2004-60 (1)


1. Ausgangslage

Am 8. Mai 2003 wurde das titelerwähnte Postulat von Bea Fuchs, SP, eingereicht. Mit Bericht vom 16. März 2004 stellt der Regierungsrat den Antrag an den Landrat, das Postulat als erfüllt abzuschreiben.




2. Ziel des Postulates


Das Postulat betont die Wichtigkeit professioneller Unterstützung der Jugendlichen bei ihrer Berufsfindung. Der schwierige Weg der Jugendlichen bei der Findung ihres Ausbildungsplatzes müsse unkompliziert und rasch mit sorgfältigen Eignungsabklärungen und zuverlässiger, aktueller Berufsinformation unterstützt werden. Ferner wird in Zusammenhang mit der Kündigung der BIZ-Räumlich-keiten in Binningen (BIZ = BerufsInformationsZentrum) per Ende März 2004 eine günstige Gelegenheit gesehen, die Berufs- und Studienberatung für das Unterbaselbiet mit der Berufsberatung Basel-Stadt zusammenzulegen und neben dem BIZ in Liestal gemeinsam mit Basel ein BIZ am Bahnhof SBB anzubieten.




3. Kommissionsberatung


3.1. Organisation der Beratung


Der Bericht des Regierungsrates wurde von der Erziehungs- und Kulturkommission an der Sitzung vom 29. April 2004 beraten. Zur Beantwortung von Fragen und für die Mitteilung von aktuellen Sachverhalten anwesend waren Regierungsrat Urs Wüthrich, Martin Leuenberger, Generalsekretär der BKSD, Anja Huovinen, Mitarbeiterin Stabsstelle Hochschulen und Frau Beatrice Kunovits, Leiterin Berufs- und Studienberatung BKSD.




3.2. Beratung im Einzelnen


Die Postulantin ist teilweise nicht mit dem Antrag der Regierung einverstanden, das Postulat als erfüllt abzuschreiben. In der Vorlage sei zwar zu lesen, dass noch mehr getan werden kann, dass dies aber Geld koste. Man erfahre jedoch nicht wieviel. Auch im zweiten Teil der Vorlage finden sich keine Angaben über die Kosten für eine laut Postulat vorgesehene bessere Bewirtschaftung der Internetseite sowie für ein Zusammengehen mit Basel-Stadt. Sie bemängelt den jetzigen BIZ-Standort, fände den in Muttenz geplanten Standort gut. Die jetzige Zwischenlösung im unteren Teil von Bottmingen beim Coop findet sie ganz schlecht. Das widerspreche gänzlich der Idee ihres Postulats, welches die Berufsberatung ein wenig ins Zentrum holen möchte. Die beste Lösung sei nach wie vor den Bahnhof SBB: Es wäre die ideale Drehscheibe für Basel-Stadt (Grossbasel), ohne dass das ebenfalls gute Kleinbasler BIZ-Zentrum deswegen geschlossen werden müsste. Von Liestal aus wäre es auch gut zu erreichen. Sie ist nicht einverstanden mit der Abschreibung und würde die Vorlage am liebsten an die Regierung zur Überarbeitung zurückweisen.


In der Kommission ergab sich eine kontroverse Diskussion um die Aufgaben und die Standorte des BIZ. Das BIZ solle vermehrt von den Schulen wie von den Eltern genutzt werden. Im Oberbaselbiet stellt das BIZ eine wichtige Hilfe in Bezug auf die Berufsfindung dar. Im Allgemeinen sei die Internet-Bewirtschaftung bis auf die Aktualität der Lehrstellenbesetzung - das Problem könne wohl nicht ganz eliminiert werden - ziemlich gut.


Eine Lehrperson in der Kommission macht darauf aufmerksam, dass die Bewirtschaftung des Internets nicht nur abhängig von der Arbeit des BIZ ist, sondern in grossem Masse auch von den Reaktionen der Betriebe wie vom Verhalten der Schülerinnen und Schüler. Zudem müsse man die Aussage, wenn alle eine Lehrstelle hätten, bräuchten sie kein Brückenangebot, relativieren. Viele Schülerinnen und Schüler nehmen ein Brückenangebot wahr, weil sie damit die Aussicht auf eine ihnen entsprechende Lehrstelle vergrössern, beispielsweise im kaufmännischen Bereich.


Eine allzu starke Zentralisierung sei nicht erwünscht. Bezüglich eines BIZ beider Basel wird auf die beiden unterschiedlichen Schulsysteme aufmerksam gemacht. Dies würde dazu führen, dass das Zentrum zu einigen Teilen komplett getrennt geführt werden müsste.


