2003-85 (1)


1. Einleitung

1.1 Gesetzliche Grundlagen, Aufsichtsdispositiv

1.1.1 Gemäss § 12 des Gesetzes über die Basellandschaftliche Kantonalbank (Kantonalbankgesetz) vom 17. Juni 1957 wird die Oberaufsicht über die Bank von Regierungsrat und Landrat ausgeübt. Letzterem steht auf Antrag des Regierungsrates die Genehmigung des vom Bankrat jährlich erstatteten Geschäftsberichtes und der Jahresrechnung zu.

1.1.2 Im Rahmen des gesetzlichen Aufsichtsdispositivs beauftragt der Regierungsrat neben bzw. im Rahmen der Oberaufsicht durch die kantonale Exekutive und Legislative gestützt auf § 18 Kantonalbankgesetz (in Kraft seit 01.08.1999) eine von der eidgenössischen Bankenkommission anerkannte Revisionsstelle mit der fachlichen Prüfung der Jahresrechnung. Der Bericht der Revisionsstelle zuhanden Regierung und Landrat umfasst folgende Punkte:
1.1.3 Zur Überwachung der Geschäftsführung setzt der Bankrat zudem, ebenfalls gestützt auf § 18 Kantonal- bankgesetz, gemäss Bundesgesetz über die Banken und Sparkassen das Inspektorat als Interne Revisionsstelle ein.

1.1.4 Sowohl Regierungsrat als auch Landrat basieren zur Ausübung ihrer Oberaufsicht in fachlicher Hinsicht auf den Ergebnissen der Prüfungen durch die dafür zuständigen internen und externen Fachorgane, welche ihre Prüfungsarbeiten untereinander koordinieren.

1.1.5 In seiner Vorlage 2003/085 betreffend Jahresbericht und Rechnung für das Jahr 2002 der Basellandschaftlichen Kantonalbank nimmt der Regierungsrat "mit Genugtuung davon Kenntnis, dass der Kanton Basel-Landschaft am Gewinn mit 25 Mio. Franken (Vorjahr 25 Mio. Franken) partizipiert" und stellt den Antrag, Geschäftsbericht und Jahresrechnung der Basellandschaftlichen Kantonalbank seien zu genehmigen.


1.2 Aufgabenstellung
Die Aufgabe des Landrates besteht im Rahmen des oben skizzierten Aufsichtsdispositives in erster Linie darin, sich über die Prüfungsergebnisse der Fachorgane zu informieren und diese nach Massgabe der Möglichkeiten kritisch zu würdigen. Daneben bleibt Raum für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der aktuellen Geschäftspolitik und -strategie der Bank.
Verschiedene Kantonalbanken sind in jüngerer Zeit stark unter Druck geraten (bspw. Berner, Waadtländer und Genfer Kantonalbank) oder gar untergegangen (Solothurner Kantonalbank). Schlagzeilen wie "Bilanziert nach Prinzip Hoffnung", "Buchhaltung absichtlich geschönt", "Faule Immobilienkredite" liessen aufhorchen.
Um es vorweg zu nehmen: Die Baselbieter Kantonalbank figuriert in der Rating-Rangliste von Standard and Poors mit einem AAA und liegt damit im vordersten Segment der Kantonalbanken. Die Finanzkommission hat sich indes zum Ziel gesetzt, bei ihrem periodischen Audit im Rahmen ihrer oberaufsichtsrechtlichen Funktion schwergewichtig der Frage nachzugehen, welchen Reaktionsbedarf die Basellandschaftliche Kantonalbank aufgrund von Erfahrungen aus Kantonalbankdebakeln erkannt und wie sie diesen wahrgenommen hat.


1.3. Kommissionsberatung
An der Sitzung vom 16.04.2002 waren neben den Mitgliedern der Finanzkommission folgende Personen anwesend:

2. Jahresrechnung 2002

2.1 Wirtschaftliches Umfeld
Auch wenn die allgemeine Wirtschaftslage im Baselbiet ihre Spuren hinterliess, war das Jahr 2002 für die BLKB erfolgreich. Mit Erträgen und einem Gewinn deutlich über jenem des Vorjahres konnte nach dem Rekordjahr 2000 der zweithöchste Bruttogewinn erzielt werden. Dies in einem wirt- schaftlichen Umfeld, das geprägt ist durch


2.2 Standards in konjunkturell und weltpolitisch komplexer Situation pflegen
Das Berichtsjahr war unter anderem geprägt durch die Überprüfung der Strategie der Bank sowie eine Aktualisierung der Risikopolitik mit Erneuerung der dazugehörigen internen Reglemente. Aufgrund einer aktiven Haltung zur Thematik der "Corporate Governance" wird die BLKB keine Mühe haben, den neuen Richtlinien der Schweizer Börse für kotierte Unternehmen nachzuleben.
Im Berichtsjahr konnte zudem in einem stagnierenden Markt mit starkem Wettbewerb die Summe der Hypothekarausleihungen weiter substanziell erhöht und auch der Zinsertrag gesteigert werden.


