Protokoll der Landratssitzung vom 1. April 2004

Nr. 494

23 2003/199
Interpellation von Röbi Ziegler vom 4. September 2003: Kundenzufriedenheit im Spital. Schriftliche Antwort vom 27. Januar 2004

Röbi Ziegler beantragt die Diskussion, da er einige Egänzungsfragen stellen möchte. Die Diskussion wird bewilligt.

Beim Lesen der Antworten auf seine Interpellation tauchte bei ihm vor allem die Frage an den Regierungspräsidenten Erich Straumann auf, ob er von diesen Antworten zufriedengestellt ist (Heiterkeit von links) oder ob er nicht gerne mehr wissen möchte über die Patientenzufriedenheit in 'seinen eigenen' Spitälern, d.h. mehr, als in der Antwort darüber ausgesagt wird.

Er könne nachvollziehen, dass es zum Teil sehr schwierig ist, differenzierte Antworten von Patienten auf bestimmte Situationen hin in einer statistisch erfassten Art wiederzugeben. Er habe aber selbst kürzlich Gelegenheit gehabt, beim Austritt aus dem Spital den Fragebogen auszufüllen. Es gebe eine stattliche Anzahl von Fragen, welche nur mit Ja und Nein beantwortet werden können. Alle Ja/Nein-Auskünfte sind quantifizierbar und statistisch erfassbar. Für ihn ist Folgendes nicht ganz nachvollziehbar: In der Antwort heisst es, die Ergebnisse der Baselbieter Spitäler stünden sehr wohl in Relation zu anderen Spitälern und aufgrund dessen bewege man sich generell im Zufriedenheitsparamter der Spitäler in der Region. Gleichzeitig werde aber negiert, dass die Auskünfte oder die Ergebnisse eines Betriebsjahres mit denen eines andern verglichen werden können. Sei nun die erste Aussage möglich, so müsste seiner Ansicht nach auch die Erhebung des Jahres 2002 vergleichbar sein mit derjenigen in ein- und demselben Spital des Jahres 2003, da sich die Fragestellungen wohl noch ähnlicher sind, als im Vergleich mit anderen Spitälern.
Der Postulant stellt nicht in Abrede, dass die Ergebnisse der Patientenbefragungen in den Spitalbetrieben organisatorisch und anders einfliessen. Die von einem Spital erbrachten Leistungen sind mit Sicherheit so vielfältig, dass sie auch schwer zu erfassen sind. Aber es sei ein Leichtes, quantitative Aussagen zu machen, wenn es etwa um Fragen wie folgende gehe: Sind Sie rechtzeitig und gut über die bei Ihnen angewendete Therapie informiert worden? Glauben Sie, die Gespräche mit den Ärzten waren für Sie befriedigend und genügend? - Auf solche Fragen kann man mit Ja und Nein antworten, und man bekommt damit wesentliche Auskünfte über die Qualität der Leistungen eines Spitals.
Als Betreiber eines Spitals müsste es seiner Ansicht nach den Regierungsrat interessieren zu wissen, wie sich die Qualität eines Spitals entwickelt. Selbstverständlich geben die Jahresberichte darüber verschiedene Auskünfte, aber diese sind ausschliesslich quantitativer Art. Es wird über die Anzahl der Tage, an welchen die Betten belegt sind berichtet, über die durchschnittliche Aufenthaltsdauer etc., das sage aber noch nichts über die Qualität der Spitalleistungen aus. Als einen wichtigen Aspekt dieser Qualität nennt er den durch Operationen oder Therapien erzielten Heilungserfolg. Eine weitere bis zu einem gewissen Grad sehr wohl messbare Qualität besteht in der Art und Weise der Pflege, im menschlichen Umgang, im Verlauf der Arztkontakte: Wird mit dem Patienten in einer Art und Weise geredet, dass er es auch versteht oder huscht bei der Arztvisite nur eine einschüchternde Galerie von Menschen in Weiss vorbei, so dass der Patient sich kaum traut, eine Frage zu stellen? Information und der Umgang mit dem Patienten sind für Röbi Ziegler wichtige Aspekte der Qualität, welche ein Spital erbringt. Über all diese Themen wird man befragt und man kann auch Auskunft geben.
Der Postulant erwartet von den Jahresberichten, dass sie auch Aussagen über die Qualität der Spitalleistungen machen, anhand welcher ablesbar ist, ob eine positive Entwicklung stattfindet oder nicht. Er hat aus der regierungsrätlichen Antwort den Eindruck gewonnen, dass kein Wille da ist, diesbezüglich Auskunft zu geben, was bei ihm ein wenig Misstrauen weckt; dahinter könnte eine gewisse Geheimnistuerei stecken.
Er bittet die Regierung um eine Antwort darüber, ob man diesbezüglich nicht weiter gehen könnte und ob nicht ein generelles politisches Interesse daran besteht, mehr zu wissen und zu erfahren über die qualitativen Leistungen unserer Spitäler.

Regierungspräsident Erich Straumann meint, es wären weitere statistische Berechnungen zwar möglich, welche man auch auf die einzelnen Stationen herunter brechen könnte. Man könne aber auch andere Messlatten ansetzen, wenn es um die Qualität geht. Daher ist er der Meinung, man müsse nicht tiefer gehen. Er hat die Kontrolle durch die Rapporte, aus welchen der ganze Verlauf in den Spitälern zu ersehen ist. Ein Parameter sei die Frage, warum die Patientenzahlen zurückgehen. Solange die Häuser aber eine Auslastung zwischen 90 und 95 % haben, könne man sagen, dies sei in Ordnung. Natürlich hätten die Patienten im Grunde nicht die Wahl. Für ihn sei es aber beruhigend zu wissen, dass die Auslastung gut ist.
Pro Jahr kämen ca. 2 bis drei schriftliche Reklamationen an ihn. Er kann dabei feststellen, dass alle Patientinnen und Patienten ein Spital nicht nach der medizinischen Leistung beurteilen, sondern sie beurteilen die Hotellerie (z. B. nicht funktionierende Nachttisch-Glühbirne). Für den Patienten sei die Beurteilung der Qualität generell schwierig. Die Fragebögen werden daher so einfach als möglich gehalten mit Ja/Nein-Antworten. Man habe aber immer auch die Möglichkeit, bei Bemerkungen etwas anzufügen. Die Spitalverwalter sind sensibilisiert; sobald etwas auftauche, gehen sie dem Problem nach, versichert Erich Straumann. Er glaubt, dass die Qualität in den Häusern stimmt, daher wollte er in der Befragung grundsätzlich nicht tiefer gehen. Er nimmt aber gerne den Wunsch entgegen. Mitte April findet eine Medienkonferenz statt, in welcher die Jahresberichte vorgestellt werden. In Zukunft könne man dort vielleicht entsprechende Ergänzungen vornehmen, welche aber verhältnismässig sein müssten. Der Regierungsrat weist u.a. darauf hin, dass Liestal weniger Reklamationen aufweist als das Kantonsspital Bruderholz, welches sich im Bauzustand befindet; dort fehlen beispielsweise Nasszellen und zum Teil gibt es zu wenige Toiletten, was natürlich Probleme verursache.

://: Damit ist die Interpellation 2003/199 von Röbi Ziegler beantwortet.

Für das Protokoll:
Brigitta Laube, Landeskanzlei



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