Vorlage an den Landrat


3. Begründung/Bedarf

3.1 Allgemeines


Die Fortschritte in der Medizintechnik haben in den letzten 20 Jahren die Qualität und Aussagekraft der bildgebenden Verfahren in der Medizin stark verbessert. Die Schnittbildverfahren wie Ultraschall, CT und seit nun ca. 20 Jahren die MRI (Magnetic Resonance Imaging, im Folgenden mit MRI abgekürzt), haben der Radiologie einen zentralen Stellenwert in der modernen und effizienten medizinischen Diagnostik gegeben. Ultraschall- und CT-Untersuchungen sind im KSL seit längerem etabliert und gewinnen zunehmend an Bedeutung. Während vor 10 Jahren noch 3'425 der Untersuchungen auf diese beiden modernen Verfahren fielen, waren es 2002 über 11'300.


Im Laufe der 80er- und vor allem 90er-Jahre hat das MRI aufgrund seiner vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten eine zentrale Bedeutung in der medizinischen Diagnostik erlangt. Das Fehlen eines MRI-Gerätes am Kantonsspital Liestal mit seiner Patientenstruktur (Schwerpunktspital mit erweiterter Grundversorgung) ist ein spürbarer Mangel.




3.2 Funktionsweise des MRI


Das MRI ist ein Verfahren, das erlaubt, mit Hilfe der magnetischen Kernresonanz Bilder aus dem Inneren eines Lebewesens zu gewinnen. Das faszinierende an dieser Methode ist die Tatsache, dass Schichtbilder in beliebiger Orientierung ohne ionisierende Strahlung erzeugt werden können. Der Körper wird nicht durchstrahlt wie bei den herkömmlichen Röntgenuntersuchungen, sondern leuchtet im ungefährlichen langwelligen Radiofrequenzbereich "quasi von selbst". Darüber hinaus können "Relaxationszeitbilder" erhalten werden, die ohne die Verwendung von Kontrastmitteln doch kontrastreiche Bilder des Weichteilgewebes, des Gehirns und der inneren Organe liefern. War anfänglich die klinische MRI-Bildgebung auf neurologische und osteo-articuläre Anwendungsbereiche beschränkt, so hat sich der Einsatz des MRI durch die Entwicklung schneller und ultraschneller Sequenzen auf zusätzliche Einsatzbereiche ausgeweitet (MR-Angiographie, MR-Coronarangiographie, MR-Cholangiographie, MR-Urographie, MR-Myelographie, funktionelle Herz- und neurologische Bildgebung). Die Entwicklung dieser schnellen Sequenzen wurde einerseits durch die Herstellung von Geräten mit hoher Gradientenfeldstärke und Gradientenschaltzeit, andererseits durch den Einsatz leistungsfähiger Rechner ermöglicht.




Zusammenfassung der Hauptvorteile und Eigenschaften des MRI


Das MRI erlaubt Schichtbilder in jeder beliebigen Orientierung im Menschenkörper zu erzeugen, die im Vergleich zur Computertomographie (CT) von höherer Qualität sind (Ausnahme: lufthaltige Strukturen wie das Lungenbandgewebe und der Magen-Darm Trakt).


Das MRI arbeitet im ungefährlichen Radiofrequenzbereich (Megaherzbereich), d.h. es wird keine gefährliche ionisierende Strahlung verwendet und auch der Einsatz radioaktiver Isotope entfällt, da das MRI mit nicht-ionisierenden natürlichen Isotopen (Wasserstoffatomen) arbeitet.


Das MRI misst und lokalisiert die Konzentration verschiedener Substanzen, die natürlich im Körper vorkommen. Es gibt ausserdem Informationen über physikalische Eigenschaften der nächsten Umgebung in der sich die Substanz befindet, d.h. ob in festem oder weichem Gewebe oder in flüssiger Umgebung. Zudem erlaubt es die Unterscheidung zwischen fliessendem und ruhendem Zustand.




3.3 Versorgung der Schweiz mit MRI-Anlagen


Die nachfolgende Tabelle zeigt die MRI-Dichte in der Schweiz im internationalen Vergleich:


Anfang 2003 waren 133 MRI-Geräte in der Schweiz sowohl in öffentlichen Spitälern als auch in privaten Institutionen installiert.


Das Kantonsspital Liestal ist das letzte öffentliche Spital seiner Grösse in der Schweiz ohne MRI. Von den 133 betriebenen MRI-Anlagen sind lediglich 48 Geräte, d.h. weniger als die Hälfte in öffentlichen Spitälern installiert. In der Schweiz sind 6,5 mal mehr Hoch- als Niederfeldsysteme in Betrieb (115 : 18).




