2003-77 (1)


1. Geschichte

Das Schloss Birseck, das zum erstem Mal im Jahr 1239 erwähnt wurde, liegt auf einem Hügel zwischen Hollenberg und Hohlem Fels mitten in der Denkmallandschaft Ermitage.


Bis ins 18. Jahrhundert war es Teil des Fürstbistums Basel. Seit dem dreizehnten Jahrhundert residierten Basler Bischöfe in der Burg, später, im 15. und 16. Jahrhundert, bis 1763 bewohnte der fürstbischöfliche Landvogt die Anlage. 1793 wurde die Burg im Zusammenhang mit den Unruhen der Französischen Revolution durch die Bauern der Umgebung gebrandschatzt. Später wurde die Burg zum Teil wieder aufgebaut.


Die Gartenanlage Ermitage, international von einzigartigem Rang, ist ein so genannter sentimentaler Landschaftsgarten. Die Geschichte zeigt, dass diese Anlage die Gestaltung verschiedenster Ermitagen an den Fürstenhöfen Europas beeinflusst hat. Landvögtin Balbina von Andlau und Domherr Heinrich von Ligerz eröffneten die Anlage 1785. Der europäische Adel von Russland bis Frankreich, aber auch das Bildungsbürgertum, reisten zu Hunderten an, um die Ermitage von Arlesheim zu bestaunen. Der Garten bot damals auf Schritt und Tritt Anspielungen auf geistesgeschichtliche, ideengeschichtliche und literarische Themen. Der Garten gilt als einer der bedeutendsten Kraftorte der Schweiz. Diesen Garten und die darin enthaltenen Gebäude zu erhalten, ist eine wichtige Aufgabe der Denkmalpflege.


Vor fünf Jahren wurde die Stiftung Ermitage und Schloss Birseck gegründet. In dieser gemischt privat-öffentlich-rechtlichen Stiftung sind Interessierte, die Gemeinde Arlesheim und der Kanton vertreten. In den letzten Jahren hat die Stiftung mit Hilfe der Gemeinde Arlesheim, des Kantons und des Bundes das der Stiftung gehörende Hofgut und die Talweiher saniert.




2. Vorlage


Die Schlossanlage besteht heute aus dem inneren Bering mit Rundturm, Rittersaal und Kapelle sowie aus der äusseren Umfassungsmauer und dem ehemaligen fürstbischöflichen Weidhof. Im Februar 2000 ist ein Teil des Berings eingestürzt. Die sofortige Sanierung wurde damals mit der fachlichen Begleitung durch Experten des Kantons und Bundes durchgeführt. Der Teileinsturz zeigte die Dringlichkeit einer sorgfältigen Analyse des gesamten Berings. Diese Analyse zeigte eine akute Einsturzgefahr für weitere Teile dieser Mauer. Da der Subventionsbedarf für die Sanierung die jährlichen Subventionsmittel übersteigt, die Sanierung jedoch dringend ist, muss per separater Landratsvorlage dieser Verpflichtungskredit beantragt werden.


Die Gesamtkosten betragen rund 1,846 Mio Franken. Davon entfällt ein Betrag von 1,1 Mio auf den Kanton. Der Betrag soll in drei Jahrestranchen von je 369' 140 Franken aufgeteilt werden. Ein Anteil von je 20 % geht zu Lasten des Bundes und der Stiftung "Ermitage und Schloss Birseck".


Für das Renovationsprojekt Schloss Birseck wurde eine Expertenkommission aus Fachleuten von Bund und Kanton gebildet. Vorgesehen ist die Mauersanierung in zwei Etappen. Bis Dezember sollen die Vorarbeiten abgeschlossen sein. Im Frühling 2004 soll mit der eigentlichen Sanierung begonnen werden können. Die Sanierungsarbeiten werden bis ins Jahr 2006 dauern.




