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2005-297


1. Die Petition
Am 4. Oktober 2005 ist bei der Landeskanzlei die Petition «Jod macht krank» eingegangen. Darin wird darauf hingewiesen, dass die im Jahre 1922 beschlossene Jodierung von Kochsalz und die seit 1977 gängige Jodierung von mineralischen Futtermitteln und Lecksteinen für das Vieh dazu geführt hätten, dass sämtliche Grundnahrungsmittel über die Nahrungskette Tier - Mensch jodiert seien. Hinzu käme das jodierte Salz, das auch vielen weiterverarbeiteten Nahrungsmitteln beigefügt sei. Dies führe letztlich zu einer Mehrfachjodieruung der täglichen Nahrung. Unjodierte Nahrungsmittel seien in der Schweiz kaum mehr zu finden.
Bei Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen, Jod-Überempfindlichkeit oder Jodallergie würde diese übermässige Jodzufuhr Symptome wie Jod-Akne, Herzrasen, Schilddrüsenfehlfunktionen, innere Unruhe, Depressionen, Schlaflosigkeit, Durchfall und andere Beschwerden hervorrufen.
Deshalb erheben die Petenten die folgenden Forderungen:
2. Vorgehen der Kommission
Die Petitionskommission hat die Petition «Jod macht krank» an ihrer Sitzung vom 25. Oktober 2005 beraten und dabei die Petenten wie auch den Kantonsarzt angehört.

3. Anhörung der Petentinnen
Die Selbsthilfegruppe «Jod macht krank» liess sich durch Frau Doris Acklin und Frau Gabi Duitmann vertreten. Sie führten aus, dass die ursprüngliche Jodierung des Kochsalzes ab 1922 als Massnahme gegen die Kropfbildung sinnvoll gewesen sei. Da aber seither die Jodzufuhr des Kochsalzes von 3,75 mg auf heute 20 mg pro kg Salz gesteigert worden und zudem im Jahre 1977 die Viehfutterjodierung eingeführt worden sei, führe heute die Vielfachjodierung für gewisse Leute, insbesondere solche mit einer empfindlichen Schilddrüse, zu gesundheitlichen Problemen. Der Körper baue Jod nur sehr langsam ab. Nach drei Monaten sei immer noch die halbe Konzentration im Körper zu finden. Ein Zuviel an Jod führe zu einer Überfunktion der Schilddrüse, was negative Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele habe. Burn-out-Syndrome, Magen-Darm-Probleme, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Schlafstörungen und Hautreizungen seien die häufigsten Folgen.
Betroffene hätten meist eine Odyssee von Arztbesuchen hinter sich, ohne dass ihnen je die richtige Diagnose gestellt würde. Dies sei aufgrund der Vielgestaltigkeit der Symptome sehr schwierig. Zudem lägen die Schilddrüsenwerte meist innerhalb der Norm, es sei denn, die Fehlfunktion der Schilddrüse sei so ausgeprägt wie bei Morbus Basedow. Jodpatienten hätten es schwer, die richtige Behandlung zu bekommen, da in der Regel nur die einzelnen Symptome bekämpft würden. Die Betroffenen seien meist durch die Lektüre von Artikeln oder Büchern darauf gekommen, dass ihre Symptome sich mit jenen der Jodüberempfindlichkeit deckten. Es verhalte sich dabei ähnlich wie bei Allergien: Auch bei Jod gäbe es Menschen, die schon auf sehr geringe Mengen der Substanz empfindlich reagieren würden. Die Petetntinnen schilderten aus eigener Erfahrung, wie möglichst jodfreie Ernährung die Symptome zum Verschwinden brächten.
Auf Nachfrage der Kommission bestätigten die Petentinnen, dass der Einkauf nichjodierter Lebensmittel in der Schweiz sehr schwierig sei. Selbst Bio Suisse und Demeter würden mit jodiertem Salz arbeiten. Da sich die Deklarationspflicht nur auf Komponenten beziehe, die Allergien bewirken können, und Jod nach medizinischer Definition in der Nahrung keine solchen auslöse, sei es oft gar nicht möglich, zu erkennen, ob ein Nahrungsmittel zusätzlich jodiertes Salz enthalte. Eine Deklaration, wie sie Deutschland kennt, oder die Verwendung nichtjodierter Salze in der Lebensmittelindustrie (ausser Bäckereien), wie es in Holland üblich sei, wäre eine grosse Hilfe.
Mit ihrer Jodunverträglichkeit würden die Patienten bei den Ärzten kaum auf Verständnis stossen. Nach deren Meinung sei Jod gesund. Jodunverträglichkeit würde von den Ärzten meist negiert und die damit verbunden Symptome oft als psychisch bedingte verstanden.
Ein weiteres Problem sei die zunehmende Nitratbelastung, da die Nitratkonzentration im Körper durch Jod um das Sechsfache gesteigert werde, was auch zu einem erhöhten Krebsrisiko führe. Mittlerweile gebe es einige Bücher mit umfangreicher Dokumentation über Joderkrankungen. Die medizinische Fachliteratur schweige sich aber darüber aus, obwohl 15-20 % der Bevölkerung eine Schilddrüsenüber- oder -unterempfindlichkeit aufwiesen.

