2001-111

Basel wird Sitz und "Euro-Hub" von SBB Cargo - dies war die Schlagzeile vom 5. April 2001 in den Medien. Ausschlaggebend für die Standortwahl wären die zentrale, geografische Lage, der Ruf Basels als "Hauptstadt des Transports und der Logistik" und die gute Infrastruktur im Güterbahnhof Muttenz gewesen. Es darf nüchtern festgestellt werden, dass an den genannten Vorteilen (inkl. Rheinschiffahrt) und speziell dem Güterbahnhof Muttenz, der Kanton Basel-Landschaft auch seinen Beitrag leistet.


Allein die Tatsache, dass diese Ankündigung weniger als 24 Stunden nach einer stark besuchten Informationsveranstaltung im (bahn)lärmgeplagten Muttenz mit Beteiligung von Vertretern der SBB sowie des Bundesamtes für Verkehr erfolgte wird für die Muttenzer Bevölkerung als Schlag ins Gesicht, resp. einen Tritt ans Schienbein empfunden. Viele Fragen wurden damit neu aufgeworfen. Für mich schwer nachvollziehbar ist die Ankündigung, dass beabsichtigt ist in Basel Stadt für 350 Mitarbeitende einen neuen Arbeitsplatz zu schaffen, während im basellandschaftlichen Muttenz - zusätzlich zur heute schon übermässigen Lärmbelastung - der Rangierbahnhof als "Euro-Hub" umgebaut werden soll. Bis anhin fand das Umrangieren der Zugkompositionen hauptsächlich in der Nacht statt. Zukünftig wird zur Bewältigung des neu aufkommenden Volumens vermehrt am Tag gearbeitet. D.h., der Rangierlärm wird zukünftig praktisch rund um die Uhr andauern.


Sämtliche Grenzwerte werden heute schon während der ganzen Woche überschritten. Tatsache ist, dass nicht nur ganze Quartiere der näheren Umgebung vom übermässigen Bahn- und Rangierlärm geplagt werden - der Lärm widerhallt auch an Betonwänden höherer Gebäude resp. wird vom Wartenberg stark aufgenommen und zurückgeworfen.


In dieser Situation gänzlich unverständlich ist für mich die Tatsache, dass Lärmsanierungsprojekte durch die SBB seit 1997 wohl angekündigt aber nie realisiert wurden und nun die Belastung noch steigen soll. Am Informationsabend wurde in Aussicht gestellt, dass bis 2004 sämtliche schweizerische Personenwaggons mit lärmreduzierter Technik umgerüstet werden - und bis ins Jahr 2009 auch die Güterwaggons. Zudem sind bis 2005 Lärmschutzwände geplant. Damit sollen zwei Drittel der betroffenen Anwohner vor übermässigem Lärm geschützt werden. Trotz der nachgewiesenermassen übermässigen Belastung unserer Gemeinde könne nicht mit einem "Sonderzüglein" gerechnet werden, wurde betont. Zudem kommt hinzu, dass durch das geplante "Euro-Hub" vermehrt bis auschliesslich ausländische Güterwagenkompositionen in Muttenz zusammengestellt werden.


Es gilt dabei zu bedenken, dass lärmreduzierte Technik nur zwingend bei schweizerischem Rollmaterial angebracht werden kann, mit der Einführung des "Euro-Hub" die Verlegung der Güterzüge aus dem Schweizer Verkehr aber ins Limmattal geplant ist. Die (wohl kaum sanierten) Güterzüge aus dem internationalen Transitverkehr aber würden ausschliesslich im Rangierbahnhof Muttenz abgefertigt.


Zudem wird die Kapazität von ca. 30 auf 50 Mio. Tonnen erhöht, was einer Erweiterung von 60% entspricht. Allein diese Tatsache erfordert von unserem Kanton ein Ueberdenken des bisherigen Sicherheitsdispostitivs auf dem Rangierbahnhof Muttenz. Mit der Realisierung des Euro-Hub Basel wird die Bevölkerung der Gemeinde Muttenz und ihrer weiteren Umgebung nicht nur mit vermehrter Lärmbelastung zu kämpfen haben sondern auch einem massiv gesteigerten Gefahrenpotenzial ausgesetzt.


Ich ersuche deshalb den Regierungsrat, in Absprache mit der Gemeinde Muttenz, umgehend mit der SBB und dem Bundesamt für Verkehr Verhandlungen im Sinne Realisierung beschleunigter Lärmschutzmassnahmen für die betroffene Bevölkerung aufzunehmen. Ferner soll alles getan werden damit eine störende Ungleichbehandlung der beiden Basler Kantone (Freude über "Euro-Hub" in Basel-Stadt - und "Katzenjammer" in Basel-Land, resp. Muttenz) vermieden werden kann.



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