Vorlage an den Landrat

5. Der eigentliche Praxistest


5.1 Zu testende Konzepte und Systeme


Im Praxistest KOMBITRANS sollen die zwei verschiedene Konzepte WS und ULS des kombinierten Transports Strasse/Schiene untersucht und mit der Ausgangslage 2001, dem Konzept AUS, verglichen werden. Zudem sollen beim Konzept WS die verschiedenen Systeme untereinander verglichen werden.


Auf Anfrage an alle bekannten Hersteller solcher Fahrzeuge, ob für einen mehrmonatigen Test entsprechende Fahrzeuge inklusive der erforderlichen Container in Miete zur Verfügung gestellt werden können, haben sechs Systemlieferanten insgesamt acht Fahrzeuge angeboten.


In einer zusammen mit den Transportunternehmern vorgenommenen Fahrzeug-Evaluation konnten drei für den Test als geeignet beurteilte Fahrzeuge ausgewählt werden. Es sind dies ein Heck- und zwei Seitenlader (der eine rechtsseitig, der andere beidseitig beladbar) von verschiedenen Systemlieferanten. Nicht berücksichtigt werden konnte der einzige angebotene Frontlader, da er bereits bei früher in unserem Kanton durchgeführten Kurztests als ungeeignet taxiert werden musste.


Damit können im Praxistest die Konzepte und Systeme gemäss Abbildung 7 untersucht, bewertet und verglichen werden.


Abb. 7: Im Praxistest zu untersuchende Konzepte und Systeme


Sammlung und Transport erfolgen im Praxistest für die Konzepte AUS und ULS mit den herkömmlichen Fahrzeugen der Test-Transportunternehmer. Für das Konzept WS werden die neuen Fahrzeuge mit Wechselcontainern den Test-Transportunter-nehmern vom Kanton kostenlos zur Verfügung gestellt und durch deren Personal bedient und gewartet.


Im Praxistest sollen Sammlung und Transport von Kehricht und Sperrgut getestet werden. Weiter wurde von Gemeindevertretern angeregt, auch Sammlung und Transport von Wertstoffen wie Grünabfälle, Papier und Karton in den Test einzubeziehen. Schwerpunktmässig sollen nun die Abfallarten Kehricht/Sperrgut berücksichtigt werden. Einerseits, weil die Fahrzeuge mehrheitlich für diese Abfallarten zum Einsatz kommen, andererseits, um in diesem Bereich signifikante Daten zu erhalten. Die Sammlung von Wertstoffen soll aber an einzelnen Tagen ebenfalls getestet werden, um auch Hinweise für diese Abfallarten zu erhalten.




5.2 Testgebiete


Um das Konzept WS mit drei Wechselsystem-Fahrzeugen und das Konzept ULS mit einem herkömmlichen Fahrzeug gleichzeitig testen zu können, sind vier Testgebiete von vier verschiedenen Transportunternehmern ausgewählt worden (Anhang 1). Die Wahl erfolgte so, dass möglichst alle topografischen Verhältnisse in unserem Kanton sowie ländliche und städtische Ortsverhältnisse im Test berücksichtigt sind. Ebenso wurde darauf geachtet, dass die am Test beteiligten Fahrzeuge möglichst täglich im Einsatz stehen. Die für den Test vorgesehenen Gemeinden sind mit den Abfuhrunternehmern anhand der anfangs 2001 bestehenden Vertragsverhältnisse ausgewählt worden. Bis zum Testbeginn können sich jedoch noch Änderungen in den Vertragsverhältnissen ergeben, die entsprechend zu berücksichtigen sind.


Die öffentliche Sammlung von Kehricht und Sperrgut in den vier Testgebieten besorgen gemäss heutigen Vertragsverhältnissen (Januar 2001) im Auftrag der Gemeinden folgende Transportunternehmen: Automobilgenossenschaft Sissach-Eptin-gen (AGSE), Eptingen, Firma K. Mohler, Zunzgen, Firma A. Saxer, Basel, Firma H. Vogelsanger & Co, Arlesheim (vgl. Anhang 1). Diese vier Transportunternehmen sind bereit, den Praxistest durchzuführen.




5.3 Standorte Container-Umlade-Stellen (CUS) und Umladestation (ULS)


Als Standorte für die CUS, wo der Direktumschlag der bahngängigen Container auf die Bahn erfolgt, sind im Rahmen dieses Praxistests Münchenstein und Sissach vorgesehen (vgl. Anhang 1). Aus den Gemeinden des Unterbaselbiets wird der Kehricht an der CUS Münchenstein auf die Bahn verladen, aus den Oberbaselbieter Gemeinden erfolgt der Bahnumschlag an der CUS in Sissach.