4. Anhörung des Kantonsarztes, Herrn Dr. Dominik Schorr
Dr. Schorr legte dar, dass vor der Einführung der Salzjodierung weltweit viele hundert Millionen Menschen von Jodmangel betroffen gewesen seien. Bekannteste Symptome seien der Kretinismus - als Folge eines Jodmangels während der Schwangerschaft - und der Jodelmangelkropf, der heute ausgerottet sei.
Die obere Zufuhrmenge für Erwachsene von 500 µg pro Tag sei unbedenklich. Unterhalb von 2'000 µg pro Tag seien auch bei längerer Zeit keine Schäden zu erwarten. Selbst die Zufuhr von 1 g, wie sie im Falle einer Atomkatastrophe vorgesehen ist, sei unschädlich, da das Jod auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden werde. Vor einigen Jahren sei in der Schweiz die Jodausscheidung im Urin von Schulkindern gemessen worden. Die Resultate seien zufriedenstellend gewesen. Es sei kein Jodmangel festgestellt worden.
Jod-Akne trete fast nur bei Jod-Arbeitern auf. Jodallergien seien nur von der medizinischen Verwendung des Jods her bekannt, etwa bei gebundenem Jod in Hautdesinfektionsmitteln oder bei Jod als Kontrastmittel für Röntgenaufnahmen.
Die in der Schweiz geltenden Richtwerte lägen tiefer als in andern Ländern. Die Jodierung des Viehfutters werde in Deutschland praktiziert. Für die Schweiz bezweifelt dies Dr. Schorr. Nichtjodiertes Salz sei problemlos erhältlich. Jodiertes Salz werde werde v.a. im Kleingewerbe auf staatlichen Druck hin eingesetzt, während die Lebensmittelindustrie nichtjodiertes Salz bevorzuge, was gerade bei jenen Menschen, die ausschliesslich von konfektionierten Lebensmitteln leben, zu einer ungenügenden Jodaufnahme führe.
Zu den von den Petentinnen angesprochenen Symptomen führte Dr. Schorr aus, beim Herzrasen liege eine Verwechslung vor: Dieses sei einerseits ein typisches Symptom für eine Schilddrüsenüberfunktion und andererseits für Angst, Depressionen, Stress oder andere Herzprobleme. Die Zahl der Schilddrüsenüberfunktionen sei jedoch schon lange am Abnehmen.
Dr. Schorr sieht hinter dem Anliegen der Petentinnen nicht medizinische, sondern gesellschaftliche Gründe. Die behauptete Schädlichkeit des Jods sei nicht beweisbar, deshalb würden sich in dieser Sache sogenannte Selbsthilfe- bzw. Druckgrüppchen bilden. Bei allen andern Gesundheitsgefährdungen, die klar nachweisbar seien, entstünden keine solchen Gruppen. Ein weiterer Grund sei auch der Anspruch der Bevölkerung, in Fragen der persönlichen Gesundheit selbst bestimmen zu können. Aus medizinischer Sicht sei eine Jodierung des Kochsalzes absolut richtig. Dem Anspruch auf Selbstbestimmung könne man so begegnen, dass man dem Konsumenten die freie Wahl lasse, für sich selbst von der allgemeinen Regel abzusehen. Ein Verzicht auf Jod aber hätte dramatische Folgen. Demnach sei von den drei Forderungen der Petition nur jene nach einer Deklarationspflicht akzeptabel.

5. Beratung in der Petitionskommission
Die Petitionskommission hat darauf verzichtet, die Glaubwürdigkeit der Petentinnen noch jene des Kantonsarztes zu diskutieren, und konnte sich sehr rasch auf die folgende Beurteilung der Petition einigen.
6. Antrag der Petitionskommission
Die Petitionskommisssion hat einstimmig mit 7:0 Stimmen beschlossen, mit der Petition «Jod macht krank» sei wie folgt zu verfahren:

Pratteln, 10. November 2005

Der Präsident der Petitionskommission:
Robert Ziegler



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