2007-74


„Nach den hydrogeologischen Verhältnissen muss eigentlich angenommen werden, dass eine Verfrachtung [von chemischen Schadstoffen] aus der ehemaligen Deponie Feldreben in irgendeiner oder mehreren Richtungen stattfindet. Der Einfluss solcher Verfrachtungen auf das Hardgrundwasser [und somit auf das Trinkwasser von Hardwasser AG und Gemeinde Muttenz] und/oder auf benachbarte Grundwasservorkommen [der Gemeinden Muttenz und Birsfelden] ist aber offenbar nicht stärker als der anderer Verunreinigungsquellen" wie dem Rheinwasser und der Atmosphäre. Dieses Fazit zieht Hansjörg Schmassmann aus den hydrogeologischen und chemischen Analysen, die der Kanton Basel-Landschaft 1980 in Auftrag gegeben hat. Mit anderen Worten: Ein Teil der bis zu 17 Chemikalien, die 1980 das Trinkwasser der Hardwasser AG sowie der Gemeinden Muttenz und Birsfelden verschmutzen, stammen aus der Chemiemülldeponie Feldreben. Da der Kanton Basel-Landschaft in der Folge nichts gegen die Verunreinigungen des Trinkwassers u.a. durch die Chemiemülldeponien unternahm, ist davon auszugehen, dass auch die Regierung des Kantons Basel-Landschaft die zusätzliche Verschmutzung des Trinkwassers durch die Chemiemülldeponien von Novartis, Ciba, Clariant und Syngenta zumindest in Kauf genommen hat. So lässt der Kanton Basel-Landschaft bis heute z.B. keinen Aktivkohlefilter zur Aufbereitung des Trinkwassers vorschalten, um wenigstens teilweise die von Rheinwasser und Chemiemülldeponien eingeschleppten Chemikalien aus dem Trinkwasser herauszufiltern, wie es andere Wasserwerke ohne Chemiemülldeponien am Rhein seit langem tun.

In den Berichten von 1980 werden aufgrund von hydrogeologischen und hydrochemischen Untersuchungen u.a. folgende Trinkwasserbrunnen, Industriebrunnen und Grundwasserrohre (Piezometer) als gefährdet bezeichnet:


Trinkwasserbrunnen Hardeck (17A1, Hardwasser AG)
Trinkwasserbrunnen 21A2 (heute: B2, Hardwasser AG)
Trinkwasserbrunnen 21A20 (heute B20, Hardwasser AG)
Trinkwasserbrunnen 21A104 (Gemeinde Muttenz)
Trinkwasserbrunnen 21A105 (Gemeinde Muttenz)
Industriebrunnnen 21E15 (Novartis)
Piezometer 21T1
Piezometer 21C80
Piezometer 21C81


Zu den gefährdeten Trinkwasserbrunnen lassen sich auch die Pumpwerke 21A103 (Muttenz), 21A101 und 21A111 (Birsfelden) zählen.


Aus den gefährdeten Trinkwasserbrunnen lässt sich schliessen, dass schon 1980 ein Abfluss von verschmutztem Grundwasser von der Feldrebengrube u.a. Richtung Nordwesten und Norden, also zu den Trinkwasserbrunnnen in der Muttenzer Hard, als möglich beurteilt wurde, was Schmassmann in seinem Bericht explizit erwähnt.


Von 1980 bis heute wurde das Rheinwasser viel sauberer. So findet sich z.B. seit mehr als einem Jahrzehnt darin kein Hexa- und Tetrachlorbutadiene mehr. Trotzdem tauchen diese Stoffe heute noch immer im Trinkwasser der Hardwasser AG auf. Aber: Im Gegensatz zum Rheinwasser finden sich diese zwei Stoffe - wie 1980 - heute auch im Grundwasser bei den Muttenzer Chemiemülldeponien.


In der Historischen Studie 2002 bzw. bei der 1. Etappe der technischen Untersuchung der Muttenzer Chemiemülldeponien werden jedoch die entscheidenden Erkenntnisse aus der Untersuchung von 1980 nicht berücksichtigt. So findet sich weder ein Hinweis auf die gefährdeten Trinkwasser-, Industriebrunnen und Grundwasserrohre noch wurden die Analyseergebnisse von 1980 berücksichtigt. Deshalb wurden 14 Stoffe, die 1980 im Grundwasser bei der Deponie sowie z.T. im Trinkwasser gefunden wurden, weder 2002 (Analysen im Kontext der Historischen Studie) noch 2005 (1. Etappe technische Untersuchung) mittels Einzelstoffanalysen gesucht. Zu dieser Gruppe gehören die schon erwähnten Stoffe Hexachlorbutadien und Tetrachlorbutadien, aber auch Hexachlorethan. Das krebsfördernde Hexachlorethan ist ein typischer Stoff für die chemische Industrie Basel. Er fiel z.B. bei der Herstellung von grünen Phthalocyanin-Pigmenten bei Geigy in der Grössenordnung von 3 bis 5 Tonnen pro Woche als Abfall an und wurde u.a. in der Feldrebengrube abgelagert. Hexachlorethan war 1980 der Stoff, welcher das Grundwasser bei der Deponie am stärksten belastete (bis zu 35 mikrog/l). Er wurde auch im Trinkwasser gefunden. Trotzdem wird er bei den neuen Untersuchungen 2002 und 2005 nicht gesucht, taucht dann aber bei den Screening-Analysen auf - und verschmutzt wie 1980 auch 2005 das Grundwasser bei der Deponie am stärksten.


Ich bitte den Regierungsrat um schriftliche Beantwortung der folgenden Fragen:



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