2007-264 (1)


1. Ausgangslage

Am 16. November 2006 reichte Landrat Robert Ziegler das Postulat betreffend berufliche Integration ein. Er ersucht darin den Regierungsrat, zu prüfen und zu berichten,

In der Vorlage an den Landrat vom 23. Oktober 2007 antwortet der Regierungsrat und stellt fest, dass bei den Attestausbildungen eine ganze Palette von entsprechenden Massnahmen im Sinne des Postulates bereits getroffen worden seien:
Im Weiteren hält die Regierung fest: Der Kanton Basel-Landschaft hat (zusammen mit Basel-Stadt) ein Modell entwickelt, das deutlich über die Mindestforderungen des Bundes ( Bundesgesetz über die Berufsbildung) hinausgeht und sicherstellt, dass alle Attest-Lernenden in den Genuss einer ihnen entsprechenden Förderung kommen. Im Sommer 2007 hat erstmals eine grössere Anzahl von Attest-Lernenden die Ausbildung abgeschlossen. Der weitaus grösste Teil der Kandidatinnen und Kandidaten hatte Erfolg. Die Durchfallquote lag unter 5% und war damit sogar niedriger als bei den Abschlüssen der drei- und vierjährigen Lehren. In den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt wurden die gleichen Erfahrungen gemacht wie in anderen Kantonen. Die Erfahrung zeigt, dass in unserem Kanton rund 2% der Jugendlichen eines Jahrganges die nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt nicht oder nur mit grosser zeitlicher Verzögerung schaffen. Der Regierungsrat wird dem Landrat aus diesem Grund das Projekt «BerufsWegBereitung» zur Beschlussfassung vorlegen. Dieses hat zum Ziel, durch gezielte Erfassung und Begleitung der gefährdeten Jugendlichen die aktuelle Zahl von 80 bis100 Misserfolgen zu senken. Aufgrund der getroffenen und noch geplanten Massnahmen beantragt der Regierungsrat deshalb die Abschreibung des Postulates.



2. Kommissionsberatung


2.1. Organisation der Beratung


Die Vorlage wurde von der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission an der Sitzung vom 6. Dezember 2007 beraten. An der Sitzung waren Regierungsrat Urs Wüthrich, Martin Leuenberger, Generalsekretär BKSD, und Ruedi Meier, Amt für Berufsbildung und Berufsberatung, für die Erläuterungen des Sachverhaltes sowie zur Beantwortung von Fragen anwesend.




2.2. Beratung im Einzelnen


Einleitend weist Regierungsrat Urs Wüthrich darauf hin, dass man bei dem Projekt Attestausbildung eine Art Spagat ausführen musste, indem einerseits den schulisch schwachen Jugendlichen Mut gemacht werden sollte und gleichzeitig die Firmen davon überzeugt werden mussten, dass es sich um junge Leute handelt, die durchaus etwas mitbringen. Da die Attestausbildungen zu Beginn eher schlecht geredet wurden, stand ihnen die Privatwirtschaft sehr zurückhaltend gegenüber. Der Kanton übernahm darauf hin eine Art Vorbildfunktion, indem er selbst solche Lehrstellen schuf. Im Anschluss wurde der Kanton erfreulicherweise gar von den Gemeinden übertrumpft. Im Weiteren war aber auch eine intensive Überzeugungsarbeit notwendig. Mittlerweile schafft auch Novartis Plätze für Attestausbildungen, was sehr wichtig für die Akzeptanz in der Wirtschaft ist. Zum Projekt BerufsWegVorbereitung und Begleitung ergänzt er, die Vorlage sei auf dem Tisch.


In der Kommissionsberatung teilt die SP mit, der Postulant anerkenne, dass der Regierungsrat die Situation betreffend Attestausbildungen geprüft und aufgezeigt hat, mit welchen Massnahmen man versucht, den Absolventen der Attestausbildungen Unterstützung zu bieten. Er stellt noch eine Reihe von statistischen Fragen. Die SP schlägt vor, diese zuhanden der Kommission noch zu beantworten und als Anhang dem Kommissionsbericht beizulegen. Die Fraktionen sind mit der Vorlage des Regierungsrates grundsätzlich einverstanden. Es werden Anregungen sowohl zum vorliegenden Problem wie aber auch generell zur Volksschule zuhanden der Bildungsdirektion formuliert. Die SVP stellt die Frage, ob bei einer gesetzlichen Verankerung der fachkundigen individuellen Begleitung auch die entsprechende Anzahl qualifizierter Personen für die Umsetzung vorhanden ist. Zur Zeit absolvieren im Kanton Baselland etwa 25 Leute die Ausbildung, welche sie im Laufe des nächsten oder übernächsten Jahres gestaffelt abschliessen werden. Ob dies ausreicht und ob die entsprechenden finanziellen Mittel dann bereit stehen, werde sich weisen.


Die FDP hat sachlich an der Vorlage nichts auszusetzen. Sie bemängelt, man biete hier im älteren Ausbildungssegment kleine Klassen an, schliesse aber gleichzeitig in der Unterstufe Kleinklassen für die Schwachen, die als absolutes Erfolgsmodell zu bezeichnen seien. Was für die Attestlehren gilt, wäre genauso richtig für die Volksschule. Auch die CVP unterstützt die Vorlage. Sie weist darauf hin, dass die Attestlehren in der Wirtschaft noch nicht die gewünschte Akzeptanz geniessen, wie sie etwa die Anlehre hatte. Es brauche daher viel Überzeugungsarbeit. Auch die Grünen äussern sich positiv zur Vorlage. Sie fragen, welches Segment mit den "80 - 100 Misserfolgen" (Vorlage, Seite 5 oben) gemeint ist und welche Massnahmen man in Betracht zieht, um diese Zahl zu senken. Regierungsrat Urs Wüthrich ergänzt und zeigt die Relationen auf: Es geht um die kleine Gruppe von 80 bis 100 Schülerinnen - von insgesamt ca. 2'500 Schülerinnen und Schüler, die jährlich die obligatorische Schulzeit abschliessen -, die irgendwo 'versickern' und allenfalls ein paar Jahre später etwa via Sozialhilfebehörde beim «Wie weiter?» wieder auftauchen. Diese Jugendlichen möchte man, gerade mit dem Projekt BerufsWegbereitung im Sinne von "früh erfassen und nicht aus den Augen verlieren" bereits auf Sekundarstufe I erfassen, um ein Abgleiten gar nicht erst zu ermöglichen.


Beschlüsse




3. Antrag


Die BKSK beantragt dem Landrat Zustimmung zur Vorlage 2007/264 und damit zur Abschreibung des Postulates 2006/288 .


Füllinsdorf, 19. Dezember 2007


Im Namen der Bildungs-, Kulturkommission und Sportkommission
Der Präsident: Karl Willimann


Beilagen:
- Beantwortungspapier BKSD [PDF]
- Stellungnahme zur Vorlage 2007-264



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