Vorlage an den Landrat

5. Kostenentwicklung


5.1 Kostenvoranschlag und Kredit


Der bis heute für das Kantonsspital Liestal bewilligte Kredit für das Projekt "KSL 95", inklusive Zusatzkredit vom 11. Februar 1999 und inklusive den Kosten für das Vorprojekt, beträgt 153,8 Mio. Franken, gemäss folgender Zusammenstellung:


Kreditbeschlüsse:




5.2 Kostensituation heute


Die unter Punkt 4.2 und 4.3 aufgezeigten Projektanpassungen und Projekt- und Kostenentwicklungen zeigen nun auf, dass der bewilligte Kredit von 153,8 Mio. Franken (Preisstand April 1998) entgegen allen Erwartungen und trotz zahlreicher Massnahmen nicht eingehalten werden kann.


Die Gesamtverantwortung über das Bauprojekt liegt seit dem 19. Dezember 2000 beim Hochbauamt. Mit der Übernahme sämtlicher Bauakten ging auch das Kostenmanagement an das Hochbauamt über. Zum Zeitpunkt der Projektübergabe am 19. Dezember 2000 wies die Arcoplan Generalplaner AG eine aktuelle Endkostenprognose von 156,2 Mio. Franken aus, darin enthalten sind noch Reserven von 0,23 Mio. Franken.




5.2.1 Vorgehen Kostenüberprüfung


Die Vorsteherin der Bau- und Umweltschutzdirektion erteilte dem Hochbauamt mit dem Ausscheiden von Arcoplan Generalplaner AG den Auftrag, das Rechnungswesen aufzuarbeiten und die Endkosten zu überprüfen und zu aktualisieren. Dazu wurden Unternehmer und Haustechnikplaner aufgefordert, zu jedem einzelnen Vertrag schriftlich bestätigte Detailangaben zum Abrechnungsstand sowie den noch ausstehenden Arbeiten zu machen. Diese Angaben wurden überprüft und vor allem im Bereich der Haustechnik durch diverse Besprechungen mit den Planern hinterfragt. Ebenfalls wurde eine exakte Leistungsabgrenzung angestrebt. Innerhalb von vier Monaten wurden unzählige Rechnungsbereinigungen vollzogen. Die 1. Bauetappe im Bettenhaus 1 ist per 30. April 2001 bereits über 95% abgerechnet. Ebenfalls wurden im Bereich der Mängelbehebungen in sämtlichen Teilobjekten die Akten der Arcoplan Generalplaner AG und auch der weiteren Fachplaner aufgearbeitet und noch offene Kosten erfasst. Seit dem 30. April 2001 liegt die bereinigte Kostenprognose nun vor.




5.2.2 Mehrkosten


Die bereits befürchteten Mehrkosten gegenüber dem bewilligten Projekt Stand Februar 1999 haben sich bestätigt. Basierend auf einem Kostenvergleich KV genehmigt und indexiert per April 2000 von Franken 154, 96 Mio. (vgl. Ziffer 8.1 hienach) muss mit


Mehrkosten für die Realisierung des Projekts "KSL 95" von Fr. 12'600'300.--


gerechnet werden. Grössere Abweichungen in den Kosten sind im Teilobjekt Bettenhaus 1, Zentrum (Haustechnikzentrale) und Behandlung (Operationstrakt) zu verzeichnen.


Über die Hälfte der entstandenen Mehrkosten fallen im Bereich Elektro an, die von der Arcoplan Generalplaner AG direkt betreuten Arbeitsgattungen fallen ebenfalls stark ins Gewicht. Diese Schwergewichte widerspiegeln die unter Punkt 4.3 aufgezeigte Kostenentwicklung. Wesentliche Projektänderungen haben seit dem Zusatzkredit vom 11. Februar 1999 nicht stattgefunden. Es handelt sich bei den Kosten somit zu einem grossen Teil um eigentliche Mehraufwendungen. Wie lassen sich diese zum heutigen Zeitpunkt erklären?


a) Der Kostenvoranschlag aus dem Jahr 1993, basierend auf einem Projekt mit lediglich Massstab 1:200 mit Detailstudien (Stand Dezember 1992), war vor allem für die betroffenen Umbau-Teilobjekte zu tief kalkuliert worden. Der effektive Aufwand wurde klar unterschätzt. Diesen Mehrkosten steht somit ein Mehrwert gegenüber.


Zum Vergleich: Heute liegt einer Baukreditvorlage wegen der grösseren Genauigkeit immer ein Projekt im Massstab 1:100 zu Grunde. Ebenfalls folgt nach der Genehmigung des Projekts eine relativ lange Planungsphase, die Vorbereitung zur Ausführung. Nach den heutigen Standards des Hochbauamts wird ein Bauvorhaben erst dann begonnen, wenn 70% der Arbeiten ausgeschrieben und vergeben sind. Dies erlaubt eine erste grosse Überprüfung, ob Kostenvoranschlag und Projektbeschrieb eingehalten werden können. Die Verfeinerung des Projekts fand im vorliegenden Fall laufend statt, Abweichungen zum Kostenvoranschlag konnten somit nicht vorausschauend, sondern erst bei Abschluss der Arbeiten festgestellt werden.


