2007-93


1. Ausgangslage

Jährlich finden im Kanton BL unter der Leitung des Amts für Volksschulen für alle Schülerinnen und Schüler im 5. und 9. Schuljahr die Orientierungsarbeiten statt. Mit den Tests werden die Erreichung der im Lehrplan verankerten Ziele und die Wirksamkeit des Unterrichts überprüft und gegenüber der Öffentlichkeit belegt. Die Schulleitungen sind aufgefordert, die Ergebnisse mit den betreffenden Lehrpersonen zu besprechen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Die erlangte Note zählt für die Schülerinnen und Schüler nicht mehr als eine gewöhnliche Semesterprüfungsnote für das Zeugnis. Im Jahr 2006 wurden die Orientierungsprüfungen erstmals in Koordination mit BS in kantonsgemischten Teams gemeinsam erarbeitet und in beiden Halbkantonen parallel durchgeführt.


Solche Bestrebungen sind zu befürworten. Der Erfolg hängt aber von der Konzeption der Prüfungen ab.


2. Tests an der Primarschule


Nach einem Testlauf in den Kantonen Schaffhausen, Aargau und Solothurn konnten die Orientierungsprüfungen in BL mit leichten Anpassungen durchgeführt werden und scheinen ihren Zweck erfüllt zu haben.


3. Tests auf Sekundarstufe


Allen Schülerinnen und Schülern der drei Niveaus der Sekundarstufe (A, E und P) wurden in den Fächern Mathematik und Französisch identische Prüfungen vorgelegt. In Mathematik wurden die Aufgaben allerdings mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad konzipiert. Leider wurde nur in Hinweisen auf der Rückseite der Prüfungsunterlagen festgehalten, dass die Niveaus A und E die gestellten Aufgaben nicht vollständig lösen mussten. In Französisch war es aber tatsächlich so, dass nur der Stoff geprüft wurde, den das Niveau A bis zum Prüfungszeitpunkt erreicht hatte (Ausnahme: passé composé), und dass somit die Schülerinnen und Schüler des Niveaus P nur über die Stoffmenge, die sie bis etwa Ende 2. Klasse (!) gelernt hatten, abgefragt wurden. Damit ist die erwünschte bessere Vergleichbarkeit der Leistungen ausgeschlossen. Vor allem die Französisch-Tests wurden von den P-Schülerinnen und Schülern selber als zu wenig anspruchsvoll und enttäuschend eingeschätzt, was übrigens auch vom AVS bestätigt wurde. Trotzdem will man am Konzept "gleiche Testaufgaben für alle" festhalten.


4. Bewertung der Französischprüfung


Bedenklicherweise wurde teilweise darauf verzichtet, in der Französischprüfung Orthographiefehler mitzubewerten. Die Prüfungsverantwortlichen weisen dabei darauf hin, dass die Rechtschreibung nur in 3 von 16 Aufgaben nicht gezählt wurde. Tatsache ist jedoch, dass von den 16 zu lösenden Aufgaben 11 Multiple-Choice-Aufgaben waren oder aus einigen vorgedruckten Wörtern das richtige abzuschreiben war! Selbständig geschrieben werden musste also nur in 5 Aufgaben!


5. Bewertung der Mathematikprüfung


Als Richtlinie für eine genügende Note galt: Etwa die ersten 25% (Niveau A), 50% (Niveau E) und 75% (Niveau P) einer Aufgabe sind richtig gelöst. Den Schülerinnen und Schülern wurden die Anforderungen an das jeweilige Niveau auf der Rückseite zu wenig transparent vermittelt, was zur Folge hatte, dass viele A-Schüler sich viel zu lange mit dem Versuch einer Lösung der ganzen Aufgabe befassten und dadurch in Zeitnot die letzten Aufgaben nicht mehr in Angriff nehmen konnten. Weshalb sie dann trotzdem die Note 5 im Durchschnitt erreicht haben, obwohl sie selber die Prüfungsanforderungen als viel zu schwierig einschätzten, ist fragwürdig.


5. Antrag


Im Jahr 2007 sind für jedes der drei Niveaus der Sekundarstufe (A, E und P) dem jeweiligen Niveau angepasste Orientierungsarbeiten zu konzipieren. Dabei ist der ganze vom Lehrplan bis zum Zeitpunkt der Prüfung vorgegebene Stoff mit einzubeziehen und die Rechtschreibung mindestens in den Niveaus E und P zu bewerten.


Um eine mit andern Kantonen koordinierte Prüfung nicht zu gefährden, sollen Aufgaben mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad möglich sein, wenn den Schülerinnen und Schülern der einzelnen Niveaus die Anforderungen klar kommuniziert werden.



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