Als Standort für die ULS ist ebenfalls die Gemeinde Sissach vorgesehen (vgl. Anhang 1). Aus den drei Oberbaselbieter Testgebieten werden die Abfälle mit herkömmlichen Sammelfahrzeugen gesammelt, auf der Waage des Autobahn-Werkhofes in Sissach gewogen und in der ULS Sissach, auf dem Areal der Firma Entso-Tech umgeladen. Für die Dauer des Tests wird bei der Firma Entso-Tech eine provisorische, einfache Umladestation installiert. Für die Unterbaselbieter Gemeinden ist aus Kostengründen im Rahmen dieses Testes kein Kehrichtumschlag in einer ULS geplant.




5.4 Dauer und Ablauf des Praxistestes


Um verlässliche Zahlen zu erhalten, ist der Praxis-test auf die Dauer von insgesamt sechs Monaten angesetzt. Berücksichtigt wurde dabei insbesondere, dass die Fahrzeuge mit Wechselcontainer auch bei winterlichen Verhältnissen (Schnee, tiefe Temperaturen) getestet, resp. in der wärmeren Jahreszeit Aussagen über allfällige Geruchsemissionen bei der Umladestation und bei den Containerumladestellen gemacht werden können.


Der Test wird in zwei Phasen gegliedert (vgl. Abb. 8). In der Testphase 1, die 16 Wochen dauert, werden die Fahrzeuge einmal in jedem Testgebiet der Test-Transportunternehmer eingesetzt (Rotationsprinzip), d.h. nach 4 Wochen wechseln die Wechselsystem-Fahrzeuge die Testgebiete. In der Testphase 2 werden die Fahrzeuge noch einmal reihum eingesetzt, mit einem Wechsel alle zwei Wochen.


Während der ersten Testphase werden die Testresultate laufend ausgewertet, damit die Erkenntnisse für die zweite Phase genutzt werden können. In der zweiten Phase können zusätzliche Parameter aufgenommen werden (z.B. die Wertstoffe). Einzelne Parameter, für die aus der ersten Testphase genügend verlässliche Resultate vorliegen, können ev. auch weggelassen werden.


Abb. 8: Grober Testablauf




Beim Konzept ULS (Kehrichtumlad) sowie beim Konzept AUS setzen die Test-Transportunter-nehmer ihre bisherigen, herkömmlichen Sammelfahrzeuge ein. Der detaillierte Ablauf der Testphase 1 mit dem Rotationsprinzip geht aus Abbildung 9 hervor.


Die Erfassung der Ausgangslage erfolgt während acht Wochen vor Beginn des Praxistestes. Dabei ist für eine gute Vergleichsbasis zu berücksichtigen, dass die Erfassung nicht während den Sommerferien erfolgt.


* Da nur im Oberbaselbiet eine ULS installiert wird, findet im Unterbaselbiet kein Kehrichtumlad in einer ULS statt. Stattdessen wird die Ausgangslage erfasst, d.h. der Kehricht wird per Strasse in die KVA Basel transportiert.


Am Beispiel WS 1 (fett gedruckt) ist das Rotationsprinzip gut ersichtlich.


Abb. 9: Einsatz der verschiedenen Fahrzeuge in den vier Testgebieten nach dem Rotationsprinzip


Am Beispiel des Testgebietes 1 wird das Rotationsprinzip erläutert:


- Während acht Wochen vor Testbeginn protokolliert der Fahrer die Ausgangslage mit dem herkömmlich eingesetzten Fahrzeug.


- Nach Beginn des eigentlichen Tests wird in den Testwochen 1 - 4 weiter das herkömmliche Fahrzeug eingesetzt. Das Fahrzeug fährt zur Entleerung des Abfalls neu zur ULS in Sissach. Das Umladen der Abfälle in bahngängige Container und der Transport dieser Container von der ULS zur CUS Sissach erfolgt durch einen Drittunternehmer.


- In den Testwochen 5 - 8 setzt der Transportunternehmer das Wechselsystem-Fahrzeug WS 3, den beidseitig beladbaren Seitenlader ein. Am Ende der Testwoche 8 gibt das Transportunternehmen den Seitenlader ab und übernimmt den einseitig beladbaren Seitenlader (WS 2) für die nächsten vier Wochen, danach den Hecklader (WS 1) für vier Wochen. Der Bahnumschlag erfolgt jeweils in der CUS in Sissach.