b) Heute wissen wir, dass sowohl Arcoplan Generalplaner AG wie auch die Fachplaner zum Zeitpunkt der ersten Zusatzkreditvorlage im Jahr 1998 eine Endkostenprognose auf der Basis von ungenügenden Grundlagen abgegeben haben. Zum heutigen Zeitpunkt wurde mit einer genaueren Untersuchung und Erarbeitung des effektiven Bedarfs und der Kosten durch das Hochbauamt das effektive Ausmass erkannt. Durch eine umfassendere Projektaufarbeitung durch alle beteiligten Planer zum Zeitpunkt der Zusatzkreditvorlage (LRB vom 11. Februar 1999) hätte der grösste Teil der heute zu beantragenden Mehrkosten bereits damals bekannt sein können.


c) Die Mehrkosten sind auch auf mangelnde Planerleistungen, insbesondere im Bereich der Ausschreibung und der Bauleitung, zurückzuführen. Diese Aussage wird bestätigt durch das Schiedsgutachten, welches im Zusammenhang mit dem Elektroplaner erstellt worden ist. Eine fundierte Aussage über die Leistungserbringung der Firma Arcoplan Generalplaner AG sowie über deren Mitverantwortung an den entstandenen Mehrkosten im Bereich Bau kann erst nach Abschluss der hängigen Verhandlungen bzw. des allfälligen Schiedsgerichtsverfahrens gemacht werden. Die Bau- und Umweltschutzdirektion hat zur Beurteilung dieser Leistungen ein Gutachten in Auftrag gegeben.


d) Durch die Tatsache, dass ein Bauprojekt mit einem groben Detaillierungsgrad vorlag, wurde der Nutzer im Rahmen der rollenden Planung sehr stark während dem gesamten Bauverlauf in die Planung und das Projekt einbezogen. Dieser hat laufend seine Bedürfnisse entsprechend dem aktuellen Stand des Betriebskonzepts, aber auch des technischen Fortschritts, eingebracht. Oftmals führten Sicherheitsstandards im Spital zu Projektanpassungen. Wir stellen fest, dass vor allem im Bereich der Haustechnik im Kantonsspital Liestal Anlagen erstellt und eingebaut wurden, die einen eher hohen Standard aufweisen. Dieser Mehrwert führte zu Mehrkosten. Im Wissen um den rasant verlaufenden technischen Fortschritt sind diese Investitionen vertretbar.


e) Die in den letzten beiden Jahren gemachten Erfahrungen im Hochbauamt zeigen heute auf, dass die Leitung des Hochbauamts die Projektbegleitung des Projekts "KSL 95" seit der Planungsphase, aber insbesondere auch während der Ausführungsphase, unterschätzt hat. Das Hochbauamt hat die ihm obliegende Bauherrenfunktion wahrgenommen, und gemäss Projekthandbuch liegt die Gesamtprojektleitung bei der Arcoplan Generalplaner AG. Das Hochbauamt hat sich bezüglich laufender Überprüfung von Bestellungen, Ausschreibungen und Ausführungen auf Arcoplan und die Fachplaner als Treuhänder der Bauherrschaft verlassen. Erst durch den zusätzlichen, aussergewöhnlichen Einsatz des mehrköpfigen Teams des Hochbauamtes im 1. Quartal 2000 konnten Unzulänglichkeiten aufgedeckt werden. Künftig soll bei ähnlichen Projekten dieser Erfahrung in geeigneter Weise Rechung getragen werden.




5.2.3 Neu zu schaffende Reserve


Im Betrag der zu erwartenden Mehrkosten sind keine Reserven enthalten. Da es sich bei den noch ausstehenden Bauarbeiten um intensive Umbauarbeiten handelt, wird eine vernünftige neue Reserve in der Grössenordnung von 5% auszuweisen sein. Diese beträgt total Fr. 1'316'000.--




5.3 Bisher eingegangene Verpflichtungen/aktueller Rechnungsstand


Im Rahmen der Realisierung des Gesamtprojektes sind Verpflichtungen eingegangen worden, welche aus den Werkverträgen mit den Unternehmern, den Planerverträgen sowie den Nebenkosten (Anschlussgebühren etc.) bestehen.


Total dieser Verpflichtungen bis Mitte Mai 2001 Fr. 144'802'000.--


Den eingegangenen Verpflichtungen stehen ausgelöste Arbeiten und ein aktueller Zahlungsstand gegenüber:


Somit liegen die eingegangenen Verpflichtungen noch um Fr. 9'983'000.--, die ausgelösten Leistungen um 13'625'300.-- unter dem per April 2000 indexbereinigten Kredit von Fr. 154'960'000.-- (vgl. Ziffer 8.1).




5.4 Handlungsspielräume/Einsparmöglichkeiten


Es besteht das klare Ziel, das Gesamtprojekt Kantonsspital Liestal zu Ende zu führen und dem Nutzer ein betriebsbereites und mängelfreies Bauwerk zeitgerecht übergeben zu können. Um dieses Ziel erreichen zu können, sind sämtliche als Mehrkosten beantragten Leistungen auszuführen. In Anbetracht des fortgeschrittenen Projektstands sind keine wesentlichen Einsparungen möglich.



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