2002-26 (1)


1. Organisation der Kommissionsberatung

Die Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission hat die Vorlage anlässlich ihrer Sitzung vom 8. März 2002 beraten. Für Erläuterungen und Fragen standen Regierungsrat Erich Straumann sowie Ueli Meier, Leiter Forstamt beider Basel, zur Verfügung. Andres Klein, Präsident des Ausschusses des Waldwirtschaftsverbandes beider Basel war zudem zur Anhörung eingeladen.




2. Zielsetzung und Inhalt der Vorlage


Der Ruf nach der Zertifizierung von Prozessen und Produkten schliesst den Waldwirtschaftsbereich nicht aus. Die Art und Weise, wie Wälder bewirtschaftet werden, beschäftigt weite Bevölkerungskreise und verschiedene Organisationen. In zunehmendem Mass wird der Nachweis gefordert, dass Sozial- und Umweltaspekte angemessen und über den gesetzlichen Rahmen hinaus berücksichtigt werden. Dies kann durch unabhängige Begutachtungen und Zertifizierungen der Waldbewirtschaftungspraktiken erbracht werden. Damit soll auch die an der Konferenz von Rio definierte Nachhaltigkeit gesichert werden. Nebst den bekannten Zertifizierungen ISO 9001 und ISO 14001 gibt es die beiden speziellen Zertifizierungen Q-Label und FSC-Label.


Q-Label
Mit dem Q-Label, einer Kreation des Schweizerischen Landwirtschaftsverbandes, wird der Herkunftsnachweis "Schweizer Holz" gesichert, indem die ganze Herkunftskette identifizierbar wird. Das Q-Label ist im europäischen Markt, insbesondere in Deutschland und Skandinavien, von grosser Bedeutung.


FSC-Label
Das FSC-Label, erstmals propagiert durch den WWF, ist eine kombinierte Zertifizierung von Wald und Waldprodukten und legt den Schwerpunkt auf die Nachhaltigkeit. Das FSC-Label ist weltweit anerkannt.


Die angestrebte Doppelzertifizierung vereinigt die Vorteile beider Zertifikate. Der Mehraufwand einer gleichzeitigen Doppelzertifizierung gegenüber der Einzelzertifizierung liegt bei rund 20%. Im Vergleich zu einer aufeinander folgenden Doppelzertifizierung entsteht eine Kostenersparnis von ca. 80%.


Initiant und Träger des Projekts ist der Waldwirtschaftsverband beider Basel, dem alle öffentlichen Waldbesitzer - drei Viertel des gesamten Waldes - sowie einzelne grössere private Waldbesitzer angehören. Die Durchführung der Zertifizierung erfolgt in Absprache und enger Zusammenarbeit mit dem kantonalen Forstdienst. Vorgabe war unter anderem, sich beim ganzen Prozess am erfolgreichen Vorgehen im Kanton Aargau zu orientieren, um das Projektrisiko zu minimieren und Aufwand und Kosten zu senken.


Die Zertifizierung geht über das hinaus, was das bereits streng gehaltene Waldgesetz heute verlangt, beispielsweise mit Minimalanforderungen im Bereich Ausscheidung von Naturschutzwäldern und Waldreservaten. Eine gesetzliche Vorschrift zum Mitmachen besteht für die WaldbesitzerInnen nicht.


Die WaldeigentümerInnen haben jedoch ein Interesse an der Zertifizierung, weil sich zertifiziertes Holz - etwa beim Grossverteiler - leichter absetzen lässt. Der Waldwirtschaftsverband hat Vorfinanzierungen geleistet, ist in seiner Arbeit bereits weit fortgeschritten und die ersten Zertifikate stehen kurz vor der Auslieferung. Die Baselbieter gelangen relativ einfach, ohne grosse Auflagen, zu ihren Zertifikaten, weil die Zertifizierer dem hiesigen Wald schon heute einen sehr naturnahen Zustand attestieren.


Gesetzliche Grundlage für einen Kantonsbeitrag an die Zertifizierung bildet § 27 kWaG, der ermöglicht, Beiträge an kantonale und regionale Verbände zu gewähren. Damit kann eine wirtschaftsfördernde Wirkung erzielt werden, indem z.B. durch den Verkauf von zertifizierten Produkten allfällige Marktvorteile genutzt werden und dezentrale, oft in Randregionen befindliche Arbeitsplätze erhalten und gefördert werden können. Die Vorlage sieht vor, dass der Kanton die Kosten für die Einrichtung des Zertifizierungssystems (einmalige Investition) übernimmt, während der Waldwirtschaftsverband und die WaldeigentümerInnen die jährlich anfallenden Zertifizierungskosten und die laufenden administrativen Arbeiten übernehmen. Zu den bereits im Budget 2002 enthaltenen, einmaligen Investitionskosten von Fr. 105'000.- entstehen keine laufenden, jährlich wiederkehrenden Kosten für den Kanton.




3. Detailberatung


Die Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission begrüsst die Einführung der Doppelzertifizierung unseres Waldes. Die Kommission regt an, die offensichtlich noch nicht sehr bekannten Labels künftig zu propagieren. So könnte z.B. Kanton und Gemeinden nahe gelegt werden, inskünftig bei Holzbeschaffungen das Q- und FSC-Label zu berücksichtigen. Ein Bekanntwerden ausserhalb unseres Kantons wäre ebenso wünschenswert.


Zudem beantragt die Kommission, den Landratsbeschluss in Ziffer 1 wie folgt zu ergänzen (kursiv):


Vom Projekt des Waldwirtschaftsverbandes zur Doppelzertifizierung gemäss Q-Label und FSC-Label der Wälder im Kanton Basel-Landschaft wird zustimmend Kenntnis genommen und ein einmaliger Kantonsbeitrag von Fr. 105'000.- zu Lasten Konto 2225.361.50 bewilligt.




4. Antrag


Die Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission empfiehlt mit 12:0 Stimmen, dem in Ziffer 1 ergänzten Landratsbeschluss 2002/026, gemäss Beilage zuzustimmen.


Muttenz, 18. März 2002


Im Namen der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission
Die Präsidentin: Rita Bachmann-Scherer



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