3. Kommissionsberatung


Die Umweltschutz- und Energiekommission hat an ihrer Sitzung vom 12. Mai 2003 die Vorlage 2003/077 beraten. Die Kommission hat vor Ort getagt. Dabei wurde sie zuerst von der Denkmalpflegerin Frau Brigitte Frei-Heitz durch das Schloss und anschliessend in einem Rundgang durch einen Teil der Gartenanlage Ermitage geführt. Die Kommissionsberatung fand im Sitzungssaal "Trotte" im Ortsmuseum Arlesheim statt.


Bei der Begehung dabei waren Frau RR Elsbeth Schneider, Herr Hans-Georg Bächtold, Vorsteher Amt für Raumplanung, Frau Brigitte Frei-Heitz, kantonale Denkmalpflegerin und als Gäste Dr. Mathis Burckhardt, Stiftungsratspräsident und Dr. Bernhard Christ, Mitglied des Stiftungsrats. Bei einem offerierten Apéro im Andlauerhof im Anschluss an die Sitzung lernten wir die Hausherrin, Frau Gerda Iselin, kennen, die die Kommission zum Abschluss durch die musealen Gemächer führte und über Haus- und Familiengeschichte berichtete.


In der Kommission war nach dem Augenschein im Schloss und dem Spaziergang durch die Gartenanlage unbestritten, dass diese dringenden Restaurierungsarbeiten gemacht werden müssen. Es wurde auch klar, dass in Zukunft noch weitere Gelder für diese Anlage gesprochen werden müssen. Die Stiftung selber verfügt nicht über die nötigen Finanzen. Bund und Kanton stehen in der Verantwortung, für dieses wunderbare Kulturgut Unterstützung zu leisten. Deshalb fordert der Bund ein Nutzungskonzept. Eine Kommission ist bereits daran, ein Konzept zu erarbeiten, das bereits im Sommer vorgestellt werden soll. Ebenfalls wichtig ist ein Sanierungskonzept, welches die Kosten und auch die Etappierung der Arbeiten aufzeigt.


Eintreten auf die Vorlage war unbestritten.


Die Kommission ist jedoch der Meinung, dass die Fragen der Nutzung, der Sanierung und der Finanzierung und auch der Mitsprachemöglichkeiten schon jetzt in den Landratsbeschluss gehören. Der Landrat müsse wissen, was noch auf ihn zukomme.


Die Kommission beschliesst deshalb mit 8 gegen eine Stimme mit zwei Enthaltungen eine neue Ziffer 5:


5. Es ist ein Konzept für die Sanierung, Nutzung und Finanzierung der gesamten Denkmallandschaft zu erstellen und dem Landrat vorzulegen.


Eine vertragliche Regelung zwischen der Stiftung und der öffentlichen Hand ist dabei anzustreben.


Ziffer 5 alt wird neu Ziffer 6.


Auf die Frage nach einer oekologischen Baubegleitung - damit sollen Verluste an Naturwerten und Zerstörung von Lebensräumen vermieden werden - analog Sanierung der Ruine Dorneck wurde von der Denkmalpflegerin bestätigt, dass auch bei dieser Mauersanierung eine solche fachliche Begleitung vorgesehen ist. Dem Denkmalschutz ist die Zusammenarbeit mit dem Naturschutz grundsätzlich ein Anliegen, zumal der Talboden mit den Weihern sowie ein grösserer Bereich ausserhalb des Schlossgartens ebenfalls unter Naturschutz stehen. Sobald der Denkmalschutz grünes Licht erhalte, werde er zusammen mit den Naturschutzfachleuten ein differenziertes Sanierungskonzept entwickeln.




4. Antrag


Die Umweltschutz- und Energiekommission beantragt dem Landrat mit 10 gegen eine Stimme dem Entwurf des Landratsbeschlusses mit der Ergänzung einer neuen Ziffer 5 (die alte Ziffer 5 wird dabei zu Ziffer 6) zuzustimmen.


Allschwil, 10. Juni 2003


Namens der Umweltschutz- und Energiekommission
Die Präsidentin: Jacqueline Halder



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