2004-43


1. Wortlaut der Motion

Am 26. April 2001 hat Roland Plattner-Steinmann namens der SP-Landratsfraktion eine Motion "Aufbau eines Kompetenzzentrums für Rechnungswesen / Controlling an der Fachhochschule beider Basel" zur Behandlung mit dem Wirtschaftsbericht 2000 eingereicht ( 2001/113 ). Die Motion hat folgenden Wortlaut:

"Das Regierungsprogramm der laufenden Legislaturperiode erwähnt unter Programmpunkt Nr. 3.03 als Ziel der Wirtschaftsförderung explizit die Förderung von Neuansiedlungen und die Bestandespflege von Unternehmen. Ein Ziel, welches zweifellos über die Legislaturperiode hinaus von Bedeutung sein und bleiben wird. Auch im Wirtschaftsbericht (Ziffer 4.6.5) wird die Optimierung von Instrumenten bei der Ansiedlung neuer Unternehmen als wichtiges Anliegen verfolgt.
Neuansiedlungen können sowohl in Form von Neugründungen oder von Umsiedlungen bestehender KMU erfolgen. Für unseren Wirtschaftsstandort, der u.a. eine grosse Innovationskraft aus Universität und Fachhochschule zu schöpfen vermag, sind Neugründungen ein überaus wesentlicher und zukunftsträchtiger Faktor. Von verschiedenster Seite (Wirtschaftsförderung, Gründerzentrum, Technopark, Universität, Fachhochschule u.a.) erfahren Firmenneugründungen in unserem Kanton schon heute vielfältige Unterstützung.
In der Praxis mancher Neugründungen - aber auch in bestandenen KMU - erweisen sich aber sehr oft mangelnde Kenntnisse in fundamentalen Geschäftsbereichen als Stolpersteine für das wirtschaftliche Fortkommen. So stellt insbesondere das Rechnungswesen und Controlling zu oft ein Problem dar, welches mit eigenen Kräften nicht bewältigt werden kann, zumal es sich dabei nicht um schon vorhandene Kernkompetenzen im neuzugründenden Unternehmen handelt. Auswahl und Installation geeigneter Software sowie Einführung und Schulung des nicht spezialisierten Personals werden oft zur fatalen Crux bei Neugründungen oder kleineren Firmen.
Im Sinne einer notwendigen Stärkung der Bemühungen um unseren Wirtschaftsstandort macht deshalb der Aufbau eines Kompetenzzentrums in den Disziplinen Rechnungswesen / Controlling Sinn. Dieses Kompetenzzentrum soll im Sinne einer Dienstleistung für die lokale Wirtschaft eine Datenbank für Rechnungswesen-Software führen, Firmen bei der Wahl einer geeigneten Rechnungswesen-Software neutral beraten, evtl. auch die Installation der gewählten Software betreuen und vor allem die Einführung in der Firma sowie die Schulung des Personals durchführen. Dabei sind besonders die EU-Standards zu berücksichtigen.
Gemäss Wirtschaftsbericht (Ziffer 4.2.2) beabsichtigt die FHBB die Weiterentwicklung bestehender und den Aufbau neuer Kompetenzzentren. Diese Absicht ist sowohl ideell als auch materiell zu unterstützen, um für einen nachhaltigen Standortwettbewerb geeignete Rahmenbedingungen zu setzen und zu pflegen. Die skizzierte Aufgabe könnte aufgrund des Synergiepotentials dem Departement Wirtschaft der FHBB mit seinem trinationalen Studiengang "International Business Management" im Rahmen einer befristeten Aufstockung der Finanzmittel übergeben werden. Zudem können die Kenntnisse auch im Rahmen des Impulsprogramms II "Qualifikation" interessierten KMU weitervermittelt und bei Eignung in ein allfälliges Kompetenzzentrum für KMU eingebracht werden.
Im Sinne der vom eidgenössischen Fachhochschulgesetz geforderten angewandten Forschung könnte dieses Kompetenzzentrum überdies Auswirkungen von New Public Management, Globalbudget und Leistungsaufträgen untersuchen (Arbeitsplatzgestaltung, Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeitenden, Teilzeitstellen) und somit auch für die öffentlichen Hände Stufen Kanton und Gemeinden tätig werden.
Das Kompetenzzentrum für Rechnungswesen / Controlling hat mit seinen Dienstleistungen - vor allem Beratung und Schulung - nach spätestens drei Jahren der Anschubfinanzierung selbsttragend zu funktionieren. Diese Anschubfinanzierung sollte dabei mit Unterstützung von Sponsoringgeldern aus Kreisen, die an einer entsprechenden Kompetenzsteigerung im KMU-Bereich ebenfalls ein vitales Interesse haben, bereitgestellt werden (z.B. Bankinstitute, so insbesondere auch die Basellandschaftliche Kantonalbank).
Wir beantragen dem Regierungsrat gestützt auf § 34 Landratsgesetz, den Aufbau eines Kompetenzzentrums für Rechnungswesen und Controlling an der FHBB zu fördern und dazu in den Jahren 2002-2004 - wenn möglich im Sinne eines "Joint Venture" mit geeigneten Sponsoring-PartnerInnen - einen finanziellen Beitrag von Fr. 250'000 pro Jahr zur Verfügung zu stellen."

