Vorlage an den Landrat

3. Rückblende bis 1989


3.1 Genehmigtes Bauprojekt


3.1.1 Kosten und Termine


Am 2. Mai 1990 hatte der Regierungsrat einen ersten Beschluss für den Ausbau und die technische/energetische Sanierung des Kantonsspital Liestal gefällt und dabei (Preisbasis Oktober 1990) ein Kostendach von 135 Millionen Franken festgelegt. Ein erstes Gesamtprojekt ging 1989 noch von Fr. 165 Mio. aus. In den Jahren 1992 und 1993 ist, vor allem im Hinblick auf die engen Kostenvorgaben, das Bauprojekt "KSL 95" entwickelt worden. Es führte zu einem Kostenvoranschlag von 136,2 Mio. Franken (Preisstand Oktober 1992). Der Landrat hat im Mai 1994 diesen Kredit bewilligt. Reserven waren aber im Kreditvolumen keine vorgesehen , obwohl es sich eingestandenermassen um ein sehr komplexes Bauvorhaben bei laufendem Betrieb handelte. Zur Kostengenauigkeit war in der entsprechenden Landratsvorlage zu lesen, dass gemäss SIA-Ordnungen die Kostenermittlungen einen Genauigkeitsgrad von plus/minus 10 Prozent aufweisen. "Die derzeitige Wirtschaftslage, im besonderen in der Baubranche, erschwert eine akkurate Kostenermittlung für ein komplexes Bauvorhaben, dessen Realisierung sich über das Jahr 2000 hinstrecken dürfte" (Vorlage 93/122). Vor Baubeginn wurde auf Beschluss der Baukommission "KSL 95" der Kostenvoranschlag linear um 5 Prozent reduziert, um auf diese Weise doch noch "Reserven" zu schaffen. Im April 1995 war der Spatenstich.




3.1.2 Auftrag an die Planer


Am 19. Dezember 1989 hatte der Regierungsrat die bestens renommierte, insbesondere auch auf Spitalbauten spezialisierte Firma Suter+Suter AG, Basel, mit der Erarbeitung eines Vorprojekts als Generalplaner beauftragt. Der Landrat bewilligte am 20. Juni 1991 das entsprechende Vorprojekt.


Ende 1994 wurde über die Suter+Suter AG das Nachlassliquidationsverfahren eröffnet. Es wurde deshalb notwendig, die Planerleistungen neu zu vergeben. Die im Haus Suter+Suter AG selber erbrachten Fachplanerleistungen in den Bereichen Architektur und Elektroplanung wurden durch die gegründeten Nachfolgefirmen Arcoplan Generalplaner AG und Suter+Suter Planer AG weitergeführt. Mit diesen beiden Nachfolgefirmen und den weiteren, durch die Suter+Suter AG beauftragten Fachspezialisten, wurden auf der materiellen Basis des vorbestandenen Generalplanervertrags Einzelverträge abgeschlossen. Diese Beauftragungen, umfassend insbesondere auch die Bauleitung und die Kostenkontrolle, erfolgten, damit sich einerseits der Bauverlauf nicht unnötig verzögerte und andererseits das gesamte erarbeitete Projektwissen zur Erfüllungen der komplexen Arbeiten sichergestellt werden konnte.




3.2 Zusatzkreditvorlage


3.2.1 Anpassung des Projektes KSL 95


Die langfristige Flexibilität der Spitalstruktur und der räumlichen Organisation stand bei diesem Bauvorhaben schon immer im Vordergrund. So stand in der bereits zitierten Vorlage von 1993: "Auch wenn durch die jetzt vorgesehenen baulichen Massnahmen die derzeitigen Bedürfnisse bezüglich Raum- und Flächenangebot weitgehend abgedeckt scheinen, so ist dennoch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass sich auch inskünftig die Bedürfnisse und Anforderungen im Krankenhauswesen ändern und weiterentwickeln dürften." Vor diesem Hintergrund war es geradezu wichtig, dass in der mehrjährigen Planungs- und Bauzeit insbesondere auch von Nutzerseite im Zuge der etappenweisen Detailplanung und Vorbereitung der konkreten Ausführung ergänzende Anpassungen und Änderungen betrieblicher, medizinischer und technischer Art in das Projekt eingebracht worden waren.


