Vorlage an den Landrat


1. Übersicht

1.1 Zusammenfassung


Die Abwässer des Birstals unterhalb von Grellingen werden in Abwasserreinigungsanlagen (ARAs) des Amtes für Industrielle Betriebe behandelt: seit fast 40 Jahren in der ARA Birs 1 (Reinach) und seit über 25 Jahren in der ARA Birs 2 (Birsfelden). Das gereinigte Abwasser wird bei beiden Anlagen in die Birs eingeleitet. Aufgrund der geringen Verdünnung mit Birswasser reicht die Reinigung bei Trockenwetter nicht mehr aus, um die heute gültigen Zielwerte an ein schwach belastetes Gewässer zu erreichen (Birs bei Niederwasser; Untersuchungsbericht Amt für Umweltschutz und Energie, Juli 1996). Der Handlungsbedarf für Sanierungsmassnahmen (Bau, Maschinen, Steuerung) ist auf beiden Anlagen sehr gross.


Bei Regenereignissen gelangt über Entlastungsbauwerke zusätzlich Mischwasser - das ist mit Regenwasser vermischtes Abwasser - aus den Kanalisationen unbehandelt in die Birs und führt zu einer weiteren starken Belastung des Gewässers. Vor allem nach längeren Trockenwetterperioden spülen starke Gewitterregen teilweise die Kanalablagerungen aus den Kanälen über die Entlastungen in die Birs (Birs - Beeinträchtigung durch Mischwasserentlastungen; Untersuchungsbericht Amt für Umweltschutz und Energie, Oktober 1996).


In der Landratsvorlage betreffend Bau des Ableitungskanals und Revitalisierung der Birs vom 8. Februar 2000 (Landratsbeschluss vom 8. Juni 2000) wurde postuliert, dass eine dauerhafte Verbesserung der Gewässerqualität im Unterlauf der Birs bei kleinstmöglichem Aufwand nur durch das Gesamtkonzept Ableitungskanal (erster, derzeit in der Ausführung befindlicher Schritt des Gesamtkonzepts), Massnahmen im Einzugsgebiet inklusive Aufhebung der ARA Birs 1 und Massnahmen auf der ARA Birs 2 möglich ist. Die Richtigkeit für die Aufhebung der ARA Birs 1 für den Trockenwetterfall wurde in der damaligen Vorlage dargelegt.


Dass diese Variante auch für den Regenwetterfall die richtige Lösung ist, konnte nach den damals geforderten und in der Zwischenzeit erarbeiteten vertieften Untersuchungen über die Abwassersituation bei Regenwetter (ARA-GEP Birstal, RRB Nr. 623 vom 29.4.2003) gezeigt werden. Darauf basierend konnte die Zustimmung für die Aufhebung der ARA Birs 1 seitens der Aufsichtsbehörde, dem Amt für Umweltschutz und Energie, erfolgen.


Mit dieser Vorlage können seitens Kanton die noch fehlenden Elemente des Gesamtkonzepts zur Gesundung der Birs, Massnahmen im Einzugsgebiet beider ARAs sowie Erhalt und Ausbau der ARA Birs 2 in Birsfelden, vorgelegt werden.


Massnahmen im Einzugsgebiet:


Gemeinsam mit der Aufsichtsbehörde wurden anhand des ARA-GEP diejenigen Massnahmen im Einzugsgebiet festgelegt, mit denen rasch der grösste Umweltnutzen erzielt werden kann. In einer ersten Phase sollen sechs Mischwasserbecken (MWB) parallel respektive zeitlich etwas nachgestaffelt zum Ausbau der ARA Birs 2 realisiert werden. Im Zuge der Realisation dieser Becken sind jeweils auch weitere kleinere Netz-Anpassungen vorzunehmen. Diese sind ebenfalls Bestandteil dieser Vorlage. In der ersten Phase (Bestandteil dieser Vorlage) sind folgende Becken geplant:


- MWB ARA Birs 2, Birsfelden
- MWB Grün 80, Münchenstein
- MWB Arlesheim
- MWB Aumatt, Reinach
- MWB Dornachbrugg, Aesch
- MWB Wyden, Aesch


Nach erfolgreicher Inbetriebnahme der auszubauenden ARA Birs 2 in Birsfelden wird die ARA Birs 1 in Reinach rückgebaut. Das MWB auf der ARA Birs 1 bleibt bestehen, die restliche Arealfläche kann anderweitig genutzt werden.


Massnahmen auf der ARA Birs 2 in Birsfelden:


Der Zulaufbereich, das Abwasserhebewerk und die mechanische Vorreinigung müssen technisch und teilweise auch baulich erneuert und den künftigen Gegebenheiten angepasst werden.