MRI-Statistik nach Kantonen, Spitälern und Privatinstituten:


[Grafik]


Seit 1999 ist im Kantonsspital Bruderholz das einzige MRI-Gerät im Kanton Basel-Landschaft in Betrieb. Die Tabelle des MR-Marktes der Schweiz zeigt, dass in allen Kantonen mit einer Bevölkerung von mehr als 90'000 Einwohnern mindestens ein MRI-Gerät vorhanden ist. Im Einzugsgebiet des Kantonsspitals Liestal mit ca. 120'000 Einwohnern ist noch kein MRI-Gerät installiert. Die hohe Bevölkerungszahl im Einzugsgebiet des Kantonsspitals Liestal sowie die Grösse und vor allem die Bedeutung des Kantonsspitals Liestal mit seinem Leistungsauftrag der erweiterten medizinischen Grundversorgung erfordern die Inbetriebnahme eines MRI am Kantonsspital Liestal.




3.4 Ausgangslage am Kantonsspital Liestal


Das Kantonsspital Liestal mit dem Leistungsauftrag einer erweiterten medizinischen Grundversorgung betreibt 399 Betten und nimmt die zentrale Stellung in der stationären medizinischen Versorgung im Oberbaselbiet ein. Seit 1996 besteht eine Urologische Universitätsklinik mit Sitz des Ordinarius am Kantonsspital Liestal und seit 1997 eine Universitätsklinik für Innere Medizin.


Im Rahmen des Leistungsauftrages unseres Spitals werden folgende Kliniken betrieben:

Bei sämtlichen hier aufgeführten Disziplinen ist der Einsatz der Magnetresonanz als bildgebendes Verfahren der ersten Wahl zur präzisen und schnellen Diagnosestellung und somit zur Therapieeinleitung in vielen Fällen unerlässlich.




3.5 Aktueller Stand der medizinischen bildgebenden Verfahren am Institut für diagnostische Radiologie und Nuklearmedizin des Kantonsspitals Liestal


Der Ersatz der überalterten Röntgengeräte aus den 80er- und 90er-Jahren erfolgte etappenweise in den Jahren 1997-2001 zu Lasten der Betriebsrechnung und des Baukredits KSL 95. Das KSL verfügt nun über ein modernes, leistungs- und konkurrenzfähiges Röntgeninstitut. Mit der Inbetriebnahme des PACS (pictures archiving and communication system; digitales Röntgenarchiv und filmlose Bildübertragung) Ende 2002 ist ein grosser Meilenstein in Richtung filmloses Röntgen und Teleradiologie in- und ausserhalb des Kantonsspitals Liestal getätigt worden.


2002 wurden in der Radiologie 46'854 Untersuchungen durchgeführt, davon 5'461 Ultraschall- und 5'880 CT-Untersuchungen. Wegen permanenter Überlastung des MRI-Gerätes am Kantonsspital Bruderholz und der dadurch verursachten - für unsere Patienten unzumutbaren - langen mehrtägigen Wartezeiten überweisen wir unsere stationären und ambulanten Patienten, welche eine MRI-Untersuchung benötigen, an das private Röntgeninstitut IMAMED Nordwest an der Rebgasse in Basel. Die Befundung dieser in unserem Auftrag durchgeführten MRI-Untersuchungen wird von den KSL-Radiologen aufgrund des mitgebrachten Filmmaterials vorgenommen, damit ihr fachliches "Know-how" nicht gänzlich verloren geht.


Das technische und fachliche Spezialwissen für den Betrieb eines 1,5 Tesla MRI-Gerätes ist jedoch beim MTRA-Personal (MRI-Technologie ist Bestandteil der Berufslehre) und beim ärztlichen Röntgenpersonal am KSL vorhanden.




3.6 Mängel der bestehenden Situation


Das Fehlen des MRI-Gerätes im Kantonsspital Liestal wirkt sich in zunehmendem Masse negativ auf die Versorgung der stationären und ambulanten Patienten aus.


Die seit August 1999 eingeleitete Zusammenarbeit mit dem privaten Röntgeninstitut IMAMED Nordwest an der Rebgasse in Basel kann in Anbetracht des in den letzten Jahren stetig zunehmenden Bedarfes an MRI-Untersuchungen nicht wesentlich ausgebaut werden (Anzahl MRI-Untersuchungen 2002: 370).