Der Landrat hat die Motion mit Beschluss Nr. 1086 am 31. Mai 2001 diskussionslos dem Regierungsrat überwiesen.
2. Bericht des Regierungsrates

Das Departement Wirtschaft der FHBB baut seit 2002 aus eigenem Antrieb und im Rahmen seiner Strategie systematisch einen neuen Kompetenzschwerpunkt Rechnungswesen / Controlling (RW/C) auf. Es folgt damit auch den Empfehlungen aus der Evaluation des Bundes ("Peer Review 2001"), neben E-Business einen zweiten Kompetenzschwerpunkt im Bereich der Betriebsökonomie zu bilden. Der neue Schwerpunkt RW/C soll die an der FHBB in verschiedenen Departementen bestehenden Ressourcen in Accounting, betrieblichem Rechnungswesen und Controlling bündeln, weiterentwickeln und vertiefen. Die FHBB will damit die Wissenschaftlichkeit und den Praxisbezug sowohl in der Lehre wie auch im erweiterten Leistungsauftrag (Forschung und Entwicklung, Dienstleistung für Dritte) sicherstellen und Unternehmen sowie Institutionen der öffentlichen Hand Zugang zu neustem Wissen und neusten Technologien im Bereich RW/C eröffnen.

Projektierung und Aufbau des Kompetenzzentrums RW/C wurden bisher aus dem Globalbudget der FHBB, aus nationalen Forschungsprogrammen sowie aus Erträgen von Dienstleistungen finanziert. Der Beitrag aus dem Globalbudget betrug im Jahr 2003 Fr. 71'000, im Budget 2004 sind Fr. 50'000 eingestellt. Ziel der FHBB ist es, den Beitrag des Kompetenzzentrums RW/C zur Ausbildung der Studierenden über den gesetzlichen Leistungsauftrag zu finanzieren, die Weiterbildung und die Dienstleistung für Dritte zu kostendeckenden Preisen anzubieten und für Forschungsprojekte Fördermittel einzuwerben.

Um die in der Motion angeregten speziellen Dienstleistungen und Forschungsaufträge zu erbringen, müsste die FHBB ihre personellen und infrastrukturellen Kapazitäten ausweiten. Namentlich für den Aufbau, die Evaluation und die Betreuung einer speziell für KMU zu erstellenden Software-Datenbank sowie für die Schaffung von entsprechenden Ausbildungsgängen und Schulungsunterlagen sind Vorinvestitionen in grösserem Ausmass nötig. Für diese Kapazitätsausweitung fehlen der FHBB die Mittel, ebenso wie für die Finanzierung von Forschungen zu den Themen New Public Management, Globalbudget und Leistungsaufträge.

Obwohl der Regierungsrat die Förderung des Kompetenzschwerpunkts RW/C im Sinne der Motion grundsätzlich für sinnvoll erachtet, sieht er sich angesichts der gegenwärtigen Finanzknappheit nicht in der Lage, die in der Motion geforderten Mittel im Umfang von maximal 750'000 Franken für drei Jahre für die FHBB zusätzlich bereitzustellen beziehungsweise das Globalbudget der FHBB um diesen Betrag zu erhöhen. Die FHBB sieht sich seit dem Budget 2002 mit Sparauflagen konfrontiert, da der Globalbeitrag durch die Träger nicht im von der FHBB beantragten Mass erhöht werden konnte. Fachhochschulrat und Direktion haben starke Sparmassnahmen durchsetzen müssen (u.a. die Schliessung des CIM-Zentrums). Die Fokussierungen müssen im Rahmen der Finanzplanung 2004-07 noch verstärkt werden, um das anhaltende Studierendenwachstum, die Studienreform gemäss dem Abkommen von Bologna sowie den vom Bund geforderten Ausbau der Forschung finanzieren zu können. Die entsprechende Portfolio- und Strategieplanung ist im Gang (Prozess Fachhochschule Nordwestschweiz). Unter diesen Vorzeichen scheint es dem Regierungsrat geboten, die kantonalen Mittel für die Kernaufgaben der FHBB einzusetzen und den kostenintensiven Aufbau von neuen Kapazitäten im Bereich der Dienstleistung, wie sie die Motion verlangt, vorerst zurückzustellen.

Der Regierungsrat gibt zudem zu bedenken, dass Sonderbeiträge an bikantonale Institutionen mit Globalbudget, wie sie in der Motion vorgesehen sind, dem Prinzip der Globalfinanzierung widersprechen. Es würde sich um eine einseitige Massnahme von Basel-Landschaft handeln, da dem Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt kein entsprechender Vorstoss vorliegt. Auch würden mit einer solchen Sonderfinanzierung nicht zwangsläufig weitere Beiträge ausgelöst, wie beispielsweise bei den Interreg-Programmen.

Auch wenn die FHBB die in der Motion geforderten Dienstleistungsaufgaben nicht ohne Zusatzmittel erfüllen kann, ist dennoch darauf hinzuweisen, dass sie das Angebot in Weiterbildung, Dienstleistung und Forschung in enger Zusammenarbeit mit den regionalen KMU, mit Non-Profit-Organisationen und mit der öffentlichen Hand in den letzten Jahren kontinuierlich gefördert hat. Beispiele aus dem Departement Wirtschaft sind etwa die Aktivitäten des Kompetenznetzwerks E-Business und E-Government oder das Kursangebot des Instituts für Managemententwicklung (z.B. Nachdiplomstudien Strategisches Management, Betriebswirtschaftliches Management von NPO; Nachdiplomkurse Controller, Praxisorientiertes Rechnungswesen in NPO; Weiterbildung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft, Firmenspezifische Weiterbildung).
3. Antrag

Der Regierungsrat stellt den Antrag, dass der Landrat von diesem Bericht zur Motion der SP-Landratsfraktion vom 26. April 2001 betreffend Aufbau eines Kompetenzzentrums für Rechnungswesen/Controlling an der Fachhochschule beider Basel in zustimmendem Sinne Kenntnis nimmt und die Motion 2001/113 als teilweise erfüllt abschreibt.

Liestal, 10. Februar 2004

Im Namen des Regierungsrates
Der Präsident: Straumann
Der Landschreiber: Mundschin



Back to Top