Protokoll der Landratssitzung vom 1. April 2004

Nr. 472

10 2003/285
Interpellation der Fraktion der Grünen vom 13. November 2003: Engpässe Notfallstation am Kantonsspital Liestal. Schriftliche Antwort vom 27. Januar 2004

://: Der Landrat bewilligt die von Philipp Schoch beantragte Diskussion.

Diskussion

Philipp Schoch bedankt sich für die Beantwortung der Fragen und bittet den Regierungsrat, die auf Seite 4 der Beantwortung aufgeführten organisatorischen Massnahmen zur Entschärfung der Engpässe auf den Notfallstationen zu konkretisieren. Wesentlich scheint Philipp Schoch, dass auf einer Notfallstation mit der Grösse des Kantonsspitals Liestal die Patientenströme entflechtet werden. Richtigerweise wird in der Antwort dargestellt, dass gegen 50 Prozent der Fälle nicht als Notfälle bezeichnet werden können. Genau dieses Problem führt - auf Kosten der echten Notfälle - zu einer Verstopfung der Notfallstation. Dass ein Ausbau der Hausarzt-Notfalldienste das Problem lösen könnte, ist nach Auffassung von Philipp Schoch nicht anzunehmen.

Jacqueline Halder , Mutter zweier wilder Buben und deshalb zur Kinderzeit rege Gast auf der Notfallstation Bruderholz, befiel bei der Lektüre der regierungsrätlichen Antwort ein zutiefst schlechtes Gewissen. Ins Kantonsspital Bruderholz ging Jacqueline Halder damals mit ihren Kindern, weil sie vom Hausarzt jeweils mit dem Argument dorthin verwiesen wurde, er könne weder nähen, noch röntgen oder gipsen. Als sie einmal um fünf vor zwölf mit ihrem Buben, der die Schulter ausgerenkt hatte, vorbei kam, wollte Herr Doktor lieber Mittagspause machen.
Wären die Ärzte entsprechend ausgerüstet und ausgebildet, käme es nicht zu verstopften Notfallstationen in den Spitälern.

Sabine Stöcklin fehlt in der regierungsrätlichen Antwort die in der Basler Zeitung publizierte, einleuchtende Idee, der Notfallstation eine privatärztliche Praxis vorzulagern, um die Bagatellen aufzufangen.

Dieter Musfeld kann die Schilderungen von Jacqueline Halder nur aus bedauerliche Ausnahmen begreifen. Ein Problem könnte tatsächlich im Bereich der Radiologie vorhanden sein, weil der Betrieb einer Röntgenstation in einer Privatpraxis mit immer grösseren Auflagen belastet wird.
Die Idee einer vorgelagerten Praxis ist nicht neu, schon heute wird die Patientin oder der Patient per Telefon an jene Praxis verwiesen, die im Dienst steht. Von einem Praktiker, der Notfalldienst leistet, darf erwartet werden, dass er nähen, fixieren und verbinden kann.

Madeleine Göschke , die ein Leben lang in Spitälern und Praxen gearbeitet hat, darf Dieter Musfeld unterstützen. Nie hat sie einen Arzt erlebt, der den Löffel, nur weil es Mittagszeit war, hingeworfen hat.
Als Lösungsansatz bringt Madeleine Göschke die Idee ein, den Hebel bei den Eintrittsbedingungen zum Medizinstudium anzusetzen.

RR Erich Straumann ist, ohne der Notfallstation noch eine Praxis vorlagern zu wollen, in Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft und den Apothekern dabei, ein internes Versorgungsnetz aufzubauen, das die Betroffenen auf die richtigen Wege lenkt und auch die Nachsorge sicherstellt.
Da viele Patientinnen und Patienten heute der deutschen Sprache nicht mächtig sind, begeben sie sich lieber von Anfang an in die Notfallstation. Mit dem Verbundnetz soll auch dieses Thema angegangen werden. Ziel ist es, Patienten dergestalt aufzuklären, dass sie darauf verzichten, die Notfallstation wegen Fusspilzes aufzusuchen.

://: Damit ist die Interpellation 2003/285 der Grünen erledigt.

Für das Protokoll:
Urs Troxler, Landeskanzlei



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