Die Hospitalisationszeit unserer Patienten verlängert sich wegen der Wartezeiten sehr häufig um mehrere Tage, trotz Inanspruchnahme anderer privater oder staatlicher Anbieter (Kantonsspital Bruderholz, Kantonsspital Basel). Nebst den hohen Transportkosten (ca. Fr. 270.--/Einwegfahrt) sind die im Durchschnitt ca. 60 Minuten dauernden Transportwege für die Hin- und Rückfahrt für unsere bettlägrigen Patienten je länger je mehr unzumutbar. Mangels rascher Verfügbarkeit der MRI-Technologie werden häufig ebenfalls teure aber für die zu beantwortende Fragestellung inadäquate strahlenbelastende Technologien (beispielsweise das CT) angewendet mit der Gefahr, dass die richtige Diagnose nicht mit Sicherheit gestellt und eine MRI-Untersuchung dennoch benötigt wird (unnötige und teure Doppeluntersuchungen!).


Auswärts durchgeführte MRI-Untersuchungen erschweren häufig die Kommunikation zwischen den Untersuchern und Zuweisern. Die direkte persönliche Besprechung der MRI-Untersuchungen mit den zuweisenden Klinikärzten, die insbesondere in Notfallsituationen von grosser Bedeutung ist, kann nur mit grosser Verspätung erfolgen.


Das Fehlen eines MRI-Gerätes am KSL ist für ein Kantonsspital dieser Grösse mit erweiterter medizinischer Grundversorgung von grossem Nachteil. Insbesondere privat- und halbprivatversicherte Patienten sind über die heutigen medizinischen Angebote in der Regel gut informiert und schätzen ein Spital als zweitrangig ein, das nicht über moderne Diagnosegeräte verfügt, was zu einer zunehmenden Abwanderung von Zusatzversicherten führen kann.


Nachteilig wirkt sich das Fehlen des MRI auch auf die Rekrutierung von qualifiziertem ärztlichem und medizinisch-technischem Personal aus.




3.7 Künftige Situation


3.7.1 Auswirkungen des neuen Krankenversicherungsgesetzes


Das neue KVG dürfte sich in dem Sinne auswirken, dass der Kanton Basel-Landschaft auf mehr Autonomie im medizinischen Angebot an öffentlichen Spitälern angewiesen sein wird.




3.7.2 Folgerung


Die in Kapitel 3.6 dargelegte, unbefriedigende Situation kann durch die Beschaffung eines MRI für das Kantonsspital Liestal beseitigt werden.




3.7.3 Patientengut


Das potentielle Patientengut für ein MRI-Gerät am Kantonsspital Liestal rekrutiert sich aus dem Einzugsgebiet des Kantonsspitals Liestal sowie aus dem Fricktal (Region Rheinfelden) mit rund. ca. 120'000 Einwohnern. Folgende niedergelassene Fachärzte aus Liestal und Rheinfelden haben bereits ihre Zusammenarbeit in Form einer regelmässigen Zuweisung ihrer Patienten für MRI-Untersuchungen an das KSL zugesichert:


Mit dem Verbund der Röntgeninstitute IMAMED Nordwest - dem dazugehörenden Institut Burckhardt in Liestal - wurde ein Kooperationsvertrag (1'000 Untersuchungen p.a.) abgeschlossen (siehe unter Punkt 7).




3.7.4 Voraussichtliche Anzahl MRI-Untersuchungen am KSL


Aufgrund der in den letzten Jahren auswärts in Auftrag gegebenen Anzahl MRI-Untersuchungen und der Schätzung prospektiv zu erwartender Anforderungen an MRI-Untersuchungen kann nach der Inbetriebnahme des MRI-Gerätes am KSL mit einer anfänglichen täglichen Durchschnittsfrequenz von ca. 11-13 Untersuchungen gerechnet werden.




3.7.5 Auswirkungen auf die Untersuchungszahlen des CT


Es ist mit einer Umlagerung von ca. 10 % der CT-Untersuchungen auf das MRI-Gerät zu rechnen. Diese Umlagerung erfolgt also im Gebiet der Abklärung von Erkrankungen des Zentral-Nerven- sowie des Muskulo-Skelettalen-Systems. Mitentscheidend für die Umlagerung der Untersuchungsmethode ist die Tatsache, dass die MRI-Untersuchung keine Strahlenbelastung für die Patienten verursacht.



Fortsetzung >>>
Back to Top