2.3 Erfolgsrechnung
Seit der Übernahme der AAM ist die bisherige Rechnung der BLKB als Stammhausrechnung zu führen. Daneben existiert die Konzernrechnung. Letztere gibt über die wirtschaftliche Leistung der aus BLKB und AAM bestehenden Gruppe Auskunft, während erstere - unter Einbezug der Dividende aus der AAM - weiterhin für die Ermittlung des Jahresgewinns und der Ausschüttung der Gewinnanteile an den Kanton sowie an die InhaberInnen von Kantonalbankzertifikaten massgeblich ist. Im Vergleich mit den Mitbewerbern hat sich die AAM in einem schwierigen Marktumfeld wiederum zu behaupten vermocht.
Für das dritte Konzernjahr können die Kennzahlen im Vorjahresvergleich angegeben werden (vgl. Geschäftsbericht S. 54)

Nach wie vor wichtigste Einnahmequelle bildet der Erfolg aus dem Zinsengeschäft , der um 7.5% (Vorjahr 6%) zugenommen hat und mit 68.5% (Vorjahr 63%) am Betriebsertrag partizipiert.

Das (sog. indifferente) Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft partizipiert mit 27.5% (Vor- jahr 30%) am Betriebsertrag.

Nach einer Abnahme im Handelsgeschäft (Devisen, fremde Sorten, Edelmetalle, Wertschriften) um 6.7% partizipiert dieses am Betriebsertrag mit 4% (Vorjahr 4.5%).

Der Betriebsertrag liegt mit CHF 334 Mio geringfügig unter dem Vorjahreswert. Aus der obigen Darstellung lässt sich erkennen, dass das verbesserte Zinsengeschäft die Scharte der gegenüber dem Vorjahr verständlicherweise deutlich gesunkenen Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft ausgewetzt hat.

Gesamthaft kann die Kantonalbank somit einen Konzerngewinn von CHF 64 Mio ausweisen, der nur leicht unter dem Vorjahreswert bleibt.


2.4 Bilanz
Nachstehend sind verschiedene Kennzahlen aus der Konzern-Bilanz präsentiert (dieses Jahr erstmals mit Vergleichsmöglichkeit):

Die Produktion im Hypothekargeschäft nahm erneut zu und die Summe der ausstehenden Hypothekarkredite hat sich über der Marke von zehn Milliarden etabliert.
Der Konzern verfügt im Vergleich zur Geschäftstätigkeit über ausreichende Eigenmittel. Am 31. Dezember 2002 überstiegen die anrechenbaren Eigenmittel die erforderlichen Eigenmittel um CHF 288.1 Mio (Vorjahr CHF 268.8 Mio) oder 47.6% (Vorjahr 45.6%). Die regierungsrätliche Vorgabe, welche einen Eigenmittel-Überschuss von minimal CHF 200 Mio über der gesetzlich vorgeschriebenen Eigenmitteldeckung verlangt, wird eingehalten.
Die Hauptgründe für die Abnahme des konsolidierten Eigenkapitals liegen in Auflösungen der Reserven für allgemeine Bankrisiken hauptsächlich für die Abschreibung des Goodwills der AAM und einer weiteren Aufstockung der Rückstellung "Personal- vorsorge FER (Fachempfehlungen zur Rechnungslegung) 16" aufgrund der einschlägigen Richtlinien.


2.5 Gewinnverwendung
Für den Kanton Basel-Landschaft ergibt sich analog zum Jahr 2001 eine Zuweisung aus dem Kantonalbank-Gewinn von CHF 25 Mio (2000: CHF 25 Mio, 1999: CHF 22 Mio, 1998: CHF 19 Mio).
Die ZertifikatsinhaberInnen haben im Jahre 2002 Anspruch auf eine Dividende je Zertifikat von CHF 21.00 (analog Vorjahr).
Der Bilanzgewinn 2002 im Überblick.