- Am Ende der Testwoche 16 gibt der Transportunternehmer den Hecklader (WS 1) ab. Die Testphase 1 ist damit beendet. Das gleiche Rotationsprozedere wiederholt sich - in kürzeren Intervallen - in der Testphase 2.


Analog danach wird in den übrigen drei Testgebieten verfahren. Im Testgebiet vier wird jedoch an Stelle der ULS direkt die KVA Basel angefahren.


Um ein möglichst gutes Kosten-/Nutzen-Verhältnis für diesen Praxistest zu erreichen, wurde folgenden Punkten Beachtung geschenkt:


- Die Standorte der CUS und der ULS, der Ausbaugrad der ULS und die Anzahl der eingesetzten Wechselsystem-Fahrzeuge sind so optimiert, dass bei möglichst geringen Kosten aussagekräftige Resultate erzielt werden.


- Im Konzept für den Praxistest sind nur zwei CUS vorgesehen, an welchen der Direktumschlag auf die Bahn erfolgen kann: Eine CUS für die Unterbaselbieter Gemeinden in Münchenstein und eine CUS für die Oberbaselbieter Gemeinden in Sissach, Auf eine CUS in Liestal wird aus Kostengründen während dem Praxistest verzichtet. Es kommt somit für einen Teil der Oberbaselbieter Gemeinden vor, dass die Sammelfahrzeuge während des Tests zuerst in Gegenrichtung (z.B. von Liestal nach Sissach) fahren müssen, bevor der Kehricht auf der Bahn Richtung Basler KVA transportiert wird. In einer definitiven Konzeption, die allenfalls später umgesetzt wird, werden Retourfahrten wenn immer möglich vermieden. In einem allfälligen künftigen Konzept WS (Wechsel-system) wären für das Testgebiet ca. vier CUS vorgesehen.


- Dadurch, dass im Praxistest nur zwei CUS angefahren werden, sind die Anfahrtswege aus den Sammelgebieten zu den CUS, wo der Bahnumschlag stattfindet, länger als in einem allfälligen Konzept mit vier CUS. Entsprechend verlängern sich dadurch die Transportzeiten von den Sammelgebieten zur CUS. Aus den während des Praxistests gemessenen Transportzeiten können die effektiven Transportzeiten für ein Konzept mit vier CUS jedoch errechnet werden.


- Im Rahmen des Praxistests wird es nur eine ULS in Sissach geben, die von allen Test-Transportunternehmern des Oberbaselbiets angefahren werden muss. Auch hier kommt es somit für einzelne Fahrten vor, dass zuerst eine Fahrt in Gegenrichtung notwendig ist, bevor der Bahntransport zur KVA erfolgt. Um den organisatorischen und finanziellen Aufwand zu optimieren, wurde auf eine ULS im Unterbaselbiet verzichtet. In einem allfälligen künftigen Konzept ULS wären mehr als eine ULS vorzusehen.


- Ebenfalls im Sinne einer Kosten/Nutzen-Optimierung wird eine provisorische, einfache ULS installiert, die nicht den Ausbaugrad einer definitiven, fest installierten ULS hat. Der Kehrichtumschlag erfolgt ohne Presse, der Bahntransport der Abfälle somit unverpresst (bei einer definitiven ULS müsste der Kehrichtumlad in einer geschlossenen Halle stattfinden und der Kehricht würde über eine Presse in die Bahncontainer verpresst, um höhere Transportgewichte zu erhalten und damit die Transportkosten zu minimieren). Um dennoch den Vergleich mit definitiven Anlagen zu haben, werden die entsprechenden Kenndaten parallel bei in Betrieb stehenden, ausserkantonalen ULS erhoben. Diese Daten werden mit den im Kanton BL während des Praxistests erhobenen Werten verglichen. Dank diesen Vergleichsdaten sind verlässliche Aussagen zum Kehrichtumlad in einer definitiven ULS möglich.




5.5 Messgrössen und Art der Datenaufnahme


Die Messgrössen und die Art der Datenaufnahme ist in Abbildung 10 dargestellt.


