2002-151 (1)


Am 6. Juni 2002 hat Landrätin Esther Maag von der Grünen Fraktion eine Schriftliche Anfrage betreffend Schulreisen und Reisen an die EXPO per Bahn statt per Bus eingereicht.

Der Text lautet:
Von einem Lehrer aus dem Unterbaselbiet erreicht uns folgende Nachricht:
"Vor einigen Jahren noch war es üblich, dass die Schulreise oder die Reise ins Skilager mit der wesentlich umweltfreundlicheren SBB und nicht mit dem Car durchgeführt wurde. Im vergangenen März war ich mit meinen beiden Klassen der einzige, der die SBB benutzte.
Aufgestossen hat mir die Tatsache, dass ich von verschiedenen Seiten angehalten wurde, den Car und nicht die SBB zu benützen - so auch von der Schulleitung. Erst nachdem sich herausgestellt hatte, dass die SBB nicht teurer ist als der Bus, wurde mir die Reise mit der SBB gestattet. Ich gehe eigentlich davon aus, dass im ganzen Kanton die SBB an Boden verliert und immer mehr Schulen Cars benützen."


In der Baz vom 15. Mai 02 steht gross der Titel "Billig an die Expo - mit dem Bus" Dem Artikel entnehmen wir sodann, dass eine Schulklasse - diesmal aus dem Oberbaselbiet - am gewünschten Expotag aus Kapazitätsgründen keine Plätze mehr bei der SBB erhielt, deshalb auf ein Carunternehmen auswich und dabei erst noch günstiger fuhr. Die Autobus AG Liestal habe sogar gleich einen Vertrag mit der Expo abgeschlossen und befördere ebenfalls zahlreiche Klassen und ganze Schulen zu den Arteplages, heisst es weiter.


Wir möchten vom Regierungsrat deshalb wissen,



Der Regierungsrat nimmt zu den Fragen wie folgt Stellung:

1. Erachtet es der Regierungsrat als sinnvoll, dass offensichtlich immer mehr Schulklassen für ihre Ausflüge anstatt der wesentlich umweltfreundlicheren Bahn den Bus benutzen?


Aus der Sicht der nachhaltigen und damit ökologischen Entwicklung würde es der Regierungsrat als ausgesprochen "sinnvoll" erachten, dass die Schulklassen mit dem öffentlichen Verkehrsmitteln, Tram Postauto Bahn, auf Reisen gingen oder in die Schullager fahren würden. Aber der Regierungsrat hält es für genauso "sinnvoll", dass die Schulen sich um die Einhaltung ihrer Budgets bemühen und die verschiedenen Möglichkeiten des Reisens als Optionen einander gegenüberstellen. Für Städtereisen empfiehlt sich die Bahn, für ein Skilager in einem eher peripher gelegenen Tal kann der Bus auch Vorteile bringen (kein Umsteigen, Transport von "Haus zu Haus", Materialtransport zentral, etc.).




2. Ist es nicht sinnvoll, bei den Jugendlichen den Vorbildcharakter des Bahnfahrens zu fördern?


Der Regierungsrat erachtet es als sinnvoll, dass Schülerinnen und Schüler ökologische Zusammenhänge begreifen lernen. Das Bahnfahren sowie das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Individualverkehr und öffentlichen Ressourcen (Bau, Polizei, Natur- und Landschaftsschutz) gehört mit Sicherheit dazu. Diese Vermittlungsarbeit wird in den Schulen auch gewissenhaft unternommen. Es ist jedoch an den Schulen selbst, abzuwägen, ob sie ihre Erziehungs- und Bildungsziele bezüglich Umweltverträglichkeit auch trotz, bzw. mit Busreisen erreichen können.




3.Soll bei Schulreisen der Preis (es handelt sich bei der möglichen Differenz ja jeweils höchstens um zwei bis drei Franken) das allein ausschlaggebende Kriterium sein?


Der Preis ist ein Kriterium. Der Regierungsrat will im Zuge der Veränderungen in Richtung teilautonome, geleitete Schulen, den Schulleitungen resp. den Verantwortlichen für die Schullager und die Schulreisen, den Schulpflegen und künftigen Schulräten, diesbezüglich keine einengenden Vorschriften machen. Es handelt sich um eine Güterabwägung. Dass die Fuhrunternehmer mit tiefen Angeboten und durch ihren Reisekomfort (Tür zu Tür) der Bahn eine Konkurrenz sind, ist vom "Erfinder" so gewollt. Die Differenz ist verschieden, beträgt aber nach Auffassung des Regierungsrates je nach Zielort der Reise deutlich mehr als drei Franken.




4. Was gedenkt der Regierungsrat zu unternehmen, um den Lehrerinnen, Lehrern und Schulleitungen die Bahn (wieder) schmackhaft zu machen?


Der Regierungsrat will keine engen Vorschriften machen. Klare und weit gesteckte Rahmenvorgaben sollen den Schulen Entscheidungsfreiräume belassen.




5. Ist der Regierungsrat bereit, einen Grundsatzentscheid zu fällen, dass für Schulreisen grundsätzlich die Bahn benutzt wird (sofern das Reiseziel per Bahn erreichbar ist natürlich)?


Nein. Die entsprechende Begründung ist der Antwort auf Frage 4 zu entnehmen. Die Regierung empfiehlt bloss, dass prioritär die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt werden.


Grundsätzlich hält das Schulinspektorat zu diesem Fragenkomplex fest:
1. Das Lagerreglement macht bezüglich der Transportmittel keine Einschränkung.
2. Die für die Lager und Schulreisen zuständige Instanz ist die Schulpflege.
3. Es ist richtig und sinnvoll, jetzt schon den Geist der Teilautonomie spüren zu lassen.
4. Neben der Ökologie liefert auch die Ökonomie Argumente für die sinnvollste Wahl des Transportmittels.


Liestal, 24. September 2002


Im Namen des Regierungsrates
Die Präsidentin: Schneider-Kenel
Der Landschreiber: Mundschin



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