Von den vier ganzheitlich bewerteten Verfahren zur biologischen Reinigung des Abwassers aus dem gesamten Einzugsgebiet auf der ARA Birs 2 schneidet das sogenannte SBR-Verfahren (SBR = sequencing batch reactor = zeitlich aufeinanderfolgende, schubweise Behandlung) am besten ab. Das SBR-Verfahren bietet sich hauptsächlich an, da die bestehende Bausubstanz weitgehend ins Ausbaukonzept integriert werden kann. Ein grosser Teil der noch intakten Bausubstanz kann so weiterhin genutzt werden, was sich bezüglich Investitionskosten positiv auswirkt. Landreserven müssen praktisch nicht angetastet werden.


Das Klärschlammkonzept besteht aus der Faulung des anfallenden Klärschlamms mit anschliessender Entwässerung und Verbrennung in der ProRheno AG. Der Energieinhalt des produzierten Klärgases wird mit Blockheizkraftwerken in elektrische Energie und Wärme umgewandelt und für ARA-eigene Prozesse genutzt. Die Faulung reduziert die zu entsorgende Klärschlammmenge um 25-30%. Die Kapitaldienstkosten der Faulanlage können durch die tieferen Schlammentsorgungskosten und den Ertrag durch die Nutzung elektrischer Energie kompensiert werden. Für die Behandlung des Klärschlamms ist ein neues Schlammbehandlungsgebäude sowie ein neuer Faulturm vorgesehen. Beide Gebäulichkeiten lassen sich zentral innerhalb des ARA-Areals platzieren. Die heute bereits vorhandenen Gebäude werden saniert und weiter genutzt.


Die Investitionen für die Massnahmen auf der ARA Birs 2 betragen brutto 53.4 Millionen Franken. Für die Massnahmen im Einzugsgebiet inklusive Rückbau der ARA Birs 1 in Reinach sind zusätzlich brutto 24.7 Millionen Franken nötig. Die Solothurner Gemeinden Dornach, Gempen und Hochwald sowie die Papierfabrik Ziegler AG beteiligen sich entsprechend ihrem Anteil an den Gesamtinvestitionskosten mit netto rund 8.3 Millionen Franken. Die Höhe des zu erwartenden Bundesbeitrages beläuft sich auf maximal CHF 5'300'000.--. Die Abwassergebühr bleibt praktisch auf dem heutigen Niveau bestehen.


Der Ausbau der ARA Birs 2 wird sich in zwei Etappen über insgesamt rund drei Jahre erstrecken. Der Beginn der Arbeiten ist für Mitte 2004 vorgesehen. Während der gesamten Bauzeit wird der Betrieb der ARA, allerdings mit teilweise reduzierter Kapazität, aufrechterhalten. Da der Ableitungskanal bei Beginn der Arbeiten bereits in Betrieb ist, wird die Birs nicht übermässig belastet. Zudem steht die ARA Birs 1 während der Umbauzeit zur Verfügung. Bis zum Zeitpunkt, in dem das Mischwasserbecken auf der ARA Birs 2 in Betrieb ist, muss jedoch bei Regenwetter mit einer erhöhten Belastung der Birs gerechnet werden. Der Bau der sechs Mischwasserbecken erstreckt sich bis ins Jahr 2011.


Mit der Inbetriebnahme des im Bau befindlichen Ableitungskanals zwischen der ARA Birs 2 und dem Rhein und mit der Aufhebung der ARA Birs 1 in Reinach und Ableitung deren Abwasser zur ARA Birs 2 wird bei Trockenwetter kein Abwasser mehr unterhalb der ARA Zwingen in die Birs eingeleitet. Bei Regen wird der Spülstoss in den Mischwasserbecken gefangen und nach Regenende zur ARA Birs 2 abgepumpt. Dank diesen Massnahmen reduziert sich die Belastung der Birs bei Trocken- und Regenwetter ganz erheblich. Auch für den Rhein ergibt sich durch die gute Reinigungsleistung der ausgebauten ARA Birs 2 und die Massnahmen im Netz eine Reduktion der Schmutzfrachten. Die Stickstoffbelastung der Nordsee wird um rund 120 Tonnen pro Jahr gegenüber heute abnehmen. Die ARA Birs 2 trägt somit wesentlich zum Stickstoffreduktionsprogramm des Bundes bei.


Der Regierungsrat ist überzeugt, dass mit diesem zweiten Schritt, der das Gesamtkonzept zur Sanierung der Birs konsequent weiterverfolgt, ein grosser Nutzen mit einem vergleichsweise geringen Mittelaufwand erzielt wird.



Fortsetzung >>>
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