Die Daten von Sammlung und Transport werden mehrheitlich durch die Fahrer, über das Ausfüllen eines einfachen Protokollblattes, erfasst. Die Touren werden aber auch durch Mitglieder des Test-Teams (Amt für Industrielle Betriebe und das beauftragte Ingenieurbüro) tageweise begleitet und protokolliert. Die Erfahrungen der Test-Transport-unternehmer, der Fahrer und Belader werden über persönliche Befragungen durch das Test-Team und in Gesprächen während den Tagesbegleitungen aufgenommen. Ebenso werden die Erfahrungen der Gemeindebehörden erfasst. Die Meinungen und Rückmeldungen aus der Bevölkerung zur Bereitstellung des Abfalls bzw. zu dessen Einsammlung werden in einer Umfrage gezielt nachgefragt.


Aus den erhobenen Daten können weitere Leis-tungsdaten wie Sammelleistung, Transportleistung, Einsatzzeiten, O-Beladungen der Fahrzeuge etc. errechnet werden. Aufgrund der erfassten Zeiten werden über ASTAG-Stundentarife die Kosten für Sammlung und Transport berechnet. Durch Aufnahme der Ausgangslage können die Zeiten und Kosten des kombinierten Transports mit den Daten der Ausgangslage für die Verhältnisse im Kanton BL direkt verglichen werden.


Weiter wird der Aufwand in der ULS für Entgegennahme und Umlad des Kehrichts in Container, Transport zur CUS, Bahnumschlag und Rücktransport der leeren Container erfasst. Die Daten werden mit fest installierten, ausserkantonalen Umladestationen verglichen und die Kosten für Betrieb und Unterhalt der ULS (inkl. Personal) berechnet.


Mit den gewonnenen Daten kann schliesslich die Oekobilanz für alle getesteten Konzepte und Sys-teme erstellt werden. Somit kann am Schluss des Praxistests dem (finanziellen) Aufwand der verschiedenen Konzepte und Systeme deren (Umwelt-) Nutzen gegenübergestellt werden.


Abb. 10: Messgrössen und Art der Datenaufnahme




5.6 Realisierung


Bei Bewilligung des Verpflichtungskredites durch den Landrat und nach ungenutztem Ablauf des fakultativen Finanzreferendums kann damit gerechnet werden, dass im Herbst/Winter 2001 mit der Testphase 1 begonnen werden kann. Bereits in den vorangehenden Monaten werden aber die Daten der Ausgangslage "AUS" im gesamten Testgebiet erfasst.


Der Praxistest wird damit im Frühjahr/Sommer 2002 abgeschlossen sein. Danach soll innerhalb von drei Monaten die detaillierte Auswertung erfolgen.




5.7 Rahmenbedingungen


Das Testkonzept wurde unter Berücksichtigung folgender - insbesondere für die betroffenen Gemeinden und die beteiligten Abfuhrunternehmer entscheidenden - Rahmenbedingungen erstellt:


- Den beteiligten (und auch den nicht beteiligten) Gemeinden und Transportunternehmern entstehen durch den Praxistest keine Mehrkosten. Die bisherigen Kosten für die öffentliche Sammlung in den Gemeinden laufen somit unverändert weiter. Sämtliche zusätzlichen Kosten für die Durchführung des Praxistests (Fahrzeug-/Containermiete, Kehrichtumlad in Umladestation, Bahntransport etc.) werden vollumfänglich der Abfallrechnung des Kantons belastet.


- Das bisherige Entsorgungskonzept der einzelnen Gemeinden wird während des Praxistests KOMBITRANS nicht verändert: Bisherige Bereitstellung und Sammelroute sowie bisheriger Entsorgungsturnus bleiben bestehen. Die Entsorgungssicherheit wird während des Tests im bisherigen Rahmen garantiert: Kein Dienstleistungsabbau im Vergleich zur Ausgangslage. Ebenso werden Statistik und Fakturierung wie bisher weitergeführt.




5.8 Auswirkungen


Die Resultate des Praxistests liefern die notwendigen Kenntnisse und Daten, aufgrund derer die verschiedenen Varianten für eine allfällige Umsetzung des kombinierten Abfalltransports Strasse/Schiene miteinander und gegenüber der Ausgangslage verglichen und die Best-Variante aus ökologischer und ökonomischer Sicht ermittelt werden kann.


Nur unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus dem Praxistest wird es möglich sein, ein allenfalls neues Entsorgungskonzept bei grösstmöglicher Akzeptanz in unserem Kanton einzuführen. Die Durchführung des beschriebenen Praxistests ist deshalb zur Entscheidungsfindung von grosser Bedeutung.



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