Ging es zum Zeitpunkt des ersten Investitionsentscheids im Mai 1990 noch darum, ein Kantonsspital klassischen Zuschnitts zu sanieren, so hatte sich das Projekt "KSL 95", auch angesichts der Auswirkungen des neu geschaffenen Krankenversicherungs-Gesetzes (KVG), immer mehr zu einem Zentrumsspital gewandelt.


Diese sich ändernden Randbedingungen sowie neue unternehmerische und medizinische Bedürfnisse forderten angesichts des Kostendachs alle Beteiligten wohl stärker, als ursprünglich vorauszusehen war. Insbesondere gerieten sie in einen Konflikt zwischen der allgemeinen Zielsetzung, Flexibilität zuzulassen und künftige Entwicklung zu ermöglichen und dem Kostenrahmen. Im Verlaufe der Bauarbeiten kam es so zu Zusatzleistungen, die im Jahre 1998 erfasst worden waren und die sich in fünf Kategorien einteilen lassen:




3.2.2 Projekt- und Kostenentwicklungen


Im Laufe der Projektentwicklung erwies es sich als zunehmend schwierig, den von der Baukommission um 5% reduzierten Kostenvoranschlag einzuhalten, zumal die verschiedenen im vorangehenden Kapitel aufgezeigten Projektänderungen und -anpassungen, insbesondere in den Bereichen der Haustechnik, Zusatzkosten auslösten. Zudem zeigte sich, dass im Gegensatz zur rückläufigen Entwicklung des Baukostenindexes die Marktpreise im Bereich Haustechnik massiv anstiegen, was zu Mehrkosten gegenüber dem Kostenvoranschlag führte.


Im April 1998 deckte die Bau- und Umweltschutzdirektion erstmals eine wesentliche Kostenerhöhung auf. Die auf sofortige Anordnung der Bau- und Umweltschutzdirektion vorgenommene Überarbeitung der Kostenprognose zeigte, dass für die Realisierung des Projekts "KSL 95" ein Zusatzkredit notwendig wurde. Dieser setzte sich wie folgt zusammen:


Der Landrat genehmigte am 11. Februar 1999 diesen Zusatzkredit von Fr. 18'280'000.-- (Preisstand April 1998). Gleichzeitig bewilligte er als neue Ausgabe einen weiteren Kredit von 2,2 Mio. Franken für die Sanierung von Sanitärräumen im Bettenhaus 1.




3.2.3 Massnahmen / Projektcontrolling


Die laufende Kostenkontrolle hatte sich im Wesentlichen auf die Angaben der beigezogenen Fachplaner gestützt, und die Arbeiten im Hinblick auf den Antrag für den ersten Zusatzkredit zeigten Handlungsbedarf hinsichtlich der Kostenkontrolle auf. Die Vorsteherin der Bau- und Umweltschutzdirektion beauftragte deshalb umgehend das Hochbauamt, begleitet von der Abteilung für Wirtschaft und Finanzen/Controlling (AWF) der Bau- und Umweltschutzdirektion sowie der Finanzkontrolle, ein Projekthandbuch auszuarbeiten. Dieses regelt das Projekt- und Kostenmanagement mit den Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, aber auch den Informationsfluss sowie Qualitätsschwerpunkte. Hauptthemen sind u.a. Verfahrensanweisung (Kostenkontrolle, Rechnungswesen), Vorgehen bei Änderungen, die Ausführungsplanung und Bauleitung sowie das Regiewesen.


Die Einführung des Projekthandbuchs als Controllinginstrument erfolgte mit dem Ziel, die in den Planerverträgen und Weisungen Hochbauamt geregelten Verfahrensabläufe nochmals und mit Nachdruck schriftlich festzuhalten und somit für die weitere Projektarbeit das Controlling zu verstärken.


Ebenfalls wurde das Kostenreporting neu geregelt und intensiviert. Die mit der Kostenkontrolle beauftragte Arcoplan Generalplaner AG wurde aufgefordert, die Bauherrschaft nicht nur halbjährlich, sondern monatlich mittels eines aktualisierten Kostenrapports über den Kosten- und Projektstand zu informieren.


Diese Rapporte werden seit dem 4. Quartal 1998 zu Handen der Bau- und Umweltschutzdirektion erstellt. Einzelne Rapporte wurden von der Finanzkontrolle einverlangt. Zudem informiert das Hochbauamt monatlich die Direktionsvorsteherin über den Projektverlauf und erstellt, basierend auf den Kostenrapporten, Quartalsrapporte zu Handen der Direktion.



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