr der Beratungsstelle galten, inzwischen jedoch seien die Erwartungen höher.
Zu bedenken gibt Peter Schmid die Frage, ob sich der Hauptfokus auf diejenigen Jugendlichen richten soll, welche ihren Platz im Lehrstellenmarkt nicht gefunden haben, oder auf das Ziel, dass möglichst viele Jugendliche sich direkt in einer Lehre bewähren können. Die Verantwortlichen bei der EKD tendierten im laufenden Jahr eher auf letzteres. Deshalb werden unter anderem folgende Ziele in Angriff genommen: Aufbau einer zweijährigen kaufmännischen Grundausbildung, Aufbau des neuen Berufs "BetriebspraktikerIn", Realisierung einer zweijährigen Attestausbildung im Bereich Metall und Gastro, Auftrag an den Lehrstellenförderer, sich stark für Lehrstellen auch für schwächere Jugendliche zu engagieren, Projekt "e Lehr mit Kick" und Ausbau des Stützunterrichts an den Berufsschulen. Gleichzeitig wird aber beobachtet, wie viele Jugendliche im nächsten Sommer trotz aller Bemühungen keine Lehrstelle finden oder ihre Lehre abbrechen, und danach wird entschieden, ob die heutige "wie weiter"-Beratungsstelle in Birsfelden aufgestockt wird oder allenfalls an einem anderen Ort im Kanton eine neue Stelle eingerichtet wird. Es werde auf jeden Fall möglich sein, schnell zu handeln. Die Regierung werde, falls notwendig, dem Landrat auf dem ordentlichen Weg den Ausbau von "wie weiter" vorschlagen.

Urs Wüthrich hatte eigentlich gehofft, am 2. Juli 2003 einen ersten Besuch bei der neuen Stelle "wie weiter 2" abstatten zu können, zeigt sich jedoch mit der Überweisung seines Vorstosses als Postulat einverstanden, denn so können die noch notwendigen Abklärungen vorgenommen werden. Die Mittel für eine derartige Beratungsstelle werden auf jeden Fall sehr gut investiert sein, auch im Vergleich zu den Beträgen, welche die Gemeinden heute an Privatschulen bezahlen müssen. Urs Wüthrich zählt darauf, dass nach den von Peter Schmid angekündigten Abklärungen eine optimale Lösung gefunden werde.

://: Die Motion 2003/065 wird als Postulat an den Regierungsrat überwiesen.

Für das Protokoll:
Andrea Maurer-Rickenbach, Landeskanzlei

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