2.6 Bericht des Konzernprüfers und der bankengesetzlichen Revisionsstelle
Die bankengesetzliche Revisionsstelle empfiehlt in ihrem Bericht vom 03. Februar 2003 (vgl. Geschäftsbericht, S. 89) die vorbehaltlose Genehmigung der Jahresrechnung 2002. Buchführung und Jahresrechnung sowie der Antrag über die Verwendung des Bilanzgewinns entsprechen schweizerischem Gesetz und den reglementarischen Vorschriften.
Gemäss Bericht vom 28. Februar 2003 des Konzernprüfers (vgl. Geschäftsbericht, S.77) vermittelt die vorliegende konsolidierte Jahresrechnung 2002 ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage in Übereinstimmung mit den für Banken anzuwendenden Rechnungslegungsvorschriften und entspricht schweizerischem Recht. Es wird ebenfalls vorbehaltlos zur Genehmigung empfohlen.
Den Mitgliedern der Finanzkommission lag der Bericht der bankengesetzlichen Revisionsstelle an den Regierungsrat zuhanden des Landrates über die Prüfung der Jahres- und Konzernrechnung 2002 der Basellandschaftlichen Kantonalbank vom 25. März 2003 vor. Wie sich aus der Zusammenfassung dieses Berichts ergibt, hat die BLKB trotz der schwierigen konjunkturellen Lage und den Turbulenzen an den Aktienmärkten ihr Ergebnis steigern können. Die im Stammhaus erzielten Renditen liegen etwa auf dem Niveau vergleichbarer Kantonalbanken. Insgesamt resultierte ein gegenüber dem Vorjahr um 0.9% höherer Jahresgewinn.
Auf Konzernstufe ergeben sich mehrheitlich dieselben Beurteilungen wie im Stammhaus. Bei einem um 0.7% niedrigeren Geschäftsaufwand resultierte auf Konzern- stufe eine Verminderung des Bruttogewinns um 0.4%. Der Konzerngewinn lag um 3.9% tiefer als das Vorjahresergebnis.
Zur Risikolage wird ausgeführt, dass die Risiken unter anderem mit den monatlichen Risk Reports in angemessener Weise überwacht werden. Die Risikosituation von Stammhaus und Konzern bewegt sich nach Beurteilung der Prüfer in einem geordneten und normalen Rahmen und die per 31.12.2002 gebildeten Wertberichtigungen und Rückstellungen reichen aus, um alle am Bilanzstichtag erkennbaren Risiken und Verpflichtungen abzudecken.


3. Fragen zur AAM
Die aktuellen Fragen der Finanzkommission befassten sich im wesentlichen mit der BLKB-Tochter

Atag Asset Management (AAM)
3.1 Zur Rekapitulation: Der Zusammenschluss mit der AAM erfolgte mit der doppelten Zielsetzung der Erhöhung von Marktanteilen und einer Verbreiterung personeller Fachkompetenz. Nach Auffassung der Bankvertreter belegte die bisherige Perfomance zusammengefasst, dass sich die AAM im schwierigen Umfeld der vergangenen Jahre gut zu behaupten vermochte und insgesamt die Vorgaben erreicht wurden. Nach der zusätzlichen Marktabdeckung mit Filialen in Aargau, Luzern und St. Gallen sowie dem Erwerb der Gräff Capital Management und der Atag PCS befindet sich die AAM im Konsolidierungs-Stadium und ist die prozess-orientierte Analyse der konsequenten Nutzung von Synergien angesagt. Die Verbindung BLKB / AAM erweist sich für ein bestimmtes Kundensegment als interessant und kann der längerfristigen Kundenbindnung dienen.
Neben dem Stammhaus präsentiert sich die AAM aktuell wie folgt (s. auch Konsolidierungsschema S. 12 Jahresbericht):
Wie in den letztjährigen Berichten der Finanzkommission bereits festgehalten fällt die Tochter- gesellschaft einer Kantonalbank nicht unter die Kantonsgarantie gemäss § 2 Abs. 2 Kantonalbankgesetz. Im Falle von Verlusten der AAM wären zur Deckung primär deren Eigenmittel heranzuziehen. Darüber hinaus besteht ein faktischer Beistandszwang des Stammhauses. Die Auswirkung von Verlusten auf die BLKB bestünde damit allenfalls in einer Reduktion der Dividende, nicht aber in einer Beanspruchung der Staatsgarantie.

3.2 Die Antworten zu den gestellten Fragen haben im Einzelnen unter anderem beleuchtet, dass auch die AAM von der Börsenbaisse nicht verschont bleiben konnte. Allerdings hat die AAM keinen Verlust sondern einen minimalen Gewinn von CHF 1.6 Mio einzufahren vermocht. Im personellen Bereich sind im laufenden Jahr keine Neuanstellungen vorgesehen, um allfällige Überkapazitäten abzubauen. Es ist zudem geplant, durch die Auslastung des Service-Centers mit Drittmandaten die bestehenden Kapazitäten im IT-Bereich optimal auszulasten. Vor nennenswerten Haftpflichtfällen ist die AAM verschont geblieben, allfällige Beanstandungen werden im Detail abgeklärt und nach Möglichkeit einer allseitig befriedigenden Lösung zugeführt. Das Kundenvertrauen wird nach wie vor als gut bezeichnet. In Bezug auf die Standorte findet zur Zeit eine Überprüfung statt.