Beatrice Kunovits , Leiterin Berufs- und Studienberatung, informiert über das so genannte LENA-Internet-Optimierungsprojekt. Man wollte prüfen, wo im LENA-Auftritt nach aussen sowie auch bei den internen Abläufen Verbesserungen so erzielt werden, dass LENA möglichst vollständig und immer aktuell ist, dass rasch reagiert werden kann und es damit tatsächlich eine brauchbare Lehrstellenbörse darstellt. Die Betriebe können nicht gezwungen werden, ihre Lehrstellen zu melden. So stellt man jährlich fest, dass ca. 1'100 Angebote im LENA registriert sind, insgesamt aber etwa 1'700 Lehrverträge abgeschlossen werden. Es wird auch vermerkt, dass die Betriebe, aus welchen Gründen auch immer, die Besetzung einer Lehrstelle nicht immer sofort melden. Die Lehrstelle bleibt für den suchenden Schüler, die suchende Schülerin "offen", obwohl sie bereits vergeben ist. Man hat nochmals mit einem Infoblatt versucht, bei den Betrieben das Bewusstsein zu fördern, Mutationen rasch zu melden. Die Mutationen werden innert 24 Stunden auf dem Netz vorgenommen. Die Lehrbetriebe können dies als Börse benutzen.


Vernetzung mit Basel-Stadt: Gemeinsam mit Basel wurde der Beschluss gefasst, dass man bei einem Einstieg in Basel-Stadt mit einem weiteren Mausklick zu den Lehrbetrieben in Baselland gelangt. Beatrice Kunovits spricht sich aber eher gegen den Standort Basel aus. Zusammen mit Basel ergäbe sich ein noch grösseres Gebilde, mit dessen Organisation sie ein wenig Mühe hätte. Sie würde sich wünschen, im Kanton in ein- und demselben Haus vereint zu sein, womit schon einiges an Ausstrahlung und Wirkung gewonnen wäre (Kräftebündelung). Man ist aber sehr zufrieden mit dem Standort Bottmingen, da er verkehrstechnisch gut gelegen sei. Vom Laufental her ist vom Bahnhof Basel aus mit einer Viertelstunde zu rechnen.


Regierungsrat Urs Wüthrich erwähnt, dass zum Thema Struktur der Berufsberatung und Berufsbildung zwei Aspekte gegeneinander abgewogen werden müssen. Einerseits die Nähe zu den Benutzerinnen und Benutzern, anderseits die Einheitlichkeit, hohe Professionalität und Vollständigkeit des Angebots. Im Laufental gibt es beispielsweise zur Zeit nur eine Berufsberatungsstelle, aber kein Berufsinformationszentrum. Der Bildungsdirektor gewichtet die Zusammenführung an einem Ort stärker als den Nachteil eines längeren Wegs.


Die Frage eines allfälligen Zusammengehens mit Basel-Stadt könnte bezüglich eines noch umfassenderen Angebots sowie der Steigerung der Effizienz (Verhindern von Doppelspurigkeiten) positiv beantwortet werden. Demgegenüber steht aber der Wert und Nutzen der Integration von Berufsberatung einerseits und Berufsbildung anderseits. Seiner Meinung nach ist der Austausch zwischen Berufsberatung, Berufsbildung und der beruflichen Realität sehr wichtig. Die Berufsbildung im Kanton ist zudem politisch sehr gut verankert. Auf diesem Hintergrund ist eine Zusammenfassung der Standorte im Kanton Baselland seines Erachtens stärker zu gewichten als eine Fusion mit dem Angebot von Basel-Stadt, was aber nicht einen gegenseitigen Austausch und eine Koordination ausschliessen soll.


Die Kommission ist mit den erhaltenen Auskünften zufrieden und wertet mehrheitlich die heutige Situation in der Berufsberatung und Berufsinformation als zufrieden stellend.


://: Die Kommission stimmt mit 7 : 4 Stimmen bei einer Enthaltung dem Antrag der Regierung zu, das Postulat als erfüllt abzuschreiben.




4. Antrag


Die EKK beantragt dem Landrat, das Postulat 2003/113 vom 8. Mai 2003 von Landrätin Bea Fuchs aufgrund des vorliegenden Berichtes des Regierungsrates vom 16. März 2004 als erfüllt abzuschreiben.


Füllinsdorf, 10. Mai 2004


Im Namen der Erziehungs- und Kulturkommission
Der Präsident: Karl Willimann



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