Vorlage an den Landrat


1. Ausgangslage

Häusliche Gewalt kommt quer durch alle Schichten und Altersgruppen vor und ist nach Ansicht von Expertinnen und Experten die in unserer Gesellschaft am weitesten verbreitete Gewaltform. In den meisten Fällen sind die gewaltausübenden Personen männlich, doch nicht immer geht Gewalt in der Familie von Männern aus, denn auch Frauen oder Kinder respektive Jugendliche werden gegenüber ihren Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern gewalttätig.


Die Folgen der Gewaltanwendung haben in den allermeisten Fällen die Frauen und ihre Kinder zu tragen. Sie sind es, welche die gemeinsame Wohnung in Richtung Frauenhaus verlassen oder bei Freunden und Bekannten Schutz suchen müssen. Im Jahr 2002 suchten gesamtschweizerisch 989 Frauen und 1`026 Kinder Schutz in Frauenhäusern respektive in Zufluchtswohnungen, die sich an 17 Standorten in der Schweiz befinden. Dabei muss mit einer grossen Dunkelziffer gerechnet werden. Aus einer Studie von Alberto Godenzi und Carrie Yodanis aus dem Jahre 1998 geht hervor, dass sich die Kosten wegen häuslicher Gewalt an Frauen Mitte der neunziger Jahre auf mindestens 400 Mio. Franken pro Jahr belaufen haben. Diese Zahlen lassen erahnen, welche Kosten ein einziger Fall von häuslicher Gewalt verursacht.


Die Verantwortung für Gewalt liegt immer bei der Person, die sie ausübt. Nicht die Opfer von Gewalt, sondern die gewaltausübende Person muss die Konsequenzen tragen. Dieser Paradigmenwechsel (nicht das Opfer, sondern der Täter soll gehen: "wer schloht, dä goht" 2 ) dürfte nebst den erhofften Verbesserungen für die Gewaltbetroffenen auch gewisse positive Auswirkungen in Bezug auf die kostenintensive Notunterbringung der Opfer bringen. Dennoch wird es weiterhin Opfer geben, die auf einen vorübergehenden Aufenthalt im Frauenhaus angewiesen sind; gerade in der ersten Phase der Trennung ist die Gefährdung dieser Personen erfahrungsgemäss sehr hoch.



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Fussnote:


2 Informationsbroschüre "Häusliche Gewalt" Kanton St. Gallen.