4. Erfahrungen und Reaktionen im Umgang mit Risiken
Die Finanzkommission liess sich insbesondere über das Thema "Erfahrungen aus Kantonalbankdebakeln - Reaktionen der Basellandschaftlichen Kantonalbank" informieren. Diese Information kann als weitere vertrauensbildende bzw. -erhaltende Massnahme bezeichnet werden, konnte sich die Finanzkommission doch vor dem Hintergrund verschiedener Fehlleistungen von anderen Kantonalbanken davon überzeugen, dass das Management auf Risikofragen in hohem Mass sensibilisiert ist und das Alltagsgeschäft beherrscht sowie die darüber hinaus- gehenden geschäftlichen Aktivitäten mit voraus- schauenden Massnahmen in ihrem Risiko limitiert (vgl. zu den Kreditrisiken, der Betreuung von Problempositionen und Einzelwertberichtigungen den Bericht 2002-086 betreffend Jahresbericht und Jahresrechnung 2001). Dabei wurden speziell die nachfolgenden Aspekte beleuchtet:


4.1 Problemanalyse
Die Ursachenforschung ergibt, dass in denjenigen hier nicht näher zu bezeichnenden Fällen, in welchen Kantonalbanken in kritische Schieflagen geraten sind, speziell folgende Risikofaktorengruppen für die Bank- institute ausschlaggebend waren:

4.2 Risikokategorien und -politik
Die Risiken (vgl. zur Risikopolitik auch S. 18 im Geschäftsbericht) werden in drei Kategorien erfasst:


4.3 Regionalität als Sicherheit bei Hypotheken
Am Beispiel der Hypotheken konnte sich die Finanzkommission ein Bild darüber machen, dass hier vor allem durch eine regionale Gliederung mit einem konsequent regionalen Schwerpunkt keine Geschäfte abgeschlossen werden, die sich zu weit entfernen von überschaubaren Situationen. So sind ein prozentualer Anteil von >85% der Hypotheken im Kanton Baselland, ca. je 5% in den Kantonen Basel-Stadt und Solothurn, der Rest im Aargau und Kanton Bern bzw. der übrigen Schweiz zu verzeichnen.
Der überwiegende Teil (80%) der Hypotheken besteht dabei in Wohnliegenschaften, während auf Gewerbe und Industrie ca. 9% und auf Büro- und Geschäftshäuser ca. 6% entfallen. Durch diese regionale und nach Sicherheiten gestreute Verteilung besteht eine grosse Gewähr für ein verlässliches und beständiges Hypothekargeschäft.
Gestützt auf diese Ausführungen ist die Finanzkommission in ihrer Auffassung bestärkt, dass die Basellandschaftliche Kantonalbank im Bereich Risiko-Management in äusserst professioneller Weise agiert und das gegebene Risikopotential verantwortungsbewusst und souverän handhabt.


5. Ausblick 2003
In einem Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr wurde beleuchtet, dass 2003 insbesondere das Thema Kundenbetreuung im Vordergrund stehen soll. Dabei werden die sich ändernden Kundenbedürfnisse im Lebenszyklus analysiert, um daraus noch spezifische- re Erkenntnisse in Bezug auf die Kundenberatung und Betreuung, die Kundenansprache und den Marktauftritt zu gewinnen und Leistungsprogramm sowie dazu- gehörige Distributionskanäle aufzubauen.
Einen weiteren Schwerpunkt der Jahresplanung bilden das vermehrte Cross-Selling sowie die konsequente Nutzung der Synergien BLKB und AAM. Zudem stehen verschiedene Projekte im Bereich Optimierung des Bankbetriebs, Qualitätsmanagement und Informatik und Technik an.
Das Budget 2003 sieht bei einem Geschäftsaufwand auf dem Niveau des Jahres 2002 wieder eine leichte Steigerung von Betriebsertrag und Bruttogewinn vor.


6. Antrag
Die Finanzkommission beantragt dem Landrat einstimmig, den Geschäftsbericht und die Jahresrechnung 2002 der Kantonalbank zu genehmigen.
Sie verbindet mit diesem Antrag den Dank an Personal, Geschäftsleitung und Bankrat für den im vergangenen Jahr geleisteten Einsatz.

Namens der Finanzkommission
Der Präsident
Roland Plattner-Steinmann

Reigoldswil, den 23. April 2003



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