2007-229


Die durch die hohen CO2-Immissionen verursachte Klimaerwärmung bewirkt immer häufiger massive Schäden. Ein Patentrezept zur Lösung dieser Jahrhundert-Herausforderung gibt es sicher nicht. Gefragt ist vielmehr entschiedenes Handeln an vielen Fronten und dies möglichst schnell. Die Förderung der Photovoltaik ist eines der bereits vorhandenen und erprobten Mittel um rasch einen sinnvollen Beitrag leisten zu können.

In den letzten Jahren konnte der Anteil von alternativen Energien am Gesamtstromverbrauch (vor allem Wind- und Solarenergie) in Deutschland von unter 1% (1998) auf mittlerweile 8.5% (2006) [1] gesteigert werden. Tendenz weiter steigend. Im Jahre 2006 gingen in Deutschland Photovoltaik-Anlagen mit einer Jahres-Produktionskapazität von ca. 1000 GWh [2] neu ans Netz. Im uns benachbarten Bundesland Baden-Württemberg waren es alleine ca. 350 GWh [3] an zusätzlicher Jahreskapazität.


Dies demonstriert, dass diese Technologie die Schwelle von der Demonstrations- zur Grosstechnologie überschritten hat. In Deutschland sind heute 45'000 Arbeitsplätze [4] in dieser Branche vorhanden. Ein neuer Industriezweig ist entstanden. Auch die weltweiten Produktionskapazitäten für Solarzellen werden von 2.5 GW im Jahr 2006 [5] auf 10.8 GW im Jahr 2011 [6] steigen. Damit lässt sich pro Jahr die Produktionskapazität von 2-3 Atomkraftwerken realisieren.


Auf diese Entwicklung gilt es zu reagieren und dabei das Gute mit dem Nützlichen zu verbinden. Neben den positiven Effekten für unser Klima sind dabei vor allem die Chancen für unsere Wirtschaft im Auge zu behalten. Dafür ist die Wirtschaftsstruktur des Kantons Baselland mit seinen vielen KMU eine gute Basis, wie die Erfahrungen nur wenige Kilometer entfernt, nördlich des Rheins zeigen. Desweiteren befinden sich weltweit führende Forschungskapazitäten ebenfalls im Dreiland [7] , von denen sich profitieren liesse.


Der Zeitpunkt ist für den Kanton Baselland ideal um mit relativ wenig Geld und noch weniger Bürokratie einen guten Beitrag für unser Klima, sowie ein interessantes neues Feld für unser Handwerk zu erschliessen.


Der Regierungsrat wird eingeladen eine Vorlage auszuarbeiten, welche die beiden grossen konzessionierten Stromversorger des Kantons (EBM, EBL) verpflichtet, für einen Zeitraum von 5 Jahren jedes Jahr für je 3 Millionen Franken seinen Kunden gratis das wichtigste Material für den Bau von Photovoltaik-Anlagen (Solarzellen, Wechselrichter) zur Verfügung zu stellen. Der Kanton unterstützt dieses Pionier-Programm mit je 3 Millionen Franken pro Jahr und Stromversorger.


Die Stromkunden, welche das Gratismaterial in Anspruch nehmen, bezahlen die gesamten Installationskosten einer neuen Photovoltaik-Anlage.


Grossanlagen in Landwirtschaft, Gewerbe bzw. Mehrfamilienhäusern sind bevorzugt zu behandeln.


Der Stromverbrauch im Kanton Baselland beträgt aktuell ca. 2'000 GWh [8] pro Jahr. Mit den Investitionen von je 6 Millionen Franken [9] pro Jahr durch die Stromversorger und den Kanton dürfte während der Laufzeit des Programms von 5 Jahren eine Jahreskapazität von 25 - 50 GWh [10] oder 1.5 - 3% des kantonalen Stromverbrauchs aufgebaut werden. Damit würde der Kanton in der Schweiz eine führende Stellung erreichen und es wäre eine gute Grundlage für das weitere Wachstum dieses Anteils gelegt.


Die Stromkunden leisten durch die Übernahme der Installationskosten einen signifikanten Beitrag. Das Programm dürfte ein Auftragsvolumen von 50 bis 80 Millionen Franken [11] auslösen, welches überwiegend lokalen KMUs zu Gute kämen. Diese KMUs würden zudem Knowhow erwerben, welches sich gewinnbringend auch ausserhalb des Kantons nutzen liesse. Es ist zu erwarten, dass Baselbieter KMUs eine schweizweit führende Stellung erarbeiten können.


Die Stromversorger EBM und EBL erhalten eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des Programms. Dies minimiert die staatliche Bürokratie und erlaubt eine massgeschneiderte technische Umsetzung des Programms. Der Einfluss des Programms auf den Endstrompreis ist sehr klein. Er dürfte selbst bei vollständiger Überwälzung der Investitionskosten auf den Endkunden und ohne Berücksichtigung des langfristigen Nutzens bei unter 0.2 Rappen/kWh liegen. Da Photovoltaik-Anlagen wertvolle Spitzenenergie [12] liefern, dürfte sich das Programm auch positiv auf die Versorgungssicherheit auswirken und die Position der Stromversorger im Strommarkt verbessern.



Fussnoten:

1 Quelle: htttp://www.erneuerbare-energien.de


2 Quelle: Bundesumweltministerium Deutschland


3 Quelle: Umweltministerium Baden-Württemberg; Jahresbericht Erneuerbare Energien 2005


4 Quelle: Bundesumweltministerium Deutschland


5 Quelle: Photon - Fachzeitschrift der Photovoltaik-Industrie (Sammlung der Daten aller wesentlichen Solarmodulproduzenten)


6 Quelle: Studie "The True Cost of Solar Power" von Photon International, USA


7 z.B. Frauenhofer-Institut für Solare Energiesysteme (500 Forscher mit zahlreichen bahnbrechenden Erfindungen auf dem Gebiet der Solartechnik; www.ise.fhg.de ).


8 Quelle: www.statistik.bl.ch


9 Pro würden folgende Beiträge geleistet: EBM: 3 Millionen; EBL: 3 Millionen; Kanton: 6 Millionen (je 3 Millionen pro Stromversorger)


10 Annahmen (Quelle: Photon 06/2007 und www.erneuerbare-energien.de ) für Preis pro kWp: 2009: 2200 CHF; 2010: 2000CHF; 2011: 1700 CHF; 2012: 1500 CHF; 2013: 1250 CHF: 85% des Programmes für Solarzellen; 15% für Wechselrichter; Erntefaktor: 950kWh/kWp konstant (keine Wirkungsgradsteigerung). Im Mai 2007 kostetet ein zertifiziertes Markenmodul des weltgrössten Produzenten Sharp 1'600 EUR/kWp


11 Der Anteil der Installationskosten beträgt je nach Grösse der Anlage zwischen 30 und 70% der Gesamtinvestitionskosten


12 Der Preis pro kWh Spitzenenergie betrug am 13. August 2007 an der massgeblichen europäischen Strombörse EEX 41.6Cent = 70.7 Rappen (Wechselkurs EUR/CHF: 1.7)



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